Mindestlohn und Effizienz
05. Dezember 2007 von Spiegelfechter - Drucken
In der Volkswirtschaftslehre spricht man von Effizienz, wenn eine bestimmte Allokation von Ressourcen die Wohlfahrt aller Mitglieder der Gesellschaft maximiert.
In der Betriebswirtschaftslehre spricht man von Effizienz im Sinne einer Zielerreichung mit geringstem Aufwand bzw. die richtigen Mittel zur Zielerreichung innerhalb einer Organisation einzusetzen.
Durch die Abschaffung des Briefmonopols wird kein einziger Brief mehr geschrieben, es geht also um den gleichen Kuchen, der durch die elektronische Konkurrenz sogar tendenziell kleiner wird. Allerdings soll dieser Kuchen nun unter mehreren Essern aufgeteilt werden. Privatisierungsfans argumentieren stets, die Preise würden im Wettbewerb fallen und hochinnovative Produkte würden nur in einem offenen und freien Markt entstehen. Ob es wirklich so fürchterlich innovativ ist, seinen Brief bei einem Kleingewerbler, der eine Annahmestelle betreibt, abzugeben, anstatt ihn einfach in den Briefkasten zu schmeißen, darf bezweifelt werden. Dass der Wettbewerb, der nicht auf den Schultern der Angestellten ausgetragen werden soll, keine günstigeren Preise für den Kunden abwerfen kann, haben die neuen Wettbewerber selbst bewiesen, indem sie sich vom Markt verabschieden wollen, wenn sie ihre Lohnsklaven nicht zu Hungerlöhnen anstellen dürfen..
Da der Kuchen gleich groß bleibt, ist auch die Zahl der auszuliefernden Briefe konstant. Ein Post-Briefträger trägt also weniger Briefe aus, wenn die Konkurrenz Marktanteile gewinnt; dennoch geht er die gleiche Strecke. Bei konstanten Preisen und konstanten Löhnen wäre dies mit einem Profitrückgang verbunden. Es kann nicht effizient sein, wenn drei verschiedene Briefträger den gleichen Weg mit einer Tasche gehen, die nur zu einem Drittel gefüllt ist, wenn die Alternative ein Briefträger mit einer vollen Tasche wäre. Um die herrliche Vielfalt zu ermöglichen, gibt es zwei Möglichkeiten - man kann die Einnahmen erhöhen, oder die Kosten senken. Die Einnahmen zu erhöhen, ist für Neueinsteiger schwer umsetzbar - so etwas ist Monopolisten vorbehalten. Die Kosten zu senken, ist heutzutage aber sehr einfach. Man minimiert die Löhne, so daß es auch profitabel sein kann, drei Menschen den Job machen zu lassen, den einer machen könnte.
Betriebswirtschaftlich macht das Sinn, volkswirtschaftlich wäre es jedoch ineffizient, wenn man die Niedriglohnproblematik herausliesse und es keine Marktverschiebung durch Hartz-IV gäbe. In der Realität würde das ganze sogar auf eine schädliche Umverteilung hinauslaufen - die Unternehmer würden Gewinne einfahren, die von den Briefträgern durch Lohnverzicht erwirtschaftet werden. Da von diesen Hungerlöhnern niemand leben kann, ist es der Steuerzahler, der über Hartz-IV die Differenz zwischen Hungerlohn und Existenzminimum zu tragen hat. Es handelt sich also um eine Umverteilung im doppelten Sinne. Diese Ineffizienz ist natürlich bekannt, nicht umsonst bekleidet das INSM-Mitglied Florian Gerster das Amt des Verbandsvorsitzenden der neuen Postdienstleister - der Florian Gerster, der aus dem alten Arbeitsamt die moderne effiziente “Agentur für Arbeit” machen sollte und dabei an seiner Inkompetenz und seiner Großmannssucht gescheitert ist. Ein “Reformer“, wie er im Buche steht.
“Unternehmen, deren Existenz lediglich davon abhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollen in diesem Land kein Recht mehr haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben. [] Mit einem zum Leben ausreichenden Lohn meine ich mehr als das bloße Existenzminimum – ich meine Löhne, die ein anständiges Leben ermöglichen.”
Franklin D. Roosevelt
Der von der Großen Koalition für das Postgewerbe beschlossene Mindestlohn ist also volkswirtschaftlich effizient und betriebswirtschaftlich ineffizient. Zum Glück ist es noch nicht die Aufgabe der Politik, betriebswirtschafltiche Effizienzen den volkswirtschaftlichen Effizienzen gegenüber vorzuziehen. Auch wenn das oft der Fall ist und von INSM, den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden wie auch ihren Sprechern, die sich Wirtschaftsweisen nennen, so gefordert wird. Im Allgemeinen enden solche raren Entscheidungen für das Allgemeinwohl und gegen die Interessen Weniger im üblichen Sermon - “Wir gehen ins Ausland, Deutschland geht vor die Hunde, das ist uns zu viel DDR”. So lange man allerdings in Deutschland auch weiter den Staat und abhängig Beschäftigte schröpfen kann, bleiben es in der Regel nur hohle Phrasen.
„Die dunkle Seite der Macht ist der Pfad zu mannigfaltigen Fähigkeiten, welche manche von uns für unnatürlich halten.“
Star Wars
Diesmal könnte sich das aber ändern - die Gefahr ist gegeben, dass den wirklich mächtigen Vampiren der mordernen Reformergesellschaft “Frischblut” vorenthalten wird. Kein anderer als der Springer-Verlag wollte mittels Lohndumping seine Gewinne anheben. Und wer die Dunkle Seite der Medienmacht und ihre Schattenkrieger in den Redaktionen kennt, der weiß, dass es diesmal um mehr geht, als um normale Politik. Deutschlands Gossenblatt Nr.1 tat so ziemlich alles, was in seiner Macht stand, um den Mindestlohn zu diskredieren. “Neutrale” Experten, wie Floran Gerster, Hans-Werner Sinn, weitere INSM-Prediger und auch PIN-Chef Günhter Tiel schossen in BILD ihre giftigen Pfeile ab und manipulierten das Publikum - freilich ohne dass der Anwalt des kleinen Mannes erwähnte, dass sein Verlag größter Nutzniesser von Hungerlöhnen im Postbereich ist. Konsequenterweise zog die Deutsche-Post AG ihre Anzeigen aus der Spinger-Presse zurück. 800.000 Euro Mindereinahmen für den Verlag. Es dürfte klar sein, in welchem Lichte die Post zukünftig in der BILD dargestellt wird.
Mit dem Springer-Verlag hat sich vor allem die SPD einen mächtigen Feind gemacht, wusste doch schon der verblasste Medienkanzler Schröder, dass man nur mit “BILD, BAMS und Glotze” regieren kann. Das Durchsetzen eines Mindestlohnes im Postgewerbe gleicht dem Wurf eines Fehdehandschuhs. Auch wenn es nicht etwa der Mindestlohn ist, der Springers PIN-Group zu den medial ausgeschlachteten Entlassungen führte, sondern Managementfehler des Konzerns, so wird man im Springer-Hochhaus nie vergessen, wer es gewagt hat, die Dunkle Seite der Macht herauszufordern.
p.s.: Der Autor dieses Artikels geht mit gutem Beispiel voran und zahlt seiner Raumpflegerin gerne sogar mehr als den Mindestlohn.
Jens Berger
Bildnachweis (von oben nach unten): Inida.de, Die LINKE, BILDBlog, F!XMBR
Kategorie: Deutschland, Medien, Neoliberalismus, Wirtschaft | 83 Kommentare






























































Im Leben des Herrn Malzahn hat alles seine Ordnung: Der Ami ist gut und der Muselmane ist eine Bedrohung. Wenn das Volk seine Ansichten nicht teilt, kann der Herr Malzahn
Über das innere Machtgefüge in Iran weiß man heute noch weniger als vor 30 Jahren über die politischen Strukturen im Kreml.
… und auch dem Führer hat niemand geglaubt, außer Malzahns Vorgänger. Dass Iran über eine Bombe verfügen würde, hat indes noch nicht einmal der hartgesottenste NeoCon behauptet - Malzahns Welt gerät so langsam aus den Fugen. War er denn der einzige, der dies glaubte?
[] Doch seit gestern können auch die amerikanischen Neokonservativen die hetzerische Rhetorik und die praktische Politik in Iran nicht mehr gleichsetzen.
Wenn die iranische Führung so denken würde, wäre es eher irrational. Hätte der verschrobene Mann mit dem Altherrenjäckchen so gedacht, stünden die Amerikaner auch schon in Pjöngjang. Rational betrachtet, stellt die atomare Abschreckung immer noch den besten Schutz vor Invasoren dar. Da Herr Malzahn die Iraner aber per se für Täter und die Amerikaner per se für gerechte Weltpolizisten hält, ist ihm eine solche Form der defensiven Rationalität freilich fremd.
Deswegen bedeuten die US-Erkenntnisse auch nicht, dass die westliche Drohkulisse nun überflüssig geschweige denn unnötig gewesen wäre. Im Gegenteil. Sie hat offenbar Wirkung gezeigt - und zwar seit der Zeitenwende 1990 zum ersten Mal. In Bosnien, im Kosovo, in Afghanistan und im Irak haben sich die Despoten verschätzt und bezahlten dafür mindestens mit Machtverlust, manchmal mit dem Leben - in Iran war man offenbar klüger.
Für Ahmadinedschad aber ist die Sache wesentlich brenzliger. Ohne Bombe steht er fast so nackt da wie der Kaiser ohne Kleider
Wir erinnern uns: In einem Beitrag im August dieses Jahres warf ich
Dass CEO Zumpe vor seinem Trupoli-Engagement als Projektmanager der Politikberatungsfirma des „umtriebigen“ Horst Teltschik tätig war, hatte ich 

Problematisch wird es in Fällen von vermissten oder ermordeten Kindern immer dann, wenn die Eltern entweder geschäftstüchtig, skrupellos und profilneurotisch sind, geschäftstüchtige, skrupellose und profilneurotische Berater und Anwälte haben oder auf geschäftstüchtige, skrupellose und profilneurotische Journalisten treffen. Im Fall McCann trafen wahrscheinlich alle dieser Punkte zu, anders ist der mediale Hype, der sich nun schon über ein halbes Jahr hinstreckt, kaum zu erklären. Ein gefundenes Fressen für die Medien, um das verschwundene Kind geht es dabei schon lange nicht mehr. Die Eltern sind Stars, Personen im Fokus des öffentlichen Interesses und werden gnadenlos verramscht, um Quote zu machen. Durch private Spenden hat das Ärzteehepaar mittlerweile über eine Million Pfund für einen Fonds eingesammelt, der Medienkampagnen, Medienberater, Anwälte und die Hypotheken für das Haus der McCanns bezahlt – letzteres stieß allerdings auf öffentliche Kritik, als die McCanns selbst unter Mordverdacht gerieten. Mit dem Geld einen Fonds für Kinder in Not einzurichten, ist den McCanns sicher nie in den Sinn gekommen.
Während der Hype Deutschland wie ein nicht schwächer werdender Sturm überzieht, trifft er Großbritannien wie ein Orkan. Kein Tag ohne „Breaking-News“, über faule portugiesische Beamte, arabische Sklavenhändler, marokkanische Kinderhändler und alles, was ins xenophobe Bild des britischen Boulevards passt. Alles? Nein, das Lieblingsthema des britischen Boulevards ließ sich bis jetzt noch nicht verwursten – „Don´t mention the war“, wo bleiben die Pickelhauben, Nazis und humorlose Hunnen? Zum Glück gibt es noch die Titanic, das Urgestein der Satire, das sich stets zynisch und im stetigen Kampf mit der geschmacklichen Schmerzgrenze über gesellschaftliche und politische Themen lustig macht. In ihrer aktuellen Ausgabe persifliert die Titanic den Medienhype um Maddie McCann anhand einer 
Der Anwalt der McCanns zeigte indes, wie recht die Titanic mit ihrer Satire doch hat. Ihn stört weniger der Inhalt, als mehr die Copyrightverletzung. „Das Magazin hat nicht nach einer Abdruckgenehmigung gefragt“, denn,
Als Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert den mechanischen Buchdruck erfand, nahm er dem Medium „Buch“ seine Exklusivität. Ideen konnten sich fortan mit einem wesentlich geringeren Kapitaleinsatz und ohne Zustimmung der klösterlichen Schreibstuben vervielfältigen. Diese „dritte Medienrevolution“ hat nicht nur maßgeblich zur Reformation, sondern auch zur Aufklärung geführt. Zu Gutenbergs Zeiten fühlten sich die schönschreibenden Mönche ihrer Deutungshoheit beraubt - eine Demokratisierung des Wissens und eine Relativierung der herrschenden Meinung waren für sie und ihre Position gefährlich.
Mit diesen kruden Thesen eröffnete Schirrmacher in seiner
Schirrmacher schafft es nicht zwischen Inhalt und Medium zu unterscheiden. Das Internet sei weniger glaubhaft, weil neben einem Online-Artikel im gleichen technischen Kommunikationskanal auch Sex und Gewalt ihr Dasein frönen – gut, dass die FAZ im Kiosk immer separat von Schmuddelerzeugnissen, wie der BILD oder den Trucker-Pornos vertrieben wird. Man könnte ja sonst vom Medium auf den Inhalt schließen. In typisch feuilletonistisch aufgeblasener Schönschwätzer-Entrücktheit erkennt Schirrmacher in dem Medium „Zeitung“ ein „retardierendes“ Moment der gesellschaftlichen Kommunikation, das gerade aus diesem Grunde „unverzichtbar“ sei. Mit der Geschwindigkeit des Internets kann das Medium „Zeitung“ natürlich nicht konkurrieren und sollte dies auch gar nicht versuchen – ein großer Vorteil des Mediums Internet ist allerdings die Archivierungsfunktion. Im Netz sind bei kompetenter Suche auch Artikel zu finden, deren „retardierendes“ Moment konserviert ist. Man schreibt (idealisiert ausgedrückt) für die Ewigkeit und nicht für den schnellen Moment. Ist die Zeitung längst im Altpapier verstaut, lebt der Artikel im Internet noch lange Zeiten weiter. Schirrmacher vermag es nicht, die schnelle Nachrichtenmeldung mit kurzer Halbwertzeit vom nachhaltigen Artikel zu trennen.
Sicher täte man ihm allerdings unrecht, den altehrenwürdigen Zeitungen die Qualität ihrer Reportagen, feuilletonistischen Rezensionen oder Hintergrundberichte abzusprechen – natürlich sind sie es, die über das journalistische Personal und das Kapital verfügen, qualitativ hochwertige Berichte zu erstellen. Allerdings bewegen sie sich in einer Zwickmühle – dieser glaubwürdige und qualitativ hochwertige Content ist alleine nicht zu vermarkten, das zeigen die Auflagenstärken und Quoten von Fachpublikationen. Die klassischen Inhalte einer Zeitung, also Nachrichten und Kommentare aus dem Bereich der Politik, sind es, die aus einem Nischenprodukt ein viel verkauftes und daher bei Anzeigenkunden teuer umworbenes Produkt machen. Und genau in diesem Bereich stecken die Zeitungen in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise, die (auch) durch das Internet verstärkt wird.
Das Medium „Buch“ hatte erst später, zu Zeiten der „Reformation“ und der „Aufklärung“, seinen politischen Höhepunkt erreicht, als es genutzt wurde, um der herrschenden Meinung Alternativen gegenüberzustellen. An diesem Punkt ist auch das Internet angekommen. Graswurzel-Journalismus und eine Gegenöffentlichkeit sind es, die Herrn Schirrmacher Angst machen. „You can fool some people sometimes, but you can´t fool all the people, all the time“ – mit dem Netz und dem partizipativen Journalismus verlieren die großen Medien nicht nur Quoten und Auflagen, sondern vor allem die Deutungshoheit – wäre ich Herr Schirrmacher, ich hätte auch Angst.















