Direkt zum Inhalt

  • Suchen

  • RSS Feeds

  • Letzte Kommentare

  • News auf Speed: Der Wachmann und das AKW von Charleroi

    geschrieben am 30. März 2016 von Gastautor

    Eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Nachrichten müssen schnell verbreitet werden. Die Textarbeit wird nicht besonders gut bezahlt und wer mit den News-Artikeln über den gesetzlichen Mindestlohn kommen will, muss sich ranhalten. Für eine Nachrecherche bleibt da kaum Zeit, wenn man der erste sein will, der von Google noch aus der Masse herausgefischt wird.

    Mit ein wenig Glück kennt sich der Autor zumindest rudimentär in den Zusammenhängen aus, über die er berichtet und vermag eine erste Plausibilitätskontrolle durchzuführen, bevor er zuviel Zeit in die Nachricht investiert. Wenn nicht, dann schraubt er an der Nachricht solange herum, bis sie genug Aufmerksamkeit erzielen und verkauft werden kann. Der Realitätsbezug ist da ganz schnell sekundär.

    Weil belgische Kernkraftwerke für eine Panne immer gut sind, wurde der Wachmann dann in der ersten Nachricht im AKW Charleroi beschäftigt. Das wäre insofern besonders gefährlich, als für ein AKW in Charleroi keine Betriebserlaubnis bekannt ist. Ja es war bislang nicht einmal die Existenz eines solchen AKW in Charleroi bekannt. Da die Nachrichten mangels kostengünstigem Bildmaterial immer häufiger mit sogenannten Symbolbildern garniert werden, konnte der Beitrag sogar mit einem Bild eines Kraftwerks mit großen Kühltürmen aufgehübscht werden und verbreitete sich in Windeseile.

    Den Artikel weiterlesen »

    33 Kommentare

    Nerzfrauen decken auf: In China essen sie Tchibos

    geschrieben am 18. Dezember 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    445px-China_imperialism_cartoonSatire

    Jetzt ist es amtlich! In China essen sie nicht nur Hunde, sondern auch Tchibos. Das hat das Internetnetzwerk „nerzfrauen.org“ aufgedeckt. Die aus Müttern, Großmüttern, Urgroßmüttern und toten Ururgroßmüttern bestehende Vereinigung verschwörungspraktischer Frauen klagt nun vor dem Verwaltungsgericht Castrop-Rauxel gegen das Land mit der komischen Sprache. Nerzfrau-Chefin Doro Weia sagte irgendwann irgendwie jemandem, der es hören wollte: „Wir konnten es kaum glauben, aber die Chinesen verspeisen jeden Tag bis zu 4 Tchibos. Wir sind zwar mit den Chinesen im Gespräch, der Dialog fällt aber schwer wegen Sprachbarrieren.“ Den Artikel weiterlesen »

    58 Kommentare

    Wurst macht Krebs? Von Korrelationen und Kausalitäten

    geschrieben am 28. Oktober 2015 von Jens Berger

    Die zur WHO gehörende internationale Krebsforschungsagentur IARC hat sich in dieser Woche mit einer steilen These aus dem Fenster gehängt: „Wurst macht Krebs“, so die verkürzte These der Gesundheitsstatistiker, die sogleich von allen großen Medien aufgegriffen wurde – Panikmache inklusive. Ob Wurst wirklich krebserregend ist, lässt sich durch die Metastudie der IARC nämlich überhaupt nicht sagen. Aus den Daten lässt sich allenfalls schließen, dass Menschen, die sehr viel verarbeitete Fleischprodukte verzehren, statistisch häufiger bestimmte Krebsarten bekommen. Das ist ein großer Unterscheid, der jedoch im alltäglichen Empörungswahn der Medien untergeht.

    Statistik ist ein Minenfeld. Mit Hilfe der Statistik kann man wissenschaftliche Aussagen untermauern. Man kann jedoch auch wissenschaftliche Aussagen produzieren, die einer ernsthaften Prüfung nicht standhalten. Wer sich kritisch mit der Materie auseinandersetzen will, sollte dabei zunächst den Unterschied zwischen einer Korrelation und einer Kausalität kennen. Eine Korrelation liegt dann vor, wenn man aus gemessenen Daten einen nachweisbaren, also statistisch signifikanten, Trend herauslesen kann. So gibt es beispielsweise eine klare Korrelation zwischen der Körpergröße einer Person und deren Gewicht – je größer man ist, desto schwerer ist man im statistischen Durchschnitt auch. Eine Kausalität wiederum liefert einen wissenschaftlich haltbaren Grund für diesen statistischen Trend. Wer größer ist, hat auch mehr Körpermasse und ist daher auch schwerer – dies ist eine recht eindeutige Kausalität. Doch nicht immer passen Korrelation und Kausalität so schön zusammen.

    So gibt es beispielsweise auch eine regional „statistisch hoch signifikante“ Korrelation zwischen der Anzahl der Störche und der Geburtenrate. Monokausal müsste man nun daraus schließen, dass der Storch die Babys bringt, was natürlich Unfug ist. Stattdessen herrscht hier eine sogenannte dritte, die Fachleute sprechen von einer „konfundierten“, Variable vor – die Struktur der Region. In ländlichen Regionen ist die Zahl der Störche größer als in städtischen Regionen und gleichzeitig bekommen Menschen in ländlichen Regionen statistisch gesehen mehr Kinder als in städtischen Regionen. Die Korrelation ist klar, die Kausalität kommt bei diesem Beispiel erst, wenn man um die Ecke denkt.

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

    106 Kommentare

    G7 und das Klima – die entscheidenden Themen wurden nicht angesprochen

    geschrieben am 10. Juni 2015 von Jens Berger

    Als sich die Mächtigen der Welt beim G7-Gipfel in Elmau über verbindliche Ziele zur CO2-Reduktion stritten, ging es nicht um die Rettung der Welt. Es geht auch nicht um die unzähligen Menschen, die durch den Klimawandel, der irreversibel ist und auch von Frau Dr. Merkel nicht gestoppt werden kann, Schaden nehmen. Vor allem für Deutschland geht es beim Thema „Klimaschutz“ vor allem um den schnöden Mammon. G7 gegen Schwellenländer, Deutschland gegen alle. Die Umwelttechnologie ist ein gigantischer Markt mit einem Billionenvolumen – und Weltmarktführer ist Deutschland. Da wundert es kaum, warum in Deutschland der Klimawandel hysterischer als in anderen Ländern kommentiert wird. Bei all ihrem Geschachere um CO2-Reduktion verschenkt die Weltgemeinschaft dabei die Chance, die Folgen des Klimawandels wirklich zu minimieren.

    Die letzte Wachstumsbranche

    Schon heute arbeiten 1,2 Millionen Deutsche im Greentech-Sektor, wie Zahlen, die im Auftrag des Umweltministeriums erhoben worden, zeigen. Umwelttechnik ist damit noch vor dem Maschinenbau und der Automobilindustrie der wichtigste industrielle Sektor Deutschlands. Dieser Erfolg kommt nicht von irgendwo her. Rigide Umweltschutzgesetze und strenge Industrierichtlinien, kombiniert mit gigantischen Subventionen, haben aus den lila Latzhosen Schlipsträger gemacht und auch die Marktführer im Industriesektor in die Umwelttechnik getrieben. Der weltweit größte Greentech-Konzern ist mittlerweile Siemens, dessen Umweltsparte 19 Milliarden Euro umsetzt.

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

    137 Kommentare

    Markus Lanz: Ab jetzt nur noch tolle Gesprächspartner

    geschrieben am 21. Januar 2014 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Rubrik: Satire

    Das ZDF macht Nägel mit Köpfen. Gut so! Nachdem sich Sahra Wagenknecht in seiner Talkshow komplett daneben benommen hat, springt das Zweite nun Markus Lanz zur Seite. In Zukunft sollen seine Interviewpartner mit noch mehr Bedacht ausgewählt werden.

    „Die Linke“ fliegt raus

    Aus Kreisen des ZDF hieß es, dass Markus Lanz nach der Runde mit Sahra Wagenknecht ganz schlecht geschlafen und teilweise böse Sachen geträumt habe. In Zukunft soll Wagenknecht daher nicht mehr eingeladen werden. Wie aggressiv sie sich verhalten hat, ist überhaupt nicht nett, anzuprangern und lässt irgendwie an Stasi-Methoden erinnern. Die Linkspartei kommt von nun an nicht mehr in Betracht, wenn es um die Auswahl der passenden Gesprächspartner für den Intellektuellen Lanz geht. Den Artikel weiterlesen »

    66 Kommentare

    Nach Hamburger Krawallen: Davidwache wird zur Gefahrenzone erklärt

    geschrieben am 07. Januar 2014 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Rubrik:Satire

    Nach den Hamburger Krawallen ist noch immer unklar, wer angefangen hat. Während sich Demonstranten mit den Worten „So ist Revolution eben“ äußerten, sprachen Polizeivertreter von „irre vielen Durchgeknallten“. Die werden inzwischen auch in der Davidwache vermutet, die aus Sicherheitsgründen zur Gefahrenzone erklärt wurde.

    Der Senat ist offenkundig um Aufklärung der Vorfälle in Hamburg bemüht. Nachdem es im Schanzenviertel zu heftigen Ausschreitungen gekommen war und die Polizei kurzerhand den ganzen Stadtteil sowie St. Pauli und Altona zur Gefahrenzone erklärte, ist nun auch die Davidwache ins Visier der Behörden geraten.

    Bis auf Weiteres dürfen Zivilisten in der Davidwache Personen- und Zimmerdurchsuchungen durchführen, wenn ihnen ein Polizeibeamter nicht ganz geheuer vorkommt. Auch wenn mit der Uniform etwas nicht stimmen könnte, sind Überprüfungen vorgesehen, eine Maßnahme, die von den Bürgern begeistert aufgenommen wurde. Den Artikel weiterlesen »

    37 Kommentare

    Hysterische Propaganda gegen Steuererhöhungen

    geschrieben am 27. September 2013 von Jens Berger

    Als erste Gerüchte durchdrangen, dass die CDU sich in den kommenden Koalitionsverhandlungen beim Thema Spitzensteuersatz kompromissbereit zeigen wolle, verfiel die Medienlandschaft in kollektive Hysterie. Hyperventilierende Leitartikler überschlugen sich mit immer den gleichen und stets den falschen Scheinargumenten gegen Steuererhöhungen. Die konzertierte Kampagne entfaltete schnell ihre Wirkung. Seit gestern bemüht sich die CDU redlich, das Offensichtliche zu dementieren. Die Halbwertzeit dieser Dementis ist jedoch überschaubar. Fragt sich nur, warum die Medien immer wieder derart unredlich werden, wenn es um das Thema „Steuererhöhungen“ geht.

    Für Heike Göbel, ist die Sache klar: „Nichts spricht für höhere Steuern“, so ihr Kommentar im Wirtschaftsteil der FAZ. Göbel lehnt eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes kategorisch ab, da „ein großer Teil der Bürger und Unternehmen [dann] noch mehr zahlen [dürfte].“ Da fragt man sich doch, woher Frau Göbel diese Gewissheit nimmt? Selbst bei den ambitionierten Steuerplänen der Grünen, die von der FAZ kommentiert wurden, als handele sich dabei um den Plan, halb Deutschland kollektiv zu enteignen, würden letzten Endes nur 2,6 Millionen Steuerpflichtige mehr zahlen als heute. Dies sind etwas mehr als 3% der Bevölkerung. Nach Göbels Logik würde somit auch die FDP „einen Großteil der Bürger“ vertreten. Dass dem nicht so ist, wissen Göbel und die FDP nur zu genau.

    Erstaunlich ist auch Göbels Bemerkung, dass bei einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes „Unternehmen“ mehr bezahlen müssten. Warum sollte dem so sein? Unternehmen bezahlen schließlich keine Einkommensteuern, sondern Körperschaftssteuern. Der Körperschaftssteuersatz liegt bei 15% und steht bei möglichen Koalitionsverhandlungen überhaupt nicht zur Debatte. Es wäre schon bemerkenswert, wenn Frau Göbel, die immerhin in der Vergangenheit von verschiedenen wirtschaftsnahen Lobbyorganisationen mit Preisen überhäuft wurde, den Unterschied zwischen der Einkommen- und der Körperschaftssteuer nicht kennen sollte. Gehen wir mal davon aus, dass sie den Unterschied sehr wohl kennt. Wie sollte man es dann bezeichnen, wenn eine Journalisten wider besseres Wissen die Unwahrheit schreibt?

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

    56 Kommentare

    Google und Facebook – gefährliche Datenkraken oder Blender? Ein Selbstversuch

    geschrieben am 09. Juli 2013 von Jens Berger

    Mittlerweile dürfte es sich bereits bis zum arglosesten Internetnutzer herumgesprochen haben, dass die Dienste der beiden Internetgiganten Google und Facebook im großen Maßstab Nutzerdaten speichern und zu einem Profil zusammenfügen, das von ihnen vor allem zu Werbezwecken genutzt wird. Welche Daten dieses Profil erhält, lässt sich über die gut versteckte Selbstauskunftsfunktion dieser Dienste in Erfahrung bringen. Das Ergebnis lädt dabei zunächst zum Schmunzeln ein. Erst beim zweiten Blick offenbart sich die Gefahr der gesammelten Daten – vor allem dann, wenn Geheimdienste Zugriff auf die Daten haben.

    Es gibt eine goldene Regel für Internetdienstleistungen, die leider nur wenigen Nutzern wirklich bekannt ist: Kostet ein Dienst nichts, dann bist Du die Ware. Der Umkehrschluss ist hierbei übrigens leider nicht gestattet, auch kommerzielle Dienste handeln oft mit den Daten ihrer Nutzer. Facebook generiert pro Jahr Werbeeinnahmen in Höhe von fast sechs Milliarden US$, womit statistisch durch jeden Nutzer rund fünf US$ Werbeeinnahmen generiert werden. Google nimmt rund 50 Mrd. US$ pro Jahr durch die Vermarktung von Werbeflächen ein.

    Das Pfund, mit dem Google und Facebook am hart umkämpften Werbemarkt wuchern können, ist die Möglichkeit, personalisierte Werbung zu vermarkten. Was nutzt es einem Anbieter von Seniorenreisen, wenn seine Werbung Teenagern gezeigt wird und was sollen reifere Surfer mit Werbung für Klingeltöne anfangen? Google und Facebook gehen jedoch noch weiter und versprechen ihren Werbekunden, dass deren Werbung nicht nur zielgruppengerecht, sondern auch interessenspezifisch eingeblendet wird. Wer sich im Netz beispielsweise häufig über Norwegen informiert, ist natürlich genau der richtige Werbekunde für Anzeigen für Direktflüge nach Oslo oder Ferienhäuser am Sognefjord. Wie gut diese interessenspezifische Werbung funktioniert, sieht man auf der Suchmaschine von Google, bei der bezahlte Anzeigen recht präzise zu den verwendeten Suchbegriffen eingeblendet werden.

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

    86 Kommentare

    Die Angst vor dem Gelduntergang

    geschrieben am 29. Oktober 2012 von Jens Berger

    Die Inflation ist in aller Munde. Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht von besorgten Politikern und noch besorgteren Leitartiklern vor der kommenden Geldentwertung gewarnt werden. Den bisher tiefsten Tiefpunkt der an intellektuellen Tiefpunkten reichen Inflationsdebatte markierte diese Woche der FDP-Großökonom Rainer Brüderle.
    In seinem frisch herausgegebenen „Programm zum Inflationsschutz“ stellt er die steile These auf, dass Steuererhöhungen die „Inflation entfachen“. Sollte Brüderle Recht haben, müssten wohl sämtliche Lehrbücher der Ökonomie umgeschrieben werden.
    Aber der Reihe nach. Wenn es die vielzitierte „German Angst“ wirklich gibt, dann ist es die in Deutschland allgegenwärtige Angst vor der Inflation. Im deutschen Kollektivbewusstsein hat die Hyperinflation von 1923 die ökonomisch wesentlich verheerendere Deflation von 1929 verdrängt. Seitdem denkt der deutsche Michel beim Begriff Inflation stets an Papierscheine mit mindestens neun Nullen, für die man sich schon morgen nichts mehr kaufen kann.
    Dieses nationale Trauma hat leider bis heute jede pragmatische Diskussionsgrundlage über dieses Thema zerstört. Die gute alte Bundesbank war in D-Mark-Zeiten unser letztes Bollwerk gegen die drohende Geldentwertung. Was störte es da schon, dass sie mehrfach während konjunktureller Dürrezeiten die Leitzinsen erhöhte und das Land damit in eine Rezession stürzte?

    Weiterlesen in der taz

    56 Kommentare

    Heckmeck

    geschrieben am 27. Mai 2011 von Jens Berger

    Alle Jahre wieder erobert ein boshaftes Mikrob das Herz der Medien. Die „German Angst“ will gefüttert werden und so richtig glücklich sind wir erst, wenn die Zeitungen und Nachrichten uns von neuen Seuchen berichten. Im Jahre 2003 hatte Deutschland Angst vor SARS – als sich der Nebel der Hysterie lichtete, stellte das Robert-Koch-Institut (RKI) fest, dass sich lediglich 10 Deutsche infiziert hatten, keiner davon im Inland. Zwei Jahre später rollte die Vogelgrippe über Deutschland und kostete einige Schwäne und Enten das Leben und den Großteil der Deutschen den Verstand – physisch kam jedoch niemand zu Schaden. Das änderte sich, als Deutschland im Jahre 2009 von der fiesen Schweinegrippe überrollt wurde. Ein Jahr später meldete das RKI für Deutschland 226.000 bestätigte Fälle, darunter 258 Todesfälle. Ein Schrecken und zugleich ein Segen – da der Influenza-Subtyp H1N1 gefährlichere Subtypen der Grippe verdrängte, starben in diesem Jahr so wenig Deutsche an einer Grippe, wie nie zuvor. Wie viele Deutsche an den Folgen der zeitgleich grassierenden Hysterie starben, ist jedoch nicht belegt.

    Heute hält ein Horror-Bakterium mit dem gemeinen Namen „Enterohämorrhagische Escherichia coli“ das Land in Atem – da „Enterohämorrhagische Escherichia coli“ und das von ihm hervorgerufene „enteropathische hämolytisch-urämische Syndrom“ jedoch zu lang für die Titelzeile der BILD sind, spricht man lieber von Ehec. Ehec ist zweifelsohne für die Deutschen gefährlich und hebt sich darin schon einmal „positiv“ von den Horror-Seuchen der letzten Jahre ab. Es gab bereits erste Todesfälle, die Zahl der Neuerkrankungen ist signifikant. Die Berichterstattung in den Medien ist jedoch – einmal mehr – eine reine Katastrophe. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht. Wahrheit sucht man in den Medien jedoch vergebens. Stattdessen bestimmt eine aufgeregte Hysterie die Berichterstattung.

    Am Mittwoch hatte das RKI aufgrund erster Analysen eine Empfehlung herausgegeben, die den Bürgern nahelegte, Salat, Gurken und Tomaten in(!) Norddeutschland zu meiden. Gegen diese Empfehlung ist sicherlich nicht viel einzuwenden. Die Medien hörten jedoch nicht so richtig zu und schrieben stattdessen, dass das RKI die Bevölkerung vor Salat, Gurken und Tomaten aus(!) Norddeutschland warnte.

    Das RKI rät dringend, vorsorglich bis auf Weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland nicht roh zu verzehren!
    bild.de

    Keine Tomaten, kein Salat aus Norddeutschland
    Wo kommt der EHEC-Keim her? Erste Experten raten davon ab, Tomaten, Gurken und Salat aus Norddeutschland zu essen. Für die Gemüsehändler ist die Warnung ein Desaster.
    Augsburger Allgemeine, stellvertretend für unzählige Blätter, die Agenturmeldungen von afp, dapd und dpa gedruckt haben.

    Am Mittwochabend hatte das Robert-Koch-Institut dringend vom Verzehr von Blattsalaten, Tomaten und Gurken aus Norddeutschland gewarnt
    NDR

    Behörde warnt vor norddeutschem Gemüse
    Die lebensbedrohliche Darmerkrankung breitet sich immer dramatischer aus. Jetzt warnt das Robert-Koch-Institut davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen
    SPIEGEL Online

    Die kleine Verwechslung der Wörter „in“ und „aus“ ist jedoch sehr problematisch. Dabei ist der ungerechtfertigte Umsatzrückgang für norddeutsche Agrarprodukte eher als „Kollateralschaden“ der Hysterie zu verbuchen. Richtig ärgerlich wäre es jedoch, wenn einige Konsumenten die gesunde norddeutsche Gurke aufgrund der Medienberichte in den Müll geworfen und stattdessen zur vermeintlich unbelasteten spanischen Gurke gegriffen hätten. Auf diese Art und Weise kann der journalistische Schlendrian sogar Menschenleben kosten.

    Dabei hätte ein einziger Anruf bei einem sachverständigen norddeutschen Bauern oder jedem Hobbygärtner genügt, um ernsthafte Zweifel an der Warnung vor norddeutschem Gemüse zu wecken. Salatgurken (Cucumis sativus) werden in unseren Breitengraden erst in der zweiten Maiwoche im Freilandanbau ausgesät, die Ernte beginnt erst im Sommer. Die norddeutschen Exemplare, die momentan auf den Märkten gehandelt werden, stammen aus Gewächshäusern. Es dürfte jedoch bekannt sein, dass kein Bauer sein Gewächshaus mit Gülle düngt.

    Wer nun, da spanische Gurken als Infektionsquelle gehandelt werden, denkt, die Hysterie könnte abflachen, kennt jedoch die deutschen Medien und die „German Angst“ schlecht. Wir dürfen gespannt sein, welche Stilblüten uns in der nächsten Woche erwarten. Die Verantwortlichen aus Spanien streuen bereits die Version, ihre schönen Gurken seien den unachtsamen deutschen Importeuren heruntergefallen – mitten in den Kuhdung, der bekanntlich den Hamburger Großmarkt bedeckt. Nun ja. Den Vogel schießt jedoch einmal mehr der Verschwörungstheoretiker Udo Ulfkotte ab, der von einem „Fäkalien-Dschihad“ phantasiert, der von „orientalischen Erntehelfern“ auf Spaniens blühenden Feldern geführt wird. Zumindest wird es nicht langweilig. Nur gut, dass bei all der Hysterie die „wirklichen Gefahren“ der Mikrobiotik, wie beispielsweise multiresistente Krankenhauskeime, an denen jeden Tag mehr als 10 Menschen in Deutschland sterben, immer weiter in den Hintergrund gedrängt werden.


    Jens Berger

    209 Kommentare

    Das hilft bei Strahlung

    geschrieben am 31. März 2011 von Jens Berger

    ein Gastartikel von Jürgen Apitzsch

    Zunächst einmal: Keine Panik. Es macht keinen Sinn, sich ängstlich vor radioaktiver Belastung verstecken zu wollen. Wie die Erfahrungen aus Hiroshima, Nagasaki und Tschernobyl deutlich zeigen, kann niemand der Strahlung entgehen, wenn erst einmal eine großflächige Kontamination vorliegt. Egal ob wir uns davor ängstigen oder nicht. Allenfalls kann man versuchen, möglichst wenig strahlende Spaltprodukte aufzunehmen und möglichst viele der bereits aufgenommenen radioaktiven Schadstoffe auszuleiten. Hierzu bieten sich glücklicherweise eine ganze Reihe interessanter Möglichkeiten an. Auch gilt es das Immunsystem zu unterstützen, dass, wie alle Systeme mit hoher Zellteilungsrate, besonders unter der Strahlung leidet.

    Die Gefahr rechtzeitig erkennen

    Nur dann können wir uns gegen einen Anstieg radioaktiver Strahlung schützen, wenn wir rechtzeitig davon erfahren. Staatliche Stellen wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) sind eine Möglichkeit. Unter odl.de finden sich im Internet die Ergebnisse eines bundesweiten Messnetzes, das die Gamma- Ortsdosisleistung anzeigt. Wer offiziellen Stellen nicht blind vertrauen möchte, kann sich auch eines privaten Messnetzes bedienen. Unter you-measure.com können bundesweit privat erstellte Messergebnisse eingepflegt als auch eingesehen werden. Falls das nicht genügen sollte, so besteht immer noch die Möglichkeit, sich selbst einen Geigerzähler zuzulegen, der Preis für ein solches Gerät variiert zwischen 300 und 400 Euro. Ein interessantes Gadget ist in diesem Zusammenhang der PM1208 Wrist Gamma Indicator. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine Armbanduhr mit eingebautem Geigerzähler, der die Umgebungsstrahlung in Mikrosievert pro Stunde (μSv/h) misst und ab einem verdächtigen Grenzwert ein akkustisches Warnsignal ertönen lässt. Die Uhr, die zudem auch bis 100 m Tiefe wasserdicht ist, kostet rund 320 Euro und ist erhältlich bei Polimaster Inc. Virginia. Eine sehr viel kostengünstigere Alternative, die ohne jede Technik auskommt, bietet eine Zimmerpflanze. Die blaue Dreimasterblume (Tradescantia Virginiana) sieht nicht nur hübsch aus.

    Den Artikel weiterlesen »

    60 Kommentare