Raser Ackermann auf der Finanzlandstraße
21. März 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Eine goldene Regel des Finanzsystems besagt, dass man zusätzliche Rendite nur über ein gesteigertes Risiko erkaufen kann. Wer sein Erspartes auf ein Sparbuch bei der heimischen Sparkasse bringt, bekommt dafür nur 4% Zinsen; ähnlich verhält es sich bei Staatsanleihen von solventen und politisch stabilen Staaten. Dafür hat man allerdings eine nahezu 100% Sicherheit, dass man das Geld samt Zinsen auch wirklich ausbezahlt bekommt. Wer einem politisch und wirtschaftlich instabilen Staat Geld leiht, bekommt dafür eine Risikoprämie. Statt der 3,5%, die der deutsche Staat an Zinsen für geliehenes Geld bezahlt, muss beispielsweise Venezuela 11,2% Zinsen zahlen. Der Sparer bekommt deutlich mehr, wenn er das Geld denn auch ausbezahlt bekommt. Bei Aktienfonds oder abenteuerlichen Konstrukten auf dem Offenmarkt bekommt man zwar keine feste Rendite, hat aber – je nach Risikoneigung – die Chance wesentlich mehr Rendite zu erzielen. Aber je riskanter die Anlagestrategie ist, desto höher ist auch das Risiko, dass man am Ende mit leeren Händen dasteht, oder gar noch drauf bezahlen muss.
Auf deutschen Landstraßen gibt es ein Tempolimit von 100 km/h. Dieses Tempolimit wurde aufgestellt, um risikofreudige Raser davon abzuhalten, sich selbst und andere zu gefährden. Bei normalem Verkehr erreicht man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 bis 80 km/h. Wer diese Durchschnittsgeschwindigkeit steigern will, muss sowohl das Risiko eingehen, geblitzt zu werden, als auch mit seinen Wagen zu verunglücken. Wer beispielswiese sagt, ich will eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 130 km/h erreichen, der erkauft diesen Geschwindigkeitsvorteil mit dem Risiko, bei einem riskanten Überholmanöver in der Kurve, frontal mit dem Gegenverkehr zu kollidieren.
Die Investmentabteilung der Deutschen Bank und andere Investmentbanken rühmen sich damit, 25% Kapitalrendite zu erzielen. Verglichen mit Omas sicherem Sparbuch ist das immens viel. Wenn Omas Sparbuch der sichere Fahrer im Volvo-Kombi ist, so stellt Ackermanns Investmentgeschäft einen BMW-Raser dar, der gewillt ist, Risiken einzugehen, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Wer, wie Ackermann, 25% als Vorgabe nimmt, der überholt auch auf nasser Fahrbahn in der Kurve – anders kann er die Vorgaben nicht erreichen. Das Ganze geht vielleicht auch eine Zeit lang gut, und Ackermann hat den Ruf eines Teufelsfahrers, der in kritischen Momenten seinen Wagen recht gut beherrscht. Aber irgendwann passiert es einmal – ein Crash, der nicht nur Joe Ackermanns BMW zerfetzt, sondern auch die entgegenkommende langsam fahrende Oma in ihrem Volvo.
Jahrelang hat der Staat meist darauf verzichtet, auf der „Finanzstrasse“ Geschwindigkeitsbegrenzungen aufzustellen. Dort, wo er doch mal tätig wurde, kontrollierte er die Einhaltung aber nicht. Bestimmte Fahrer, wie Hedge-Fonds, hatten sogar die staatliche Genehmigung, so schnell zu fahren, wie sie wollten. Man sagte sich in Berlin und anderen Hauptstädten – „dann geht es halt etwas zügiger zu auf unseren Straßen – da passiert schon nichts“.
In den letzten Monaten herrschen sehr schlechte Straßenverhältnisse. Einige Raser sind schon im Straßengraben gelandet – manchmal sogar mit tödlichen Folgen. Joe Ackermann hält allerdings nicht viel von Geschwindigkeitsbegrenzungen, aber ein wenig mulmig wird auch ihm, zumal andere Raser, die nicht so gut fahren können wie er, mittlerweile auch ihn gefährden. Daher hat Ackermann nun Berlin vorgeschlagen, der Staat könne doch für die Unfallkosten seiner Raserei aufkommen, so dass er sich im Falle eines Crashs gleich wieder in einen neuen BMW setzen kann. Jeder Verkehrspsychologe würde Herrn Ackermann wahrscheinlich den Führerschein wegnehmen, da er mit seinem Verhalten und seiner Einstellung sich und andere gefährdet.
Finanzminister Steinbrück scheint von Ackermanns Vorschlag aber recht angetan zu sein. Man verständigte sich schon darauf, dass die Raser auch ein wenig Eigenbeteiligung leisten müssten, aber da es auch auf deutschen Landstraßen flott zugehen muss, kann man den Rasern kaum Vorschriften machen.
Das ist natürlich falsch – rigide Geschwindigkeitsbegrenzungen müssen her und an jeder Ecke sollte eine Radarfalle stehen. Notorische Raser wie Ackermann könnte man sogar mit einem GPS-Gerät pausenlos kontrollieren. Natürlich kann sich Raser Ackermann dann nicht mehr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 130 km/h rühmen, aber die Sicherheit auf deutschen Straßen hätte dadurch gewonnen. Und wenn niemand mehr schneller als 80 km/h ist, dann können die Raser um Ackermann auch nicht mehr in ihren Cliquen mit ihren Raserabenteuern angeben und können so resozialisiert werden.
p.s.: Der Vergleich stammt vom Wirtschaftsweisen Bofinger. Er hat ihn in der Radiosendung “HR2-Der Tag: Ackermann, geh Du voran” geäußert, die auch Podcastempfehlung der Woche ist.
p.p.s.: Mit diesem Artikel verabschiede ich mich in die Osterfeiertage und tauche auch so schnell nicht wieder auf ;-)
Allen Lesern wünsche ich “Frohe Ostern!
Jens Berger
Kategorie: Deutschland, Glosse, Podcasts, Wirtschaft | 68 Kommentare
































































Kurt Beck, der beliebte Teamchef der „Roten“, leidet unter chronischem Misserfolg. In seiner Amtszeit rutschten die „Roten“ von einem soliden UEFA-Cup Rang in die abstiegsbedrohte Region des unteren Mittelfelds ab. Kritiker bemängeln vor allem seine Strategie, das Spiel in der Offensive zu sehr von der Mitte auf den linken Flügel abdriften zu lassen. Ihnen wäre die Fokussierung auf eine solide Abwehr mit einem starken rechten Mittelfeld lieber. Zu diesen Kritikern gehören auch die einflussreichen Sportjournalisten von BILD und SPIEGEL, die den sympathischen Pfälzer auf ihrer Abschussliste haben.
Schröder brach mit alten Traditionen. Er strickte das gesamte Spielsystem der „Roten“ um. Waren sie doch seit Ewigkeiten für ihre offensive Spielweise über links bekannt und beliebt, so ließ Schröder durch die Mitte spielen und machte in der Defensive selbst vor Spielzügen über rechts außen nicht halt. Das nahm ihm das Publikum krumm. Endgültig überspannte er den Bogen, als er die beliebten Stehplätze im Deutschland-Stadion abreißen ließ und durch teure überdachte Tribünen und VIP-Logen hinter Panzerglas ersetzen ließ. Dieses neue Vereinskonzept, von Schröder „Agenda 2010“ getauft, ließ die treuen alten Fans im Regen stehen, da sie sich keine Karten mehr leisten konnten. Der traditionsreiche „Malocherklub“ wurde zum modernen „Profit-Center“, das eng mit Sponsoren aus der Wirtschaft kooperierte.
Nach der deutlichen Niederlage gegen die „Schwarzen“ in Hamburg und einem denkwürdigem Spiel in Hessen, bei dem der Sieg durch taktische Fehler in letzter Minute noch verschenkt wurde, wackelt der Stuhl des drolligen Pfälzers Beck. Auf die Frage, wer sein Nachfolger werden könnte, wissen allerdings weder die traditionalistischen Fans noch die Sponsoren und die Medien eine gescheite Antwort. Jahrelang hat man die Nachwuchsarbeit schleifen lassen, so dass sich aus den eigenen Reihen kein Nachfolger aufdrängen würde. Die goldenen Zeiten, als die „Roten“ Erfolge feiern konnten, verblassen angesichts der trüben Gegenwart immer mehr. Namen ehemaliger Trainergrößen, wie Friedrich „Fritze“ Ebert, Hans-Jochen „Jupp“ Vogel, Johannes „Hennes“ Rau oder der des legendären Herbert Frahm (genannt „Willy“ Brandt), schmücken nur noch die Pokale im Trophäenraum der „Roten“. 


Linksruck, Kommunisten, Schwampel und Kurskorrekturen – die politische Diskussion im Deutschland des Jahres 2008 wird immer undurchsichtiger. Bis auf die LINKE verorten sich alle Parteien selbst in der Mitte und jede Partei beansprucht die Deutungshoheit, wo diese Mitte sei. Während FDP und Grüne sich als neue Königsmacher wähnen, die mit beiden großen Parteien unter Umständen koalieren könnten, steckt die SPD in einer tiefen Sinnfindungskrise, da sie weiß, dass im neuen 5-Parteiensystem für sie die Rolle als ewige Opposition reserviert ist, sofern sie nicht nach links schielt. Ein Bündnis links der Mitte ist aber ein Albtraum für die Meinungsmacher der Republik, weshalb die SPD sich warm anziehen müsste, wenn sie wirklich gewillt sein sollte, diesen Weg zu gehen.
Einen besseren Ansatz als die klassische Links-Rechts Skala bietet das 

Anders sieht es bei der rot-rot-grünen „Koalition“ bzw. den Plänen einer rot-grünen Minderheitsregierung aus. Die Entfernung der SPD zu beiden Partnern ist überschaubar und die Konstellation wäre eigentlich optimal, da die LINKE als wirtschaftspolitisches und die GRÜNEN als gesellschaftspolitisches Korrektiv wirken könnten. Nüchtern gesehen gibt es auch keine externen Faktoren, die dieses Modell ausschließen, wie z.B. unüberbrückbare programmatische Differenzen auf gewissen Themenfeldern. Die Gründe, warum ein solches Modell nicht kommt, sind allesamt hausgemacht und der Tatsache geschuldet, dass gewisse Kreise der SPD die Zusammenarbeit mit einer „linken“ Partei aus dogmatischen Gründen ablehnen, obgleich es programmatisch viele Schnittpunkte gibt. 
Was es heißen kann, einen “Metzger” in der Partei zu haben, davon können die GRÜNEN ein Lied singen. Ihren “Metzger” sind sie losgeworden, er wurde ironischer weise von einem “Schlachter” beerbt. Jetzt versucht auch die Hessen-SPD ihre “Metzgerin” loszuwerden, um blindlings ins offene Messer zu laufen und bei der Wahl zur Ministerpräsidentin den „Simonis-Verrat“ neu auflegen zu lassen.
Die „ehrlichste Politikerin Deutschlands“
Sie tut es nicht,
In ihrem Kandidatenbogen auf den Internetseiten 
Die entscheidende Frage beim hessischen Laientheater ist aber eine ganz andere: Was hat die SPD geritten, sich derart dilettantisch aufzuführen? Frau Metzger ist nicht erst seit heute standhaft borniert, sie war es auch schon vor zwei Wochen, als Ypsilanti und Beck gegen die vereinigte Medienmacht den „Wortbruch“ exerzierten. Kann es sein, dass die hessische SPD derart unprofessionell ist, dass sie die Fraktionsmitglieder nicht im Vorfeld befragt hat, ob diese einer Minderheitsregierung überhaupt zustimmen? Dies gleicht einer Fahrt mit 250km/h durch einen Autobahntunnel, bei der man das Licht ausschaltet und sich die Augen zubindet. Eigentlich ist es unvorstellbar, dass ein Parteichef der SPD sich ohne Not derart blamiert und diskreditiert. Hätten Beck und Ypsilanti sich vor zwei Wochen vor die Kameras gestellt und mit Krokodilstränen gesagt, man könnte es sich ja schon vorstellen, sich von der LINKEn tolerieren zu lassen, aber nun habe man sein Ehrenwort gegeben und könne dies nicht brechen – das sei man dem Wähler schuldig. Aber für die Zukunft würde die SPD-Spitze diese Fragen ganz föderalistisch den Landesverbänden überlassen … Applaus! Pofalla hätte für lauter Ärger seine schwarz-gelbe Krawatte gegessen und Westerwelle hätte stundenlang bitterlich auf dem Klo geheult. Aber die Zeiten der Politstrategen Wehner, Brandt und Schmidt sind lange vorbei.















