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  • Augen zu und weg: Die eigenwillige Armutsbekämpfung der Bundesregierung

    geschrieben am 06. März 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock

    Der Mann hat etwas zu sagen. Philipp Rösler bekämpft die Armut auf eine ganz besondere Art und Weise. Er blendet sie einfach aus. Und so kommt der neue Armuts- und Reichtumsbericht (ARB) zu ganz neuen Schlüssen. Es geht uns gut. So steht es geschrieben.

    “Die Privatvermögen in Deutschland sind sehr ungleich verteilt” – diesen Satz wird man im neuen Armuts- und Reichtumsbericht nicht mehr finden, auch wenn er in der ursprünglichen Fassung vorgesehen war. Maßgeblich Philipp Rösler war es, der sich an dieser und anderen Formulierungen störte. Auch die Tatsache, dass im Jahr 2010 mehr als 4 Millionen Menschen mit einem Bruttolohn von weniger als 7 Euro pro Stunde auskommen müssen, gefiel dem Liberalen nicht. Konsequenz: Weg damit!

    Allgemeine Empörung

    Klar, dass von der Opposition reichlich Kritik kommt. Der DGB empörte sich darüber, dass der Armutsbericht „ein Armutszeugnis der Bundesregierung“ sei. Wenn man bedenkt, wie glücklich und zufrieden eben dieser DGB vor kurzem noch über die Rede des Bundespräsidenten war, ist das schon bemerkenswert.
    Sigmar Gabriel von der SPD schimpfte ebenfalls wie ein Rohrspatz. Von „Fälschung” und “Schönfärberei“ sprach er schon in der vergangenen Woche. Und der Grünen-Chef Cem Özdemir holte gleich die moralische Keule heraus und merkte an: “Frisieren von Berichten, damit sie vor der Wahl geschmeidiger sind, das macht man einfach nicht. Falsche Analysen haben falsche Schlussfolgerungen zur Konsequenz.” Wohl wahr, aber das allein ist nicht das einzige Problem an der Sache.
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    Hurra, wir sind Weltmeister!

    geschrieben am 14. August 2012 von Jens Berger

    Deutschland ist wieder „Exportweltmeister“ und führte zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert sogar mehr Güter nach China aus als es von dort einführte. Wenn man diese Entwicklung als Sieg sehen will, so handelt es sich hierbei um einen Pyrrhussieg. Dies wird deutlich, wenn man sich auch die Kehrseite der Medaille anschaut. Deutschland ist nicht nur Weltmeister bei den Exportüberschüssen, sondern spiegelbildlich auch bei den Importdefiziten. Erkauft wurde dieser Sieg vor allem durch die viel zu niedrigen Löhne in Deutschland. Die Lektionen, die China gelernt hat, scheinen in Deutschland zu verpuffen.

    Was die Bundesbank am letzten Freitag zu vermelden hatte, bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: Im Juni dieses Jahres kletterte der Überschuss der deutschen Leistungsbilanz gegenüber dem Vorjahr um schwindelerregende 16%. Nach Berechnungen des ifo-Instituts wird Deutschland damit in diesem Jahr einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als 210 Mrd. US$ erreichen und damit den großen Konkurrenten China, der nur auf 203 Mrd. US$ kommt, hinter sich lassen. In Relation zur Wirtschaftskraft fällt der Unterschied jedoch deutlich größer aus – Deutschland wird 2012 einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als 6% des BIP erreichen, China kommt „nur“ auf 2,5%. Erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert hat es Deutschland sogar geschafft, Leistungsbilanzüberschüsse gegenüber der „Weltfabrik“ China aufzubauen, also mehr Güter ins Reich der Mitte zu exportieren, als von dort aus zu importieren.

    Was ist passiert? Um die Hintergründe dieser Entwicklungen zu verstehen, ist es hilfreich, die betriebswirtschaftliche oder besser angebotsorientierte Sichtweise zumindest für einen Moment auszublenden. Die chinesischen Produkte sind nicht schlechter, die deutschen nicht besser geworden. Wenn in Deutschland die stetigen Handelsbilanzüberschüsse diskutiert werden, neigt man dazu, die Betrachtung ausschließlich auf die Exporte zu fokussieren. Das ist jedoch nicht sonderlich hilfreich und führt meist zu falschen Schlüssen. In absoluten Zahlen steigen sowohl die deutschen als auch die chinesischen Exporte. Erklärungen findet man eher, wenn man auf die andere Seite des Bilanzüberschusses schaut. Ein Handelsbilanzüberschuss entsteht dann, wenn eine Volkswirtschaft mehr Güter exportiert, als sie importiert. Wie viele Güter eine Volkswirtschaft importiert, hängt wiederum vor allem mit den Einkommen ab.

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    138 Kommentare

    Der Neue und das Alte

    geschrieben am 20. Juli 2012 von Jens Berger

    Von Stefan Sasse

    Die Entscheidungsprozesse innerhalb der schwarz-gelben Koalition geben ein ums andere Mal Anlass zum Kopfschütteln. Nachdem im Zuge der NSU-Affäre zahlreiche Spitzenbeamte von Posten des Verfassungsschutzes zurückgetreten sind und dessen katastrophaler Aufbau ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wurde, gab es eigentlich niemanden mehr, der ernsthaft der Meinung sein konnte, der Verfassungsschutz könne so weitermachen wie bisher. Sogar in den großen Zeitungen wurde die Frage, ob er nicht besser vollstänig abgeschafft werden könne, diskutiert – eine Frage, die im Übrigen eine große Berechtigung hat. Nun aber hat die Koalition ihr großes Trumpfblatt in dieser Krise enthüllt. Hans-Georg Maaßen, ein bislang eher unbekannter Ministerialdirigent im Innenministerium, der die Bundesregierung im NSU-Ausschuss vertrat, soll künftig die Behörde führen. Ein “ausgewiesener Experte” sei er, und “ein brillanter Jurist”. Doch kaum wurde die Personalie bekannt gegeben, weht Schwarz-Gelb bereits heftiger Gegenwind entgegen, denn Maaßen ist kein gar so unbeschriebenes Blatt: in der Kurnaz-Affäre war er die treibende Kraft hinter den Kulissen, die dafür sorgte, dass Kurnaz in Guantanamo eingesperrt blieb. Man fragt sich, ob der Koalition ein solcher Hintergrund als Ausweis brillanter Juristerei gilt oder ob man schlicht nicht besonders gut überprüft hat, wen man da an die Spitze einer der umstrittensten Behörden des Landes setzen will.
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    55 Kommentare

    Der Weg zum europäischen Grundgesetz

    geschrieben am 09. Juli 2012 von Jens Berger

    Von Stefan Sasse

    Einige besonders hellsichtige Zeitgenossen haben bereits im September 2011 die Möglichkeit eines neuen Grundgesetzes nach Artikel 146 ins Spiel gebracht, um die vom Bundesverfassungsgericht gesetzten Grenzen für eine weitere europäische Integration umzustoßen. Ich habe bereits damals den Gedanken konkretisiert, eine Art Verfassungskonvent einzuberufen. Inzwischen jedoch ist der Artikel 146 in aller Munde und eine neue Verfassung keine reine Gedankenspielerei mehr. Spätestens seit Schäuble verkündet hat, dass er sich eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung vorstellen könne, dämmert es auch dem letzten Beobachter, dass die Euro-Krise für Deutschland wohl mehr als monetäre Folgen haben dürfte. Die Diskussion drehte sich dabei hauptsächlich um das Schäuble-Wort vom Volksentscheid, das Merkel in einem ihrer üblichen Wischi-Waschi-Dementis entschärfte. Der Geist ist seither kaum in die Flasche zu bekommen und mannigfaltige Kritik kommt aus allen Richtungen. Eher konservative, der Regierung und ihren Vorhaben nahestehende Kräfte befürchten eine Ablehnung durch den uninformierten Mob, eher links gerichtete Kritiker befürchten eine Verfassungsänderung in konservativem Sinne durch die Hintertür. Die Zögerlichkeit Merkels, die Volksabstimmungsidee aufzugreifen, passt zudem gut zu den Vorwürfen der Entdemokratisierung der Politik im Rahmen Europas. In diese Stimmung platzte nun Bundestagspräsident Lammert hinein, der erklärte, dass es eigentlich keiner Volksabstimmung bedürfe, sondern auch eine verfassungsgebende Versammlung ausreiche. Dieses Argument ist dasselbe, das bereits Max Steinbeis in seinem Artikel vergangenen September gebracht hat. Es muss keinesfalls demokratiekritische Reflexe wecken, denn eine solche Versammlung wäre keinesfalls undemokratischer als eine Volksabstimmung. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass das Ergebnis sogar demokratischer wäre.

    Das klingt zuerst einmal widersinnig, ist es doch Mode, in direkten Abstimmungen einen Gewinn an politischer Transparenz und Partizipation zu sehen. Das aber ist mitnichten der Fall. Nur einmal angenommen, eine neue Verfassung soll nach Artikel 146 einem nationalen Referendum unterworfen werden – wer macht denn diese Verfassung überhaupt? Wahrscheinlich würde sie tatsächlich von der Regierung gestrickt, mit Beteiligung des Bundesrates und damit der SPD, irgendwo zwischen Ausschüssen und Sonderparteitagen (wenn überhaupt). Am Ende bliebe dem Volk dann die Wahl zwischen Pest und Cholera – der vollständigen Annahme eines Dokuments, auf den es keinen Einfluss hatte, oder seiner Ablehnung und unabsehbarer Folgen. Eine verfassungsgebende Versammlung dagegen stünde in einer langen deutschen Tradition – 1848, 1919 und 1949 wurden jeweils solche Versammlungen einberufen und die Produkte dieser Versammlungen waren alles andere als undemokratisch. Auch die amerikanische Verfassung wurde von einer solchen, extra einberufenen Versammlung ausgestaltet und verabschiedet, und die französischen Revolutionäre haben genauso auf eine Volksabstimmung verzichtet. Eine solche ist eher die Ausnahme als der Normalfall und findet sich eher unter Diktaturen, die sich damit den Anschein von Legitimation geben wollen und regelmäßig Zustimmungsquoten im oberen 90%-Bereich einfahren. Warum aber, neben dieser quasi historischen Aura, könnte eine solche Verfassung demokratischer als ein Volksentscheid sein? Den Artikel weiterlesen »

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    Schicksalstage einer Kanzlerin

    geschrieben am 21. Mai 2012 von Gastautor

    ein Gastartikel von Gilda Sahebi

    Was für hehre Worte aus dem Munde der Bundeskanzlerin. So wie Erfolge gemeinsam gefeiert würden, so seien auch Niederlagen „gemeinsame Niederlagen“, also auch die „bittere und schmerzhafte Niederlage“ (Merkel) nach der NRW-Wahl. „Gemeinsame Niederlage“? Wohl kaum.

    Denn während derselben Pressekonferenz gelang es Angela Merkel einmal mehr, sich in einem Maße von ihrer eigenen Partei zu distanzieren, dass sie von keiner politischen Niederlage der CDU tangiert zu sein scheint. Zum einen hätte die Niederlage „ganz klar mit der SPD-Spitzenkandidatin“ zu tun. Außerdem habe sie den Spitzenkandidaten Norbert Röttgen zwar gerne unterstützt; am Ende des Tages aber wüssten die Menschen, “dass es um eine Landtagswahl geht und dass ich dort nicht zur Wahl stehe”. Hier ich, die beliebte Bundeskanzlerin, dort ihr, die zunehmend erfolglose CDU. Zwei Tage später schließlich entließ sie Röttgen aus dem Amt des Umweltministers.

    Welche Möglichkeiten hätte sie sonst gehabt? Sie hätte den Weg gehen können, den Gerhard Schröder sieben Jahre zuvor gegangen war: Dieser hatte nach mehreren verlorenen Landtagswahlen und schließlich der Niederlage in NRW unmittelbar Neuwahlen verkündet, da das Wahlergebnis “die politische Grundlage für die Fortsetzung unserer Arbeit in Frage gestellt” habe. Dass Merkel über derartige Konsequenzen auch nur nachgedacht hätte, scheint allzu abwegig. Die Kanzlerin würde nichts tun, was ihre Macht gefährdet. Merkel sieht am Horizont bereits die Ampel aufleuchten – mit Wolfgang Kubicki und Christian Lindner eine reale Machtoption für SPD, Grüne und FDP; Neuwahlen könnten das frühzeitige Ende ihrer Kanzlerschaft bedeuten.

    Also dann doch der andere Weg: Einen Sündenbock suchen, Röttgen aus dem Kabinett werfen und damit jegliche Diskussion um ihre politische Führung im Keim ersticken. Machtpolitisch ein genialer Schachzug, wenn auch „herzlos, gefühllos und rücksichtslos“ (Heribert Prantl) – denn: Mit Röttgens Entlassung hat Merkel gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Eine dieser „Fliegen“ ist Horst Seehofer.

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