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  • In den Kopf geschossen

    geschrieben am 24. Januar 2011 von Spiegelfechter

    Gabrielle Giffords, Tom Hurndall und palästinensische Kinder

    ein Gastbeitrag von Alison Weir

    Es ist schon etwas besonders Erschreckendes, wenn jemand in den Kopf geschossen wird. Vielleicht ist es das grausige Bild, die Zerstörung des Gehirns, und die klare Absicht zu töten, die dahintersteckt. Das kürzliche Schießen auf Arizonas Kongressfrau Gabrielle Giffords ist noch alptraumhafter, wenn man bedenkt, was für eine verheerende Verletzung sie hat.

    Diejenigen von uns , die sich mit Israel-Palästina befassen, sind sich dieses Horrors sehr bewusst. Vor einigen Jahren untersuchte ich die Todesursache palästinensischer Kinder, die von israelischen Soldaten während der ersten Monate der 2. Intifada getötet worden waren. Beim Zählen lief mir ein kalter Schauer über den Rücken: ich entdeckte nämlich, dass die häufigste Todesursache in jenen Monaten ein „Schuss in den Kopf“ war. In den letzten zehn Jahren töteten die israelischen Militärs mindestens 255 palästinensische Kinder durch einen Schuss in den Kopf. Die Zahl mag tatsächlich höher sein, da bei vielen Fällen die spezielle körperliche Stelle des tödlichen Trauma nicht angegeben war. Außerdem schließt diese Statistik die vielen palästinensischen Kinder und Jugendlichen nicht mit ein, die von israelischen Soldaten in den Kopf geschossen worden waren, die aber irgendwie überlebt haben.

    Hier unten ist eine kleine Liste von denjenigen, die starben. (IDF steht für isr. Verteidigungskräfte, obwohl diese Kräfte in Wirklichkeit die Besatzungsarmee sind und gewöhnlich angreifen; die unten genannten Vorfälle spielten sich auf palästinensischem Gebiet ab.

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    Der Edelmann und das Pferd

    geschrieben am 08. November 2010 von Spiegelfechter

    ein Gastartikel von Uri Avnery

    „Halb und halb“, habe der verstorbene Ministerpräsident Levi Eshkol geantwortet, als er gefragt worden sei, ob er Tee oder Kaffee wünschte. Dieser Scherz sollte seine zögerliche Haltung am Vorabend des Sechs-Tage-Krieges parodieren. (Übrigens: geheime Dokumente, die in dieser Woche veröffentlicht wurden, zeigen Eshkol in einem sehr anderen Licht.)

    Die amerikanische Öffentlichkeit ähnelt jetzt dem Mann in dem Witz. Sie sandte nach Washington eine große Gruppe von Tea Party-Typen, aber die Kaffeetrinker im Weißen Haus haben noch immer die Kontrolle darüber. Die israelische Führung weiß nicht, wie sie mit den Ergebnissen dieser Wahl umgehen soll. Sind sie gut für die Juden oder schlecht für die Juden?

    Der große Gewinner der amerikanischen Wahlen ist niemand anders als Binyamin Netanyahu. Seine Politik ist ähnlich der seines politischen Mentor, Yitzhak Shamir. Sie gründet sich auf den Juden, dem gesagt worden war, er müsse dem Pferd eines polnischen Edelmannes innerhalb eines Jahres das Lesen und Schreiben beibringen – sonst würden die Bewohner des ganzen Schtetl ermordet werden. „Ein Jahr ist eine lange Zeit,“ versuchte er, seine weinende Frau zu beruhigen, „Innerhalb eines Jahres wird entweder das Pferd oder der Edelmann gestorben sein.“ Shamirs Spiel war es, alles aufzuschieben, jede Gelegenheit zu versäumen, um den Frieden näher zu bringen, Zeit zu gewinnen.

    Wenn der Druck auf Israel stärker wird, muss man ausweichen, blockieren, täuschen. Früher oder später wird der Edelmann oder das Pferd sterben – und mit etwas Glück gar beide. Die Situation wird sich ändern, der Druck wird weniger, diejenigen, die den Druck ausüben, werden verschwinden. Eine Krisis irgendwo anders auf der Welt wird das Interesse von uns ablenken. Wir werden noch ein Jahr oder zwei gewinnen, und dann werden wir weitersehen.

    Dies ist auch Netanyahus Strategie. Jeden Schritt in Richtung Frieden verhindern, da Frieden die Evakuierung der Siedlungen und die Errichtung eines palästinensischen Staates bedeutet. Seit zwei Jahren ist es ihm gelungen, jede Bemühung Barack Obamas zu vereiteln, ihn zu zwingen, einen wirklichen Friedensprozess zu beginnen. Er besiegte ihn bei jeder Runde – ein ums andere Mal. Jetzt hat Obama einen scharfen Rückschlag bei sich zu Hause erlitten. Und nun hat ein neues Kapitel begonnen.

    Aber der Edelmann ist nicht gestorben und das Pferd auch nicht. Wie wird Obama jetzt Netanyahu behandeln? In Jerusalem gibt es zwei sich widersprechende Antworten auf diese Frage. Die erste Beurteilung ist, dass es von Obama nichts mehr zu befürchten gibt. Das Pferd ist zwar nicht gestorben, aber es hinkt sehr.

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    Hochmut kommt vor dem Fall

    geschrieben am 20. September 2010 von Spiegelfechter

    ein Gastbeitrag von Uri Avnery

    In der Hauptdurchgangsstraße unter meinem Fenster war absolute Stille. Nicht ein einziges Fahrzeug fuhr dort. Wir waren mit einem unserer Freunde in ein Gespräch vertieft, als etwas Unglaubliches geschah. Die Alarmsirenen fingen zu Heulen an. Innerhalb von Minuten begannen Autos wie wahnsinnig durch die Straße zu rasen, Männer in Reserveuniformen und mit Rucksäcken verließen in Eile die Häuser. Das Radio, das an diesem Tag gewöhnlich still ist, erwachte plötzlich zum Leben. Ein Krieg war ausgebrochen. Die Ägypter und die Syrer hatten angefangen, Israel anzugreifen. Das geschah an Yom Kippur – dem bei weitem höchsten Feiertag im Judentum – (nach dem hebräischen Kalender) heute vor 37 Jahren.

    Seitdem erinnern wir uns an Yom Kippur an diesen schicksalhaften Tag. Es ist unmöglich, nicht daran zu denken. Es war ein Wendepunkt in unserm Leben und in der Geschichte Israels, ein prägendes Ereignis für den ganzen semitischen Raum. Heute, wie seitdem an jedem Yom Kippur, regt die Stille auf den Straßen an, daran zu denken. Als Zeuge habe ich das Bedürfnis, darüber Zeugnis abzulegen. Wie hat sich der Krieg auf uns ausgewirkt ?

    Das erste, was über ihn gesagt werden muss, ist, dass es ein überflüssiger Krieg war. Das ist natürlich nichts Außergewöhnliches. Abgesehen von ein paar Ausnahmen, wie der 2. Weltkrieg (und vielleicht unser Krieg 1948), war jeder Krieg „überflüssig“. Der 1. Weltkrieg, diese Orgie von Tod und Zerstörung, war vollkommen überflüssig. Bis heute versuchen Historiker, einen logischen Grund für seinen Ausbruch zu finden. Die Motive aller beteiligten Parteien erschienen durch die Folgen geringfügig.

    Nun, vor dem Yom Kippur-Krieg war der Präsident Ägyptens Anwar Sadat bereit, mit Israel Frieden zu schließen. Vertrauenswürdige Vermittler versuchten, dies der israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir klarzumachen. Sie ignorierte die Information mit Geringschätzung. Mein juristischer Berater Amnon Sichroni, der mich begleitete, war so schockiert wie ich. Ich bin sicher, dass ich nicht der einzige war, der solche Informationen übermittelte.

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    Israel kapert den Freedom-Niebel

    geschrieben am 21. Juni 2010 von Spiegelfechter

    Man kann Dirk Niebel einiges vorwerfen. Er ist eitel, gnadenlos undiplomatisch, scheut keinen dümmlichen Kommentar, der ihn in die Schlagzeilen bringt, und selbst Freunde der FDP würden Dirk Niebel sicherlich nicht in die Nähe eines wie auch immer gearteten Intellekts rücken. Niebel ist – oder besser war – jedoch stets als bedingungsloser Unterstützer der israelischen Regierungspolitik bekannt. Er verbrachte in seiner Jugend ein Jahr im Kibbuz, ist heute stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft und hat sich sogar Israel-Soli-Aufkleber auf seinen Aktenkoffer geklebt. Kritische Töne gegen die israelische Regierung erwartet man von einem solchen Mann normalerweise nicht. Was jedoch passiert, wenn seine Eitelkeit plötzlich mit seiner Solidarität in Konflikt gerät, muss das israelische Sicherheitskabinett momentan feststellen. Es konfrontierte den Israelfreund Niebel mit der tristen Realität und machte so aus einem bedingungslosen Unterstützer im Handumdrehen einen polternden Kritiker.

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    Israel will, dass die Bevölkerung des Gazastreifens Hamas stürzt

    geschrieben am 14. Juni 2010 von Spiegelfechter

    Uri Avnery im Interview mit Mazal Mualem (Haaretz)

    Benyamin Netanyahu lügt, wenn er sagt, die Gazablockade besteht, um den Transfer von Waffen nach Gaza zu verhindern, sagt Avnery zu Haaretz. Der Journalist und frühere Knessetabgeordnete Uri Avnery ist einer der prominentesten politischen Aktivisten, die sich mit dem israelischen Friedenslager identifizieren. Wie es seit Jahrzehnten die Gewohnheit des 86-Jährigen war, hat er auch die Demonstration der Linken in Tel Aviv am Samstagabend nicht versäumt. Sie protestierte gegen das Vorgehen der Regierung gegen die Flotille, die letzte Woche nach Gaza Hilfsgüter bringen wollte.

    Mualem: Man sagt, es hätten 6000 an der Demo teilgenommen. Ist das israelische Friedenslager tatsächlich eine zu vernachlässigende Minderheit?

    Avnery: Diese Zahl ist falsch. Es waren mindestens doppelt so viele Demonstranten. Und das ist eine große Menge, wenn man die unvergleichliche Gehirnwäsche berücksichtigt, die das Land letzte Woche über sich ergehen lassen musste, als eine fast totalitäre Propagandamaschine nur ein einziges Foto und eine einzige Geschichte wiederholte und die Leute daran hinderte, noch etwas anderes zu sehen und zu hören. Wir sahen kaum etwas anderes außer ein paar Minuten, die von den IDF aufgenommen und vom IDF-Bürosprecher herausgegeben wurden. Die von den Journalisten aufgenommenen Filme waren konfisziert worden . Man mag fragen: Warum? Wovor fürchten sie sich?

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