Direkt zum Inhalt

  • Suchen

  • RSS Feeds

  • Letzte Kommentare

  • TV-Duell, Teil 2: Hey! Hier kommt Rainer

    geschrieben am 03. September 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Ein Kommentar

    Nach dem eher trostlosen Kandidaten-Duell zwischen Peer Steinbrück und Angela Merkel folgte am nächsten Tag der zweite Teil. Diesmal nahmen die Kandidaten von FDP, Grünen und Die Linke teil. Herausragend – und zwar im negativsten aller Sinne – war dabei Rainer Brüderle, der ein Bild irgendwo zwischen lächerlichem Clown und dumpfem Aggressor abgab.

    Er war laut, zeigte mit ausgestrecktem Arm und wie als Waffe umfunktioniertem Zeigefinger auf seine Widersacher, verschluckte Buchstaben wie Weinproben und hatte das Terrain der politischen Botschaft schon verlassen, bevor die Vorstellungsrunde beendet war. Rainer Brüderle (FDP) ließ gegenüber seinen Kontrahenten Gregor Gysi (Die Linke) und Jürgen Trittin (Grüne) keinen Zweifel daran zu, wer der Herr im Haus ist. Die nahmen es gelassen, an der Peinlichkeit des Auftritts Brüderles ändert das jedoch nichts.

    Die Art und Weise, wie sich Brüderle präsentierte, war zwar alles in allem nicht überraschend. Schon bei „Illner intensiv“ hatte der launige Liberale kürzlich gezeigt, dass politische Diskussionen auch ohne jegliche Sachlichkeit und stimmige Fakten über die Zeit gebracht werden können. Und dass er kein Freund von Nebensätzen ist, weiß wohl jeder. Trotzdem war die Massivität, mit der er es im TV-Duell tat, bemerkenswert. Seine inhaltlichen Schwächen konnte er dadurch freilich nicht wegwischen. So sprach er zunächst brav nach, was Merkel am Vorabend über Renten und Pensionen schwadroniert hatte, rotzte dann völlig zusammenhangslos Begriffe wie „Planwirtschaft“ oder „Kehrmaschine“ raus und wollte den Mindestlohn durch regional unterschiedliche Lebenshaltungskosten aus dem Weg räumen. Die beiden Moderatoren Siegmund Gottlieb (BR) und Jörg Schönenborn (WDR) präsentierten sich dabei so hilflos wie eine frisch gebackene Lehrerin, die sich gleich an ihrem ersten Schultag ratlos dem Klassenkasper gegenüber sieht.

    Rainer Brüderle ist der zu Fleisch gewordene Grund für die Politikverdrossenheit der Bürger, die sich angewidert von der politischen Klasse abwenden. Er hat weder Charisma noch schlüssige Argumentationsketten. Er ist in erschreckendem Maße unsachlich, lässt selbst die kleinsten Ansätze eines angemessenen zwischenmenschlichen Umgangs vermissen und wirkt immer, als wolle er so schnell wie möglich fertig werden. Nach 60 Minuten war das im TV-Dreikampf der Fall, und noch immer bin ich nicht sicher, ob er bei der Rentendiskussion von der Beitragsbemessungsgrenze sprach. Oder ob er in der Hektik vielleicht doch „Beitragsvermessungsgrenze“ sagte. An der Altersarmut, die Brüderle massiv fördert, ändert das allerdings auch nichts. Ebenso wenig wie sein Satz: „Man kann natürlich alles schlecht reden.“
    Schlecht reden, das jedenfalls ist ein Themengebiet, auf dem sich Brüderle bestens auskennt.

    Ergänzung:
    Diese Screenshots sagen wohl alles:

    76 Kommentare

    TV-Duell: Dreieinhalb Moderatoren, Steinbrück und das Nichts

    geschrieben am 02. September 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Ein Kommentar

    Zugegeben, Duelle von Kanzlerkandidaten sind im wesentlichen Inszenierungen (wie wohl fast alles in der Politik). Aber das Fernsehduell am 1. September war doch sehr erkenntnisreich. Weil Merkel hinterher ein recht gutes Zeugnis bekam. Allein wofür, das wissen wohl nur die Götter.

    Erstmal das: Ich korrigiere mich. Vor einigen Monaten schrieb ich, dass Stefan Raab deplatziert für ein Fernsehduell sei. Hätte ich das bloß gelassen! Der Mann hat seinen Job in meinen Augen ziemlich gut gemacht und das in die Runde gebracht, was Befürworter gehofft hatten: eine etwas andere Art des Interviews, die gelungen war. Das hat zwar leider Peter Klöppel durch seine müde Art, sich wie ein Kaktus im Wind zu präsentieren, mehr als relativiert, aber sei’s drum, es soll ja nicht um die Moderatoren gehen. Was aber war mit Merkel los?

    Einen einzigen (strategischen) Lichtblick konnte man bei der Kanzlerin ausmachen. Als Steinbrück über die Angleichung von Renten und Pensionen sprach. Wie ein hungriges Tier stürzte die Merkel sich auf diese Steilvorlage und fabulierte über die kleinen Beamten, denen Steinbrück schaden wolle. Einmal abgesehen davon, dass sich weder kleine noch große Beamten ernsthaft sorgen werden müssen, der Stich saß und wurde im Anschluss des Duells auch gleich von Günter Jauch in seiner Runde aufgegriffen.

    Und sonst? Bei der „Notenvergabe“ nach dem Fernsehduell lag mal Steinbrück vorn, mal Merkel. So weit, so gut, aber warum nur das Lob für Merkel? Die Kanzlerin hatte – wie sonst meist auch – im wesentlichen ein großes, rhetorisches Nichts zu bieten. Sie sagte, dass „jeder Mensch“ Arbeit haben solle, dass „jeder Mensch“ eine gute Versorgung durch das Gesundheitssystem brauche und dass „jeder Mensch“ von seiner Arbeit leben solle. Von einem Rentenkonzept sprach sie, das wohl irgendwie in Arbeit ist und dann irgendwann mal greifen soll. Und überhaupt: Deutschland gehe es gut, die letzten vier Jahre habe die schwarz-gelbe Koalition gute Arbeit geleistet. Früher oder später kommt dieser Satz immer, zumindest wenn Liberale oder Christdemokraten vor das Mikrofon gezerrt werden. Begründen konnte Merkel das nicht, und das fiel auf. Begründen konnte sie so gut wie nichts. Da waren leere Hülsen und Phrasen, die man so oder so deuten konnten oder die sie innerhalb weniger Minuten ins Gegenteil umkehrte. Was übrig bleibt, sind die von Steinbrück aufgegriffenen „Schachteln im Schaufenster“. In die kann man ruhig wahllos herein greifen, sie sind eh alle leer.
    Vage zu bleiben, hat bei Politikern Tradition. Doch Merkel ist die Königin dieser Disziplin.

    Dass es schwer fällt, Steinbrück seine politische Kehrtwende abzunehmen, liegt auf der Hand. Aus dem ehemaligen Finanzminister, der fleißig an der neoliberalen Politik mitgearbeitet hat, soll nun also ein kritischer Politiker geworden sein, der sogar einräumt, dass bei der Agenda 2010 hier und da nachgebessert werden müsste? Wer das nicht glauben mag, hat sicher gute Gründe dafür. Dennoch hat Steinbrück besser argumentiert, hat konkrete Forderungen auf den Tisch gelegt und die gestellten Fragen (zum Teil) mit Inhalten beantwortet. Merkel dagegen hat gemacht, was sie sonst auch tut, nur eben diesmal 90 Minuten lang. Sie hat viel geredet und nichts gesagt. Es ist schon traurig, dass bei diesen offenkundigen „Leerverläufen“ die Zuschauer trotzdem zum Schluss gekommen sind, Merkel sei kompetenter als ihr Herausforderer. Bis auf wenige Ausnahmen wirkte sie wie eine brabbelnde Figur, die Neuland betritt und über das, was da aus ihrem Munde kommt, selbst überrascht ist.

    Ganz zum Schluss dann der „Ich-bin’s-die-Mutti“-Satz: „Sie kennen mich und Sie wissen, wie ich die Dinge anpacke.“
    Ja, richtig, stimmt. Aber das ist doch kein Argument für das Kreuz bei der CDU.

    104 Kommentare

    22. September: Haben wir eine Wahl?

    geschrieben am 26. August 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Die Frage, was man wählt, verliert bei vielen Menschen an Bedeutung gegenüber der, ob man überhaupt wählen soll. Die Nichtwähler-Fraktion ist groß, was die Konsequenz der Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist. Haben wir überhaupt eine Wahl, um Politik zu beeinflussen? Oder ist die Bundestagswahl am 22. September eigentlich nur eine Farce?

    Es sind zwei alte Lieder, die gesungen werden, wenn die Bundestagswahl thematisiert wird. In der Strophe des einen hört man, dass sowieso alle Politiker nur auf ihren Vorteil bedacht und völlig uninteressiert an den wirklichen Interessen der Bürger sind. Im anderen klingt im Refrain der an die Nichtwähler gerichtete Vorwurf mit, sie dürften sich nicht beklagen, wenn ihnen nach der Wahl etwas nicht passe. Wer nicht wählt, darf auch nicht meckern. Die Tonarten beider alter Lieder sind grundverschieden, die Disharmonie ist offensichtlich.

    Die beiden Lager haben längst ihre Sachen zusammengeworfen

    Wie man es auch dreht und wendet, dass die beiden ehemals voneinander abweichenden politischen Lager heute kaum noch Unterschiede aufzeigen, lässt sich wohl kaum leugnen. Ursprünglich war die SPD für mehr staatliche Kontrolle, die CDU für mehr Selbststeuerung von Wirtschaft und Gesellschaft. Die FDP neigte er zu weniger staatlicher Kontrolle, ließ sich aber gern überzeugen, von es denn bedeutete, Regierungsverantwortung übernehmen zu können. Eine Weile waren die Grünen ein erfreuliches Gegengewicht, doch je länger sie in der etablierten Politik verharrten, desto weniger blieb davon übrig. Bleiben aus heutiger Sicht nur die Linke und die Piraten, die durch auffallend abweichende politische Forderungen auffallen. Der Glaube daran, dass sich das auch im Falle faktischer politischer Verantwortung halten lässt, ist allerdings bei vielen Menschen nur gering ausgeprägt.
    Und dann gibt es ja noch die AfD (Alternative für Deutschland), die womöglich eine Rolle bei der Bundestagswahl spielen kann. Deren Programm allerdings passt auf den sprichwörtlichen Bierdeckel, und wer ein wenig dahinter blickt und sich das Personal der Partei ansieht, wird kaum eine echte Alternative erkennen können.
    Die Regierung wird sich aller Voraussicht nach aus neoliberalen Kräften zusammensetzen. Und genau das ist eines der grundlegenden Probleme dieser und der vorausgegangenen Bundestagswahlen. Selbst wenn die SPD einen urplötzlichen Endspurt mit großem Erfolg starten könnte, das Ergebnis wäre politisch kaum von der jetzigen Regierung zu unterscheiden. SPD und CDU haben sich so sehr angenähert, dass der Wähler mit Recht kaum noch Unterschiede ausmachen kann. Den Artikel weiterlesen »

    117 Kommentare

    Gut gebrüllt, bayerischer Löwe

    geschrieben am 22. August 2013 von Gastautor

    Von Harry Sochor

    Ein eher langweiliger, weil inhaltsloser Wahlkampf auf Bundesebene, nähert sich dem Ende. Die Amtsinhaberin verkündet mit bedeutungsschwangerem und bulldogig-verkniffenem Gesicht, dass weitere Krisenjahre bevorstehen, wir Deutschen sowieso die Besten seien und sich alle ein Vorbild an uns nehmen sollten – assistiert von Finanzminister Schäuble, dem allgegenwärtigen Gespenst der deutschen Politik seit den Anfangsjahren der Ära Kohl. Der Gegner, Herr Steinbrück, wird von der Amtsinhaberin kräftig wegignoriert, wohl wissend, dass er zielsicher punktgenau im nächsten haus- oder parteigemachten Fettnapf landen wird. Dieses Duell auch nur auf Kreisliganiveau heben zu wollen, wäre für alle Beteiligten mehr als geschmeichelt. Hier könnte ja könnte die Stunde von Horst Seehofer schlagen, der als bayerischer Ministerpräsident an die Tradition anknüpft, dadurch Landespolitik machen zu wollen, indem er gegen den Rest der Republik mobil macht. 

    Eine Schicksalswahl?

    Diese Taktik bietet sich aus seiner Sicht vermutlich auch an, weil im September 2013 sowohl die Bundesbürger als auch die Bayern zur Wahlurne gerufen werden. Horst Seehofer kämpft um seine persönliche Zukunft und die der CSU aus einer Position heraus, die er am besten kann: Mit dem Rücken zur Wand oder am Rande des Abgrundes. Nachdem er die aus CSU-Sicht blamable Aufgabe hatte, die erste Koalitionsregierung nach einer mehr als 40jährigen quasi-absolutistischen Alleinherrschaft zu führen, braucht Seehofer eine absolute Mehrheit im nächsten Landtag.

    Die Scheiße am Stiefel hat ihm ausgerechnet seine Parteivorstandsvize und Justizministerin Beate Merk beschert. Diese war ja ernsthaft der Meinung, sie habe tatsächlich einen Finger krumm gemacht, um im Fall Gustl Mollath einem Menschen, der offensichtlich jahrelang einen obrigkeitsmäßig angeordneten Aufenthalt in der Psychiatrie absolvieren musste, zu seinem Recht zu verhelfen. Was bleibt ihm also, dem Horst? Richtig, er geht erst einmal die Frau Bundeskanzlerin an und stellt Forderungen an den möglichen nächsten Koalitionsvertrag. Forderungen, die zwingend erfüllt werden müssen, damit Bayern die nächste Bundesregierung unterstützt. Den Artikel weiterlesen »

    25 Kommentare

    Viel Lärm um (fast) nichts…

    geschrieben am 21. August 2013 von Thorsten Beermann

    zugunglück

    Von Thorsten Beermann.


    Die Aufregung war gewaltig. Nicht nur die Medien waren aufgeschreckt – nein, auch die Leser empörten sich nahezu unisono. Worum es ging? Nein, natürlich nicht die neuesten Enthüllungen um die NSA Affäre. Es ging um den so genannten „Veggy-Tag“, den die Grünen vor rund vier Monaten in ihr aktuelles Bundestagswahlprogramm geschrieben hatten, allerdings schon seit Jahren befürworten. Auf freundliche Anregung der Springer-Blätter wurde das Ganze zur letzten Sau, die erfolgreich durchs Dorf getrieben wurde.

    Den Artikel weiterlesen »

    201 Kommentare
    Seite 33 von 45« Erste...1020...32333435...40...Letzte »