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  • Wer ist Julia Bonk?

    geschrieben am 25. November 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Die Politikerin Julia Bonk ist am 4. September 2013 in die psychiatrische Klinik in Bonn eingewiesen worden. Gegen ihren Willen, wie es heißt. Haben wir nun also einen neuen Skandal politischer und justizieller Machtausübung? Oder handelt es sich um einen Menschen, der tatsächlich erkrankt ist und nun vor der Öffentlichkeit geschützt wird?

    Nachrichtensperren erleben wir heutzutage eher selten. Meist findet sich ein Medium, das über brisante Themen schreibt. Das ist schließlich auch Sinn von kritischem Journalismus. Doch im Fall der Linkenpolitikerin Julia Bonk sucht man (fast) vergeblich nach weiterführenden Informationen, die ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Warum?

    Die nachträgliche Aufhebung der Immunität der Julia Bonk

    Am 19.9. 2013 konnte man auf den Internetseite „merkur-online“ einen kurzen Text lesen. Er besagte, dass die Linkenpolitikerin und Landtagsabgeordnete von Sachsen Julia Bonk zwangseingewiesen worden war. In die psychiatrische Klinik in Bonn. Zur Begründung hieß es, die Einweisung sei aufgrund von Eigengefährdung erfolgt. Weiter war nachzulesen, dass Bonk bereits vorher, im Juli, aufgefallen sei, als sie in einem Zug „desorientiert“ gesehen wurde. „merkur-online“ schrieb nichts anderes als die „Bild“-Zeitung, die einen Tag zuvor einen Artikel gleichen Inhalts verfasst hatte. Schon einen knappen Monat vorher, am 29.8.2013 hatte es das Springer-Blatt auf Bonk abgesehen. Unter der Headline „Der tiefe Fall der Julia Bonk“ führte die „Bild“ auf, dass die Politikerin, einst schön, klug und jung, einen krassen Absturz erlebte. Freunde sollen den Zustand Bonks als „dramatisch“ bezeichnet haben. Ein geprellter Taxifahrer kam zu Wort, er soll sie als „verwirrt und schmutzig“ erlebt haben. Die Fragen nach Drogenmissbrauch und Burn-out standen im Raum.
    Bis vor kurzem hörte oder las man nach dem „Bild“-Artikel kaum etwas über Julia Bonk. Auf einer Website und unter der Überschrift „Wie geht es Julia Bonk?“ wird nun aber das Thema wieder auf den Tisch gelegt, es werden Fragen gestellt. Insbesondere die nachträgliche Aufhebung ihrer Immunität (die hier belegt ist) legt kritische Gedanken nahe. Doch so einfach ist der Fall nicht, pures Schwarz-weiß-Denken ist zumindest verfrüht. Den Artikel weiterlesen »

    138 Kommentare

    Dieter Hildebrandt, der Mann der unvollendeten Sätze, ist tot

    geschrieben am 20. November 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Er begann Sätze, ohne sie zu vollenden – und wurde damit zum Markenzeichen. Er versuchte, sich Dinge zu merken, indem er das ganze Haus mit Denkzetteln übersäte – und vergaß sie dann doch. Dieter Hildebrandt ist im Alter von 86 Jahren an Krebs gestorben. Das ist ein Alter, in dem man die ewige Ruhe finden und von einem Menschen sagen kann, das Leben gelebt zu haben. Trotzdem geht Hildebrandt zu früh. Weil noch längst nicht alles gesagt worden ist.

    Kabarett hätte es sicher auch gegeben, wenn Dieter Hildebrandt im Jahr 1956 die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ nicht gegründet hätte. Auch ohne seine „Notizen aus der Provinz“, die von 1972 bis 1979 gesendet wurden. Ja, sogar ohne den berühmten „Scheibenwischer“, der ihn endgültig in den Olymp des Kabaretts gehoben hat. Aber es wäre etwas anderes geworden, das deutsche Kabarett. Hildebrandt hat es geprägt, hat ihm einen Teil seines Charakters verliehen. Wohl kein Kabarettist, der etwas auf sich hält, hat nicht ausgiebig studiert, wie Hildebrandt seinen „Job“ gemacht hat, um danach seinen eigenen Stil zu kreieren. Es hätte auch ohne Dieter Hildebrandt deutsches Kabarett gegeben. Aber es wäre insgesamt kleiner geraten.

    Sein letztes Projekt war stoersender.tv. Auch mit über 80 Jahren war Hildebrandt nicht müde, hatte noch immer eine Stimme, die er kraftvoll gegen all die Mächtigen erhob, die versuchen, alles an sich zu reißen. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender waren ihm suspekt geworden, er suchte im Netz nach unzensierten Möglichkeiten, um seine Unzufriedenheit in unnachahmlicher Weise zu äußern.

    Gibt es noch etwas zu sagen, nachdem Dieter Hildebrandt gegangen ist? Sicher, es gäbe eine ganze Menge, aber auf der Website von stoersender.tv findet man die vielleicht passendsten Worte: „Spiel, Satz und Sieg für Hildebrandt. Dank, lieber Dieter, für alles.“

    39 Kommentare

    Mindestlohn 2016: Ein schlechter Witz?

    geschrieben am 18. November 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Kommentar

    Was für ein Montag! Das gehe ich die Headlines durch und finde ein paar, die mich ziemlich verwirrt dastehen lassen: „Union und SPD einig – Mindestlohn soll 2016 kommen“ oder „Union und SPD einigen sich auf Mindestlohn 2016“.
    Moment mal, das muss ein Irrtum sein. Oder etwa doch nicht?

    Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis. Oder eben eine Kommission. Die Arbeitsgruppe „Arbeit und Soziales“ hat das getan und entschieden, dass die Sache mit dem Mindestlohn irgendwie komplizierter ist als gedacht. Also sollen nun je drei Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern – aufgehübscht durch jeweils einen Wissenschaftler – über Wohl und Wehe und Zeitpunkt und Ausnahmen und regionalen Abweichungen bestimmen. Der Vorsitzende der Kommission soll durch die sechs Kommissionsmitglieder bestimmt werden. Können die sich nicht einigen, entscheidet das Los. Klingt wie eine lustige Lotterie, sechs Lose für einen Euro. Machen Sie mit, alles ist möglich! Gewinne, Gewinne, Gewinne!

    Die Kommission muss freilich erst noch von der Runde der Großen Koalition bestätigt werden. Aber dann kann es auch schon losgehen. Was nach einem Kompromiss aussieht, ist nichts anderes als die Uhren wieder auf kurz vor Null zurückzudrehen, auch wenn CDU-Fraktionschef Volker Kauder sich gnädig gibt: „Für die SPD sind die 8,50 Euro ein Glaubensbekenntnis.“ Und weil das so ist, meint er, „dass irgendwo diese 8,50 Euro auftreten werden.“ Da liegt mir doch glatt ein feierliches „Hurra!“ auf der Zunge. Wäre da nicht der Hinweis, dass es vor 2016 sowieso keinen Mindestlohn geben soll.

    Halten wir einmal fest: Der Mindestlohn soll – geht es nach den Unionsparteien – voraussichtlich 2016 kommen. Er wird dann wohl – die Unionsparteien sind ja gar nicht so – 8,50 Euro betragen. Das ist ein Wert, der schon heute nicht ausreicht, die von der Linkspartei geforderten 10,- Euro wären Minimum. Aber selbst wenn wir das beiseite lassen, was ist ein Mindestlohn von 8,50 Euro im Jahr 2016 noch wert? Mehr als heute? Wohl kaum. Es soll also heute darüber entschieden werden, was man 2016 braucht, um von seiner Arbeit leben zu können? Klingt komisch, ist aber offenbar so.
    Dann wäre da noch die Sache mit den Ausnahmen. Die SPD hatte (und hat?) doch einen flächendeckende Mindestlohn gefordert. Ist das nicht ein eindeutiger Begriff? Welche Ausnahmen soll es geben und wie viele davon? Und warum eigentlich?

    Eigentlich kann sich die SPD unmöglich auf die Vorschläge – vor allem auf den Zeitpunkt für die Einführung des Mindestlohns – einlassen. Eigentlich. Sigmar Gabriel versteht sich allerdings darauf, selbst den faulsten Kompromiss schönzureden. Es bleibt abzuwarten, wie er seine Mitstreiter mit der Situation umgehen.
    Derzeit wirklich bemerkenswert finde ich jedoch eher die Frechheit der Unionsparteien, überhaupt das Jahr 2016 in die Waagschale zu werfen. Es zeigt, dass die SPD überhaupt nicht ernst genommen wird. Es zeigt, dass CDU und CSU keinerlei Scham zeigen, ihre Politik durchzusetzen. Auch dann nicht, wenn es für die SPD zu einer mächtigen Zerreißprobe werden könnte. Aber dass die Politik der Union keine Verwandten kennt und gern mal ihren Weg mit „Leichen pflastert“, ist ja bekannt, die FDP singt davon zahlreiche Lieder.

    Die Koalitionsverhandlungen werden immer mehr zu einer Farce, zu einer Veranstaltung von Polit-Clowns, die nicht witzig sind. Derzeit ist mal wieder alles offen, mal sehen, wie es morgen aussieht. Oder nächste Woche. Oder Anfang 2014. Und mal sehen, was zuerst steht, der Mindestlohn oder der Koalitionsvertrag.

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    Der Fall Hoeneß: Mir kommen die Tränen bei so viel Tränen

    geschrieben am 15. November 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf


    Ein Kommentar

    Wenn Uli Hoeneß weint, dann macht er das öffentlichkeitswirksam. Während früher der „private Hoeneß“ sein Leben lieber unauffällig lebte, hat er sich jetzt anders entschieden. Er geht nach draußen, kommt mit seiner ganzen Schwäche und Sensibilität ans Licht und zeigt, was für ein netter Kerl er ist. Auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München weinte er vor versammelter Mannschaft dicke Krokodilstränen. Das Publikum war gerührt und applaudierte stehend. So viel dazu. Im Grunde nicht weiter erwähnenswert. Bis Hoeneß‘ Hinweis kam, er werde nach seinem Prozess im März 2014 die Vertrauensfrage stellen. Damit setzt er jeder Dreistigkeit eine schillernde Krone auf. Denn er weiß natürlich, wie die Antwort lauten wird.

    Uli Hoeneß sagte am Pult über sich, er habe einen großen Fehler gemacht. Unrecht begangen aber haben die anderen. Denn eine Selbstanzeige haben „viele viele Zigtausende in Deutschland“ schon vor ihm von ihren Anwälten anfertigen lassen. Sicher alles richtig gute Menschen. Außerdem sind sich Hoeneß und sein Spezialisten-Team aus Anwälten einig, dass die Selbstanzeige wirksam hätte sein sollen, was Straffreiheit bedeutet hätte. Die Behörden aber sehen das anders, eine ungeheure Frechheit ist das aber auch!
    Und überhaupt, Hoeneß zahlt seit Jahren Zigmillionen Steuern in Deutschland, fünf Millionen Euro hat er in den letzten fünf Jahren sogar mehr oder weniger gespendet, weil er auf Vortragshonorare verzichtet hat. Reinschwaschen, so beschließt er seine Aufzählung nobler Taten (wobei das Zahlen von Steuern ja wohl eher eine Selbstverständlichkeit ist), wolle Hoeneß sich aber nicht. Nein, nein, ganz sicher nicht. Schließlich habe er einen Fehler gemacht, dazu stehe er. Wie schön!

    Hoeneß‘ Rede wurde abgerundet durch sein klares Statement zum Thema Rücktritt. Das, so der sich selbst anzeigende Steuersünder, käme immer nur von außen. Von den Medien, aber nicht vom Verein oder den Mitgliedern oder den Fans. „Und“, so Hoeneß, „nur die sind für mich wichtig und nicht das Handelsblatt.“ Tosender Applaus derer, die gemeint waren.

    Nach dem Prozess im kommenden Jahr wird es beim FC Bayern München dann eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben. Uli Hoeneß will nämlich nun nicht mehr selbst entscheiden, ob er – wie auch immer das Urteil lauten wird – den Rücktritt wählt oder nicht. Das überlässt er gönnerhaft dem Verein. Und wenn der ihm „keine klare Mehrheit“ beschert, wird er jede Entscheidung akzeptieren – und natürlich seinen Hut nehmen. Tolle Idee! Die in etwa so, als würde Robbie Williams seinen Fans sagen, dass er keine weitere Platte aufnimmt, wenn sie das nicht wollen.

    Am Ende waren irgendwie alle glücklich. Hoeneß, Rummenigge, der Verein, die Fans. Und da sich der Präsident so richtig in Kuschellaune gebracht hatte, sagte er abschließend: „Ich könnte Sie alle umarmen. Ich verspreche Ihnen, ich werde heute sehr gut schlafen.“
    Na, das ist doch die Hauptsache!

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    Die SPD und ihr Trick mit der Linkspartei

    geschrieben am 14. November 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Vor nicht einmal zwei Monaten schloss die SPD ein Bündnis mit der Linkspartei kategorisch aus. Jetzt, da die Koalitionsgespräche nur mühsam voranschreiten und die Basis immer lauter murrt, wird künftige „Ausschließeritis“ plötzlich ausgeschlossen. Man wolle sich, so die Parteispitze, der Linkspartei öffnen. Freilich nicht sofort. Taktisch ist das nicht ungeschickt, denn womöglich hofft die SPD-Spitze auf zwei Effekte.

    Effekt 1: Basisberuhigung

    Je länger die Koalitionsverhandlungen dauern, desto düsterer sieht es für die SPD aus. Sie hat bisher kaum etwas erreicht und muss das auf ihrem Parteitag erklären. Andererseits kann sie unter Umständen sogar von den nicht vorhandenen Ergebnissen profitieren. Sie kann sich mit breiter Brust vor die Basis stellen und verkünden, dass sie weiterkämpfen werde. Das ist zwar nicht mehr als eine Sprechblase, lässt sich aber besser verkaufen als Vereinbarungen mit der CDU, in denen das Profil der SPD nahezu gänzlich fehlt. Fast nebenbei kann die SPD-Führung durch die Öffnung zur Linkspartei ihre Mitglieder zu einer Großen Koalition überreden und stellt auch jene zufrieden, die für eine Zusammenarbeit mit der Linken sind.

    Effekt 2: Zeitgewinn

    Ein Bündnis in die Zukunft – also ins Jahr 2017 – zu legen, ist sicher wohl überlegt. Das Motto: Lasst uns jetzt erst mal in die Regierung mit der CDU gehen, in vier Jahren stellen wir den Kurs dann neu ein. So sind alle mehr oder weniger beruhigt, die Fans der Großen Koalition bekommen jetzt, was sie wollen (nämlich Ämter und Posten), die Anhänger der rot-roten Zusammenarbeit sind die nächste Zeit ruhiggestellt.

    Die kritischen Stimmen halten sich übrigens in Grenzen. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe findet den Wandel der SPD sogar nicht einmal überraschend. Er zweifelt, wie scheinbar alle anderen ebenfalls, nicht am Zustandekommen der Großen Koalition. Peer Steinbrück dagegen beklagte sich zwar, zu melden hat er aber nicht mehr viel.
    Ein Problem bleibt jedoch bestehen: Glaubwürdigkeit. Davon ist in der SPD nicht mehr viel übrig, und es wird mehr als spannend, jetzt vier Jahre weitgehend christdemokratisch geprägte Politik durchzuboxen, um dann pünktlich zur nächsten Bundestagswahl ganz auf links zu machen. Ob so eine Flatterhaftigkeit die Wähler anzieht oder in Scharen abziehen lässt, kann heute nicht beurteilt werden. Aber man darf annehmen, dass sie sich nicht unbedingt positiv auf den Wählerwillen auswirkt.

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