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  • Initiative „Make it in Germany“ – mach’s uns billig!

    geschrieben am 16. Juli 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Dass sich die Löhne in Deutschland in den letzten Jahren kaum bewegt haben, ist allgemein bekannt, wenngleich es von der Bundesregierung mit aller Macht totgeschwiegen, sogar geleugnet wird. Die Tatsache allerdings, dass die von der Koalition ins Leben gerufene Initiative Make it in Germany versucht, ausländische Fachkräfte anzuwerben, überschreitet die Grenze guten Geschmacks. Veräppelt werden sowohl ausländische als auch deutsche Fachkräfte

    Natürlich ist es Philipp Rösler, der per Videobotschaft auf der Website „Make it in Germany“ ausländische Fachkräfte herzlich einlädt. Deutschland stehe nicht nur für innovative Unternehmen, sondern auch für „sichere und angemessen bezahlte Arbeit.“ Da lohnt es sich, doch einmal nachzuforschen.
    Auch Ursula von der Leyen kommt zur Wort. Sie lächelt und sagt: „Wir brauchen Sie!“

    Es scheint wirklich übel zuzugehen in Deutschland. Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften, finden sie aber nicht. Dabei haben die sich nicht versteckt, sondern werden bei Bewerbungen einfach nicht berücksichtigt. Monatelanges Warten auf eine Bewerbung mit der finalen Absage ist keine Seltenheit. Die Testbewerbung einer Ingenieurin mit anschließendem Anruf nach fünf Wochen Funkstille und der dezenten Nachfrage, wie es denn um ihre Bewerbung stände, hatte beispielsweise zur Folge, dass die Personalchefin die Bewerbung gleich in den „Rundordner“ verschob. Wegen der dreisten Ungeduld, so etwas brauche man nicht. Andere Fachkräfte haben sich schon vor langer Zeit aus Deutschland verabschiedet. Weil die Arbeitsbedingungen woanders einfach besser sind. Aber wenn es einen Mangel gibt, müsste dann nicht der Wert der Ware (bzw. Fachkräfte) steigen? Und müssten dann nicht nach Bewerbungen qualifizierten Kräften die Einladungen zum Vorstellungsgespräch mit einer Postkarte und einem Blumenstrauß geschickt werden? Theoretisch schon, praktisch aber fährt die Bundesregierung einen anderen Kurs. „Make it in Germany“ beweist das eindrucksvoll und frech. Den Artikel weiterlesen »

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    Das „Glasfaserspiel“: Wie wird es sein, wenn unser Verhalten „gemacht“ wird?

    geschrieben am 11. Juli 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Die Folgen der weltweiten Überwachung von Menschen sind in den letzten Monaten fast nonchalant übergangen worden. Obwohl das Ausmaß der aufgedeckten Aktivitäten jeden überraschen, schockieren und verängstigen sollte, ging es in der allgemeinen Berichterstattung hauptsächlich um Schuldzuweisungen und Zahlenwerk. Angeregt durch einen Artikel von Patrick Breitenbach erlaube ich mir ein kleines Gedankenspiel. Eines, das mit Spaß jedoch nicht viel zu tun hat, sondern in mir das kalte Grausen auslöst.

    In den letzten Wochen sprach alle Welt von Edward Snowden. Über das, was er aufgedeckt hat und über die Frage, ob er ein Held oder Verbrecher ist. Immer stärker wurde der Whistleblower in die Ecke eines Verbrechers gestellt, die „Bild“ ging sogar so weit, ihm (durch die übelst riechende Blume) aktive Unterstützung internationaler Terroristen vorzuwerfen. Das mag ein extremes Beispiel sein, doch es macht deutlich, dass sich nur wenig mit dem auseinandergesetzt wurde, was Snowden offengelegt hat.
    Dann machte die mediale Berichterstattung einen Schwenk. Nun stand im Raum, wer von wem was wusste, wessen Geheimdienste oder Regierungen Kenntnis von den Aktivitäten der Regierungen oder Geheimdienste (oder beidem) anderer Länder hatten und haben. Was da stattgefunden hat, wirkte eher wie Kompetenzgerangel als der Versuch, etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Es mag spannend sein, in Erfahrung zu bringen, was die Bundesregierung wusste, was sie billigte oder unterstützte (wenngleich es nahe liegt, dass sie bestens informiert war). Dennoch lässt die Berichterstattung einen wichtigen Punkt weitgehend unbeachtet. Denn sie beleuchtet fast unterkühlt die technischen Möglichkeiten, zeigt aber nicht auf, was das für die Menschen bedeutet. Beschatten, beobachten, ausspähen, abhören, Daten sammeln, all das wird jetzt und in Zukunft weitreichende Konsequenzen haben. Konsequenzen, die womöglich gravierender sind als man sich heute vorstellt. Menschen können durch Manipulation von Daten so sehr beeinflusst werden, dass sich ihre Biographien verändern bzw. von außen verändert werden. Und was heute hier und da als harmlose Datensammlung durchgeht, kann morgen vermeintliche „Terroristen“ entlarven. Ohne dass die davon etwas ahnen, geschweige denn terroristische Straftaten begehen. Dazu mehr weiter unten im „Glasfaserspiel“. Den Artikel weiterlesen »

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    Offenbar will Philipp Rösler Importweltmeister werden

    geschrieben am 01. Juli 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Vizekanzler Philipp Rösler will neuerdings südeuropäische jugendliche Arbeitslose nach Deutschland importieren. Doch seine vermeintlich „herzliche“ Einladung ist nichts weiter als das latente Schüren von Ausländerfeindlichkeit, das weitere Ausbluten von Krisenländern und der Ausbau von Niedriglöhnen.

    Das Interview in der „Welt am Sonntag“ vom 30. Juni mit Philipp Rösler war geprägt durch einsilbige Antworten des FDP-Mannes. Und die waren zunächst einmal sterbenslangweilig. Wie es denn Brüderle ginge, wollte die „Welt“ wissen. Gut, sagte Rösler. Dann wurde mal wieder über die „Mitte Deutschlands“ gesprochen, sein Lieblingsklientel. Die Umfragetiefs der FDP wischte der FDP-Mann weg wie ein Polit-Profi das eben so macht. Alles effiziente Gähnhilfen.
    Über eine mögliche große Koalition mit der Beteiligung der FDP („Eine Ampelkoalition ist völlig ausgeschlossen.“) und „ergebnisoffene“ Gespräche mit der Türkei in Sachen EU drohte man schon einzuschlafen, als Rösler dann doch etwas Neues zu vermelden hatte. Er lud herzlich die arbeitslosen Jugendlichen der südeuropäischen Länder ein, nach Deutschland zu kommen und hier eine Ausbildung zu machen. Deutschland sei – wie es offenbar im Moment in fast allen Lebenslagen der Fall zu sein scheint – ein Erfolgsmodell, an dem die südlichen Länder großes Interesse hätten. Explizit das duale Ausbildungssystem meinte Rösler an diesem Punkt. Immerhin klage die deutsche Wirtschaft „Jahr für Jahr über Zehntausende freie Ausbildungsplätze“, diese Lücke wolle Rösler schließen. Was so freundlich erscheint, ist ein Schlag ins Gesicht der arbeitslosen Jugendlichen in den südeuropäischen Ländern und in das von jungen Menschen hierzulande, die von einer Maßnahme zur anderen geschickt werden, um aus der Statistik zu fallen. Den Artikel weiterlesen »

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    Wohnungsmarkt: Die 91 geheimnisvollen Experten der INSM

    geschrieben am 21. Juni 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Kaum ist Angela Merkel mit ihrer Mietpreisbremse wieder zurück gerudert, liest man auf der Facebook-Seite der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), bekannte Ökonomen würden vor einer solchen Regulierung warnen. Womöglich könnte mal wieder der Markt beunruhigt werden. Diesmal der Wohnungsmarkt.

    Geladen hatte die IW Consult, eine Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Im Auftrag der INSM wurden 91 Ökonomen nach ihrer Meinung zur Mietpreisbremse befragt. Das Ergebnis ist nicht überraschend, eher die Argumentation der Interviewten. Nachdem es zum 1. Mai 2013 bereits eine Mietpreisregulierung für bestehende Mietverträge gegeben hatte, die Ökonomen da aber noch geteilter Meinung waren, ob sie das gut finden sollen oder nicht, ist laut INSM jetzt aber mal Schluss mit lustig. Von den 91 Interviewten lehnten 68 den Schutz von Neuverträgen ab. INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr brachte es gleich ganz prägnant auf den Punkt, als er festhielt: „Ein weiterer Eingriff in den Wohnungsmarkt wäre ungerecht und ist unnötig. Im Gegenteil: gäbe es weniger Reglementierung und würde sich die Politik ernsthafter an die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft halten, würde der Wettbewerb für Investitionen und mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen. Die diskutierte Mietpreisbremse wird die Lage für Mieter nicht verbessern, sondern genau die gegenteilige Wirkung erzielen und das Angebot an neuem Wohnraum verringern.“ Klingt fast, als würde sich Pellengahr sogar für die Mieter einsetzen. Klingt aber nur so, macht er nicht.

    Unmotivierte Immobilienunternehmen

    Welche Professoren an der durch die INSM in Auftrag gegebenen Befragung teilgenommen haben, erfahren wir nicht. Selbst wenn man sich die Langfassung ansieht, findet man nur die Angabe, dass die Befragten als Professoren für Wirtschaftswissenschaften tätig sind. Und dass sie an deutschen Universitäten ausgegraben wurden. Nur einer der Teilnehmer wird namentlich genannt, Prof. Dr. Michael Bräuninger, seines Zeichens aktiv im Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut, sieht das so: „Eine Deckelung der Mieten verringert die Investitionsanreize und verlängert damit das Problem. Um den Wohnungsbau zu fördern, sollten Bebauungsgebiete ausgewiesen werden. Außerdem sollte in den Städten eine Verdichtung erfolgen.“
    Die Sorge gilt also mal wieder den Investoren, die sich womöglich, geschockt durch eine an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtete Politik, verängstigt zurückziehen könnten. Das haben sie in Teilen aber schon, auch ohne Mietpreisregulierung. Den Artikel weiterlesen »

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    „Neuland“ ist nicht lustig

    geschrieben am 20. Juni 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Ein Kommentar

    Es ist ein bisschen wie beim Fußball. Wenn Angela Merkel da so steht, hüpft und klatscht, möchte man ihr alles verzeihen. Und selbst wenn das wegen innerer Blockaden nicht möglich ist, so fällt es doch schwer, die Bundeskanzlerin ernst zu nehmen, wenn sie auf „Mutti“ macht. Als sie auf der Pressekonferenz im Rahmen des Besuchs von Barack Obama sagte, das Internet sei für uns alle Neuland, war die Reaktion eine Welle der Belustigung. Über Internetüberwachung sprach aber niemand mehr. Perfekt inszeniert, könnte man sagen.

    Merkel macht nichts zufällig. Ihr Verhalten ist genau kalkuliert und auf mögliche Reaktionen abgestimmt. Die Tatsache, dass sie das Netz als „Neuland“ bezeichnete und damit eine Menge Häme und Spott abbekam, dürfte sie gelassen hinnehmen, denn damit konnte sie rechtfertigen, gegen „Feinde und Gegner der demokratischen Grundordnung“ vorzugehen. Und wenn es sein muss, darf sie dabei auch ein bisschen über die Stränge schlagen, schließlich „kann“ sie Internet noch nicht so gut.

    Wenn das Internet – Zitat – mit „völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr (zu) bringen“ kann, sind drastische Maßnahmen zwingend. Das ist in etwa so, wie Waffenlieferungen in aller Herren Länder, die durch die mehr oder weniger abstrakte Gefahr des Terrorismus begründet werden. Klappt gut, funktioniert auch beim Internet. Merkel macht das ganz still, ganz unaufgeregt. Und inzwischen sind wir so eingelullt von ihrer Methodik, dass wir sie kaum noch bemerken. Aber Merkel ist höchst effizient bei ihrem Tun. Das ist ernst, sehr ernst, nicht lustig.

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