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> <channel><title>Spiegelfechter &#187; Politclowns</title> <atom:link href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/category/politclowns/feed" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.spiegelfechter.com/wordpress</link> <description></description> <lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 09:11:58 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator> <item><title>Medienadvent in der Gutti-Stube</title><link>http://www.spiegelfechter.com/wordpress/7447/medienadvent-in-der-gutti-stube</link> <comments>http://www.spiegelfechter.com/wordpress/7447/medienadvent-in-der-gutti-stube#comments</comments> <pubDate>Tue, 29 Nov 2011 19:41:34 +0000</pubDate> <dc:creator>Gastautor</dc:creator> <category><![CDATA[Politclowns]]></category> <guid
isPermaLink="false">http://www.spiegelfechter.com/wordpress/?p=7447</guid> <description><![CDATA[ein Gastgedicht von meinem väterlichen Freund und Hauslyriker Kaiserbubu Advent, Advent, der Gutti brennt Er will‘s schon wieder wissen Das Feuilleton ist außer sich Er hat so schön beschissen Schnappatmung in den Redaktionen Teutonen, Adel, Sensationen Der Kuchen ist noch &#8230; <a
href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/7447/medienadvent-in-der-gutti-stube">Continue reading <span
class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>ein Gastgedicht von meinem väterlichen Freund und Hauslyriker <a
href="http://www.derkongressbloggt.de/">Kaiserbubu</a></p><p><img
style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/guttiadvent_04.jpg" border="1" alt="" width="200" height="166" />Advent, Advent, der Gutti brennt<br
/> Er will‘s schon wieder wissen<br
/> Das Feuilleton ist außer sich<br
/> Er hat so schön beschissen</p><p>Schnappatmung in den Redaktionen<br
/> Teutonen, Adel, Sensationen<br
/> Der Kuchen ist noch nicht verteilt<br
/> Heißa, bald ist Weihnachtszeit</p><p><img
style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/guttiadvent_05.jpg" border="1" alt="" width="200" height="273" />Nun singet und seit froh, Verleger<br
/> Gutti ist DER Quotenfeger<br
/> Ausverkauft ist bald das Buch<br
/> Doch kommt nach Segen dann der Fluch?</p><p>So pilgerten die Medienhirten,<br
/> vorweihnachtlich erregt<br
/> um sich mit Gutti zu bewirten<br
/> nach Halifax, von früh bis spät</p><p>Macht hoch die Tür, die Tor‘ macht weit<br
/> Es spricht jetzt seine Lieblichkeit<br
/> Gewaltig rauscht’s im Blätterwald<br
/> Erlöst er sich und uns jetzt bald?</p><p><span
id="more-7447"></span><img
style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/guttiadvent_07.jpg" border="1" alt="" width="200" height="264" />Herr Baron ist jetzt sein eigenes Plagiat<br
/> Frisch retuschiert mit Gänsefüßchen oben<br
/> Ganz Neu! Angesehen auch ohne Staat<br
/> Als hätt‘ er nie gelogen</p><p>Schon  scheißt er klug vor Seinesgleichen<br
/> In der Reha seiner neuen Welt<br
/> Über´n Atlantik musst´ er weichen<br
/> Mit neuer Villa und viel Geld</p><p>Gequirlt, geschliffen, mediengeil<br
/> Wie in alten Tagen<br
/> Das Phrasen-Comeback erster Teil<br
/> Zu Unrecht wollt‘ man ihn verklagen</p><p><img
style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/guttiadvent_02.jpg" border="1" alt="" width="200" height="185" />Gutti clever und durchtrieben<br
/> den Boulevard ließ er links liegen<br
/> Ein Schlachtschiff voll seriöser Narren<br
/> spannte er vor seinen Karren</p><p>Exklusiv schreibt jetzt DIE ZEIT<br
/> Den Journalismus ist sie leid<br
/> Einst philosophisch,seriös und klug<br
/> fördert sie Provinzbetrug</p><p><img
style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/gutti_02.jpg" border="1" alt="" width="200" height="288" />Zuerst druckt sie das dolle Ding<br
/> Wohlwissend, dass wir danach dürsten<br
/> Kling Gutti,kling-eling-eling<br
/> Dreck lässt sich nicht abbürsten</p><p>Ein STREITGESPRÄCH von Kein-Ohr-Hasen<br
/> Oh Tannenbaum, was hörst Du Phrasen?<br
/> Giovanni schreibt „wie Flasche leer…“<br
/> Vom Himmel hoch, da kam er her……</p><p>Die Unschuld kommt jetzt ungegelt<br
/> Wie immer von sich selbst beseelt.<br
/> Dazu ein neuer Augenblick<br
/> Doch Dünnes trägt er auf zu dick</p><p><img
style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/guttiadvent_01.jpg" border="1" alt="" width="200" height="250" />Auch kommt er  etwas adipös<br
/> In Bayern wirkt das sehr sehrjös<br
/> Dort tritt er Freunden ins Gemächt<br
/> Das fanden die dort erst Mal schlecht</p><p>Die Kanzlerin, ein Rohrkrepierer<br
/> Europa kennt nur noch Verlierer<br
/> Er hakelt, plattelt, sägt an Ästen<br
/> Ganz uncharmant von Ost nach Westen</p><p>Statt  Räucherstab und Myrrhe<br
/> Dicker Gutti, Inhalt dürre<br
/> Jetzt nadelt es im Tannenadel<br
/> Der Gutti beißt sich selbst ins Wadel</p><p><img
style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/guttiadvent_06.jpg" border="1" alt="" width="200" height="196" />Auch’s  Horschtl ist jetzt stinkend sauer<br
/> Auf Kulmbachs baronesken Bauer<br
/> Statt Brauchtum und die Seilschaft pflegen<br
/> will Gutti jetzt sein Image prägen</p><p>Die eigene Unschuld spricht er wund<br
/> Das wird selbst Freunden viel zu bunt<br
/> Da dreht der Wind im Sauseschritt<br
/> Kaum einer will mit Gutti mit</p><p>Hochwohl zu früh geboren, war die Idee<br
/> <img
style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/guttiadvent_03.jpg" border="1" alt="" width="200" height="185" />Des Comebacks erster Teil tut weh<br
/> Zwar klingeln jetzt die schnöden Kassen<br
/> Den Gewinn wird seine Eitelkeit verprassen</p><p>Im zweiten Teil des Adelsstücks<br
/> kommt Gutti dann als Narr zurück<br
/> Drum lasst uns froh und munter sein<br
/> wir hauen weiter auf ihn ein.</p><p><em>Kaiserbubu</em></p><div
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/><p><small>© Gastautor für den Spiegelfechter, 2011. <br/> </small></p><p><a
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isPermaLink="false">http://www.spiegelfechter.com/wordpress/?p=7357</guid> <description><![CDATA[von Thorsten Beermann Haben wir ihn vermisst? Um ehrlich zu sein, haben die meisten in den letzten sechs Monaten wohl nicht all zu viele Gedanken an Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu &#8230; <a
href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/7357/da-isser-ja-wieder">Continue reading <span
class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>von <a
href="http://workingmansdeath.wordpress.com/" target="_blank">Thorsten Beermann</a></p><p><img
class="alignright" style="float: right;margin-left: 10px;margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/lodda_02.jpg" alt="" width="200" height="242" />Haben wir ihn vermisst? Um ehrlich zu sein, haben die meisten in den letzten sechs Monaten wohl nicht all zu viele Gedanken an Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg verschwendet. Warum auch, könnte man sagen, der überführte Betrüger (und um nichts anderes als Betrug handelt es sich schließlich beim bewussten und großflächigen Plagiieren in einer Doktorarbeit), hat sich mit Schwung selbst ins Aus befördert und wird kaum wieder den Weg auf die politische Bühne finden. Auch ich war mir ehrlich gesagt relativ sicher, dass Guttenberg aufgrund seiner gegelten…’schuldigung, gesalbten Herkunft sicher in einige angenehme Positionen umsteigen, kaum aber über die Chuzpe verfügen dürfte, erneut öffentliche Ämter in Angriff zu nehmen. Da ich meine Fehler eingestehen kann, tue ich das hiermit: Scheinbar habe ich mich geirrt.</p><p>Die Ankündigung eines Buches, der gut von den deutschen Medien abgedeckte Auftritt bei einer Konferenz in Kanada und einige Interviews in großen deutschen Tages- und Wochenzeitungen bzw. deren Internetablegern in den letzten Tagen, mit der Ankündigung, eine neue Promotion anzustreben, hätten Warnzeichen genug sein können. Spätestens nach der Einstellung des Verfahrens gegen eine Zahlung von 20.000€ an die Krebshilfe ist aber klar, dass Guttenberg seine Ambitionen noch lange nicht begraben hat. Und auch die Strategie, die er und seine Verteidiger anwenden werden, zeichnet sich immer deutlicher ab.</p><p>Der erste wichtige Grundbaustein ist die Verfahrenseinstellung. Da er nicht vorbestraft ist, so wird man argumentieren, kann das Vergehen ja so schlimm nicht gewesen sein. Mehr noch, wenn er tatsächlich einen neuen Doktorvater findet, der ihm schnell noch einen neuen Titel verpasst (und bei seinen Verbindungen und denen seiner Familie muss man daran kaum zweifeln), wird man ins Feld führen, dass er ja nun spätestens jetzt die Leistungen wirklich erbracht hätte und man das Thema ruhen lassen solle.</p><p><span
id="more-7357"></span><img
class="alignright" style="float: right;margin-left: 10px;margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/lodda_01.jpg" alt="" width="200" height="194" />Die zweite Säule zeichnet sich gerade in der Kritik an der deutschen Politik im Allgemeinen und der CSU im Besonderen ab. Schon vor seiner Rücktritt (natürlich nur um seine Familie zu schützen) beruhte die Guttenberg-Verehrung vor allem auf der Legende, er hätte sich als Minister in der Wirtschaftskrise als einziger gegen die Mehrheitsmeinung in der Regierung gestellt (quasi das administrative Gegenstück zur Political Correctness) und seinen Mann gestanden (weil er als Adliger auf profane weltliche Titel ja gar nicht angewiesen sei, wie manche Zeitung vermutete). Dass er jedes Mal, wenn er mit viel Tamtam etwas herausposaunt hat, hintenrum klein beigeben musste, fiel dabei unter den Tisch. Auch jetzt wird fleißig am Bild des Rebellen gefeilt, der sagt, was sich sonst keiner traut. Dass seine Kritik aus wohlfeilen Allgemeinplätzen besteht, stört dabei kaum.</p><p>Das Ergebnis der Bemühungen scheint auf den ersten Blick eher zwiespältig. Bis auf die zu erwartenden Verlage, denen Fakten ohnehin nie all zu wichtig waren, liest man überwiegend eher kritische Stimmen. Das Fehlen echter Reue wird beklagt und dass es Guttenberg an einer gewissen Demut mangele, wo er sich jetzt schon wieder in Funktionen vom Konzernlenker bis zum Minister sehe. Auch modische Kritik ist hier und da zu lesen. Gut, was das nun etwas weniger schmierige Äußere mit seiner fachlichen Kompetenz zu tun hat, weiß vermutlich auch nur der Focus.</p><p>Aber gerade da liegt der Knackpunkt, denn die Frage seiner fachlichen (In)Kompetenz ist gleichzeitig scheinbar vollkommen vom Tisch. Niemand fragt mehr nach seinem schon lächerlich aufgehübschten Lebenslauf, mit dem er seine Eignung zum Wirtschaftsminister belegen wollte (man erinnere sich an das Praktikum, das zum Arbeitsverhältnis im Ausland wurde und das Verwalten des Familienvermögens mit immerhin zwei Mitarbeitern, das zum Leiten eines international agierenden Unternehmens avancierte). Kein Mensch redet über seine Rolle in der Wirtschaftskrise. Oder besser, keine Rolle in der Wirtschaftskrise, weil außer der Kritik an der Opelrettung (die trotzdem kam) kein Ton von seiner Seite (immerhin Wirtschaftsminuster) zu hören war. Es wird nicht diskutiert, dass er als Verteidigungsminister zwei Untergebene für seine voreiligen Äußerungen über die Klinge springen ließ, obwohl er nachweislich über die Vorgänge informiert gewesen war. Kein Wort von seinen populistischen Schnellschüssen in der Gorch Fock-Affäre. Und wie war das mit der Bundeswehrreform? Sein Nachfolger räumt bis heute das Chaos aus, das die Verkündigung des Endes der Wehrpflicht, ohne auch nur den Ansatz eines Konzeptes ausgearbeitet zu haben, verursacht hat.</p><p>Die Reduktion auf die „moralische“ Frage ist schon ein gigantischer Erfolg für Guttenberg. Dass er im Amt nie etwas auf die Reihe gebracht hat, tritt in den Hintergrund. Bald wird es wieder als der erfolgreiche Jungpolitiker dargestellt werden, der über einen dummen alten Fehler gestolpert ist. Gut, um einen Canossagang wird er vermutlich nicht herumkommen. Sollte er den medialen Kniefall aber zum richtigen Zeitpunkt gut inszenieren, könnte er den Betrug in seiner Doktorarbeit tatsächlich mit einem Schlag vom Tisch gewischt haben. Einziges Risiko ist derzeit der Eindruck, dass Guttenberg von der Justiz bevorzugt wurde. Das könnte ihn tatsächlich Sympathiepunkte kosten. Sollte sich das nicht verfangen, sehen wir vielleicht sogar noch einen Bundeskanzler zu Guttenberg. Lang lebe Karl Theodor I.</p><p><em>Thorsten Beermann</em></p><p><img
src="http://vg06.met.vgwort.de/na/731dab6897304e249fb905141b4ace8f" alt="" width="1" height="1" /></p><div
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isPermaLink="false">http://www.spiegelfechter.com/wordpress/?p=6295</guid> <description><![CDATA[Von Stefan Sasse Sylvana Koch-Mehrin ist ihren Doktortitel zum historischen Thema &#8220;Münzunion&#8221; nun auch los. Grobe Plagiate hat man ihr nachgewiesen, auf über 80 Seiten, zwei Drittel davon sind nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt. Wie auch Guttenberg hat sie sich billig &#8230; <a
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class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Von <a
href="http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/" target="_self">Stefan Sasse</a></em></p><p><img
style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px" src="http://www.spiegelfechter.com/img/plags_01.jpg" border="0" alt="" width="200" height="209" />Sylvana Koch-Mehrin ist ihren Doktortitel zum historischen Thema &#8220;Münzunion&#8221; <a
href="http://www.sueddeutsche.de/karriere/nach-entzug-des-doktortitels-silvana-koch-mehrin-trotzig-wie-ein-kleinkind-1.1109432">nun auch los</a>. Grobe Plagiate hat man ihr nachgewiesen, auf über 80 Seiten, zwei Drittel davon sind nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt. Wie auch Guttenberg hat sie sich billig aus der Affäre zu ziehen versucht, indem sie einige Ämter zurückgab und hoffte, der Sturm möge so vorüberziehen. Das fette Amt der Europaabgeordneten allerdings besitzt sie noch, ebenso wie einen privatwirtschaftlichen Posten. Genauso wie Guttenberg legt sie außerdem eine arrogante und beleidigte Attitüde an den Tag, ganz so als sei sie das Opfer einer großen Verschwörung, das nur über irgendetwas Harmloses stolpere &#8211; gewissermaßen ein &#8220;don&#8217;t ask, don&#8217;t tell&#8221;-Fall der deutschen Politik. Ihre haarsträubende Aussage, dass die Mängel ihrer Arbeit bereits vor deren Abgabe bekannt gewesen sei, reiht sich in die &#8220;abstrusen Vorwürfe&#8221; Guttenbergs und den &#8220;wissenschaftlichen Mitarbeiter&#8221; Merkels nahtlos ein. Offensichtlich bauen die Plagiatoren, die der Deutlichkeit halber im Folgenden nur noch Betrüger genannt werden sollen.</p><p>Ein populäres Missverständnis, das besonders in der nicht akademisch gebildeten Gesellschaft weit verbreitet ist, stellt die Plagiate mit dem lässlichen Abschreiben in der Schule auf eine Stufe. In der Mathearbeit spickeln, in der Doktorarbeit nicht richtig zitieren &#8211; wo liegt da schon der Unterschied? Der Unterschied ist gewaltig. Was die Plagiatoren in ihrer Doktorarbeit tun ist zu stehlen. Sie stehlen nicht nur Gedanken anderer Leute &#8211; darum kümmern wir uns gleich &#8211; sondern sie stehlen deren Arbeit, indem sie komplette Abschnitte von deren Arbeiten kopieren und als ihre eigenen ausgeben. Das ist im akademischen Bereich dasselbe wie ein Auto zu stehlen und als das seine auszugeben. Es ist, schlicht und ergreifend, Diebstahl geistigen Eigentums und Betrug, es als das Eigene auszugeben. Nicht Abschreiben. Diebstahl.</p><p>Das zweite Missverständnis ist eher der ungenauen Berichterstattung geschuldet. Selbst Leute, die mit dem Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten vertraut sind verwechseln das, was Koch-Mehrin und Guttenberg nachweislich getan haben, mit der Ungenauigkeit des unerfahrenen Erstsemesters: sie weisen ihre Fußnoten nicht korrekt aus. Da ein normaler Student bereits Abzüge für falsch gesetzte Interpunktion in Fußnoten bekommen kann und seine Proseminar-Hausarbeiten mit einigen vergessenen Fußnoten durchaus &#8220;ungenügend&#8221; bewertet bekommt ist dieses Problem keineswegs neu. Ein typisches Beispiel hierführ wäre &#8220;laut Professor X kommt das Mutantengen besonders bei Jugendlichen vor&#8221;, gefolgt von einer Fußnote, in der erklärt wird wo die so nur indirekt zitierte Passage zu finden ist. Solche Fehler haben Koch-Mehrin und Guttenberg AUCH gemacht; aberkannt wurde ihre Doktorarbeit aber nicht dafür. Bei dem Beispiel handelt es sich um Formfehler, die Abzüge in der Note erforderlich machen, aber nicht Plagiate, da schon aus dem Satz hervorgeht, dass es sich eben um keine eigene Geistesleistung handelt, sondern dass auf andere Bezug genommen wird.</p><p><span
id="more-6295"></span><img
class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px;" src="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/wp-content/uploads/2011/04/km05.jpg" alt="" width="200" height="141" />Koch-Mehrin und Guttenberg haben einfach bei Professor X die Seite aufgeschlagen und komplette Passagen per Copy+Paste übernommen. Das ist Diebstahl, das ist Betrug. Koch-Mehrin und Guttenberg sind Betrüger, sie sind die Autoschieber der akademischen Welt. Beider Verhalten in ihrem jeweiligen Aufdeckungsprozess ist der eigentliche Skandal, indem sie so tun, als handle es sich um lässliche Sünden (in Guttenbergs Fall simples &#8220;Abschreiben&#8221;, bei Koch-Mehrin Formfehler). Das ist in beiden Fällen nicht so. Strahlkraft über die jeweils persönlichen Fälle bekommt die Geschichte jedoch durch die Tatsache, dass Koch-Mehrin und Guttenberg nicht die einzigen Betrüger dort draußen sind. Der CDU-Landtagsabgeordnete Pröfrock beispielsweise ist ebenfalls bereits unter Plagiatsverdacht, gleichfalls FDP-Europaabgeordneter Georgios Chatzimarkakis. Es geht um eine Krise des akademischen Systems an sich.</p><p>Koch-Mehrin hat mit ihren Aussagen, dass die mangelnde Qualität ihrer Arbeit bereits im Vornherein bekannt war und dass ständig Mist abgegeben wird leider Gottes Recht. Bei Guttenberg konnten die Geschichten vom missbrauchten Vertrauen eines alten Professors in den Anstand seines Studenten noch ein wenig ziehen, aber offensichtlich findet in der Breite keine echte Kontrolle der Doktorarbeiten statt. Wenn Koch-Mehrins Mängel so offen erkennbar waren und sie das selbst zugibt, warum wurde die Arbeit dann mit <em>cum laude</em> bewertet und nicht mit <em>rite</em>? Will man vielleicht am Ende eines mehrjährigen Betreuungsprozesses nicht zugeben, auch als Betreuer versagt zu haben, wenn der Doktorant am Ende so kläglich scheitert? Fehlen die personellen Kapazitäten, um die Betrüger zu entlarven?</p><p>So oder so müssen die Universitäten auf den Prüfstand, vor allem bei ihrer Praxis der Titelvergabe. Es kann kaum sein, dass zwar Studenten auf ihre Arbeiten genau geprüft werden, dann aber irgendwelche Karrieristen für ihren Visitenkartenschmuck durchgewunken werden. Es ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich ihren Doktor mit harter Arbeit erreicht haben und nun mitsamt dem Betrügerpack unter Anklage gestellt werden, das zudem noch die Frechheit hat, das von ihnen Erreichte in den Dreck zu ziehen und als bedeutungslos hinzustellen, um den eigenen Betrug zu relativieren. Deshalb muss vroniplag weitermachen, weitere Plagiate aufdecken und ja, auch gerne weiter anonym arbeiten. Den Betrügern muss das Handwerk gelegt werden, ihre widerliche Doppelmoral entlarvt werden.</p><p><em>Stefan Sasse</em></p><div
style="text-align: justify;"><img
src="http://vg09.met.vgwort.de/na/b3933b0139804a8fa4c0a91425a3b18b" alt="" width="1" height="1" /></div><div
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isPermaLink="false">http://www.spiegelfechter.com/wordpress/?p=4380</guid> <description><![CDATA[Es gibt Situationen, da wird selbst die absurdeste Satire von der Realität eingeholt. Vor allem die FDP ist Meister auf dem Gebiet der fleischgewordenen Realsatire. Während die Kommentatoren sich gestern noch über den jüngsten Geniestreich der Regierung, die deutsche Schwerindustrie &#8230; <a
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class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px;" src="http://www.spiegelfechter.com/img/fdpalk_01.png" alt="" width="200" height="229" />Es gibt Situationen, da wird selbst die absurdeste Satire von der Realität eingeholt. Vor allem die FDP ist Meister auf dem Gebiet der fleischgewordenen Realsatire. Während die Kommentatoren sich gestern noch über den jüngsten Geniestreich der Regierung, die deutsche Schwerindustrie von den Rauchern quersubventionieren zu lassen, die Mäuler zerrissen, dachte man in der FDP-Parteizentrale wohl schon weiter. Das &#8220;<a
href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4369/rauchen-fur-die-schwerindustrie">Rauchen für die Schlote</a>&#8221; soll nach Vorstellung der Liberallalas nun durch ein &#8220;Saufen für die Luftfahrt&#8221; ergänzt werden. <a
href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article10540284/FDP-will-jetzt-auch-hoehere-Alkoholsteuer-erheben.html">Ginge</a> es nach der Steuersenkerpartei, soll künftig eine Alkoholsteuer &#8220;eingeführt&#8221; werden – auf jedes Prozent Alkoholanteil soll demnach ein Prozent Alkoholsteuer anfallen. Mit diesen hochprozentigen Einnahmen soll freilich keine Suchtprävention finanziert werden und an den Abbau der schwindelerregenden Staatsschulden denken die Autoren des <a
href="http://www.textmagazin.de/2010/1/21-FDP-Sparbuch-2009.html">&#8220;liberalen Sparbuchs&#8221;</a> auch nicht.</p><p>Nein, die FDP hat vor, mit diesen Steuereinnahmen – na was wohl? – die Wirtschaft zu entlasten. Im konkreten Fall geht es darum, den Lobbyisten der Luftfahrtbranche einen Gefallen zu tun und die &#8220;Luftverkehrsabgabe&#8221; abzuschaffen. Welch glorreiche Idee, so kann der alkoholabhängige Lufthansapilot proaktiv seinen Job sichern. Überflüssig zu erwähnen, dass dies die einzige Abgabe aus dem großen Sparkatalog der Bundesregierung ist, die die Wirtschaft betrifft und die noch nicht gestrichen wurde. Eine Zusatzbelastung für Otto Normalschnapstrinker ist das freilich nicht. Natürlich zahlt er künftig für den Korn ein wenig mehr, dafür wird aber  im Gegenzug der TUI-Flug zum steuersparenden Sangriasaufen am Ballermann billiger.</p><h3>Fehler im Masterplan</h3><p><img
class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px;" src="http://www.spiegelfechter.com/img/fdpalk_02.png" alt="" width="200" height="244" />Im Endeffekt ist dies natürlich eine Milchmädchenrechnung, bei der die wirtschaftskompetenten FDP-Politiker das Geld aus der linken Tasche nehmen wollen, um es in die rechte Tasche zu stecken. Die Luftverkehrsabgabe wird ohnehin 1:1 auf den Endkunden abgewälzt, bei der Alkoholsteuer ist dies nicht anders. Vielflieger sind der FDP aber ohnehin näher als Vielsäufer, obgleich die Politik der Liberalen eigentlich nur noch im Suff zu ertragen ist. Ausgerechnet dieser letzte FDP-Filter soll nun auch noch teurer werden &#8211; wenn das mal nicht nach hinten los geht.</p><p>Der fiskalische Masterplan der FDP hat jedoch einen kleinen, nicht eben unwichtigen Fehler: Alkohol wird bereits über die Branntweinsteuer besteuert und das nicht zu knapp. Auf einen Hektoliter Reinalkohol werden momentan stolze 1.303 Euro Branntweinsteuer erhoben – bei einer Flasche Rum (0,7 Liter) mit 40% Alkoholanteil fallen demnach 3,65 Euro Branntweinsteuer an. Aber das ist längst nicht alles, da auf diesen Nettopreis auch noch 19% Mehrwertsteuer anfallen – die Besteuerung von Steuern ist übrigens eine besonders raffinierte Unart des deutschen Steuersystems.</p><h3>Saufen wird teurer? Nein, Saufen wird billiger!</h3><p>Bei einer Flasche 40-prozentigen Fusel, die vor Steuern einen Euro kostet, kommen nach gängiger Steuerpraxis also noch 3,65 Euro Branntweinsteuer und 88 Cent Mehrwertsteuer hinzu, was auf einen Endpreis von 5,53 Euro hinausläuft. Wenn man sich nun das FDP-Modell anschaut, kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis: Auf den Preis vor Steuern von einem Euro kommen 40% Alkoholsteuer und 19% Mehrwertsteuer, was zu einem Verbraucherpreis von 1,66 Euro und somit einer Ersparnis von 3,86 Euro führt. Ist das etwa die neue Sozialpolitik der FDP? Fusel zum Hartz-IV-Preis? Na wenn das mal nicht zu spätrömischer Dekadenz führt.</p><p><span
id="more-4380"></span>Bei einer Flasche Edelschnaps für FDP-Wähler sieht die Sache freilich anders aus. Ein guter Single Malt kostet im Einkauf vor Steuern schon mal gerne 30 Euro. Addiert man die Branntweinsteuer, die unabhängig vom Preis der Ware ist, und die Mehrwertsteuer hinzu, kommt man auf einen Endpreis von 40,04 Euro. Nach dem ausgefeilten FDP-Modell müsste das edle Schlückchen künftig allerdings 49,98 Euro kosten (30 Euro plus 40% Alkoholsteuer plus 19% Mehrwertsteuer). Kann die Partei der Besserverdiener es tatsächlich wollen, dass edle Alkoholika für Leistungsträger teurer, Fusel für Leistungsverweigerer aber billiger wird? Wo bliebt denn da der Anreiz? Wahrscheinlich fehlt den Finanzexperten der FDP aber schlicht und einfach ein Taschenrechner, um ihre eigenen Steuermodelle einmal durchzurechnen.</p><h3>Bier und Wein, das lass sein</h3><p><img
class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px;" src="http://www.spiegelfechter.com/img/fdpalk_04.png" alt="" width="200" height="267" />Die Branntweinsteuer gilt natürlich nur für Hochprozentiges. Wie sieht es bei Lieblingsgetränken der Deutschen &#8211; Bier und Wein &#8211; aus? Die Biersteuer wird nach einem komplizierten Verfahren errechnet, das sich am Stammwürzegehalt orientiert. Für einen Liter Bier fallen so rund 9,4 Cent Biersteuer an. Natürlich will die FDP auch die Freunde schwachalkoholischer Getränke mit ihrer wunderbaren Alkoholsteuer beglücken. Bei einem Discounterbier zu 20 Cent pro Halbliterdose (vor Steuern) würden demnach 5% Alkoholsteuer – also 1 Cent – anfallen. Will die FDP wirklich Bier verbilligen? Oder will sie die Alkoholsteuer auf die Biersteuer draufschlagen? Man weiß so wenig. Dass eine solche Steuer nur über die Leichen aller CSU-Abgeordneten umgesetzt werden kann, steht jedoch außer Frage, ist der Maßpreis auf der Wiesen für bayerische Politiker doch noch weit vor Professor Sinns Zahlenorakel der wichtigste Indikator für die volkswirtschaftliche Gemengelage. Außerdem ist die Biersteuer – auf Betreiben Bayerns hin – eine Landes- und keine Bundessteuer. Auch hier wäre das Heimatland der lustig beschwippsten Landesbanker wieder einmal Epizentrum eines verheerenden fiskalischen Urknalls.</p><p>Wein wird im Heimatland des Dornfelder trocken bislang sonderbarerweise nicht speziell besteuert. Bei Sekt ist dies freilich anders – Kaiser Wilhelm II. ließ 1902 eine Sekt- und Schaumweinsteuer einführen, um seine Kriegsmarine zu finanzieren. Die kaiserliche Marine liegt heute auf dem Meeresgrund im Skagerrak und vor Scapa Flow, die Sekt- und Schaumweinsteuer gibt es natürlich immer noch. War Wilhelm II. etwa FDP-Mitglied? Nein, Rainer Brüderle ist aber FDP-Mitglied und es ist nur schwer vorstellbar, dass Deutschlands trockenste Weinkönigin einer Alkoholsteuer für Wein zustimmen würde.</p><h3>Kapitulationserklärung der menschlichen Vernunft</h3><p><img
class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px;" src="http://www.spiegelfechter.com/img/fdpalk_03.png" alt="" width="200" height="171" />Der aufmerksame Beobachter, der im täglichen Politikgeschäft kaum mehr Satire und FDP-Linie unterscheiden kann, fragt sich hier allerdings, mit welchen Steuerreformen die Liberalen uns in Zukunft noch beglücken wollen. Guttenbergs Bundesreform führt zu einem Wettbewerbsnachteil für die Rüstungsindustrie? Das könnte man doch durch die Einführung einer <a
href="http://www.der-postillon.com/2010/10/nach-tabak-und-alkohol-schwarz-gelb.html">Sexsteuer</a> fürs horizontale Gewerbe ausgleichen – &#8220;Ficken für den Weltfrieden&#8221; klingt doch auch schön. Ist sonst nichts passiert? Doch – ein <a
href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,725379,00.html">geistig Verwirrter stand vor Merkels Haus</a> (nein, es war nicht Guido Westerwelle) und <a
href="http://www.welt.de/vermischtes/prominente/article10547815/Krake-Paul-wird-verbrannt-und-bekommt-ein-Denkmal.html">Paul der Krake ist tot</a>. Gut, dass es auch noch echte Schlagzeilen ohne FDP-Beteiligung gibt.</p><p><em>Jens Berger</em></p><div
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isPermaLink="false">http://www.spiegelfechter.com/wordpress/?p=4005</guid> <description><![CDATA[„Wir stehen vor der Tatsache, daß der Geburtenüberschuß in Deutschland auf 1.000 Einwohner 1874 noch 13,4 betrug, 1904 14,5 &#8211; 1927 aber nur 6,4! (&#8230;) Nach Lenz braucht Deutschland zwecks Stabilisierung seiner Volkszahl auf 78 Millionen 1.366.000 Lebendgeburten. 1927 wurden &#8230; <a
href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4005/morbus-sarrazin">Continue reading <span
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class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px;" src="http://www.spiegelfechter.com/img/sarr_01.png" alt="" width="200" height="266" />„Wir stehen vor der Tatsache, daß der Geburtenüberschuß in Deutschland auf 1.000 Einwohner 1874 noch 13,4 betrug, 1904 14,5 &#8211; 1927 aber nur 6,4! (&#8230;) Nach Lenz braucht Deutschland zwecks Stabilisierung seiner Volkszahl auf 78 Millionen 1.366.000 Lebendgeburten. 1927 wurden aber nur 1.160.000 geboren, d. h. von der zur Erhaltung des Bestandes an gebärfähigen Frauen nötigen Mindestzahl fehlten also bereits 15%. (&#8230;) Nimmt man hinzu, daß die Völker im Osten sich fortlaufend weiter vermehren (&#8230;) so steht die Frage fürs deutsche Volk einfach so, ob es gewillt ist (&#8230;) zu siegen oder unterzugehen.“</p><p>Nein, dieses Zitat stammt nicht aus Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“, sondern aus „<a
href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mythus_des_20._Jahrhunderts">Der Mythus des 20. Jahrhunderts</a>“ des NS-Rassenideologen Alfred Rosenberg. Die Vorstellung, eine Nation könne nur dann in Wohlstand gedeihen, wenn sie ihre Gesamtpopulation zumindest stabil hält, ist historisch gesehen eine Ausnahme. In früheren Jahrhunderten galt der Umkehrschluss &#8211; sobald eine Nation eine Wohlstandsphase durchlebt, steigt automatisch ihre Population. Diese Entwicklung wurde jedoch von den zeitgenössischen Wissenschaftlern wie Robert Malthus keinesfalls als wünschenswert, sondern als problematisch angesehen, da weder die Wirtschaft, noch die Nahrungsmittelproduktion diese Wachstumsraten mitgehen können. Die Wende im Denken lösten die „Stahlgewitter“ (Ernst Jünger) des Ersten Weltkriegs aus &#8211; im industrialisierten Massenkrieg in den Schützengräben Flanderns wurde der Mensch endgültig auf seine Funktion als Humanressource reduziert.</p><p><span
id="more-4005"></span></p><h3>Raum ohne Volk?</h3><p>Doch diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Dennoch erfreuen sich Rosenbergs Populationsthesen vor allem in konservativen Kreisen bis heute einer befremdlichen Beliebtheit. Sarrazins Gedanken zur Bevölkerungsentwicklung, die sich durch sein neues Buch wie ein roter Faden ziehen, erlebten bereits im letzten Jahrzehnt eine Renaissance. Schon in den 90ern knüpfte der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel an Rosenberg an, prophezeite den Deutschen das baldige Aussterben und erhielt dafür viel Applaus von konservativen Publizisten wie Frank Schirrmacher. Miegels wissenschaftliche und publizistische Tätigkeiten wurden seinerzeit von August Baron von Finck jr. finanziert (<a
href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1739/der-alte-mann-und-die-fdp">“Rechts vom Gustl steht bloß noch Dschingis Khan“</a>) und stellen die Saat dar, aus der in den letzten Jahren Pflanzen wie Eva Herman oder Ursula von der Leyen sprießen konnten, die nahtlos an die These des aussterbenden deutschen Volkes anknüpften.</p><p><img
class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px;" src="http://www.spiegelfechter.com/img/burgdoerfer.png" alt="" width="200" height="154" />Die Frage, warum es erstrebenswert sein sollte, eine möglichst große Population zu haben, wird jedoch seit Rosenberg von keinem der Untergangspropheten zufriedenstellend beantwortet. Selbst wenn Deutschland in 300 Jahren nur noch 3 Millionen Einwohner haben sollte, wie es Thilo Sarrazin unheilschwanger prophezeit, so fragt man sich unwillkürlich, was daran in Zeiten schwindender natürlicher Ressourcen so schlimm sein sollte.</p><p>Geht es dem Dänen etwa schlechter als dem Deutschen, nur weil es rund 15mal so viele Deutsche als Dänen gibt? Auch die These vom „Raum ohne Volk“ lässt sich anhand der Beispiele Kanada, Schweden oder auch der USA mühelos widerlegen. Im Gegenteil &#8211; angesichts einer zu erwartenden <a
href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/444/von-der-finanzkrise-in-die-2080-gesellschaft">20:80 Gesellschaft</a> erscheint eine Abnahme der Gesamtpopulation sogar wünschenswert. Sogar Rosenbergs Kanonenfutter-These bietet heute, in Zeiten, in denen Drohnen automatisiert töten, keine befriedigende Erklärung mehr.</p><h3>Von Rosenberg über Spengler zu Sarrazin</h3><p> Wer Sarrazin, Herman und Co. verstehen will, sollte sich daher auch von der rein quantitativen Betrachtung verabschieden. Die Motivation der modernen Kulturpessimisten leitet sich vielmehr vom „Vater des Kulturpessimismus“ ab.</p><p>„Nach dem Übergang der Kultur in Zivilisation verschwindet allmählich die gesamte kulturfähige Bevölkerung, indem sie (&#8230;) die Produktion von Nachkommen vernachlässigt. Das ehemalige Kulturgebiet bewohnen am Ende primitive Volksmassen, die Fellachen.“</p><p>Die „Fellachen“, die Oswald Spengler in seinem umstrittenen geschichtsphilosophischen Standardwerk <a
href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Spengler,+Oswald/Der+Untergang+des+Abendlandes">„Der Untergang des Abendlandes“</a> als Nachfolger der zivilisierten Bewohner Europas ausmachte, sind in Sarrazins Ideologie „die Muslime“. Doch Sarrazin geht in seiner „Analyse“ weiter als Spengler, der trotz seiner expliziten Distanzierung von der zeitgenössischen Rassenlehre &#8211; vielleicht zu unrecht &#8211; als einer der Wegbereiter der nationalsozialistischen „Blut und Boden-Ideologie“ gilt. Thilo Sarrazin vermengt stattdessen unausgegorenes Halbwissen aus der Genetik mit seiner bürgerlichen Abart des Kulturpessimismus.</p><h3>Thilos Welt</h3><p><img
class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px;" src="http://www.spiegelfechter.com/img/sarr_02.png" alt="" width="200" height="181" />Thilo Sarrazins Welt ist eine naive Seifenblase, in der jeder talentierte Tellerwäscher tatsächlich Millionär wird. Wer Tellerwäscher &#8211; oder noch schlimmer: Hartz-IV-Empfänger &#8211; bleibt, kann demnach auch nicht die Eigenschaften mitbringen, in dieser Gesellschaft eine produktivere Funktion wahrzunehmen. Wer arm ist, ist dumm. Wer dumm ist, zeugt dumme Kinder &#8211; und da der Dumme mehr Kinder zeugt als der Schlaue, nimmt die Zahl der Dummen zwangsläufig zu und das Land verblödet. Derlei unsinnige publizistische Blödeleien sind es eigentlich nicht wert, dass man ernsthaft darauf eingeht. Wahrscheinlich würde Sarrazins Buch auch wie Blei in den Regalen der Buchhandlungen liegen bleiben, wenn er seine kruden Thesen nicht mit einer Portion Xenophobie gewürzt hätte.</p><p>Früher hat Sarrazin noch den Journalisten seine reine Le(e/h)re in den Notizblock diktiert. Er hetzte gegen Hartz-IV-Empfänger, Jogginghosenträger und alle Angehörigen der bildungsfernen und ökonomisch erfolglosen Schichten. Das kam zwar bei einigen abstiegsverängstigten Angehörigen der Mittelschicht gut an, taugte jedoch nicht für die Rolle des Volkstribuns, die der überaus eitle Sarrazin für sich beansprucht. Sarrazin lernte aus seinen Fehlern und schraubte an seinem Feinbild. Nicht „die Unterschicht“, sondern „die Ausländer“ standen fortan im Visier seiner geistigen Güllespritze. Für einen verängstigten Bürger ohne ernstzunehmende intellektuelle Prädisposition ist Ausländer natürlich nicht gleich Ausländer. Wer an Xenophobie leidet, hat keine Angst vor fremden Pässen, sondern vor einer fremden Kultur. Dabei spielt der Pass gar keine Rolle, der Großteil der Muslime, die auf der Abschussliste des Bundesbankers stehen, hat schließlich sogar einen deutschen Pass.</p><h3>So lügt man mit Statistik</h3><p>Sarrazins Kreuzzug gegen Muslime ist aus intellektueller Perspektive kaum mehr als ein Rohrkrepierer. Sein Buch liest sich stellenweise wie eine Arbeitsvorlage für Walter Krämers vergnügliches Lehrbuch „So lügt man mit Statistik“. Sarrazin vermag es nicht, zwischen Korrelation und Kausalität zu unterscheiden. Er präsentiert dem Leser vielmehr Unmengen an durchaus interessanten Zahlen, vermeidet es jedoch auf Teufel komm raus, die Kausalität zwischen diesen Zahlen und seinen wirren biologistischen Thesen herzustellen. Es gibt auch eine Korrelation zwischen der Gesamtpopulation der Störche im Burgenland und der dortigen Geburtenrate &#8211; aber sogar ein Thilo Sarrazin käme wohl nicht auf die Idee, daraus die Kausalität herzustellen, Kinder würden vom Klapperstorch gebracht. Umgekehrt hat Sarrazin jedoch keine Problem damit, soziale Parameter wie Bildungserfolg, beruflichen Status oder Kriminalität mit der Herkunft der Eltern kausal zu verknüpfen.</p><p>Wenn Sarrazin mutmaßt, dass Intelligenz zu 50-80% vererbbar sei und die Dummheit der Welt sich dadurch reduzieren ließe, wenn die Dummen weniger Kinder bekämen, dann ist dies nicht nur absurd, wie Markus Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität Bonn, es ausdrückt, sondern vielmehr eine Vorstufe der Eugenik. Thilo Sarrazins Welt ist eine Welt, in der Menschen nach Nutzbarkeit bewertet werden. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Dabei stellen nicht nur die Muslime „unwertes Leben“ dar, da sie ja den Steuerzahler in toto mehr Geld kosten würden, als sie ihm einbrächten (auch diese These ist falsch). Wer die Gesellschaft in taugliche und untaugliche, nützliche und schädliche Mitglieder aufteilt, müsste folgerichtig auch Behinderten ihre Zugehörigkeit zur „Volksgemeinschaft“ absprechen. Wenn man Sarrazins Gedanken konsequent zu Ende denkt, so landet man bei der Eugenik, deren Vordenker Rassenhygiene durch die Vernichtung und Vermeidung „unwerten Lebens“ erreichen wollten. Vernichten will Sarrazin „unwertes Leben“ nicht &#8211; dass er jedoch die Geburt solch „unwerten Lebens“ lieber bereits im Vorfeld vermeiden will, stellte er bereits vor einem Jahr fest, als er <a
href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1026/teile-und-herrsche">forderte</a>, das Sozialsystem so umzubauen, dass Hartz-IV-Empfängern, die in Sarrazins Welt lediglich nutzlose Kostenfaktoren sind, das Kinderkriegen durch finanzielle Sanktionen ausgetrieben werden sollte.</p><h3>Jedes Volk hat die Demagogen, die es verdient</h3><p><img
class="alignright" style="float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px;" src="http://www.spiegelfechter.com/img/sarr_03.png" alt="" width="200" height="236" />Aber nicht Sarrazins unwissenschaftliches Rosinenpicken in den Zahlenkolonnen des Mikrozensus und seine wirre Vermischung von Korrelationen und Kausalitäten ist bemerkenswert, sondern die Rezeption dieser kruden Thesen durch die Bevölkerung. Obwohl Sarrazins Kauderwelsch von nahezu allen größeren Medien (mit Ausnahme von BILD und SPIEGEL) gnadenlos zerfleischt wird und kein ernstzunehmender Multiplikator sich schützend hinter „Pöbel-Thilo“ stellt, frisst das Volk dem Möchtegern-Demagogen willfährig aus der Hand. Bei allen Online- oder Telefonumfragen zum Thema kann Sarrazin Unterstützungswerte erreichen, die nur von den Wahlergebnissen in der ehemaligen DDR getoppt wurden. Wer je geglaubt hat, das Volk der Richter und Henker hätte aus seiner Vergangenheit etwas gelernt, sollte sich schleunigst einem Realitätscheck unterziehen.</p><p>Xenophobie ist hipp &#8211; vor allem bei denen, die noch nicht einmal wissen, was dieses Wort zu bedeuten hat. Seit Beginn der IT-Revolution und der Globalisierung dreht die Welt sich schneller und immer mehr Menschen bleiben auf der Strecke. Sie sehen nicht die Zusammenhänge, sondern lediglich, dass ihr Job weg ist, ihre Kinder wohl nie aus Hartz IV herauskommen und Staat und Politik vor den Problemen dieser Menschen kapituliert haben. Dies ist die Zeit für Rattenfänger und Hassprediger. Teile und herrsche, dieses Prinzip ist wohl so alt wie die Welt selbst. Hass kann besonders dort gedeihen, wo Hoffnung fehlt und die alten Institutionen keine brauchbare Alternative anbieten können.</p><p>Doch Xenophobie kann nur dort wachsen, wo das Fremde wirklich fremd ist. Interessanterweise feiert der Fremdenhass dort die größten Erfolge, wo es kaum Fremde gibt. Rechtsradikale Parteien schneiden in ländlichen, strukturschwachen Regionen besonders gut ab, die Kommentatoren, die sich in Blogs und Foren über die Zustände in Berlin Neukölln ereifern, kommen in der Regel aus der westdeutschen Provinz*. Publizisten wie Thilo Sarrazin oder Henryk M. Broder bauen ein virtuelles Schreckgespenst auf, das an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeigeht &#8211; das wollen die braven Bürger aber nicht wissen. Na klar, der Türke in ihrer Nachbarschaft ist ja ein Netter, aber in Neukölln steinigt der Muselmann schließlich seine verschleierte Frau und ersticht sein „Kopftuchmädchen“, das kein Deutsch spricht, wenn es nicht den eigenen Cousin heiraten will. Diese Stereotypen gehören zur zeitgenössischen deutschen Gegenwart, wie das Stereotyp des geizigen, krummnäsigen Juden zur deutschen Gegenwart unserer Großeltern gehörte. Wehret den Anfängen? Ja sicher, aber wie?</p><h3>Medizin</h3><p>Gegen den Morbus Sarrazin hilft nur Aufklärung. Zum Glück hat Sarrazin nicht das Haider-Gen und wirkt im richtigen Leben eher wie ein großbürgerlicher Abklatsch von „Ekel Alfred“. Sobald man Sarrazin ins Rampenlicht stellt und mit seinen kruden Thesen konfrontiert, fängt er an, sich hilflos stotternd in Verteidigungsgefechte zu stürzen. In seiner ganzen Hilflosigkeit wirkt der Provokateur dann eher wie ein Internet-Troll, den man aus dem schützenden Mantel der Anonymität gezogen hat. Es wäre mehr als kontraproduktiv, wenn man ihn ausgrenzen und aus Partei und Ämtern jagen würde &#8211; auch wenn dies freilich mehr als gerechtfertigt wäre. Auf einen Märtyrer wartet die ultrarechte Szene schon seit Jahren. Ein Sarrazin in seiner ganzen snobistischen Bräsigkeit wäre ein Märtyrer par excellence. Nicht verbieten, sondern bloßstellen &#8211; das ist die Devise. Hassprediger vom Schlage eines Thilo Sarrazin kochen auch nur mit Wasser und wenn man sie auf sachlicher Ebene bloßstellt, erkennt jedes Kind, dass der alte Mann unter seinem Mäntelchen nackt ist und ein jämmerliches Bild abgibt. Vielleicht sollte man Sarrazin auch ganz einfach nur auslachen &#8211; ist er doch nur der Hanswurst in einem Spiel, das er selbst nicht versteht.</p><p><em>Jens Berger</em></p><p>* empirische Ergebnisse aus dem IP-Tracking fremdenfeindlicher Beiträge</p><p>p.s.: Sämtliche Kommentare, die über anonyme Proxy-Server abgegben werden, werden kommentarlos gelöscht. Wer aus nachvollziehbaren Gründen einen anonymen Proxyserver nutzen muss, kann sich gerne <a
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