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  • Heute hü, morgen hott

    geschrieben am 21. Dezember 2009 von Jens Berger

    Die hohe Kunst des “von sich selbst Distanzierens” beherrscht wohl niemand derart perfekt, wie der bayerische Baron zu Guttenberg. Mal will er Opel in die Insolvenz gehen lassen, dann wieder nicht. Mal will er ein Gesetz für Netzsperren durchsetzen, dann wieder nicht. Mal hält er den Luftangriff von Kundus für militärisch angemessen, dann wieder nicht. 2007 hielt der junge Politstar Gespräche mit den Taliban auch noch für eine “groteske Umkehr der Realität”, heute verkauft er den Plan, derlei Kommunikationskanäle aufzubauen, als seine neue Afghanistan-Strategie. Aber wer weiß, vielleicht distanziert der Mann, auf dessen Internetseite der Slogan “Richtschnur meines Handelns war und ist Prinzipienhaftigkeit und Grundsatztreue” prangt, sich schon morgen wieder von derlei Ansichten und will Afghanistan in die Steinzeit zurückbomben. Guttenberg ist ein politischer Glückskeks ? jeden Tag erfährt man vom Baron eine neue Weisheit mit einer Halbwertszeit, die selbst ein Beryllium-Isotop langlebig erscheinen lässt.

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    Bolognese mit studentischem Hackfleisch

    geschrieben am 18. Dezember 2009 von Jens Berger

    Früher betrat ein junger Mann im Regelfall im Alter von 21 Jahren zum ersten Mal eine Universität. Heute verlässt eine junge Frau im Regelfall im Alter von 21 Jahren schon wieder die Universität, sie wurde mit fünf Jahren eingeschult, durch das Turbo-Abi geprügelt und dann an einer Bachelor-Schule im Schnellgang mit halbgarem Wissen vollgestopft. Angeblich soll diese Instant-Bildung im Schnelldurchlauf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland steigern. Ein Freund von mir, der stolze 24 Semester an der Uni verbrachte, sie aber dafür gleich mit drei Diplomen verließ, kann darüber nur bitter lachen. Heute leitet der “Bummelstudent” die Entwicklungsabteilung eines großen mittelständischen Maschinenbauers und klagt über immer unqualifiziertere Jungakademiker, die für viel Geld und mit hohem Zeitaufwand erst einmal betriebsintern nachgeschult werden müssen, so das denn überhaupt noch möglich ist.

    Der gute alte Dipl. Ing., um den die ganze Welt das deutsche Bildungssystem beneidete, wurde durch den wohlklingenden Bachelor of Engineering ersetzt. Während der gute alte Hausmeister heute zwar auch Facility-Manager heißt, sonst aber genauso gut oder schlecht ausgebildet ist, sind die jungen Bakkalaurei, die heute die Universitäten verlassen, leicht verdauliches, aber wenig gehaltvolles studentisches Hackfleisch, das durch den universitären Wolf gedreht und zu einer Bolognese verarbeitet wurde, die vor allem den Wirtschaftsverbänden mundet.

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    Karbonkapitalismus

    geschrieben am 16. Dezember 2009 von Jens Berger

    Die billionenschwere Kehrseite der Kopenhagen-Agenda

    Die Klimakonferenz in Kopenhagen wird nicht nur von Umweltschützern mit Argusaugen beobachtet. Auch die großen Investmentbanken wollen nun ernten, was ihre Lobbyisten über Jahre hinweg gesät haben. Der Handel mit Emissionsrechten könnte schon in fünf Jahren ein Billionenvolumen erreichen und sich somit vortrefflich für neue Finanzmarktinnovationen eignen. Die Turbobanker an der Wall Street wissen schließlich am besten, wie man aus heißer Luft schwindelerregende Profite machen kann. Dabei ist es mehr als fraglich, ob ausgerechnet die Finanzmärkte, die sich vor kurzem noch nicht einmal aus eigener Kraft vor sich selbst retten konnten, nun ausgerechnet die ganze Welt vor der drohenden Klimaerwärmung retten können.

    Die Welt in guten Händen

    Blythe Masters ist trotz ihres vergleichsweise jungen Alters bereits eine Wall Street-Legende. 1997 entwickelte die damals 35jährige mit ihrem Team bei JP Morgan ein Finanzprodukt namens Bistro, mit dem sie die Kreditausfallrisiken verschiedener JP Morgan-Kunden in einem handelbaren Papier bündelte. Bistro wurde ein durchschlagender Erfolg. Die von Masters entwickelten Credit Default Swaps wurden schnell zu dem, was Investment-Guru Warren Buffet einmal “finanzielle Massenvernichtungswaffen” nannte ? ein komplett intransparenter Markt im einem “Vorkrisenvolumen” von 60 Billionen US-Dollar. Die Mutter der Finanzbombe überlebte auch die von ihr mitverursachte Finanzkrise und ist nun bei JP Morgan als “Global Head of Commodities” unter anderem für die Entwicklung neuer Finanzinnovationen im Bereich Umwelt und Klima zuständig. Auf diesem Gebiet haben Masters und JP Morgan große Pläne, schließlich darf man in der bunten Welt der Blythe Masters so eine wichtige Sache wie die Rettung der Welt nicht alleine der Politik überlassen:

    “Man kann keine erfolgreiche Klimapolitik betreiben, ohne die Finanzbranche ganz maßgeblich daran teilhaben zu lassen”
    Blythe Masters, JP Morgan

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    Klimahysterie als Wirtschaftsfaktor

    geschrieben am 05. Dezember 2009 von Jens Berger

    Wenn sich die Mächtigen der Welt nun in Kopenhagen über verbindliche Ziele zur CO2-Reduktion streiten, geht es nicht um die Rettung der Welt. Es geht auch nicht um die unzähligen Menschen, die durch den Klimawandel, der irreversibel ist und auch von Frau Dr. Merkel nicht gestoppt werden kann, Schaden nehmen. Für die meisten Teilnehmer geht es in Kopenhagen um nichts anderes, als um den schnöden Mammon. OECD gegen Schwellenländer, Deutschland gegen alle. Die Umwelttechnologie ist ein gigantischer Markt mit einem Billionenvolumen ? Tendenz steil aufwärts und Weltmarktführer ist Deutschland. Da wundert es kaum, warum in Deutschland der Klimawandel hysterischer als in anderen Ländern kommentiert wird. Bei all ihrem Geschachere um CO2-Reduktion und Investitionsquoten verschenkt die Weltgemeinschaft dabei die Chance, die Folgen des Klimawandels wirklich zu minimieren.

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    Vox populi – vox Rindvieh?

    geschrieben am 03. Dezember 2009 von Jens Berger

    Die Schweizer wollen nicht, dass Minarette den vermeintlichen Herrschaftsanspruch des Islam auch architektonisch in ihrer Alpenrepublik manifestieren. Diese Herrschaftsdemonstration bleibt den Glaspalästen der Banken vorbehalten. Das Schweizer Referendum zum Stopp des Minarettbaus kann als gutes Beispiel für die Unzulänglichkeiten plebiszitärer Elemente in die Geschichte eingehen. Demokratie kann kein Selbstzweck sein und die ideologisch verbrämte Annahme, wenn nur das Volk mehr zu sagen hätte, würde “bessere” Politik betrieben werden, sollte ebenfalls endgültig in den Ablageordner “nette, aber naive Ideen” abgeheftet werden.

    Ethik und Paternalismus

    Das Volk ist nicht gut oder böse, es ist auch nicht klug oder dumm – es ist schlichtweg die Gesamtheit aller guten, bösen, klugen und dummen Menschen. Wer nun das Volk nach seiner Meinung fragt, wird daher auch Antworten bekommen, die nicht automatisch gut oder gar klug sind. Der bloße Gedanke, dass die Antwort auf eine Frage umso besser sei, je mehr Menschen man befragt, ist nun einmal absurd. Diese Gedanken sind weder originell noch neu ? wenn man sie jedoch auf die Frage der Herrschaftsform bezieht, gerät man schnell in ein Dilemma.

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