SPIEGEL: Frau Dr. Merkel rettet die Welt
02. Mai 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Was ist eigentlich am Montag so weltbewegendes in Washington passiert, dass SPIEGEL-Hauptstadtbürochef und “Arschloch“ Gabor Steingart gleich drei mal staunen muss?
Die EU und die USA haben so weltbewegende Dinge wie die Harmonisierung von Automobil-Crashtests und der Medikamentenzulassung beschlossen – wobei außer Zweifel steht, dass es sich hierbei wohl um eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner handelen dürfte, - die Vertreter der KFZ- und Pharmalobby haben ja schließlich auch Interessen, die wahrgenommen werden wollen. In schaurig-schönem ‘Neusprech’ heißt dergleichen “Abbau von Bürokratie und Handelshemmnissen”. Substanzielle Ergebnisse wurden auf diesem Gipfel jedenfalls keine erzielt, und im Vorfeld wurden bereits sämtliche strittige Themen aus dem Gipfelkatalog gestrichen, – so wurden weder Außenpolitik, noch Menschenrechte im “Kampf gegen den Terror”, oder auch der Klimaschutz thematisiert. Mehr als laue und unverbindliche Absichtserklärungen waren folglich auch nicht zu vernehmen.
Der neoliberale SPIEGEL-Trommler Gabor Steingart ist allerdings seit langem ein Fan seiner Frau Doktor Merkel, die er erfolgreich mit an die Macht geschrieben hat. Und der Herr Steingart hat ein Buch geschrieben, das zu Recht wie Blei in den Regalen der Händler verrottet – bei Amazon ist dieses simple Machwerk des SPIEGEL-Simpels nur noch auf Platz 4.424 in der Verkaufsrangliste verzeichnet. Da kann man es Herrn Steingart ja wohl kaum verübeln, wenn er mal wieder die Werbetrommel rührt. Vielleicht reicht es ja, um mal wieder in eine große Talkshow eingeladen zu werden? Immer nur Ecki von Klaeden als Merkel-Jubelboy vom Dienst ist schließlich auch langweilig. Zu diesem Zwecke phantasiert Herr Steingart schon mal gerne Inhalte seiner schonungslosen und realistischen (zwei Lieblingsworte der INSM-Mediengroupies) Gefahrenanalyse - so der Klappentext - in die reale Politik und überträgt seine autosuggestiven feuchten Träume auf das uckermärkische Pfarrerstöchterlein:
Merkel verzichtet auf klebrige Verbrüderungsgesten, die immer auch Unterwerfung bedeuteten. Amerika ist für sie ein Verwandter ersten Grades und nicht der Erziehungsberechtigte von jenseits des Atlantik.
Und ein Verwandter ersten Grades ist natürlich nicht immer ein Erziehungsberechtigter. Ob Bush Angies Pappa, Sohnemann oder Brüderchen ist, will uns Steingart aber nicht erzählen:
Vor allem aber sieht sie in der westlichen Großmacht den geeigneten Partner, um Herausforderungen und Zumutungen der Globalisierung begegnen zu können. So probiert sie derzeit etwas, was in dieser Kühnheit zuletzt Willy Brandt probiert hatte. Der SPD-Kanzler entwarf die Entspannungspolitik gegenüber dem Ostblock, die auf dem Prinzip “Wandel durch Handel” beruhte.
Die Ratte Blair verlässt das sinkende Schiff und die Ratte Merkel springt auf, - die Chuzpe besitzen zu wollen, dies mit Brandts visionärer Ostpolitik zu vergleichen, kann eigentlich nur als grotesk bezeichnet werden. Wird unser aller Merkel bald den Kniefall am Ground Zero machen?
[Ostpolitik] Die heutige Kanzlerin versucht auf anderem Feld etwas Ähnliches, wobei Vergleichen nicht Gleichsetzen bedeutet. Wir überblicken heute nicht das ganze Stück, nur die Eröffnungsszene. Nach dem ersten Passierscheinabkommen mit der DDR war auch Brandts Entspannungspolitik noch nicht voll entfaltet.
Richtig, Herr Steingart! “Vergleichen” bedeutet nicht “Gleichsetzen” - ansonsten könnte Ihr Vergleich des BRD-DDR-Passierscheinabkommens mit dem EU-USA-Luftverkehrsabkommen falsch interpretiert werden. Die USA als DDR des 21. Jahrhunderts? Das lassen sie mal nicht den Kollegen Malzahn hören.
Es gelang Merkel, einen zunächst widerstrebenden George W. Bush, der von Hause aus das Prinzip “Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt” verficht, sich zum Gefolgsmann zu machen.
Dass dem Merkel dies gelang, glaubt indes nur Herr Steingart, - der EU/USA Gipfel war wohl eher ein Treppenwitz der deutschen EU-Ratspräsidentschaft:
In großer Schnörkellosigkeit rechnete Merkel den in Washington versammelten US-Unternehmern vor, wie sich die relative Wirtschaftskraft von Amerikanern und Europäern ständig verkleinert, weil die von Asiaten und Lateinamerikanern mit doppelter und dreifacher Geschwindigkeit wächst.
Was bei den versammelten US-Unternehmern sicher für eine gewisse Heiterkeit gesorgt haben mag, verdienen sie mit den Wachtumsraten in Asien und Lateinamerika doch prächtig.
Auch die Bevölkerung der alten Industrienationen schrumpft. Europa stellte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts noch ein Viertel der Weltpopulation. Heute sind es - mit Amerika zusammen - nur noch zwölf Prozent.
Und darum müssen Arzneimittelpatente auch weiterhin global gelten - nicht auszudenken, wenn vom Fortschritt der Medizin andere als die USA und Europa profitieren würden.
Da SPIEGEL, Springer, Ecki von Klaeden und Captain America genau wissen, wie man sich vor der gelb-roten Gefahr von außen und der Sozialen Marktwirtschaft von innen schützt, schreibt der spenglernde Wirtschaftsbellizist Steingart eine gemeinsame “coalition of the white race” herbei, bei der das Dreamteam USA/EU gegen die Unbill der Globalisierung ankämpft.
Das Erstaunen über Angela Merkel fällt umso größer aus, als sie nicht nur unfallfrei über die roten Teppiche stapft, sondern in der bisherigen Kürze ihrer Kanzlerschaft das Land wieder dorthin geführt hat, wo es hingehört - an die Seite Amerikas.
Glory, glory, hallelujah, - das Merkel kann nicht nur einen Fuß vor den anderen setzen, ohne dabei zu stolpern, was Steingart unverständlicherweise erstaunt, sondern hat auch erkannt, daß Deutschland “entschrödert” werden muss. Steingart hat seinen Malzahn verinnerlicht.
Zum neuen Dreamteam gehört natürlich nicht der böse Russe, da der nicht den gemeinsamen Traum eines neoliberalen Paradieses teilt und Steingarts Intimfeind Gerhard Schröder, dieser vaterlandslose Geselle, der mit diesem Russen ins Bett geht, schon mal gar nicht.
[Schröder] verschenkte seine “Freundschaft” großzügig auch an Potentaten.
“An Potentaten”? Ist dies die SPIEGEL-Pejoration für einen Staatsmann? Gut, dass Frau Dr. Merkel mit ihren ‘Freundschaftsbekundungen’ wesentlich vorsichtiger ist und den GRÖPAZ Bush - frei nach Helmut Kohl - als echten Freund sieht: “Ich weiß nicht, was der amerikanische Präsident denkt, aber ich denke dasselbe”.

[Schröder] Er prügelte auf den US-Präsidenten ein, weil er sich davon eine reiche Wahlkampfernte versprach. Er blieb Zeit seiner Kanzlerschaft ein brillanter Kampagnero und ein lausiger Außenpolitiker. Seine Währung war der Augenblicksvorteil, weshalb der Wechsel vom deutschen in den russischen Staatsdienst eigentlich niemanden verwundern dürfte.
Steingarts Wahrheiten … ich mach mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt. Dass Schröder einer der wenigen Staatsmänner war, die nicht auf Bushs und Blairs Lügengerüst hereinfielen und sich nicht am völkerrechtswidrigen Irak-Krieg beteiligte, war natürlich nur ein Wahlkampftrick, der dem Vorteil des Augenblicks geschuldet war. Auch die langfristige Sicherung der deutschen Energieversorgung war nur eine Kampagne, die er sich im Winter ausgetüftelt hat um frierende Wähler zu überrumpeln. Seine Pläne für ein Kerneuropa mit Frankreich an der Seite waren nur brillante Werbetricks, um die frankophilen Saarländer bei Landtagswahlen zu ködern. Dumm, dass Steingart Schröders eigentliche außenpolitische Sünden, wie Kosovo oder Afghanistan, nicht ansprechen darf, da diese ja ganz nach seiner Linie der transantlantischen Nibelungentreue geschuldet sind.
[Merkel] Die Russen wurden dabei nicht verprellt, wohl aber zurückgestuft. Ihre Führer sind Partner, aber keine Freunde. Merkel spürt, dass die alte Sowjetunion nicht so tot ist, wie es Schröder bei der Amtsübergabe behauptet hatte. Das Autoritäre blieb, auch deshalb, weil es tiefer wurzelt als der Kommunismus. Ihre Werte sind nicht die unseren.
Dieser Russe … autoritär bis ins Mark, da stufen wir ihn halt mal zurück auf den Rang eines “Partners”. Und wenn Steingarts Heroine keine Gelegenheit auslässt, Putin unter dem Jubel des Pressemobs ans Bein zu pinkeln, so nennt man dies im SPIEGEL-Springer Jubelkanon “langfristig orientierte Außenpolitik”, denn Bush kann sich mit seinen Trägergruppen, unter Missachtung sämtlicher internationaler Abkommen, nämlich auch das nehmen, was Putin bereit ist, uns in bilateralem, friedlichen Handel zu liefern, und - bei fortgesetzter “Bockigkeit” des glorreichen Westens - auch gerne an Steingarts Erzfeind im “Weltkrieg um Wohlstand” China verkaufen wird. Steingarts Devise “Wandel durch Handel” gilt nur für unsere “Freunde” jenseits des Atlantiks und nicht für unsere “Partner” jenseits des Bugs.
Vasallentreue - das war einmal und kommt nie wieder.
Von der Vasallen- zur Nibelungentreue … Steingart mir graut vor Dir.
Steingarts irreales Weltbild gerät allerdings aus den Fugen, wenn er schweißgebadet aufwacht und die Grenzen seines feuchten “Frau Dr. Merkel rettet die Welt”-Traumes beschreibt: Die ganze Welt? Nein, ein von unbeugsamen Großkoalitionären bewohntes brandenburgisches Dorf leistet unerbittlichenWiderstand.
Ein drittes Erstaunen kommt hinzu, das nicht verschwiegen werden darf. Es verblüfft und verstört, dass von allem, was die Außenpolitikerin Merkel auszeichnet, in der Innenpolitik weit und breit nichts zu sehen ist. Dort führt sie, hier lässt sie sich treiben. In der Ferne sehen wir ein emsiges Beginnen, daheim wird zugewartet. In Moskau, Brüssel und Washington erlebt das Publikum eine energiegeladene Kanzlerin, Merkel, die Mutige. In Berlin stoßen wir auf eine seltsam versteinerte Frau gleichen Namens.
Gut, dass Steingart und seine Konsorten von der Arschlochfraktion noch einiges zu erzählen haben. Wenn sein “Weltkrieg um Wohlstand” diesen in die Taschen der Umverteilungsgewinnler gelenkt hat, wird Steingart sicher den letzten Sozialromantikern, Gutmenschen und Fortschrittsbremsern seinen Weltkrieg erklären.
p.s.:
Helmut Kohl titulierte jene SPIEGEL-Leute, die ihm den Spitznamen “Birne” verpasst hatten, in kleiner Runde als “Mistkäfer”.
Nein, Herr Steingart - auch wenn Martin Sonneborn seit neustem die SPON-SPAM Redaktion leitet, so war es dennoch ein Titanic-Matrose, der Kohl den Spitznamen “Birne” verpasst hatte, nämlich - Hans Traxler!
Jens Berger
Kategorie: Ausland, Deutschland, Medien | 29 Kommentare





























































BILD stört sich an dem Gespräch, welches bei der ARD zwischen dem ehemaligen RAF-Terroristen Boock und Michael Buback, dem Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwaltes Sigfried Buback, geführt wurde. In diesem Gespräch versuchten beide Parteien Vergangenheitsbewältigung zu betreiben. Boock brach öffentlich mit der alten RAF-Doktrin, über begangene Taten zu schweigen und zeigte sich ernsthaft reumütig: “Es tut mir unendlich leid, was geschehen ist. Allein ich weiß, ich kann es nicht rückgängig machen”. Buback erklärte, ihm ginge es darum, zu erfahren, wie sein Vater gestorben ist und wer die Täter waren. Wenn er von den Ermittlungsbehörden darauf keine Antwort bekäme, „bräche für ihn eine Welt zusammen“.
In BILD kommen die “Ex-Terroristenjäger” zu Wort, die momentan unter öffentlichen Beschuss sind, da sie vielleicht Informationen über den Buback-Mord verschwiegen haben, was den Angehörigen Michael Buback in Rage versetzt hat. Aber BILD geriert sich halt nur dann als Anwalt der Opfer, wenn es um ein Auskeilen in Richtung der RAF geht. Was der Staat macht, wird schon richtig sein - es geht ja schließlich um Terroristen. Die Vorwürfe, die im aktuellen SPIEGEL erhoben werden, sind anscheinend so bedeutend, dass die Generalbundesanwaltschaft einen begründeten Anfangsverdacht sieht und das Verfahren wieder
Spricht man so über Herrn Schily? BKA und Verfassungsschutz werden indes nicht nur von den Terroristen verdächtigt, sondern primär vor allem vom SPIEGEL. Und anscheinend betrifft dies nicht nur die Geheimdienste, sondern auch das 
Wagner weiss immer, wer gut™ und wer böse™ ist und er beweist auch wie einfach eine solche manichäische Weltsicht ist. Christian Klar würde er übrigens ein Glas Sekt ins Gesicht
„Trotz des islamischen Terrors: Die Zahl der zum Islam übergetretenen Deutschen hat sich binnen eines Jahres vervierfacht” meldete der SPIEGEL voller Entsetzen in seiner 3/2007 Ausgabe und verteilte gleich wieder seine liebgewonnen Schauderklischees über den Islam nach SPIEGEL-Lesart. „[]die ein Phänomen zutage fördert, das in Zeiten von Terrorangst, Zwangsehen-Debatten und Ehrenmord-Prozessen erstaunen mag: Rund 4000 Menschen sind demnach in der Bundesrepublik zwischen Juli 2004 und Juni 2005 zum Islam übergetreten. Die Untersuchung, vom Innenministerium finanziert und vom Islam-Archiv in Soest durchgeführt, überrascht umso mehr, weil sich die Zahl der Konvertiten damit im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht hat.” Auch Chefhetzer Broder
Politik wird mit diesen Zahlen natürlich auch gemacht und Schäuble, der Schützer aller Teutonen,
Die Antwort ist einfach: Weil diese Zahlen von den Berufsparanoikern, die immer neue Sicherheitskataloge erfinden, für ihre Zwecke instrumentalisiert werden können. Das Schauermärchen des islamischen Terrors in Deutschland wird immer wieder mit Zahlen des „Zentralinstituts” an die Wand gemalt. Der schwäbische
Diese Worte
Zum Niedriglohnsektor, der in Deutschland rund 6 Millionen Arbeitskräfte 
Glos´ Busenfreund Huber legt bei BILD auch gleich nach, „Steuersenkungen sollten vor allem Familien mit Kindern zu gute kommen“, so was kommt seit Super-Ursels Mutterkreuzkampagne beim Wahlvieh immer gut an, nur stellt sich doch die, gänzlich unbayerische, Frage, ob der kinderlose Single nicht ebenfalls „zu viel“ Steuern bezahlt, jeder Lohnsteuerklasse 1 Zahlemann wird wissen wovon ich rede und BILDs Rechenbeispiele sind ja auch
Da nicht alles was hinkt ein Vergleich ist und die nationalen Steuersysteme sehr komplex und en detail schwer vergleichbar sind, macht es doch Sinn bei der Diskussion über Steuersenkungen und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt die Gesamtsteuerlast einzubeziehen und nicht nur die Lohnsteuer. Dann erhält man nämlich erstaunliche Ergebnisse. Unter den OECD-Staaten hat Deutschland (20,8%) hinter der Slowakei (18,4%) und den USA (20,2%) die drittniedrigste Steuerlastquote (Steuern ohne Sozialversicherungsabgaben im Verhältnis zum BIP – Quelle: OECD, Revenue Statistics 1965-2005 – Bezugsjahr 2005). Die Euroboomer Niederlande (26%), Österreich (27,5%), Großbritannien (30,2%), und Schweden (36,8%) haben wesentlich höhere Steuerlastquoten. Dänemark, das nur 3,8% Arbeitslosigkeit hat, hat eine mehr als doppelt so hohe Steuerlastquote (48,6%) als Deutschland. Wer in Dänemark einmal einkaufen oder essen gehen war, weiß woher dort die Steuern kommen.

Henkel ist indes sehr sozial und postuliert „Das ist auch eine gute Nachricht für die Arbeitslosen, denn vor allem die Abgabenlast macht deutsche Jobs oft zu teuer.“ Es gehört schon eine gehörige Chuzpe dazu, Arbeitslosen und Hartz-IV Empfängern, die idR keine Einkommenssteuern zahlen, als Profiteure einer Einkommenssteuersenkung darzustellen und nicht gnadenlose „Rationalisier“ in den Chefetagen, die die Arbeitsplätze vernichten und am allermeisten von einer Senkung des Einkommenssteuersatzes profitieren.














