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  • Worte wie schleichendes Gift

    geschrieben am 30. April 2010 von Jens Berger

    Die Grenzen von Anstand und Moral sind überschritten. Heute morgen eröffneten Heckenschützen aus den Reihen der schwarz-gelben Koalition zusammen mit der Süddeutschen Zeitung einen Frontalangriff auf Finanzminister Schäuble. Dieser sei, so die Verschwörerclique aus dem Hinterzimmer, wegen seiner Krankheit geistig nicht mehr imstande, seinen Posten auszufüllen. Den Meuchelmördern stößt dabei vor allem Schäubles ablehnende Haltung bei den Steuersenkungen auf – dem Lieblingsthema der FDP. Infam lässt sich die Süddeutsche vor den Karren spannen, macht die konspirativen Giftpfeile der Schäuble-Kritiker zu ihren eigenen, instrumentalisiert die Krankheit des Ministers und setzt damit einen neuen Tiefpunkt im Sachen journalistischer Ethik.

    Hinterzimmerjournalismus

    Was hat bloß die Herren Braun, Hulverscheidt und Bohsem geritten, als sie ihr konspiratives Insiderpamphlet ?Wie aus dem falschen Jahrhundert? verfassten? Die Herren trafen sich mit einer nicht näher benannten ?Spitzenkraft der christlich-liberalen Koalition? im Hinterzimmer eines Restaurants im Berliner Regierungsviertel und ließen ihr Gegenüber reden. Der Mann erzählte unter dem Deckmantel der Anonymität von der Krankheit Schäubles, die ihn nicht nur körperlich, sondern ? so die implizite Botschaft der Süddeutschen ? auch geistig in Mitleidenschaft gezogen hätte.

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    181 Kommentare

    Bravo, Frau Kanzlerin! Merkel löst Flächenbrand aus

    geschrieben am 29. April 2010 von Jens Berger

    Das deutsche Wahlkampfgeplänkel rund um die Griechenlandhilfen hat dazu geführt, dass Griechenland vor der Pleite und Portugal sowie nun auch Spanien vor ernsten Problemen stehen

    Es ist eine Ironie der Weltgeschichte, dass epochale Ereignisse oft durch sehr banale Dinge ausgelöst werden. So könnte in zukünftigen Geschichtsbüchern stehen, dass der Funke, der den Flächenbrand auslöste, der zum Einsturz der Eurozone und später auch der Europäischen Union führte, dem wahlkampfstrategischen Geschacher in einem deutschen Bundesland entsprang.

    Um nicht als zu großzügige Nachbarschaftshelferin dazustehen, spielt die deutsche Kanzlerin mit dem Feuer. Nun muss die deutsche Regierung ? natürlich erst nach den Wahlen in Nordrhein-Westfalen ? noch mehr Geld in die Hände nehmen, um einen Kollaps der Eurozone zu verhindern. Die Rechnung zahlt, wie stets, der Steuerzahler. Der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen könnte so indirekt als der mit Abstand teuerste Wahlkampf aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Bravo, Frau Kanzlerin!

    Selbsterfüllende Prophezeiung

    Hätten EU und IWF die Entwicklung verhindern können, die dazu führte, dass Ratingagenturen und die Märkte einem Euroland den Todesstoß versetzen können? Sicher, man hätte Griechenland beispielsweise Überbrückungszahlungen zusichern können, die zumindest die Verpflichtungen der nächsten 18 Monate decken und dies an die Gründung eines europäischen Währungsfonds koppeln können, der nicht nur die längerfristigen Schulden der Griechen, sondern vor allem die Sicherheit der Staatsanleihen Portugals, Spaniens, Irlands und Italiens sicherstellt. Dies hat man verabsäumt. Stattdessen macht Angela Merkel ? im Einklang mit dem SPD-Vorsitzenden Gabriel ? die Spekulanten für den zu erwartenden griechischen Staatsbankrott verantwortlich. Das ist freilich grober Unfug, denn es sind nicht etwa Spekulanten, sondern Lebensversicherungen und Pensionsfonds, die nun griechische Papiere notgedrungen auf den Markt werfen müssen.

    Nach welchen Mechanismen funktioniert eigentlich die Preisfindung bei Staatsanleihen? Wer sein Geld einem Staat leiht, geht damit auch immer ein Risiko ein. Dieses Risiko ist mal klein und mal groß ? es hängt von der Wahrscheinlichkeit ab, mit der man sein Geld zurückbekommt. Wer dem deutschen Staat Geld leiht, ist auf der sicheren Seite ? daher muss die Bundesregierung auch nur sehr geringe Risikoaufschläge zahlen. Wer dem griechischen Staat Geld leiht, verlangt ? vollkommen zu Recht ? einen höhere Risikoaufschlag. Da sich die Aufschläge direkt an der Liquidität eines Staates orientieren, ist es auch überhaupt nicht verwunderlich, dass der verlangte Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen steigt, wenn deutsche Politiker offen den deutschen Beitrag zum Rettungspaket in Frage stellen oder gar eine Umschuldung ? was nur ein schöneres Wort für einen Staatsbankrott ist ? fordern. Das alles hat nichts mit Spekulation oder halbseidenem Finanzglücksspiel zu tun, sondern ist Volkswirtschaft für Anfänger und sollte damit selbst den Damen und Herren Merkel, Gabriel und Westerwelle bekannt sein.

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    172 Kommentare

    Wulffs Migrantencoup

    geschrieben am 27. April 2010 von Jens Berger

    Aygül Özkan gehört zweifelsohne zu der Sorte Mensch, die landläufig als Vorzeigemigrant bezeichnet wird. Doch bereits hier steckt der Teufel im Detail. Frau Özkan ist keine Migrantin, sondern eine in Hamburg geborene Tochter zweier Migranten. Hier offenbart die deutsche Sprache ihren Hang zur Euphemismus-Tretmühle ? während man früher von Gastarbeitern oder Ausländern sprach, spricht man heute von Einwanderern, Migranten, oder wenn man ein überzeugter Anhänger politisch korrekter Sprachpanscherei ist, von MenschInnen mit Migrationshintergrund. Welchen Namen man dem Kind gibt, ist allerdings zweitrangig ? wichtiger ist, mit was man die Begriffe verbindet.

    Es ist unerheblich, ob man von einem Krüppel, einem Behinderten, einem Gehandycapten oder einem anderweitig Begabten spricht, wenn man mit diesen Begrifflichkeiten ein und dasselbe Bild im Kopf verbindet. Wenn die CDU von Menschen mit Migrationshintergrund spricht, hat sie offensichtlich ein Bild im Kopf, das besser zum Begriff Gastarbeiter passen würde ? der Migrationshintergründler wird erst dann als gleichwertig akzeptiert, wenn er sich assimiliert und jegliche Vorstellung, die gegen das christlich-konservative Weltbild verstößt, aus seinem Kopf ausmerzt. In diesem Sinne ist Frau Özkan jedoch keine Vorzeigemigrantin, da sie weltanschauliche Positionen vertritt, die nicht vollkommen in der Leitkultur aufgehen, die in den Köpfen konservativer Unionsgranden umherspukt.

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    60 Kommentare

    Was für eine Tragödie

    geschrieben am 26. April 2010 von Jens Berger

    Anders als im Drama ist das Scheitern des Helden in der Tragödie unausweichlich; die Ursache liegt in der Konstellation und dem Charakter der Figur. Der Keim der Tragödie ist, dass der Mensch der Hybris verfällt und dem ihm vorbestimmten Schicksal durch sein Handeln entgehen will.
    aus dem Wikipediaartikel ?Tragödie?

    Fremdschämen, aufrichtiges Mitleid, Schadenfreude ? Guido Westerwelles Auftritt auf dem Kölner FPD-Parteitag löste beim Betrachter an diesem Wochenende ein emotionales Tischfeuerwerk aus. Man muss Westerwelle nicht mögen, die fortschreitende Selbstdemontage des ehemaligen Oppositionsdampfplauderers zu beobachten, ähnelt jedoch mehr und mehr einer spätrömischen Tragödie. Guido Westerwelle als Held, dessen Scheitern unausweichlich ist? Die Tragödie des deplatzierten Politikers begann bereits am Abend der Bundestagswahl. Jedem Beobachter war klar, dass dieser Moment der Höhepunkt des politischen Lebens Westerwelles sein und es von nun an bergab würde. Westerwelle ist der Titanenwurz der Politik – Amorphophallus titanum (Titanen- oder Riesenstinkwurz) ist zwar die größte Blume der Welt, blüht aber nur wenige Tage, erfüllt die Umgebung dabei mit einem durchdringenden Gestank und welkt dann rapide dahin.

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    46 Kommentare

    Deutsche Ökonomen und die Griechenlandkrise

    geschrieben am 24. April 2010 von Jens Berger

    Die Situation wird ernst: Griechenland bittet um Hilfen und Deutschland wird helfen. Doch was bezweckt die Regierung Merkel und wer profitiert vom Rettungspaket?

    Ginge es nach Angela Merkel, so hätte sich die griechische Regierung mit ihrem Hilferuf ruhig noch ein paar Wochen Zeit lassen können. Im Mai wählt Nordrhein-Westfalen und die meisten Wähler halten von Milliardenkrediten für Griechenland gar nichts. Das mag verwundern, schließlich stellen Politik, Medien und vor allem die vielzitierten deutschen Spitzenökonomen das geplante Rettungspaket als alternativlos dar. Die Zunft scheint ihren Konsens in einem Modell gefunden zu haben, in dem die EU-Staaten und der IWF den Griechen helfen, ihre bestehenden Schulden zurückzuzahlen und dafür eine Art kontrollierte Depression in Kauf zu nehmen, an deren Endpunkt sich Griechenland in punkto Lohnniveau in einer Reihe mit seinen Nachbarn in Bulgarien und Albanien wiederfinden könnte.

    Ein echtes Niedriglohnland mit gut qualifizierten Arbeitnehmern mitten im Eurosystem? Da jauchzen die deutschen Ökonomen natürlich genüsslich, schließlich sähen sie diese Entwicklung auch gerne in Deutschland. Von Deutschland lernen, heißt Siegen lernen? Sicherlich nicht, denn aller Voraussicht nach wird das Rettungspaket nur der Auftakt einer ganzen Reihe von Interventionen sein, bei denen das Geld der Steuerzahler wieder einmal in den Tresoren der Banken verschwindet, während das Volk in Berlin und in Athen den Preis zu zahlen hat.

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    152 Kommentare

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