Dreckige Panikmache mit schmutzigen Bomben
geschrieben am 21. September 2007 von Spiegelfechter
In der gestrigen ?aktuellen Stunde? ging es im Bundestag hoch her. Bundespanikminister Schäuble hatte in der FAS mal wieder tief in die Verunsicherungskiste gegriffen und den Anschlag mit einer ?schmutzigen Bombe? als unabwendbares Schicksal dargestellt. Das veranlasste die BAMS zu folgender Überschrift: ?So dramatisch hat noch kein deutscher Politiker vor Terrorismus gewarnt! Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht offen von einem Anschlag mit Atomwaffen.? ? ?aufgesext? mit dem Bild eines Atompilzes. Zumindest konnte sich Schäuble zu einem wahrlich beruhigenden Schlusssatz durchringen: ?Es hat keinen Zweck, dass wir uns die verbleibende Zeit auch noch verderben, weil wir uns vorher schon in eine Weltuntergangsstimmung versetzen.? Dies kommentierte der SPD-Politiker Körper im Bundestag mit dem treffenden Vergleich “Trink ein Schoppen oder zwei, es ist ohnehin bald alles vorbei.”
So viel Kritik war der Union zu viel. Wolfgang Bosbach verließ wutschäumend den Plenarsaal und Ronald Pofalla stellte gänzlich merkbefreit fest: ?Die SPD muss sich im Ton mäßigen. Um sachliche Lösungen zu bekommen, braucht es einen sachlichen Ton. Das vermisse ich bei der SPD derzeit.? Gut das die CDU so sachlich ist und ihr Innenminister nicht stetig das ?Monster unter dem Bett? spielt.
?Schmutzige Bomben? sind kein neues Thema, sie geistern seit mehreren Jahren durch die Gazetten. Als ?schmutzige Bomben? werden konventionelle Sprengkörper bezeichnet, denen radioaktive Substanzen beigemischt werden. Ziel ist die Verteilung der Isotope über ein größeres Areal. Als nukleare Komponenten kommen beispielsweise Cäsium 137, wie es in radiologischen Apparaten in der Medizin und in der Industrie vorkommt, oder Plutonium 239, wie es in Atomkraftwerken oder Atombomben vorkommt, in Frage. Während Cäsium 137 relativ einfach zu beschaffen ist, stellt die Beschaffung von Plutonium 239 schon ein größeres Problem dar, so dass man davon ausgehen kann, dass ?Terroristen? letzteres nicht in die Hände bekommen. ?Home Growns? werden schon große Probleme haben, größere Mengen Cäsium in ihren Besitz zu bekommen ? anders als Wasserstoffperoxid kann man dies nicht im Internet bestellen.
Zur Gefährlichkeit von schmutzigen Bomben sind sich die Experten einig:
Die schweizerische Fachstelle für ABC-Schutz:
Eine Person müsste sich hundert Stunden in diesem Kernbereich [der Explosion] aufhalten, um mit 5% Wahrscheinlichkeit Symptome einer akuten Strahlenerkrankung zu entwickeln. Es ist also nahezu ausgeschlossen, dass die betroffenen Anwohner, Rettungskräfte oder Passanten eine Strahlendosis akkumulieren würden, welche zu akuter Strahlenerkrankung oder gar zum Tode führen könnte.
Unglücklicherweise sind im Internet unsinnige “Studien” mit Katastrophenszenarien veröffentlicht worden, wonach als Folge eines Dirty Bomb-Anschlags in dem am meisten kontaminierten Gebiet jeder zehnte Betroffene an Krebs sterben würde, in einer Grosstadt also Tausende oder gar Zehntausende von Menschen.3 Derartige Szenarien sind völlig unrealistisch; sie basieren auf der Annahme, dass die Behörden nichts unternehmen würden, um die Bevölkerung zu schützen und das betroffene Gebiet zu dekontaminieren, und dass die Bevölkerung trotzdem vierzig Jahre lang ganz normal in diesem kontaminierten Gebiet wohnen würde.
Nach heutigem Stand der Kenntnis liesse sich aber kaum ein Zusammenhang zwischen Krebstoten und einem Dirty Bomb-Anschlag feststellen, statistisch wäre vermutlich nichts Signifikantes festzustellen.
Eine Befragung in den USA ergab jedoch, dass bei einem derartigen Ereignis etwa 40% der erwachsenen Bevölkerung den Anweisungen der Behörden nicht folgen und auf jeden Fall versuchen würden, die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen.
Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz stellte auf seinen, mittlerweile verschwundenen, Internetseiten fest:
Fazit: “Schmutzige Bomben” würden demnach selbst in unmittelbarer Nähe zum Freisetzungsort aus radiologischer Sicht keine Gesundheitsgefährdung für große Teile der Bevölkerung hervorrufen. Sie würden aber voraussichtlich zur großen Besorgnis in der Bevölkerung führen und – aus Unkenntnis über die tatsächlichen Gefahren – zu Überreaktionen.
Der Physik-Professor Richard A. Muller von der Universität Berkley:
Wenn Terroristen Amerika in diesem Sommer mit einer schmutzigen Bombe angreifen, sterben die Leute während ihrer Flucht an Autounfällen. Schmutzige Bomben sind keine Massenvernichtungswaffen, sie führen allerhöchstens zu Massenpanik. Sie sind dann erfolgreich, wenn Öffentlichkeit und Regierung überreagieren. Angst müssen wir nicht vor der Radioaktivität haben, sondern vor Nuklearwaffen. In der Angst vor der schmutzigen Bombe liegt ihre größte Gefahr.
Lewis Koch (Wissenschaftsjournalist) im Bulletin of Atomic Scientists:
The dirty bomb?the danger from radioactivity is basically next to nothing. The danger from panic, however, is horrendous. That?s where the irony comes. This?instead of the government saying, ?Look, this is not a serious weapon; the serious danger of this is the panic that would ensue, and there is no reason for panic. Don?t panic.?
Don´t panic ? Schäuble bewirkt wie so oft, das genaue Gegenteil. Beim Thema ?schmutzige Bomben? ist das fatal, wie die Expertenstatements belegen. Da ?schmutzige Bomben? reine Psychowaffen sind, deren Wirkung sich aus der Angst, Uninformiertheit und Panik der Massen herleitet, ist die latente Panikmache von Schäuble Beihilfe zum Terror. Der von Pofalla angemahnte ?sachliche Ton? wäre für diese Diskussion sehr hilfreich, ? auch wenn Pofalla damit natürlich etwas anderes meinte.
Aber lassen wir uns die verbleibende Zeit nicht verderben.
Jens Berger
Bildnachweis: Brainshavings, Montage: Spiegelfechter (CC)
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Das Duo Infernale des Kabinetts Merkel, die Minister Schäuble und Jung, haben bereits ein immense Erfahrung angesammelt, wie sie die Grenzen des Rechtsstaates und des Anstands aushebeln können. Beide sind promovierte Juristen, was sie freilich nicht daran hindert, bei der Einhaltung von Gesetzen schon mal Fünfe gerade sein zu lassen, ? so sind sie auch die einzigen Mitglieder im Kabinett, die trotz persönlicher Verfehlungen – schwer angeschlagen – die CDU-Spendenaffären überlebt haben. Auch die Treue zur Verfassung der ministerialen Version von Pinky und dem Brain lässt zu wünschen übrig ? der eine soll sie qua Amt schützen, würde sie aber am liebsten nach Gutdünken ausdünnen, der andere hält sie bei der Umsetzung seiner Pläne für derart hinderlich, dass er sie mittels eines eigens dafür erfundenen ?übergesetzlichen Notstandes? ignorieren will.
Jung und Schäuble treten mit ihrem Rechtsempfinden direkt in die Fußstapfen des Nazi-Juristen Carl Schmitt, der die universelle Gültigkeit von rechtsstaatlichen Gesetzen ablehnte, die im Ausnahmefall die Regierungsbefugnisse einschränken. Schmitt sah in der Regierung den uneingeschränkten Souverän, dem es im Krisenfall obliegt, zu entscheiden was ?richtig? und was ?falsch? ist. ?Es gibt keine Norm, die auf ein Chaos anwendbar wäre?, so Schmitt, ? dies umschreibt recht treffend Jungs ?übergesetzlichen Notstand?.
Der überwiegende Teil der Bundeswehr steht Jungs Plänen ablehnend gegenüber. Sowohl der Bundeswehrverband als auch der Bundeswehrpilotenverband stellen fest, dass ein solcher Befehl gesetzeswidrig wäre und die Soldaten laut
Mit Erschütterung nahm an diesem Wochenbeginn die afghanische Bevölkerung eine Schreckensmeldung aus der fernen deutschen Kleinstadt Göttingen zur Kenntnis. Dort hatte die Basis der fünftstärksten Partei im Deutschen Bundestag ihren Abgeordneten den fakultativen Ratschlag mit auf den Weg gegeben, einer kombinierten Vorlage der Regierung nicht zuzustimmen, die das ISAF-Mandat an das Mandat für die Aufklärungs-Tornados gekoppelt hat.
Natürlich ist all dies nicht wirklich geschehen ? aber sowohl die GRÜNEN selbst, die ?Afghanistan? in regelmäßigen Abständen zum identitätsstiftenden Merkmal ihrer Politik erheben, als auch die Konkurrenz und die deutsche Presselandschaft lassen kaum einen Zweifel daran, dass am Wochenende in Göttingen kein Sack Reis umfiel, sondern epochale Weltpolitik gemacht wurde. Dabei hat die Parteibasis doch lediglich einem
Man kann darüber streiten, ob hier eine olivgrüne Partei ein pazifistisches Feigenblatt hervorzaubert, um an den Wahlkampfständen gegen die LINKEN argumentativ gegenhalten zu können, oder ob dies ein innerparteilicher Wechsel ist, der die realpolitische Linie der Fischer-Ära in Frage stellt. Da die Abgeordneten der Partei, die sich die Förderung der Basisdemokratie auf die Fahnen geschrieben hat, sich in weiten Teilen nicht an das Votum ihrer Basis halten werden, ist und bleibt dies nur ein Sturm im Wasserglas.
All dies wissen natürlich sowohl die Großkoalitionäre, als auch die Pressevertreter, was sie freilich nicht daran hindert, fröhlich Grünen-Bashing zu betrieben. Die Krone setzt dem Ganzen der, gänzlich merkbefreite, ?Vanity-Fair? Blogger Jost Kaiser in seinem Artikel “
Ähnlich ?eloquent? wie der unsägliche ?Vanity Fair?-Kasper
Der täglich zelebrierte Eskapismus der Medien hat jeglichen Bezug zur Realität verloren. Fragt man den Michel auf der Strasse nach seiner Einschätzung der Arbeit seiner Regentin, so erhält man in den meisten Fällen ein wohlwollendes Placet. Dem Michel wird jeden Tag eingetrichtert, er könne sich glücklich schätzen, von einer so weisen Regentin geführt zu werden, da glaubt er es halt irgendwann. Türkische Behörden wenden eine als ?chinesische Folter? bekannte Methode an, bei der sie dem Gefangenen regelmäßig Wasser auf den Kopf tropfen lassen ? die deutschen Medien gehen nach dem gleichen Muster vor. Fragt man den Michel nach den Gründen, warum er seine Regentin so sehr schätzt, weiß er freilich wenig Konkretes zu antworten. Dies erstaunt nicht, mäandert die Regentin doch konsequent um jegliche Aussage herum, die einst gegen sie verwendet werden könnte.
Konkrete positive Leistungen sind bei der Regentin indes auch kaum auszumachen. Aus den zahlreichen (faulen) Formelkompromissen, Hohlsätzen und Absichtsankündigungen von eventuellen Absichtsankündigungen stechen lediglich so bedeutsame Dinge wie die Regelung der Roaming-Gebühren in der EU heraus. Obgleich auch die eher den Wünschen der Netzbetreiber, als denen der Kunden entsprechen. Die Wirtschaft wird von der Regentin aber auch sonst wohltätig bedacht. Vereinfachte Zulassungsregelungen innerhalb der EU, die den Konzernen helfen – auf dem Rücken der Kunden – Ausgaben zu sparen, werden dem Michel als Bürokratieabbau verkauft und Steuergeschenke für die Industrie sind ja bereits politische Tradition im wiedervereinigten Deutschland. Aber warum sollte der Michel es seiner Regentin goutieren, dass sie seine hart erarbeiteten Steuern der Großindustrie in den Rachen wirft? Der Michel wird´s schon wissen.
?Es ist ihr Führungsstil ? so ruhig und konziliant. Sie ist eine gute Moderatorin? hört und liest man allenthalben. Das mag stimmen, weder Gabriel und Glos, noch Struck und Kauder haben sich bis jetzt vor den Kameras geprügelt ? harte Ergebnisse hat die Moderation der Regentin indes weder am Kabinettstisch, noch auf den – von Ihr geleiteten – Gipfeln hervorgebracht, auch wenn die Medien stets von Riesenerfolgen sprechen. Sieht man das Bundeskabinett und die internationalen Staatschefs als verhaltensgestörte Kinder, die von der Pädagogin Merkel ?geschickt? dazu gebracht werden, sich anstatt zu prügeln, friedlich darauf zu einigen, dass man uneins ist, so ist die Methode ?Merkel? ein Erfolgsmodell. Aber ist das alles? Hat Merkel Visionen oder ist sie nur eine Politiksachbearbeiterin, die stets den Weg des geringsten Widerstandes geht?
Dass diese rosarote Glückswolke nach den Wahlen 2009 verpuffen wird und die Regentin hart auf ihrem Hinterteil landet, ist voraussehbar. In einer Koalition mit dem Leichtmatrosen Westerwelle, werden die INSM nahe stehenden Medien natürlich ins wirtschaftsliberale Horn der gelb-blauen Sozialstaatspiraten blasen. Vielleicht wacht auch die SPD aus ihrem selbstverschuldeten Koma auf und betreibt wieder Politik, die dem ?S? in ihrem Namen Sorge trägt. Tut sie es nicht, wird wahrscheinlich über kurz oder lang die Hälfte der Parteimitglieder zur LINKEN abwandern. So oder so werden dann auch die originär linken oder linksliberalen Medien von der Regentin Abstand nehmen.
Wenn man Herrn Schäuble und seinen Spießgesellen so zuhört, könnte man glauben, hinter jedem Baum steht ein bärtiger Gefährder mit einem Turban, der sich sofort in die Luft sprengt, wenn der Michel nicht schnellstens sein Grundgesetz ändern lässt. So nah die Gefahr! Nur ist diese Gefahr nicht real, sondern abstrakt, wie es in Schäubles Neusprech heißt. Diese ?abstrakte Gefährdungslage? ist eine wunderbare Worthure für unsere Sicherheitspolitiker. Sie ist so herrlich schwammig, so wunderbar unpräzise und muss nicht näher mit Fakten belegt werden, die nicht zu erbringen sind. Vereinfacht übersetzt, heißt ?abstrakte Gefährdungslage?, dass die Sicherheitsbehörden keine verifizierbaren Hinweise haben, aber glauben, dass es da draußen ganz schön gefährlich ist. Kein Wunder, dass die C-Parteien sich in dieser Glaubensfrage besonders leicht tun, tragen sie den Glauben doch in ihrem Namen. Literarisches Vorbild für eine ?abstrakte Gefährdungslage? sind Asterix und seine Gallier, deren ständige Sorge es ist, der Himmel könnte ihnen auf den Kopf fallen.
Ein Beispiel dafür ist der ?
Anders sieht das Bild aus, wenn man die Anzahl der Verdächtigen betrachtet. Von 706 Menschen, die im Jahr 2006 wegen eines terroristischen Verbrechens verhaftet wurden, standen 257 in Verbindung mit einem islamistischen Hintergrund – 11 davon in Deutschland. In 303 Fällen, mit einem mutmaßlich terroristischen Hintergrund, wurde ein Verfahren durchgeführt und in 257 Fällen wurde ein Schuldspruch verhängt. Im Fall des islamistisch motivierten Terrors, sind weniger als 10% der Verhafteten direkt eines Anschlages oder dessen Vorbereitung oder Planung verdächtigt gewesen. Die große Mehrzahl der Verhafteten hat sich der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verdächtig gemacht – und dies in den allermeisten Fällen wegen einer schwachen Verbindung von Marokkanern, Tunesiern und Algeriern zu den nordafrikanischen Terrorgruppen GSPC und GICM.
Stellt man diesen, vor allem für Deutschland, unspektakulären Zahlen die Aussagen Schäubles gegenüber, so wird deren Alarmismus überdeutlich:
Als ein Beispiel unter vielen, sei hier die konkrete Gefährdungslage durch multiresistente Keime (