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  • Kohl um Nobelpreis betrogen

    geschrieben am 12. Oktober 2007 von Spiegelfechter

    Nein, was war das für eine schwarze Woche für George Bush und Helmut Kohl. Nicht der hoch ehrenwerte und verdiente Altkanzler aus Oggersheim, sondern der Erfinder des Internets, Klima-Kasper und Beinahe-Präsident aus Washington räumte in Oslo ab. Ein Jahr nach dem Oscar, erntete Calamity-Al die zweitsubjektivste Auszeichnung der Welt ? den Friedensnobelpreis ? und reiht sich damit in die Liste verdienter Friedensaktivisten, wie Henry Kissinger, Jassir Arafat, Schimon Peres und Jitzhak Rabin ein.

    Doch all dies wäre vermeidbar gewesen: Hätte George Bush der Jüngere doch nur auf den Trick mit den Wahlmaschinen in Florida verzichtet – die Welt wäre eine andere. Bush selbst könnte in Frieden seine Brezeln essen und den Cowboy spielen. In die Geschichte wäre er lediglich als der schlechteste Gouverneur Texas´ eingegangen und nicht als der Mann, der für Millionen Tote und das Ende des amerikanischen Zeitalters verantwortlich ist. Da der Irak-Krieg nie stattgefunden hätte, wäre Ede Stoiber 2002 Kanzler aller deutschen Stämme und Deutschland hätte wenigstens etwas zu Lachen.

    Al Gore säße stattdessen im Weißen Haus und müsste sich mit konservativen Querulanten herumärgern, anstatt Preise, Ruhm und Ehre einzustreichen. Die USA wären Vorreiter im Klimaschutz und in der Bildungspolitik anstatt in der Rüstungsindustrie und auf dem Gebiet der rekonstruktiven Chirurgie. Die Welt wäre ein wenig glücklicher, Merkel eine Hinterbänklerin, und ? was am allerwichtigsten ist ? Helmut Kohl wäre heute für sein Lebenswerk mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

    Sein Lebenswerk ist wahrlich nobel. Er erreichte die Durchsetzung des NATO-Nachrüstungsbeschlusses, die Einführung des Euros, den Aufkauf und anschließenden Ausverkauf der DDR. Er ist bekannt für seine taktischen Blackouts vor Untersuchungsausschüssen, die Kranzniederlegung auf einem Waffen-SS Friedhof, die kreative Finanzierung seiner Partei und viele friedliche Dinge mehr. Er würde nicht den Friedensnobelpreis bekommen, sondern er wäre der Friedensnobelpreis, wie die Titanic postulierte.

    Und was hat Al Gore diesen heroischen Taten entgegenzusetzen? Bei der Befriedung des Kosovos stand er nur in der zweiten Reihe, er wollte eine Annäherung an das Reich des Bösen ? nein, damals war das Russland und nicht die USA -, er kaspert mit Flipcharts und Powerpoint-Präsentationen gegen den Klimawandel und geht vor allem als der einzige gewählte Präsident der USA in die Geschichte ein, der nie Präsident wurde. Hätte Schröder bei seinem ?suboptimalen? Auftritt bei der ?Elefantenrunde? nicht besser argumentieren können? Merkel hätte doch glatt geglaubt, dass er der Wahlsieger sei, hätte sich aus der aktiven Politik zurückgezogen und in ein paar Jahren auch einen Nobelpreis für Klima-Kaspereien bekommen. Die Welt ist ungerecht!

    Verschärfend kommt für Kohl hinzu, dass mit Doris Lessing ausgerechnet die Tante der linken Socke Gregor Gysi einen Nobelpreis absahnte. Nun haben sowohl SPD als auch LINKE Nobelpreisträger in der erweiterten Verwandtschaft, nur CDU/CSU gehen permanent leer aus. Dass Ede Stoiber irgendwann einmal für sein literarisches Lebenswerk den Literaturnobelpreis bekommt, ist eher unwahrscheinlich. Schäubles bahnbrechenden Theorien über schmutzige Bomben reichen wohl auch nicht ganz für einen Chemienobelpreis und das Jung dereinst einmal für seine Fulgzeugabschußphantasien den Friedensnobelpreis bekommen könnte, fiele selbst den übelsten Sarkasten nicht ein.

    Vielleicht sollte man ja die Wahlmaschinen in Oslo überprüfen lassen und vor dem internationalen Gerichtshof eine Nachzählung der Stimmen von Hand einklagen. Wer weiß? Vielleicht hat Al Gore aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und die Wahlen der “Academy of Motion Pictures” und des “Nobelpreiskomitees” in schändlicher Art und Weise manipuliert.

    p.s.: Der Autor hätte sich sehr gefreut, wenn Mohammed Ali – der ebenfalls nominiert war – den Preis gewonnen hätte. Er hätte ihn wirklich verdient. Aber immer noch besser Al Gore, als der unsägliche Bonobo ;-)

    Jens Berger

    32 Kommentare

    Blondchen vor dem Volksgerichtshof

    geschrieben am 10. Oktober 2007 von Spiegelfechter

    Das gestern tagende “Volksgericht”, das in selbstgerecht aufgeblasener Manier, den Geist des Na(r)zismus aus dem deutschen Fernsehen vertrieben hat, war ein berechenbares Fanal der deutschen Unfähigkeit bei kritischen Themen eine sachliche Diskussion zu führen. Herrn Kerner, seinen unsäglichen B-Promi Gästen und dem ganzen Medienzirkus Vorwürfe zu machen, ist indes billig. Jeder kennt das System, niemand hätte eine sachliche Diskussion erwartet. Wenn es in den deutschen Publikumsmedien um “Nationalsozialismus” und “Antisemitismus” geht, kann es keine sachliche Diskussion geben, da die Gesellschaft sich in ihren antrainierten Rollen sehr behaglich fühlt. Auf einem wissenschaftlichen oder kulturellen Forum mag dies anders sein, aber wer ernsthaft erwartet im Plumpsklo der TV-Unterhaltung sachliche Töne zu hören, ist grundnaiv.

    Viel interessanter als der inszenierte Medienzirkus, ist die Selbstinszenierung des deutschen Blondchens Eva Herman. Man kann ihr vieles abnehmen, aber als Medienprofi kennt sie den “Volksgerichtshof” Talkshow und seine Regeln aus dem Effeff.

    Jemand der ein Teil der Medien ist, bedient sich ihrer auf seine eigene Art und Weise. Dies trifft auf Herrn Kerner, seine B-Promis und auch Eva Herman zu. Vielleicht wollte sie ursprünglich nur mit dem Feuer spielen, um ihr Buch zu promoten, als sie die Rolle der Familie in der Vor-68er Zeit lobte und diese dabei explizit ? wenn auch in einem negativen Kontext – das dritte Reich damit in Verbindung brachte. Vielleicht gingen ihr, als standhaften Verfechterin eines konservativen Familienbildes, auch nur die Pferde durch und sie vergaloppierte sich in ihrer pseudohistorischen Interpretation des Familienbildes im Dritten Reich ? Eiferer tragen gerne Scheuklappen.

    Dies mag alles sein, aber das Hamburger Blondchen ist nicht so naiv und dumm, wie sie von den Medien gerne dargestellt wird. Ein Opfer des semiintelligenten Kerners ist sie mit Sicherheit nicht, sie gefällt sich eher in der Figur der Jeanne d´Arc, die in ihrem ?heiligen? Kampf für konservative Werte von der Gesellschaft verbrannt wird – eine kalkulierte Selbstinszenierung. Frau Herman ist von Medien in die Gesellschaftspolitik gewechselt und sie beherrscht die Klaviatur des ?Skandals? sehr gut. Die üblichen Verdächtigen standen schon Gewehr bei Fuß. BILD hat seine Schlagzeilen und die Zielgruppe ein neues Idol – in einer Online-Umfrage auf BILD.de fraternisieren 60% der Leser mit dem Blondchen. Auch der Zentralrat der Juden ist sich nicht zu schade, auf diese Gossen-Kampagne aufzuspringen. Herman lässt sich derweil – kalkuliert provozierend – von erzkonservativen Papisten feiern.

    Jemand, der wie Herman, anlässlich des Geburtenrückgangs hysterisch eifertWir sterben aus?, der trägt mehr im Sinne als nur ein konservatives Familienbild, das gesellschaftlich durchaus diskutabel ist. Hier geht es um nationalistische Deutschtümelei, eingepackt in eine Familienbilddiskussion, die überfällig erscheint. Auch wenn Herman ganz sicher keine Parallelen zum Nationalsozialismus wünscht, so ist ihr ?deutschtümelnder? Schulterschluss mit einer ?national inspirierten? Familienpolitik abzulehnen. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft als ?Muttertier? wider die Überfremdung und das ?Aussterben der deutschen Rasse? zu definieren, ist ebenso verachtenswert, wie Mutterkreuze an die ?Fabrikantinnen? für neues Kanonenfutter zu verleihen. Herman spricht ersteres natürlich nicht offen aus ? zwischen den Zeilen steht aber genau dies. Sie ist Teil eines erzkonservativen Revisionismus, und man sollte sich hüten sie zu verteidigen. Darum geht es ihr, dies war ihr Ziel des “medialen Volksgerichtes” bei Kerner. Und sie scheint damit Erfolg zu haben. Ganze Foren füllen sich mit Solidaritätsbekundungen, man hat das Medienspektakel anscheinend falsch interpretiert – “das naive Blondchen als Opfer”, wenn es mal so einfach wäre.

    Update: Ein umfassendes Bild darüber, wie die Bloggosphäre mit der Causa Herman/Kerner umgeht, liefert folgender Artikel im Blog “Sendungsbewusstsein”.

    Bildnachweis: DHM, 2x Titanic-Magazin, Wikicommons

    Jens Berger

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    Boys don´t Cott! [Update]

    geschrieben am 09. Oktober 2007 von Spiegelfechter

    Ein deutscher Jugendnationalspieler entschloss sich aufgrund seiner israelischen Herkunft und familiärer Gründe dafür, nicht an einem Fußballländerspiel der Jugendnationalmannschaft in Teheran teilzunehmen. Ob seine Weigerung etwas mit den kolportierten Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad zu tun hat, ist unbekannt, darf aber vermutet werden. Quer durch alle Parteien brach ein Proteststurm los ? CDU-Generalsekretär Pofalla verurteilte die Gewissensentscheidung des 20-jährigen aufs Schärfste: ?Man müsse die Politik aus dem Sport heraushalten und es könne nicht sein, dass hier ein deutscher Nationalspieler aus religiösen und politischen Gründen seinen persönlichen Boykott gegen den Staat Iran vollzieht?. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Köhler, forderte vom DFB den Ausschluss des jungen Spielers: ?Als Nationalspieler repräsentiert er die Bundesrepublik. Da diese im Bewusstsein ihrer historischen Verantwortung, freundschaftliche Beziehungen zum iranischen Staat unterhält, wäre es ein großer Affront, dieses anti-iranische Verhalten stillschweigend zu dulden. Ich erwarte deshalb, dass der DFB den Spieler aus der deutschen Nationalmannschaft ausschließt?. Sein Vertreter Mazyek äußerte gegenüber SPON schwere Kritik: ?Es ist undenkbar und unmöglich, dass ein Nationalspieler einen privaten Muslimboykott initiiert?.

    Eine solche Meldung scheint undenkbar ? mit vertauschten Rollen beobachten wir dieses Possenspiel gerade eben in den Medien. Ein in Teheran geborener 20-jähriger Fußballprofi, mit doppelter Staatsbürgerschaft, weigert sich ?aus persönlichen Gründen? an einem Länderspiel der deutschen U-21 Nationalmannschaft gegen die israelische Equipe teilzunehmen. Dies ist eine sportpolitische Frage, die nicht ohne Brisanz ist, platzt sie doch mitten in die momentane Anti-Iran Kampagne der deutschen Politik. Der junge Sportler mit dem Namen Ashkan Dejagah ist in seinem Protest indes nicht alleine. Boykotte gegen Israel, wegen dessen Unterdrückungspolitik in den palästinensischen Gebieten, werden von kanadischen, britischen und südafrikanischen Gewerkschaften, der “Church of England” und der “United Church of Canada” und der britischen Universitätsdozentengewerkschaft “Association of University Teachers” gefordert und durchgeführt. Fast alle arabischen und muslimischen Staaten boykottieren Israel auf mehreren Ebenen.

    Im Bereich des Sports ist der Boykott keineswegs etwas neues. Neben den bekannten Olympia-Boykotten der kalten Krieger bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles, waren es vor allem die Boykotte afrikanischer Staaten, die gegen die Teilnahme Neuseelands demonstrierten, dessen Rugby-Mannschaft sich selbst nicht an den weltweiten Sportboykott gegen das Apartheidsregime in Südafrika hielt. Südafrika war wegen seiner Unterdrückungspolitik von 1964 bis 1992 von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden. Auch der Weltfußballverband FIFA schloss sich diesem Boykott an. 1992 war es Jugoslawien, das nicht an der Endrunde der Fußball-Europameisterschaft teilnehmen durfte. Bis 1998 hat es gedauert, bis ein serbisches Team wieder an internationalen Turnieren teilnehmen durfte ? andere Bürgerkriegsparteien, wie Kroatien, wurden freilich nicht boykottiert.

    Es hängt anscheinend doch eher von globalstrategischen Fragen ab, ob ein Land sportlich boykottiert werden darf oder nicht. Israel hat da Glück ? da es von vielen asiatischen Staaten boykottiert wird, wurde es im sportlichen Bereich zu ?Europa ehrenhalber? ernannt. Bei der Qualifikation zur Fußball-WM 1958 wollten nacheinander die Türkei, Indonesien und der Sudan nicht gegen das Land, das 1934 und 1938 noch unter dem Namen ?Palästina/Eretz Israel? an der Qualifikation zur WM teilgenommen hatte, antreten. Da die FIFA keine Mannschaft zur WM zulassen wollte, die kein einziges Qualifikationsspiel bestritten hat, musste Israel fortan gegen die Ozeanien-Gruppe spielen, da der ?Ostblock? eine Aufnahme Israels in die UEFA boykottiert hatte. Mit dem Verschwinden des ?Ostblocks? wurde Israel letztendlich europäisch.

    Die Nachbarn aus Palästina spielen im asiatischen Verband. Heimspiele können sie freilich unter israelischer Besatzung keine abhalten ? dafür müssen sie nach Doha in Katar ausweichen. Trainiert wird in Ägypten, da die israelische Luftwaffe das “Palästina-Stadion” bombardiert hat, und damit den Fußball in Palästina zum Erliegen gebracht hat. Löblich, dass die FIFA sich für den Fußball in Palästina stark macht und u.a. ein neues Stadion in Beyt Lahya finanziert. Andere sind da weniger offen – so hat Großbritannien die palästinensische Jugend-Nationalmannschaft, die an einem Turnier in Chester teilnehmen sollte, wieder ausgeladen. Die Begründung lautete: ?Die Palästinenser seien zu arm, als dass ihnen vertraut werden [kann], dass sie wieder heimkehren.?

    Sobald der Sport zum Spielball der Politik wird, ist dies problematisch. Wenn junge Menschen im friedlichen Wettkampf gegeneinander antreten, so ist dies völkerverständigend und zu begrüßen. Die Entscheidung des jungen Deutsch-Iraners ist bedauerlich, aber was medial daraus gemacht wird, ist zutiefst unanständig und schändlich. Die Aussage des stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Graumann, der aus dieser Entscheidung einen ?privaten Judenboykott? macht, ist Antisemitismus in Reinkultur. Die Politik Israels, die selbst in Israel selbst scharfe Kritik hervorruft, mit dem ?jüdischen Glauben? gleichzusetzen, ist polemisch ? geschieht dies in einem negativen Kontext, so darf man dies mit Fug und Recht ?Antisemitismus? nennen.

    Die Vorsitzende des Zentralrates, Frau Knobloch, plädierte für einen Ausschluss des jungen Spielers, da “gerade sportliche Wettkämpfe friedlich, respektvoll ausgetragen [werden] und politische Spannungen [überwinden]“. Das hört sich ja ganz gut an – ob Frau Knobloch sich auch so geäußert hat, als der israelische Sportminister Matan Vilnai im Jahre 2000 forderte, man müsse einen Sportboykott gegen Österreich verhängen, um gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ zu demonstrieren? Man darf es bezweifeln. Auch hat man von Frau Knobloch keine Proteste gehört, als hintereinander die grünen Spitzenpolitiker, Beer, Beck und Cohn-Bendit im Vorfeld der Fußball-WM 2006 lautstark forderten, man müsse das iranische Team ausladen. Gut, dass sie nichts gegen das israelische Team gesagt haben.

    Man mag es vielleicht nachvollziehen können, dass der DFB sich in ewig währender Freundschaft zu Israel unkritisch blind und taub stellt, und die Probleme in Palästina ihn nicht weiter interessieren ? von einem Spieler darf man dies indes nicht verlangen.

    “I’ve been very distressed in my visit to the Holy Land; it reminded me so much of what happened to us blacks in South Africa. I have seen the humiliation of the Palestinians at checkpoints and roadblocks, suffering like us when young white police officers prevented us from moving about … If apartheid ended, so can the occupation, but the moral force and international pressure will have to be just as determined. The current divestment effort is the first, though certainly not the only, necessary move in that direction.”

    Friedensnobelpreisträger und Gegner des südafrikanischen Apartheitsregime Desmond Tutu

    Update: Wie SPON heute – unter Berufung auf die Wolfsburger Nachrichten – schrieb, ist Ashkan Dejagah heute von seinem Verein, dem VFL Wolfsburg, vom Training suspendiert wurden. Dies soll auf Anordnung des Vorstands des Finanziers VW geschehen sein – “Herr Winterkorn selbst hat sich da stark gemacht“. Das ist scheinheilig un bigott von Herrn Winterkorn, betreibt doch VW im iranischen Bam in einem Joint-Venture ein eigenes PKW-Werk, dass bis zu 200.000 Automobile produzieren soll. Was Frau Knobloch wohl dazu sagen würde? “KdF-Wagen” aus Hitlers Retortenstadt, von Antisemiten für Antisemiten gemacht?

    Diese Meldung von SPON wurde umgehend vom VFL Wolfsburg richtiggestellt: Dejagah wurde laut der Offiziellen vom VFL von Trainer Magath nur für einen Tag beurlaubt, aber nicht suspendiert. SPON korrigierte den Artikel mittlerweile auch, so dass er kaum mehr wieder zu erkennen ist.

    Schon fast löblich unaufgeregt klingt da der Kommentar von Henryk M. Broder: “Der Junge ist bisher nicht durch antiisraelische Äußerungen aufgefallen. Ich habe den Eindruck, dass das wieder eine typisch deutsche Stellvertreter-Diskussion ist. Wir erleben jeden Tag antisemitische Äußerungen, die niemanden aufregen. Der Zentralrat der Juden veranstaltet hier ein eher hysterisches Geschrei, dass nicht zur Dimension des Ereignisses passt.

    Jens Berger

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    ?Homegrown Terror? oder ?Homemade Terror??

    geschrieben am 05. Oktober 2007 von Spiegelfechter

    Der Fall der deutschen ?Terrorzelle?, deren drei mutmaßliche Mitglieder am 4. September im Sauerland festgenommen wurden, wird von Tag zu Tag verworrener. Für die Bundesanwaltschaft war am Tag nach der Festnahme alles klar: Fritz Gelowicz und seine zwei Komplizen seien ?dringend verdächtig, Mitglieder der terroristischen Vereinigung ?Islamische Jihad Union? zu sein und terroristische Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen in Deutschland vorbereitet zu haben?.

    Der frühe Verdacht, dass es sich bei der IJU um ein Phantom handele, wurde jetzt von einem führenden Experten bestätigt. Im ARD-Magazin Monitor bestätigte Benno Köpfer, Leiter der Forschungsgruppe für islamistischen Terrorismus beim baden-württembergischen Verfassungsschutz, Zweifel über die Existenz dieser Vereinigung. ?Er habe erhebliche Zweifel?, dass es die IJU überhaupt gäbe. Weder die Anschläge, die ihr in Uzbekistan zugeschrieben werden, noch das Bekennerschreiben für die ?versuchten Anschläge? in Deutschland sind für ihn glaubhaft. In einem Interview mit der TAZ bestätigt Köpfer, dass die einzige Quelle, auf die sich die Bundesanwaltschaft bei ihrer Anklage bezieht, US-Geheimdienste sind. Die rhetorische Frage, ob es sich bei der IJU um eine Erfindung westlicher Geheimdienste handelt, beantwortet Köpfer mit einem viel sagenden: ?Darüber will ich nicht spekulieren?. Seine Aussagen, die der Bundesanwaltschaft und den “Regenmachern aus den Innenministerien? in elementaren Teilen widersprechen, sind ein Schuss vor den Bug für die Generalbundesanwältin Monika Harms.

    Frau Harms wird bis zum Beginn der Gerichtsverhandlungen noch einige Fragen zu beantworten haben. Neben der wackligen Position des Kernpunktes der Anklage ? der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ? sind noch einige andere Fragen offen. Was wurde zum Beispiel neben den 12 Fässern Wasserstoffperoxid und den ?militärischen? Zündern gefunden, dass das BKA und das Innenministerium dazu verleitet hat, von einer ?konkreten Gefahr? zu sprechen? Für die Herstellung einer adäquaten Menge TATP ? die Bundesanwaltschaft spricht von einer Menge, die die Sprengkraft von 550kg TNT hat ? müssten neben den 12 Wasserstoffperoxid-Fässern, mindestens 8 Fässer reines Aceton und 3 Fässer Schwefel- oder Salzsäure vorhanden sein. Warum wurde nie darüber berichtet? Waren die Verdächtigen überhaupt in Besitz dieser Chemikalien? Wofür brauchte man einen ?militärischen? Zünder? TATP bzw. APEX ist extrem instabil und benötigt keinen ?militärischen” Zünder, da es selbst ein Initialsprengstoff ist. Es stellt sich auch die Frage, warum die Verdächtigen ausgerechnet TATP herstellen wollten ? ein Stoff der relativ schwer handzuhaben ist und höchstwahrscheinlich explodiert wäre, bevor er zum Ziel transportiert wurde?

    Wer über die Quellen verfügt, um an ?militärische Zünder? zu gelangen, ist jedenfalls schlecht beraten, als Sprengstoff gerade TATP zu verwenden. TATP eignet sich auch nicht für große Bomben, wie das BKA suggerieren will. Mehr als 10g lassen sich nicht so einfach ?in einem Stück? lagern, da ansonsten die kritische Maße von selbst explodieren würde, ferner muss APEX gekühlt gelagert werden, will man es nicht sofort einsetzen. Auch gekühlt ist es nicht länger als ?ein paar Wochen haltbar?. Dies war ja auch der genannte Grund, warum die Behörden zu diesem Zeitpunkt zugeschlagen haben ? ohne den Fund von Hilfsmitteln zur Herstellung des Sprengstoffes, wäre freilich auch dieser Grund nicht länger haltbar.

    Benno Köpfer arbeitet für den baden-württembergischen Verfassungsschutz ? vielleicht verfügt er über interne Quellen, die belegen, dass weder das “Phantom IJU”, noch die eilends damit in Verbindung gebrachte “Al-Quaida”, hinter ?Fritzens Terrorzelle” steht. Fritz Gelowicz, der noch am 13. Juli 2007 dem Stern ein Interview als ?Gefährder? gegeben hatte, entstammt nach übereinstimmenden Informationen der ?Neu-Ulmer Islamistenszene?. Die ?graue Eminenz? der IIZ war der ägyptische ?Hassprediger? Dr. Yehia Yousif, besser bekannt als Scheich Abu Omar. Der 2002 nach Ägypten ausgewiesene Yousif wird von den Behörden für die Radikalisierung von Fritz Gelowicz verantwortlich gemacht. Gelowicz hat Yousif vermutlich in Ägypten besucht, später wurde er in Syrien und Saudi-Arabien gesehen. Ein Aufenthalt in ?pakistansichen Terrorcamps? ist bislang nur dem BKAs (bzw. deren Informanten aus Langley) bekannt.

    Pikanterweise war Yousif, der Gelowicz radikalisiert haben soll, allerdings von 1996 bis 2002 Mitarbeiter des baden-württembergischen Verfassungsschutzes. Das wird aus Dokumenten des Verfassungsschutzes ersichtlich. Über das umstrittene Ulmer “Multi-Kultur-Haus” schreibt die FAZ: ?Fast immer, wenn in Deutschland ein gefährlicher Islamist festgenommen wird, führen die Spuren in die baden-württembergische Stadt Ulm an der Donau?. Seltsam, dass der FAZ und anderen Medien nicht aufgefallen ist, dass die ?graue Eminenz? dieses Zentrums ein ?Schlapphut? war. Seltsam auch, dass die Schließung des Zentrums fast ausschliesslich auf Vorwürfen gegen eben diesen ?Abu Omar? beruht ? eine Parallele zum NPD-Parteiverbotsverfahren liegt hier auf der Hand.

    Wissen die Behörden also wesentlich mehr, als sie preisgeben? Ist ?Terror-Fritze? ein Produkt eines verdeckten Verfassungsschutzmitarbeiters? Hat der Verfassungsschutz mit dem Feuer gespielt oder es gar angefacht? Frau Harms hat einige Fragen zu beantworten ? man darf auf den Prozess gegen die ?deutschen Terroristen? gespannt sein. Der Bericht von Monitor endet mit der Frage, wovor die deutschen Sicherheitsbehörden uns eigentlich schützen … eine sehr gute Frage.

    Update: Heute (6.10) legte SPIEGEL-ONLINE nach, und streute neue Nebelkerzen der “Ermittlungsbehörden”. So stammt die Führung des Phantoms “IJU” nach “den Erkenntnissen der Ermittler” aus Pakistan und Iran. Bei solchen Meldungen rollen sich sogar dem Laien, der sich mit dem Thema nebenbei beschäftigt die Fußnägel hoch. Der schiitische Iran soll hinter einer radikal-sunnitischen Organisation stehen, die sich die wahabitische Islamisierung Zentralasiens zum Ziel gesetzt hat? Liebe “Ermittler”, geht es auch noch dümmer?

    Jens Berger

    41 Kommentare

    Kein Terrorismus auf dem Apfelfest

    geschrieben am 26. September 2007 von Spiegelfechter

    In Schleswig-Holstein wurden gestern Abend zwei 19-Jährige von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Bei ihnen wurden ? nach Angaben der Polizei ? ähnliche Chemikalien gefunden, die auch bei ?Fritzens Terrorzelle? im Sauerland gefunden wurden. Man geht davon aus, dass die beiden arbeitslosen Jugendlichen, die der Polizei als ?gewalttätig? bekannt sind, einen Sprengstoffanschlag auf das örtliche ?Apfelfest? verüben wollten, der ? laut Polizeiangaben ? wohl Opfer gefordert hätte.

    Diese Meldung ist heute in allen großen Online-Zeitungen zu lesen ? nur ein Wort fehlt in jedem der über 200 Artikel: Das Wort ?Terror?. Auch äußert sich kein Spitzenbeamter des BKA oder der Innenministerien und fordert eine Forcierung der Sicherheitsgesetze. Kein ?Berufsparanoiker? warnt vor einer ?bedrohlichen Gefahrenlage? und morgen wird dieser Vorfall wohl auf dem Friedhof der B-Meldungen verschwunden sein. Nur in Rellingen wird man sich bewußt sein, dass man vielleicht an einer Katastrophe gerade eben so vorbeigeschlittert ist.

    Was den Wert einer A-Meldung und den einer B-Meldung unterscheidet, ist die Religion der Tatverdächtigen. Sind es arbeitslose Muslime ? im schlimmsten Falle sogar Konvertiten ? so halten ARD und ZDF gleich Sendeplätze für Sondersendungen frei und bei ?Terrorexperten? klingeln die Telefone und ihnen werden Interviews und Talkshowsessel offeriert. Handelt es sich bei den Verdächtigen allerdings um Christen oder gar Atheisten, so findet sich diese Meldung auf Seite 12 und vielleicht klingelt das Telefon des lokalen Sozialarbeiters. Bei SPON erscheint ein solche Meldung übrigens nicht in der Rubrik “Politik”, sondern unter “Panorama”, umringt von “Poshs Diätplan” und “irgendeinem Kind, das vielleicht in Portugal umgebracht wurde”.

    ?Terror? ist erst dann ?Terror?, wenn er in ein fixes Schema passt. Politische Motivation gehört freilich dazu ? aber wer in Deutschland denkt bei ?Terror? an Iren, Basken oder Korsen, die für über 97% aller Terrorakte der letzten 10 Jahre in der EU verantwortlich sind? Nein, ?Religion? ist der Faktor, der ?Terroristen? von ?Straftätern? unterscheidet. Die Gefahr für den unschuldigen Rellinger Apfelfestbesucher war freilich ungleich größer, als die eines Businessreisenden am Frankfurter Flughafen, der laut BKA-Kolportagen Opfer von ?Fritzens Terrorzelle? werden sollte. Aber wen interessiert denn schon die reale Gefahr? Wer so argumentiert, könnte ja zum Schluss kommen, dass der Deutsche gar nicht so arg gefährdet ist, wie es die Sicherheitspolitiker gerne vermitteln wollen.

    Als Motiv wird bei den Rellinger ?Nicht-Terroristen??Frust? genannt ? gut, dass in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, der Werte- und Orientierungslosigkeit und der Fokussierung auf die Produktivität eines Menschenlebens, ?Frust? kein ?politisches Motiv? ist, sondern rein persönlicher Natur. Potentielle Opfer werden dies zu unterscheiden wissen.

    Der offensichtliche Grund, warum es sich hierbei nicht um ?Terror? handelt, ist das Fehlen des wichtigsten objektiven Faktors: Angst. Per Definition gehört zum ?Terror? das Verbreiten von Angst ? ob dies ein explizites Motiv der Täter ist, oder erst durch die politische Begleitmusik geschieht, ist nicht relevant, wenn man die ?Angst? des Individuums als Maßstab nimmt. Im Fall Rellingen gibt es keine aufgeschreckten Politiker und Sicherheitsfachleute, die dem Bürger Angst machen wollen. Gut, dass es keine Muslime waren, sonst hätten ?wir? jetzt einen Terrorfall mehr und der Bürger würde sich bald gar nicht mehr aus dem Haus trauen.

    Bildnachweis: Treffpunkt Rellingen, Terror-Dwarfs, Kamelopedia

    Jens Berger

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