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  • Der Mensch ist in erster Linie menschlich

    geschrieben am 22. Juli 2010 von Jens Berger

    ein Gastbeitrag von David Liese

    Gerade in den vergangenen Wochen der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika ist der Nationalismus vor allem in den westlichen Ländern geradezu neu aufgeblüht. Fahnen, wohin das Auge reicht, und ein jeder singt mit stolzgeschwellter Brust die Nationalhymne. „Die Deutschen“ werden „die Engländer“ schlagen, auf südafrikanischem Boden, während die Einwohner in ghettoartigen Townships auf eine bessere Welt warten.

    Verbindet den Menschen denn tatsächlich die Zugehörigkeit zu einem nationalstaatlichen Gebilde? Bin ich wirklich “deutsch”, nur weil ich in diesem Land, zu dessen Genesis ich nichts beigetragen habe, geboren wurde, von Eltern, in deren Ausweisen die entsprechend deutsche Staatsbürgerschaft verzeichnet ist?

    Soll ich stolz sein auf mein Land, nur weil der Zufall es so wollte, dass sich große Denker der Weltgeschichte wie Goethe und Marx und Humboldt ebenfalls Deutsche nennen konnten? Ich glaube; wenn ich stolz sein soll auf diese Persönlichkeiten, wenn ich einen Teil des erworbenen Ruhmes dieser Personen also sozusagen auf mich übertrage, muss ich mich andererseits auch mitschuldig bekennen an den Greueltaten, die im Namen des deutschen Volkes durch Adolf Hitler und sein NS-Regime verübt wurden. Will ich mich nämlich nur im Glanz der Pracht sonnen, bin ich nichts als ein Heuchler, der wohl kaum ernst genommen werden kann.

    Jedoch ist beides selbstverständlich grober Unfug. Ich kann nur verantworten, was ich selbst getan oder gedacht habe, nicht aber die Taten oder Gedanken irgendeines anderen Menschen, egal ob er ein Landsmann ist oder mit mir verwandt oder mit mir in sonst irgendeiner Beziehung steht. Ich kann weder stolz sein auf mein Land noch auf meine Vorfahren, und ich muss auch keine Erbschuld mit mir herumschleppen und meinen Kopf demütig senken, wenn ich einem Juden auf der Straße begegne.

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    Deutschland, Deine Helden

    geschrieben am 19. Juli 2010 von Jens Berger

    Alle Jahre wieder versinkt Deutschland zum 20. Juli in eine eigenartige Gedenkkultur. Die Bundeswehr veranstaltet ihre Zapfenstreiche, im öffentlich-rechtlichen (und mittlerweile auch im privaten) Fernsehen reiht sich eine Guido-Knopp-Dokumentation an die andere und das ganze Land weiß plötzlich wieder, dass nicht alle Eliten des Dritten Reichs schlecht waren. Wohl dem Volk, das die Verdrängungskultur perfektioniert hat.

    Nachkriegsambivalenz

    Glaubt man der gefühlten Geschichtsschreibung, stand am 20. Juli 1944 das ganze Volk hinter den Helden des Widerstands, die das “heilige Deutschland” durch einen Tyrannenmord retten wollten. Nichts könnte falscher sein, der Kult um die adligen Verschwörer begann erst wesentlich später. Sogar in der Nachkriegszeit hatten die Deutschen ein – freundlich gesagt – ambivalentes Verhältnis zu den Verschwörern des 20. Julis. Im Jahre 1951 ergab eine demoskopische Studie, dass ein Drittel aller Befragten mit diesem Datum nichts verbindet oder keine Meinung dazu hat. Ein weiteres Drittel hatte eine positive, das letzte Drittel eine negative Einstellung zu Stauffenberg und Co. Ein Jahr später lehnte die Hälfte der Bevölkerung bei Umfragen strikt ab, Schulen nach Stauffenberg zu bennenen.

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    Furcht vorm kollektiven Fahnenschwenken

    geschrieben am 17. Juli 2010 von Jens Berger

    Die Deutschen und ihr Verhältnis zur Nation – ein Gastartikel von Benjamin Fredrich

    Seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 stehen die Deutschen wieder zu ihren Symbolen. Seitenscheitel und knapper Schnauzbart sind deshalb zwar nicht in Mode gekommen, doch wird immer wieder Skepsis gegenüber der neuen Bekundung nationaler Begeisterung geäußert. Wie gefährlich ist die gesellschaftliche Nationalisierung durch die Fußballweltmeisterschaft 2006 und 2010 wirklich?

    Wenn es um die Nation geht, wird besonders bei den Deutschen gerne debattiert. Jeder weiß, welches historische Erbe ein deutscher Staatsbürger hat und jeder weiß auch, dass sich ein 18-Jähriger nicht verantwortlich dafür fühlt.

    Ausgeprägter Nationalismus wird selbst in der CDU/CSU nur von Außenseitern ohne machtpolitischen Einfluss bekundet. Die NPD ist enorm verschuldet, seit 1953 weit von der 5% Hürde entfernt und die Bild-Zeitung konzentriert sich mehr auf niedere Instinkte als auf Nationalismus. Zudem hat Deutschland viele politische Kompetenzen an die Europäische Union abgegeben.

    So viel Nationalentzug schienen die Deutschen dann doch kein ganzes Jahrhundert zu verkraften, sodass die Fußballweltmeisterschaft 2006 wie ein Ventil für das lange Zeit unterdrückte Nationalgefühl diente. Auch anlässlich der WM in Südafrika schien es wieder so, als müssten die Fans das Schwenken der Fahne von über 60 Jahren nachholen.

    Politisch sind die Fahnenschwenker nicht grundsätzlich so national orientiert wie die Linken international. In der Masse werden die Fans überhaupt keine politischen Interessen verfolgen, auch wenn sich immer wieder Neo-Nazis unter den Zuschauern befinden. Anhänger der NPD und ähnlichen Gruppierungen sollten schon wegen der hohen Anzahl von nichtdeutschen Namen in der Nationalmannschaft verprellt worden sein. Und dennoch kann sich hinter dem neuen Zugehörigkeitsgefühl etwas Negatives verbergen.

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    Wir sind nicht eure Geldautomaten – Teil Zwei

    geschrieben am 13. Juli 2010 von Jens Berger

    ein Gastartikel von Wolf Wetzel

    Teil Eins erschien am 19. Juni auf dem Spiegelfechter

    Wir haben analysiert und vorhergesagt. Wir haben gewarnt und lange gewartet. Wir haben gehofft, gefordert, wir haben demonstriert. Es wird Zeit, dafür zu sorgen, dass das nicht eintritt, was wir alle nicht anders erwartet haben. Es wird höchste Zeit, nicht länger in eine andere Richtung zu zeigen – wir müssen sie selbst ändern.

    Der Ball rollt … und hat die Mittellinie überschritten

    Am 3. Juli 2010 fand in Frankfurt die von der ›Aktionsgruppe Georg Büchner‹ initiierte erste Konferenz statt. Wichtigstes Anliegen war, zuallererst in der Region eine möglichst breite Unterstützung für den Aktionsaufruf zu bekommen, mit dem Ziel, im Herbst eine Zentrale des Finanzsektors für einen kompletten Arbeitstag zu blockieren. Trotz des sehr kurzen Vorlaufs beteiligten über 50 Personen und AktivistInnen aus 29 Organisationen an dieser Konferenz.

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    Wider den Moraltotalitarismus!

    geschrieben am 05. Juli 2010 von Jens Berger

    Armes Land der Bayern. Fast jeder vierte volljährige Bewohner des stolzen Freistaats ist gestern dem Ruf der Fit-for-Fun-Dogmatiker gefolgt und hat sich in einem Volksbegehren für die Einführung des schärfsten Anti-Raucher-Gesetzes in Deutschland entschieden. Die Diktatur des Pöbels hat wieder einmal über die Unvernunft gesiegt. In Bayern wird damit bereits in wenigen Wochen der Tabakgenuss selbst in separaten Gaststättenräumen mit geschlossenem Lüftungssystem und in kleinen Eckkneipen verboten sein. Dem gesundheitsbewussten Jogger ist es auch schwerlich zuzumuten, täglich verschwitzt an Kneipen vorbeizuhasten, in denen übergewichtige Genussmenschen beieinander sitzen und sich bei einem alkoholischen Getränk oral an Giftstängeln berauschen und der Gemütlichkeit und der Geselligkeit frönen. Mit der Sünde kommt das Verderben und das ewige Leben erreicht nur der Tugendhafte.

    Doch dieser Teilerfolg ist der Anti-Raucher-Lobby noch nicht genug. Heute gehört uns Bayern und morgen die ganze Welt? Nun plant man bereits den bundesweiten Angriff auf die Freiheit von Wirten und ihren Gästen. Armes Deutschland, wohl den Bundesländern, in denen die Landesverfassung hohe Hürden für Volksbegehren eingebaut hat.

    Verbotswahn

    Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass das ehemalige Volk der Dichter und Denker und der Richter und Henker sich selbst seiner Freiheit beraubt? Der Michel hat eine neue alte Marotte wiederentdeckt, den Ruf nach Verboten. Das gefällt dem Michel gut, liebt der Michel doch Autoritäten, die ihm sagen, was er zu tun und zu lassen, zu denken und zu meinen hat – und wann er in Polen einmarschieren soll. War es früher der preussisch geprägte Ordnungssinn, der in Form von Obrigkeitswahn, vorauseilendem Gehorsam des deutschen Biedermanns und reglementierender Bürokratie unser Leben formte, so haben sich die Pickelhauben von gestern mit den Latzhosen von heute verbündet. Der Gesundheits-, Ernährungs- und Ökowahn der gut situierten, aber politisch desillusionierten und weltanschaulich sinnentleerten Mittelschicht mit Bildungshintergrund, hat sich längst zu einer Religion entwickelt.

    “Wer mehr als Hunger hatte, war einst Denker. Heute ist Denker, wer die Sattheit nicht länger erträgt.”
    Walter Fürst

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