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  • Israel will, dass die Bevölkerung des Gazastreifens Hamas stürzt

    geschrieben am 14. Juni 2010 von Jens Berger

    Uri Avnery im Interview mit Mazal Mualem (Haaretz)

    Benyamin Netanyahu lügt, wenn er sagt, die Gazablockade besteht, um den Transfer von Waffen nach Gaza zu verhindern, sagt Avnery zu Haaretz. Der Journalist und frühere Knessetabgeordnete Uri Avnery ist einer der prominentesten politischen Aktivisten, die sich mit dem israelischen Friedenslager identifizieren. Wie es seit Jahrzehnten die Gewohnheit des 86-Jährigen war, hat er auch die Demonstration der Linken in Tel Aviv am Samstagabend nicht versäumt. Sie protestierte gegen das Vorgehen der Regierung gegen die Flotille, die letzte Woche nach Gaza Hilfsgüter bringen wollte.

    Mualem: Man sagt, es hätten 6000 an der Demo teilgenommen. Ist das israelische Friedenslager tatsächlich eine zu vernachlässigende Minderheit?

    Avnery: Diese Zahl ist falsch. Es waren mindestens doppelt so viele Demonstranten. Und das ist eine große Menge, wenn man die unvergleichliche Gehirnwäsche berücksichtigt, die das Land letzte Woche über sich ergehen lassen musste, als eine fast totalitäre Propagandamaschine nur ein einziges Foto und eine einzige Geschichte wiederholte und die Leute daran hinderte, noch etwas anderes zu sehen und zu hören. Wir sahen kaum etwas anderes außer ein paar Minuten, die von den IDF aufgenommen und vom IDF-Bürosprecher herausgegeben wurden. Die von den Journalisten aufgenommenen Filme waren konfisziert worden . Man mag fragen: Warum? Wovor fürchten sie sich?

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    Töte einen Türken, und dann ruh dich aus !

    geschrieben am 07. Juni 2010 von Jens Berger

    ein Gastbeitrag von Uri Avnery

    AUF HOHER See wurde in internationalen Gewässern ein Schiff von der Marine gestoppt. Militär stürmte es. Hunderte an Deck widersetzten sich. Die Soldaten wandten Gewalt an. Einige der Passagiere wurden getötet, viele verletzt. Das Schiff wurde in den Hafen gebracht.
    Die Passagiere wurden gewaltsam vom Schiff geführt. Die Welt sah sie auf dem Kai gehen, Männer und Frauen, junge und alte, alle müde und ausgemergelt, einer nach dem anderen, von Soldaten auf beiden Seiten gestützt?

    Das Schiff wurde ?Exodus 1947? genannt. Es verließ Frankreich in der Hoffnung, die britische Blockade zu brechen, die verhängt war, um Schiffe voller Holoaustüberlebender daran zu hindern, die Küste Palästinas zu erreichen. Wenn es ihm erlaubt worden wäre, das Land zu erreichen, wären die illegalen Immigranten gelandet, und die Britten hätten sie in Haftlager nach Zypern gesandt, wie sie es vorher getan hatten. Keiner würde sich an die Episode vor mehr als zwei Tagen erinnert haben.

    Aber die verantwortliche Person war Ernst Bevin, ein Führer der Laborpartei, ein arroganter, grober und machthungriger britischer Minister. Er hatte nicht vor, sich von einem Haufen Juden etwas sagen zu lassen. Er entschied sich, ihnen eine Lektion zu erteilen, und die ganze Welt wäre Zeuge davon gewesen. ?Dies ist eine Provokation!? erklärte er, und natürlich hatte er Recht. Das Hauptziel des Schiffes war tatsächlich, eine Provokation zu schaffen, um die Augen der Welt auf die britische Blockade zu richten.

    Was dann folgt ist allen wohlbekannt: die Episode zog sich hin ; eine Dummheit folgte der anderen; die ganze Welt sympathisierte mit den Passagieren. Aber die Briten gaben nicht nach und zahlten den Preis. Einen hohen Preis.

    Viele glauben, dass der ?Exodus?-Vorfall der Wendepunkt im Kampf um die Schaffung des Staates Israel war. Die Briten brachen unter dem Gewicht der internationalen Verurteilung zusammen und entschieden, das Mandat über Palästina aufzugeben. Es gab natürlich noch viele andere gewichtigere Gründe für diese Entscheidung, aber die ?Exodus? schien der Strohhalm zu sein, der dem Kamel den Rücken brach.

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    High Noon im Blutpoker vor Gaza

    geschrieben am 04. Juni 2010 von Jens Berger

    Vier Tage nach dem völkerrechtswidrigen Überfall der Freedom Flotilla durch israelische Commandos schaut die Welt einmal mehr mit einer Mischung aus Spannung und Abscheu auf das südöstliche Mittelmeer. Mit der “Rachel Corrie“, benannt nach einer amerikanischen Friedensaktivistin, die von israelischen Bulldozern niedergewalzt wurde, wird heute Nacht ein weiteres Schiff versuchen, die israelische Seeblockade vor Gaza zu durchbrechen. Die “Rachel Corrie” fährt zwar unter kambodschanischer Flagge, ist aber im Besitz einer irischen Hilfsorganisation und besitzt höchste Protektion durch die irische Politik. Sollte Israel sich einmal mehr unbelehrbar zeigen, könnte dies weitreichende Folgen auf europäischer Ebene haben.

    Die Rachel Corrie

    Eigentlich sollte der 1967 gebaute 1.200 BRT “große” Frachter “Rachel Corrie” zusammen mit den anderen Schiffen der Freedom Flotilla bereits am Montag vor Gaza kreuzen. Die “Rachel Corrie” hat bereits bessere Tage gesehen. Die irischen Aktivisten kauften die alte Dame für 70.000 Euro in Litauen und erlösten sie damit vor ihrem sicheren Schicksal, an einem indischen Strand abgewrackt zu werden. An Bord der “Rachel Corrie” befinden sich irische und malaysische Aktivisten – darunter die nordirische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Maguire, der ehemals hohe UN-Diplomat Denis Halliday, die Filmemacherin Fiona Thompson und ein stellvertretender Minister aus Malaysia. Ein mysteriöser Maschinenschaden hat das Schiff jedoch auf seinem langen Weg von Irland nach Zypern zeitlich zurückgeworfen.

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    262 Kommentare

    Staatspiraterie mit Todesfolge

    geschrieben am 02. Juni 2010 von Jens Berger

    Als der britische General Reginald Dyer seine Soldaten 1919 im nordindischen Amritsar mit Gewehren in die Menge schießen ließ, handelte er aus seiner eigenen Perspektive heraus durchaus moralisch und korrekt. Schließlich verstießen die Opfer zweifelsohne gegen das von den Briten verhängte Versammlungsverbot und als sie die britischen Aufforderungen, die Versammlung aufzulösen ignorierten, wollte Dyer ihnen eine “Lektion in Moral” erteilen. Das Massaker von Amritsar wurde international scharf verurteilt, ging als Verbrechen gegen die Menschlichkeit in die Geschichte ein und ist mitverantwortlich dafür, dass die Briten Jahrzehnte später ihre Kronkolonie Indien in die Freiheit entlassen mussten. Zeitgenossen beurteilten Dyers Feuerbefehl jedoch anders – das britische Oberhaus stellte ihm eine ausdrückliche Empfehlung aus, die Tories zeichneten ihn mit einem edelsteinbehangenen Kreuz aus, auf dem die Inschrift ?Retter des Punjab? zu lesen war und eine Zeitung sammelte 26.000 britische Pfund zur Unterstützung Dyers.

    Die Dyers der Gegenwart dienen in der israelischen Armee. Als sie vorgestern die Schiffe der “Freedom Flotilla” stürmen ließen und dabei den Tod von Aktivisten zumindest billigend in Kauf nahmen, handelten sie ebenfalls aus ihrer eigenen Perspektive heraus moralisch und korrekt. Schließlich hat Israel eine Seeblockade über den Gazastreifen verhängt und als die Blockadebrecher nicht abdrehten, wollte das israelische Militär ihnen eine Lektion erteilen. Diese Lektion wurde gehört, weltweit herrscht blankes Entsetzen und moralische Empörung, israelische Zeitgenossen stehen jedoch ohne wenn und aber hinter dem “Massaker vor Gaza”. Die Briten mussten für ihre blutige Arroganz bezahlen, Israel ist auch dem besten Wege diesem Beispiel zu folgen. Das Problem ist nur – anders als Großbritannien ficht Israel seine Kolonialkriege nicht in Übersee, sondern im eigenen Land.

    Völkerrechtlich problematisch

    Es ist leicht, Israel die alleinige Schuld für den Zwischenfall zuzuschreiben. So einfach ist es aber freilich nicht, schließlich haben die Teilnehmer der “Freedom Flotilla” die israelischen Machthaber ganz bewusst herausgefordert. Israel hat nie auch nur den geringsten Zweifel daran gelassen, die Seeblockade des Gaza-Streifens zur Not auch mit militärischer Gewalt aufrecht zu erhalten. Das ist per se nicht völkerrechtswidrig, da Israel und die palästinensische Autonomiebehörde der israelischen Flotte im Gaza-Jericho-Abkommen einen weitreichenden Handlungsspielraum bei der Überwachung der Seezone vor dem Gaza-Streifen eingeräumt haben. Wenn Israel den Verdacht hegt, dass ein Schiff unerlaubte Güter nach Gaza transportiert, darf die israelische Marine dieses Schiff kontrollieren oder an der Weiterfahrt hindern. Die israelischen Offiziellen hegten diesen Verdacht – ob er begründet war oder nicht, spielt dabei rechtlich keine Rolle. Es spielt jedoch völkerrechtlich eine Rolle, dass die Schiffe 40 Seemeilen vor der Küste und somit in internationalen Gewässern aufgebracht wurden.

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    Von zwei Staaten zu einem

    geschrieben am 16. Mai 2010 von Jens Berger

    ein Gastbeitrag von Ran HaCohen, aus dem Englischen von Ellen Rohlofs

    Letzte Woche verordnete in Tel Aviv ein Richter drei Mietern eine Strafe von 25 000$, weil sie ihren Balkon illegal um 23 qm vergrößert haben. Das ist nun wirklich kein Knüller. Illegales Bauen ist überall eine strafbare Tat, auch wenn es keine unmittelbaren Opfer wie in diesem Fall gibt. Israel ist ein Staat, in dem Gesetz und Ordnung herrschen; man kann nicht einfach ein Grundstück nehmen und es behalten.

    Es sei denn, man ist in den besetzten Gebieten ? natürlich. Indem man vorübergehend oder auf Dauer eine Wohnung mit oder ohne Erlaubnis nimmt – und nicht nur Wohnungen, sondern Häuser, Wohngebiete, ja, ganze Siedlungen ? so ist das keine Straftat, sondern gerade eine zionistische und jüdisch-religiöse Pflicht. Wenn dies ohne unmittelbare Opfer gemacht wird, ist es ok. Wenn dies einige Palästinenser aus ihren Häusern und von ihren Feldern zwingt, um so besser.

    Genau wie die Mieter in Tel Aviv werden die Westbankbesetzer bald Besuch vom Staat erhalten; aber während in Tel Aviv die Besucher die Mieter zum Gericht mitnehmen, werden sie in der Westbank die ?Mieter? mit dem Stromnetz und der Wasserleitung verbinden. Sie werden auch ein paar Soldaten zurücklassen, damit die richtigen Besitzer des gestohlenen Landes ihnen kein Leid antun oder ihr Gefühl der Sicherheit verletzen. ( Auch diese Soldaten benötigen Wohnraum usw. ) und während in Tel Aviv die Besetzer/ Mieter ? sollten sie zufällig Staatsbeamte sein ? für ihre strafbare Taten ihren Job verlieren könnten, leben ziemlich viele israelische Offiziere in illegalen Außenposten überall in der Westbank. Und das Militär ?hat keine Richtlinie?, um solche Fälle zu behandeln. Akiva Eldar, der diese Geschichte in Haaretz veröffentlichte, fragt sich, ?wie ein Offizier, der das Gesetz bricht und gerichtliche Order ignoriert, für seine Soldaten als Vorbild dienen kann.? Ich sehe kein Problem darin: Die Soldaten sind mit demselben Ziel in den besetzten Gebieten wie ihre Gesetze brechenden Offiziere: und zwar die Palästinenser zu enteignen. Ich denke, solche Offiziere müssen gerade eine Gehaltserhöhung bekommen. Tatsächlich erhalten sie eine, da Siedler weniger Steuern zahlen ( und bessere Dienste erhalten) als normale Israelis.

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