Direkt zum Inhalt

  • Suchen

  • RSS Feeds

  • Dein Shop für Outdoor Ausrüstung und Bekleidung. Zweimal südlich Münchens, Einmalig im Internet.

    Hier könnte Ihre Werbung stehen

  • Letzte Kommentare

  • Werbung

    Hier könnte Ihre Werbung stehen

  • Facebook

  • Leseempfehlungen

    An dieser Stelle stehen hier normalerweise Leseempfehlungen mit einem Link auf Amazon. Da Amazon, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, offenbar ein überaus unsozialer Konzern ist, der sich an den Schwächsten der Gesellschaft bereichert, hat sich der SPIEGELFECHTER entschlossen, die Zusammenarbeit mit Amazon mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Es ist natürlich klar, dass dieser Boykott mit spürbaren finanziellen Einbußen verbunden ist. Wir würden uns daher freuen, wenn Ihr unsere Unabhängigkeit durch eine kleine Spende unterstützen könntet.
  • The Great Game

    geschrieben am 19. März 2007 von Spiegelfechter

    ?Now I shall go far and far into the North, playing the Great Game…?
    Rudyard Kipling, Kim

    Im 19. Jahrhundert gab es eine Auseinandersetzung, die englische Historiker ?The Great Game?, das Große Spiel, genannt haben ? die Russen sprechen vom Schattenturnier. Es ging um die Kontrolle Zentralasiens und die Spieler waren Großbritannien und Russland.

    Als die Sowjetunion zusammenbrach erinnerte sich der zum US-Sicherheitsberater avancierte polnischstämmige Politikwissenschaftler Zbigniew Brzezinski an diese alte Auseinandersetzung. Schon in den frühen Achtzigerjahren propagierte er eine Einkreisungsstrategie gegenüber der UdSSR, in deren Rahmen u.a. die Unterstützung der afghanischen Mudschahidin als Mittel eingesetzt wurde, die UdSSR an ihrer Südflanke zu schwächen. Neben dem ressourcenintensiven Krieg in Afghanistan, sollten auch sie islamischen Sowjetrepubliken im Süden, durch den Kampf des Islams inspiriert, sich gegen die atheistische Sowjetunion auflehnen.

    Zumindest was Afghanistan anging hatte seine Strategie durchgreifenden Erfolg ? ein Erfolg der sich allerdings später als Boomerang erwies. In den späten Neunzigerjahren inspirierte Brzezinski die USA dazu, die Nationalismen der kleineren Völker der UdSSR als Mittel zur Zersetzung des großen Gegners zu unterstützen, von den Balten bis zu den Tadschiken. Er entwickelte die These, dass die USA ohne die Kontrolle über den eurasischen Kontinent ihre Weltmachtposition nicht würden halten können. Im Geiste dieser These und hungrig auf die Energieressourcen Zentralasiens, haben die USA seit dem Zusammenbruch der UdSSR ihre Politik in Russlands einstigen kolonialen Hinterhof intensiviert. Hier in Zentralasien prallen alte russische Großmachtinteressen und die imperialen Weltmachtansprüche der USA direkt aufeinander. Neue Akteure, wie China und Indien, aber auch Mittelmächte, die an die Region grenzen, wie Iran, die Türkei und Pakistan, mischen im Great Game mittlerweile auch immer entschiedener mit.

    Die Einkreisung Russlands

    ?Schon der Fakt, dass wir bereit sind, die NATO-Streitkräfte nicht hinter den Grenzen der BRD zu stationieren, gibt der Sowjetunion feste Sicherheitsgarantien.?
    Manfred Wörner, NATO-Generalsekretär 1990

    Die Balten waren für Russland, nachdem sie sich 1991 für unabhängig erklärt hatten, so wie so verloren. In der Ukraine gelang es Ende 2004 einer Koalition amerikanischer NGOs, mit hohem materiellen Einsatz und professioneller Medienmacht, den Unmut der Massen über Korruption und Armut zu einem Wahlerfolg des, mit einer Amerikanerin liierten, Viktor Juschtschenko umzufunktionieren ? die Zeichen standen gut, dass die prowestlichen Kräfte, unter ihnen die ?Gasprinzessin? Julia Tymochenko und andere Oligarchen, von denen niemand so recht weiß (wissen will), wie sie zu ihrem Reichtum gekommen sind, das Land westlichen ?Investoren?, ?Medienkonglomeraten? und letztendlich Militärs ausliefern würden. Aber der von Juschtschenko eingeschlagene Westkurs der Ukraine stagniert mittlerweile und in den letzten Wahlen mussten die prowestlichen Gruppierungen herbe Niederlagen einstecken. Ministerpräsident Janukowytsch tendiert eher nach Russland und nach wie vor wollen breite Mengen der Bevölkerung der Ukraine von einer NATO-Mitgliedschaft ihres Landes nichts wissen.

    Georgien – Washingtons Musterschüler

    Günstiger sieht die Lage für Washington in Georgien aus. Dort herrscht seit der so genanten Rosen-Revolution Ende 2003 ein junger Mann, der praktisch von George Washington University in die Politik katapultiert wurde, Micheil Saakaschwili. Auch hier waren Vorwürfe der Korruption und Wahlfälschung gegen den alten Präsidenten Schewardnadse der Auslöser ? zumindest an der Korruption hat sich nach Darstellung von Experten seitdem in Georgien nichts wesentliches geändert. Dafür gilt Georgien als Washingtons Musterschüler. Es wurden Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in Anspruch genommen und dadurch hat sich Georgien der Wirtschaftspolitik des ?Freien Marktes? mit allen Konsequenzen unterworfen. Mit der NATO schloss man eine strategische Partnerschaft ab, deren stufenweises Endziel eine Vollmitgliedschaft ist. Georgien wurde Mitglied im Europarat und will sich bis 2008 auf den Beitritt zur Europäischen Union vorbereiten. Das Land erhält US-amerikanische Militärhilfe, US-Militärberater und ?ausbilder sind vor Ort und man gehört zur ?Koalition der Willigen? ? Georgien ist mit 850 Soldaten im Irak vertreten und engagiert sich in Afghanistan.

    Russland musste seine Militärstützpunkte in Georgien aufgeben und zuletzt hat es auch seine Unterstützung für zwei abtrünnige georgische Regionen in Frage gestellt. Die Beziehung beider Länder spitzte sich in letzter Zeit dramatisch zu.

    Objekt der Begierde: Erdöl

    Georgien ist für die USA wichtig, weil hier eine Pipeline für zentralasiatisches Öl und Gas verläuft. Ausgangspunkt für diese Pipeline ist Georgiens nördlicher Nachbar Aserbaidschan, an sich eine Diktatur der Familiendynastie des letzten amtierenden regionalen KP-Chefs Heydar Aliyev. Der ist inzwischen gestorben und sein Sohn Ilham hat die Präsidentschaft in einer ?nach den üblichen Umständen organisierten? Wahl übernommen. Wegen der regionalpolitischen Bedeutung Aserbaidschans haben die USA in diesem Fall aber Abstand genommen, die Wahlfälschungen zum Anlass für größere Kritik oder Anstrengungen zum Regimewechsel zu machen.

    Kasachstan, ein Land mit großen Öl- und Gasvorkommen, versucht sich in Äquidistanz zu Russland, Amerika und China. Das südlich benachbarte Usbekistan hatte nach dem 11.9.2001 den USA Luftstützpunkte für den Afghanistan-Krieg zu Verfügung gestellt. Als aber Washington die gewaltsame Niederschlagung eines Aufstandes in der usbekischen Stadt Anidschan zum Anlass nahm, Präsident Karimov über Menschenrechte und Demokratie zu belehren, da kündigte der den Stützpunktvertrag auf und räumte demonstrativ Russland wieder eine Basis ein.

    Auch im benachbarten Kirgisien brachte eine so genannte Revolution 2005 keine machtpolitisch eindeutigen Ergebnisse. Der alte Präsident Askar Askajiew wurde zwar verjagt und ging nach Russland ins Exil, seine Nachfolger scheinen aber eher verschiedene regionale Clans zu repräsentieren als unterschiedliche geopolitische Bündnisoptionen. Kirgisien handelte den USA immerhin eine deutlich höhere Pacht für ihren dortigen Luftstützpunkt ab, zum Ausgleich gewährte es aber auch Russland eine Basis.

    Jens Berger

    Fortsetzung: Die kaspische Ellipse ? Quell des schwarzen Goldes
    Tags:

    1 Kommentar
    Werbeblog
    Partnersuche im Internet
    Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1
    Wissenschaftlich fundierter Test
    www.PARSHIP.de

    15 Minuten Energieruhm

    geschrieben am 15. Februar 2007 von Spiegelfechter

    »Der russische Präsident Wladimir Putin hat zu verstehen gegeben, dass er seine 15 Minuten ‘Energieruhm’ auf der Weltbühne voll ausnutzen will.«, schrieb in Anlehnung an Andy Warhol, die bulgarische Zeitung Dnevnik. Ein schöneres Bild hätte man kaum finden können, ob es aber auch ein passendes Bild ist, mag bezweifelt werden.

    Frischer Ostwind

    Die Philippika Vladimir Putins auf den Münchner Unsicherheitsfestspielen blieb, wie zu erwarten, im stets aufgeregten Europa nicht ohne Folgen. Von einem »neuen kalten Krieg«, einem »Rückfall in alte Zeiten« und dem »Beginn eines neues Rüstungswettlaufes« (war es nicht eben das was Putin verhindern will) war in deutschen Zeitungen zu lesen. Den Vogel schoss diesmal die FAZ ab, die im Kontext zukünftiger europäisch-russischer Verhandlungen von »Appeasement-Politik« schrieb (1), gerade so als würden sie Putin als eine Art neuen Hitler sehen. Springers »Stürmer« gab sich in der WELT heuchlerisch scheinheilig – wie so oft (2), und fragte, ob es »angesichts der neuen Gefahrenlage« sinnvoll sei, einen »kalten Kleinkrieg« zu starten. Als ob er nicht genau wüsste, dass Putin die »neue Gefahrenlage« ein wenig anders als die Apologeten des “New American Century” sieht . Stürmer postuliert weiter, dass es »für die Europäer um die Frage [ginge], wie sie wieder Sicherheit finden«, wobei sich jeder Europäer ernsthaft fragen sollte, ob er denn in Unsicherheit lebe, wie Herr Stürmer es zu suggerieren vermag. Stürmers Antwort lautet wenig überraschend: »Mit den Amerikanern und möglichst nicht gegen die Russen.« Aha! “Möglichst” nicht gegen die Russen – ist es nun eine Drohung? Stürmer gibt aber auch konkrete Empfehlungen. Für ihn ist es »[]mit Versicherungen allseitig guten Willens, wie die Deutschen sie lieben, Atlantische Gemeinschaft hier und strategische Partnerschaft dort, [] nicht mehr getan.« Er hätte Putin eigentlich einfach nur zuhören müssen; aber was sinniere ich über Missverständnisse, die Springer-”Journalisten” bekennen sich ja schließlich per Betriebsverfassung zur »Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und [der] Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika«.

    Panik bei Springer

    Um diese Solidarität schon mal in vorauseilendem Gehorsam zu demonstrieren, preschte Manfred Quiring, Stürmers Kollege bei der WELT, schon mal vor (3) und zog den gedanklichen Nexus von Putin zum Islam, der ja laut Springer der stets böse neue Feind ist. Logisch, empfinden »Araber wie orthodoxe Slawen Meinungs- wie Medien ´freiheit´ (Hervorhebung nicht im Original)« als »Sekundärtugenden« und genießt, laut Quiring, die »Abwehr fremder Einflüsse in Russland inzwischen die gleiche Priorität wie in der arabischen Welt«. Quiring weiß auch woran das liegt (4): Die Russen reisen zu wenig!. Stellt er doch fest, dass nur 14 Prozent der russischen Bevölkerung je im Ausland war, woraus er messerscharf schließt, dass «Russlands Bürger den Westen kaum aus eigener Anschauung [kennen und] ihr Bild durch die an sowjetische Zeiten gemahnende Propaganda der Medien [geprägt sei]«. Chapeau Herr Quirling. Das ist in Deutschland ja ganz anders, nicht wahr? Wie hoch mag die Zahl der Deutschen sein, die den Luxus sich leisten könnten, ihr Russlandbild aus eigener Erfahrung und nicht aus der stets an Zeiten des Kalten Krieges gemahnenden Propaganda von Zeitungen wie Springers WELT zu erlangen? Herr Quiring sagt es uns lieber nicht.

    Putins Rede scheint in der Redaktion der WELT wie eine Bombe eingeschlagen zu sein. Heute legt ihr Kolumnist, der stets rationale Friedensfreund Lord George Weidenfeld, etwas nach und vermeldet: »Das Risiko einer militärischen Intervention [gegen Iran] könnte zwar Opfer in Größenordnungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs mit sich bringen, doch der Triumph des islamistischen Terrors würde an Grässlichkeit alles überbieten, was uns die Weltgeschichte vermittelte? (5). Danach lässt er uns an seinen kognitiven Dissonanzen teilhaben (6). Unter dem Titel »Aus der Traum« erzählt er uns zunächst einen Schwank aus seinem konspirativen Leben und lässt Soros Bekenntnisse, die ihm bei einem Abendessen offenbart wurden, auch uns zuteil werden: »Die Idee eines demokratischen Russlands in engerer Zusammenarbeit mit Amerika und Europa war der Traum der Neunzigerjahre. Heute ist er ausgeträumt«. Na, da kommen einem doch die Tränen. Der – sicher höchst altruistische – Traum der Big Player des globalen “freien” Marktes, Russland in die Reihe der “demokratisierten”, sprich – zur Ausplünderung freigegebenen, Staaten aufzunehmen, ist nun geplatzt? Wenn ich Russe wäre, würde ich jetzt eine Flasche Krimsekt aufmachen. Da ich jedoch kein Russe, sondern Deutscher bin, habe ich nun Perlen nicht in meinem Glas, sondern auf meiner schweißigen Stirn. Und zwar, weil Soros – zielstrebig wie er ist, flugs ankündigt: »[] sein Netzwerk im Dienste der «offenen Gesellschaft? in Westeuropa auszudehnen.« Die Westeuropäer werden wohl zu kritisch und erkennen es langsam, was mit Euphemismen wie “offene Gesellschaft”, “freier Markt” oder “Demokratisierung” gemeint ist. Das geht natürlich nicht – da muss man mit einer Überdosis Weidenfeld trocken Abhilfe schaffen. Auch Weidenfeld versucht den gedanklichen Nexus von Putin zum Islam zu ziehen, in dem er kalkulierte Nebensätze wie »Russland, und das gilt auch für die meisten Regimes im Nahen Osten, hat den taktischen Vorteil, die öffentliche Meinung zu kontrollieren« wie zufällig fallen lässt. Der Rest des Weidenfeldschen Pamphlet ist ebenfalls von demagogischer Unverfrorenheit, aber darauf werde ich in einem andern Artikel eingehen.

    Zwischen den Zeilen macht sich im deutschen Blätterwald mal wieder diese Überheblichkeit breit, die uns international so “beliebt” macht. Man mag den Herren Leitartiklern am liebsten entgegenrufen: “Lasst uns Russland nicht behandeln, wie ein kleines Kind, sondern lasst uns Russland mit Respekt behandeln, denn Russland kann nicht nur viel von uns lernen, sondern auch wir von Russland”.

    Auch viele vernünftige Töne

    Zwischen die, neuerdings übliche, Russophobie deutscher Medien (7) mischten sich indes auch sehr bedächtige, ja vernünftige, Töne hinzu. So bemerkt stellvertretend für viele Zeitungen Martin Winter von der Süddeutschen »[]das ist nicht der Beginn eines neuen kalten Krieges, wie überhaupt die Begriffe der Vergangenheit untauglich sind, die Gegenwart zu erfassen. Putins Rede ist ein Warnsignal.« Die alleinige Schuld für die verschlechterten Verhältnisse allein bei Putin oder Russland zu suchen, sei »das Dümmste«, was NATO und EU nun tun könnten. Den europäischen Politikern attestiert er einen »partiellen Realitätsverlust« und »Phantasielosigkeit«.

    Gefallen hat mir auch dieser Satz aus Jochen Winters Kommentar in der ZEIT (6) : »Ohne die Vereinigten Staaten auch nur ein einziges Mal beim Namen zu nennen, rechnete Putin in einer Schärfe mit dem weltpolitischen Betragen Washingtons ab, wie man sie bisher allenfalls von einer erhitzten europäischen Linken kannte.« Nun ja, lieber Herr Bittner, da möchte ich Ihnen doch mit einem Zitat von Konstantin Wecker antworten: »? und wenn die Welt auf dem Kopf steht, dann muss auch der Umkehrschluss gestattet sein, dass wir “Verrückten” recht haben«.

    Gewohnt objektiv berichtet auch der Russlandkenner Kai Ehlers über das Internetportal “russland.ru” in seiner Analyse “Kalter Krieg oder frischer Wind?” (9): »All dies macht deutlich, dass Putins Auftritt nicht die Rache eines Beleidigten ist, der »austeilt, nachdem er viel einstecken musste«, nicht als Provokation, auch nicht als Imageaufwertung für den bevorstehenden russischen Wahlkampf zu verstehen ist, wie manche Kommentatoren meinen, obwohl der innenpolitische Zuspruch nicht übersehen werden sollte. Putin fordert vielmehr nicht weniger als den Eintritt in eine neue Runde der internationalen Kooperation, die den neu gewachsenen globalen Kräfteverhältnissen entspricht. Wenn allerdings eine Zeitung wie die deutsche FAZ die zurückhaltenden Reaktionen der USA, der EU, insbesondere aber der deutschen Politiker in die Nähe eines Appeasement und damit Putin in die Nähe Hitlers rückt, dann wird deutlich, wie viel noch für die Verwirklichung einer solchen Perspektive getan werden muss«. Das möchte man gerne unterschrieben, schade nur, das Ehlers leider nur von einem Bruchteil der Bevölkerung gelesen wird und die Springer-Presse eine Reichweite von über 12 Millionen hat.* Kein Wunder, dass man sich dort so für eine vermeintliche “Freiheit” der Medien und der Märkte auf aller Welt einsetzt. Man kennt ja die Spielregeln der Demagogie und des Spins. Was Putin wirklich gesagt hat, blieb den meisten zwischen der “generalstabsmäßigen” Aufgeregtheit natürlich verborgen. Mittlerweile ist sowohl seine Rede als auch die folgende Diskussion von Ria Novosti in deutscher Sprache transkribiert online verfügbar, so dass sich jeder interessierte Leser ein eigenes Bild machen kann.

    *Nachtrag vom 16.2: Mit Entzückten stellte ich heute bei Lektüre des Freitags fest, das auch dort Ehlers´ Artikel abgedruckt wurde. (10)

    Jens Berger

    4 Kommentare

    Lieber tot als rot – Die deutschen Medien entdecken ein totgeglaubtes Feindbild

    geschrieben am 05. Februar 2007 von Spiegelfechter

    Es ist schon sehr bedenklich was den deutschen Medien in letzter Zeit so alles zum Thema Russland einfällt. Da wird in altehrrüchiger Manier das Gespenst vom Reich des Bösen stilisiert. Russische Investments in Deutschland werden als Bedrohung durch mafiöse Erpresser interpretiert, obwohl man doch sonst bei Investitionen schon mal fünfe gerade sein lässt und ein Streit über Gasklau und Exportpreise zwischen Russland und Weißrussland wird als Zeichen der Unzuverlässigkeit russischer Energielieferungen umgedeutet ? hat man in Deutschland eigentlich irgendetwas von den Liefereinschränkungen
    gemerkt?

    Zugleich wird eine Medienkampagne gegen den Ex-Kanzler Schröder gefahren. Seine Russlandpolitik wird von einem amtierenden deutschen Minister als ?Unsinn? bezeichnet was sogar eine gestandene Persönlichkeit wie Michail Gorbatschow bei seiner Eröffnungsrede zum Petersburger Dialog in Rage brachte (1). Für die Springer-Medien ist Schröder nur ein ?Gas-Promi?, der deutsche Werte verrät und für den Spiegel ein “Russlandversteher” (2). Als ob die Ostseepipeline nicht gerade eben durch ihre Trassenführung zur Energiesicherheit für Deutschland beitragen würde.
    Bringt Schröder die antirussischen Reflexe der deutschen Medien zur Sprache und setzt die Politik Putins in den Kontext der Ausplünderungen unter Jelzin, wird es von der schreibenden Zunft schon mal zu Putins Pressesprecher degradiert. (2)

    Russische Investitionen in Deutschland sind anscheinend weder von Politik noch von der Wirtschaft erwünscht. Seltsam, wenn man bedenkt, daß jeder PE-Fonds (Heuschrecken) in Deutschland freie Bahn hat und Ausplünderungen des Mittelstandes von der neoliberalen Wirtschaftslobby als Reinigungsprozess verkauft werden. Da ?darf? ein amtierender Bundesminister des Inneren auf einer Rede schon mal unken, daß ?dank? des Mords an Anna Politkowskaja es dem Merkel wohl nicht schwer fallen würde, russische Direktinvestitionen als Signal zur falschen Zeit abzuwehren. Wobei es doch höchst bedenklich ist, daß gerade ein Innenminister schon mal die Unschuldsvermutung geflissentlich ignoriert und mit Präjudikationen eine Politik jenseits aller Regeln des Anstandes betreibt. Aber wen wundert dies, wenn die vierte Gewalt ihm da in nichts nachsteht und die TAZ schon mal die Titelseite mit dem markigen Spruch “Leichen pflastern Putins Weg” betiteln kann ohne diese Behauptung auch nur ansatzweise belegen zu können.

    Die Wirtschaft steht dem in nichts nach. Mitglieder des Aufsichtsrates der Telekom bezeichneten im Handelsblatt den Wunsch eines russischen Telekomunternehmens bei der Telekom einzusteigen als “Industrie-Imperialismus” und “machtpolitisch motivierten Angriff einer russischen Clique”. (3) Jüngst hat sich für den Fußballverein Schalke 04 die Gazprom als Sponsor verpflichtet. Sie bezahlen Geld dafür, daß ihr Schriftzug auf den Hemdchen der Kicker prangen darf. Für den CSU-Sympathisanten und Schalke-Konkurrenten Uli Hoeneß vom FC Bayern München ist dies natürlich ein Grund Angst zu haben, da er es jetzt ja künftig mit der ?Russen-Mafia? zu tun hat. (4) Herr Hoeneß muss es wissen, lief er doch in den 80ern für den italienischen Autobauer ?Iveco? Werbung, was nach seiner Logik ja ein Kniefall vor der Camorra hätte seien müssen. Erschienen ist der Artikel übrigens in der Welt. Ein Blatt, das sich neben dem Focus, mit seinem kalten Krieger Boris Reitschuster, durch Russophobie im deutschen Blätterwald besonders hervortut.

    Das ist verständlich schaut man sich die ?Verfassung? des Axel-Springer Verlages an, die jeder Mitarbeiter unterzeichnen muß (5):

    1. Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas;

    2. das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes;

    3. die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika;

    4. die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus;

    5. die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.

    Die russische Politik unter Putin ist mit der ?Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und der Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika? und der ?Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft?, nach der pervertierten Interpretation durch Wirtschaftslobby und Springer, wohl nicht zu vereinbaren. Da muss der Verlag wohl im Namen der ?Solidarität? mit ?der freiheitlichen Wertegemeinschaft? der USA schon mal den kalten Krieg neu auferstehen lassen. Michael Stürmer (nomen est omen), Chefkorrespondent der “Welt” und ehemaliger politischer Berater von Helmut Kohl bezeichnet z.B. russische Energielieferungen als ?[] wie früher die Panzer der Roten Armee, die entscheidende Machtwährung.? Und ?gemessen an der Grand Strategy der Moskowiter und ihrem Umgang mit Macht? sind “deutsche
    Fantasien, man müsse Russland einbinden, Kindergartenspiele? (6).
    Verständlich, bedenkt man die bedingungslose Solidarität des Blattes zur ?freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den USA?. Stürmer wird da auch konkreter und schreibt ?[] Damit kommt Deutschland via Shtokman-Erdgas der amerikanischen Energiestrategie in die Quere. Ob die wirtschaftliche Suppe die politischen Kalorien wert ist, sollte man sich in Berlin gut überlegen.? (6).

    Was Stürmer damit genau meint verheimlicht er uns. ?Lieber tot als rot? oder ?Störe nicht meine Kreise?, Du weißt wie es ?failed states? ergeht, die der ?amerikanischen Energiestrategie in die Quere kommen?.
    Deutschland, mir bangt vor Dir!

    p.s.: Wer diesen Artikel auf russisch lesen will, der kann dies dank der Übersetzung von COPOKA hier tun.

    Jens Berger

    Tags:

    3 Kommentare

    Die Akte Lugowoi – neue Fakten die Beresowski belasten

    geschrieben am 05. Februar 2007 von Spiegelfechter

    Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung von Occam´s Razor, in dem ich im November bereits das Thema behandelte.

    Eine Schachfigur scheint mir mittlerweile besonders geeignet die Identität des Spielers zu offenbaren. Dies ist der “Geschäftsmann” Andrei Lugovoi. Bin ich in meinem letzten Beitrag schon auf ihn eingegangen so unterfüttern neuere Quellen seine Schlüsselrolle als Mann der Oligarchen.

    Er diente einst in führender Rolle in einer der ausgesuchtesten und privilegiertesten Einheiten des KGB, war Leibwächter und Sicherheitschef einiger der schillernsten Oligarchen, war in engem Kontakt zu Topleuten ausländischer Geheimdienste und ist mittlerweile zu einem beachtlichen Reichtum gekommen, den niemand so recht erklären kann.

    - Lugovoi besuchte von 1983 bis 1987 eine Elite-Militärakademie. Dort lernte er die anderen “Geschäftsleute” Kowtun und Solenko kennen. (1) (2)

    - 1987 fing er bei der Personenschutzabteilung des KGB an. (2)

    - 1991 wurde diese Einheit umfirmiert in die GUO (Glavnoye Upravlenie Okhrani). Diese war anders als andere Eliteeinheiten stets bestens ausgerüstet und genoss weitreichende Privilegien. Hier diente er von 1992-1993 als stellvertretender Leiter der Abteilung für die Sicherheit von Jegor Gaidar, damals Finanzminister. Auf Auslandsreisen knüpfte er bereits Kontakte zu ausländischen Geheimdiensten. (2) (3)

    - Gaidar ist ein Amigo des Oligarchen Anatoli Tschubais, der während der Jelzin-Ära die Grundlage für die Plünderungen des Landes legte. Man nennt ihn auch “Vater der Oligarchen”. (4)

    - Später war Lugowoi für den Personenschutz von Boris Beresowski verantwortlich. Kurze Zeit später schied er aus dem Staatsdienst aus und heuerte privat bei Beresowski an. Die beiden kannten sich allerdings bereits seit 1993 und Lugowoi vermittelte alte Bekannte in Beresowskis Dienste (2)

    - Zu dieser Zeit tobte in Moskau der Mafiakrieg zwischen Tscheschenen und Russen in den Beresowski massiv verwickelt war und mit dessen Hilfe er seine Reichtümer ansammelte. Lugowoi muss als enger Vertrauter und Sicherheitschef darin involviert gewesen sein. (4)

    <- 1997 wurde er Sicherheitschef von Beresowskis TV-Sender ORT.

    - Er wurde weiterhin mit der persönlichen Sicherheit von Beresowskis Partner Patarkatsishvili betraut (ebenfalls Mafia- und Tscheschenien-Hintergrund) und organisierte auch dessen "Reisen" in die kaukasischen Kriegsgebiete. (2)

    - 1999 war er bereits für die private Sicherheit beider Oligarchen und für deren wachsende Firmen (u.a. Sibneft) verantwortlich, wobei er deren Sicherheitssysteme auf seine Person zentralisierte, was ihm natürlich viele Feinde machte. Zur Reform kooperierte er eng mit ausländischen Geheimdiensten und Sicherheitsfirmen. (2)

    - Wichtige Posten besetzte er mit seinen alten Vertrauten. So wurde z.B. Wjatscheslaw Sokolenko (einer der “Geschäftsmänner” im Litwinenko-Fall) sein Stellvertreter. (2)

    - Während dieser Zeit löste er Probleme mit anderen Oligarchen gerne informell indem er eng mit deren Sicherheitsfirmen und dem FSB zusammenarbeitete. (2)

    - Als Putin 1999 an die Macht kam und alte KGB-Spezis in wichtige Ämter hiefte war Schluss mit Lugowois Erfolgen. Seinem Chef Beresowski wurde ein Riegel vor dessen kriminelles Treiben gesetzt, einige ergaunerte Firmen wurden ihm wieder abgenommen und er floh schliesslich 2000 nach London. Sein Partner Patarkatsishvili floh nach Georgien, wo er (wie Berezowski) massiv mediale Stimmung gg. Putin machte und auch Mitinitiator der “weißen Revolution” war.

    - 1999 wurde Lugowoi das erste mal verhaftet, damals konnten ihn aber alte Seilschaften noch aus dem Gefängnis befreien. 2001 wurde er das zweite mal inhaftiert. Er wurde erwischt, als er Nikolai Gluschkow, der für Beresowski die Aeroflot ausgeplündert hatte und verhaftet wurde, aus dem Gefängnis befreien wollte. Lugowoi wurde 2002 zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt, die ihm aber mit der U-Haft verrechnet wurden. (2) (6)

    - Nach seiner Entlassung verschwimmen die Spuren. Er soll u.a. Beresowskis Sicherheitsdienst in London geleitet haben. Weiterhin stand er in Patarkatsishvilis Diensten. In Moskau hat er eine Sicherheitsfirma gegründet auf deren Kundenliste u.a. die beiden Oligarchen standen. (2)

    - Innerhalb kürzester Zeit schien seine “Sicherheitsfirma” so erfolgreich zu sein, daß er “nebenbei” zum größten russischen Kwas-Fabrikanten (Brotbier) und Weinproduzenten wurde – sein Vermögen soll 100 Mio. US$ betragen. Nur gehört dieses Unternehmen (Pershin) einer dubiosen zypriotischen Briefkastenfirma. Die Firma wurde 2004 gegründet und brachte ein Startkapital von 50 Mio. US$ mit – nicht schlecht mit einem “Sicherheitsunternehmen” innerhalb von weniger als zwei Jahren diese Summe zu “verdienen” Die beiden anderen “Geschäftsleute” Solenko und Kowtun sind übrigens dessen Partner in der “wundersamen” Sicherheitsfirma. (2) (6)

    Woher hatte Lugowoi also dieses Geld? Ein ehemaliger “besserer” Personenschützer, der nach seinem Gefängnisaufenthalt innerhalb kürzester Zeit zum Multimillionär wird und der mit dem Privatjet mal eben zum Fußballspiel nach London fliegt … (6)

    Beresowski steckt mitten drin im Spinnennetz. Nur er kann Lugowoi zu diesem wundersamen Vermögenszuwachs verholfen haben – und wie heisst es so schön? Eine Hand wäscht die andere?

    Litwinenko soll seit 5 Monaten keinen Heller mehr von Beresowski erhalten haben. Dabei war genau das seine große Schwäche – Geld. Ob er jetzt Beresowski oder andere Oligarchen erpresst hat. Oder er hatte tatsächlich Informationen über die Hintergründe am Tod der Politowskaja, die ja bekanntlich im tscheschenischen Umfeld recherchierte, einem Umfeld, in dem Beresowski nicht nur Leichen en masse auf dem Gewissen hat sondern (auch aufgrund dessen engen Verbindungen zu tscheschenischen Separatisten) auch politisch mitgespielt hat. Hatte sie beispielsweise Informationen, daß Beresowski den tscheschenischen Terror unterstützt? (7)

    Beresowski hat Litwinenko von seinem Spezi Lugowoi umbringen lassen, da dieser ihm gefährlich wurde. Er inszenierte das ganze als Atomattentat aus dem Kreml und lies über Lord Bell die Medienkampagne dazu lancieren. So wollte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – Litwinenko und Putin, den er im Ausland diskreditieren wollte. Zu dumm, daß seine Häscher anscheinend ziemlich dilettantisch vorgangen und sich selbst vergifteten und einen bunten Strauss voller Spuren hinterliessen, wo auch immer sie waren. Die momentanen Fakten deuten darauf hin, daß Kowtun der “Trottel” war, der die Waffe nicht korrekt transportierte und bei der Anmischung der tödlichen Dosis auch noch seine “Kameraden” kontaminierte.

    Jens Berger

    Tags:

    5 Kommentare

    Occam’s Razor – ein Netz aus Intrigen

    geschrieben am 04. Februar 2007 von Spiegelfechter

    erster Teil – geschrieben am 27.11.06 – die Fortsetzung ist ebenfalls online.

    Wer hat Alexander Litwinenko umgebracht?
    Für die westlichen Medien ist der Fall klar – Putin wollte einen Kritiker mundtot machen. Eine recht schwache These – was gibt es noch für mögliche Motive, bzw. wer könnte an einer Demontage Putins am ehesten Interesse haben?

    Um eine Aussage über die möglichen Gründe für den Mord an Alexander Litwinenko (L.) zu machen sollte man sich am besten zunächst sein näheres Umfeld betrachten:

    - Alexander Goldfarb

    L.s engster Vertauter. Ein gebürtiger Sowjet, der 1975 nach Israel emmigrierte, später in die USA ging und mittlerweile amerikanischer Staatsbürger ist. Sie lernten sich während L.s Gefängnisaufhalt in den späten 90ern kennen. Goldfarb war damals Direktor für die Auslandsoperationen einer von George Soros mit hunderten Millionen Dollar finanzierten Stiftung (1). Ziel dieser Stiftungen war es Russland bzw. die GUS dem westlichen System gegenüber zu öffnen (“Demokratie”, “freier Markt”). Er heuerte bei Boris Berezowski, desen Vertauter er seit 1995 ist, an und wurde dort 2000 leitender Direktor einer Stiftung, die
    hauptsächlich Putin-Kritiker finanziell unterstützt.(2) (3). Er wird als die rechte Hand von Boris Berezowski bezeichnet.

    - Boris Berezowski

    B. war der erste russische Milliardär und unter den Oligarchen der Jelzin-Ära ein primus inter pares. Sein Vermögen “erwarb” er sich am Anfang mit Hilfe tschetschenischer Mafiakreise (4). In einem schwer durschschaubaren Intrigenspiel aus Mafia, Drogenhandel, dem Tschschenine-Krieg, der Plünderung Russlands unter Jelzin, Medienübernahmen und Morden wurde er mächtigster russischer Medientycoon, Förderer der Jelzin-Politik und Multi-Milliardär. Zusammen mit Roman Abrahmowitsch riss er sich auch Sibneft unter die Nägel und ist darüber auch in Causa “Yukos” involviert (4). Er war die Person, die den Friedensprozeß mit Tscheschenien torperdierte (gegen Alexander Lebed, der “natürlich” auch keines normalen Todes starb). Die Machtübernahme Putins setzte seinem Treiben ein Ende und er fand in GB Asyl, einem Land, daß schon immer Verständnis für Piraten hatte.
    In der Schweiz und Frankreich wird übrigens gg. ihn wg. Geldwäsche ermittelt. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Mord an Wlad Listjew, einem popluären TV-Journalisten, der bei einem Sender arbeitete, den B. übernommen hatte. Die Spur wurde in Richtung Gussinski (B.s Konkurrent) und Luchkov (OB von Moskau, Gussinski-Freund und B.-Gegner) gelegt. Verdächtiger und Profiteur war auch B. Die Ermittlungen gg. ihn wurden natürlich unter Jelzin eingestellt.

    - Lord Bell of Belgravia

    Ein PR-Profi ersten Ranges. Er war Magraret Thatchers PR-Mann und leitete damals die Kampagnen der Konservativen. 1998 von Blair zum Lord of Belgravia geschlagen berät er bis heute diverse Personen und Gruppen u.a. die irakische Regierung bei der “promotion of democracy”, Rupert Murdoch, Conrad Black, Boris Yeltsin. Seit vier Jahren arbeitet er für Boris Berezowski.(5) Man könnte ihn also mit Fug und Recht als den PR-Mann bezeichnen, der mit “Freier-Markt”/”Demokratie”-Kampagnen gegen Russland sehr vertaut ist und allerbeste Beziehungen zu den westlichen Medien hat. “Natürlich” hat er sich des L.-Falles angenommen und steuert die PR-Politik in diesem Fall.(3).

    - John Henry

    Henry ist ein Londoner Toxikologe, der bereits als “Whistleblower” im Rahmen der vermeindlichen Juschenko-Vergiftung in Erscheinung getreten ist. Nachdem er von Goldfarb gebrieft wurde gab er bereitwillig Thesen zum Besten, die die Spekulationen um die L.-Vergiftung anheizten (3). Diese “falschen” Spekulationen wurden natürlich von den Medien (v.a.von Murdochs Medien (siehe Lord Bell) bereitwillig aufgegriffen und
    mit den “richtigen” Schuldigen verknüpft. (8) und schliesslich noch die Personen, mit denen L. zuletzt Kontakt hatte:

    - Andrej Lugowoi

    Freund von L. und enger Vertrauter B.´s. Er war früher Leibwächter B.´s und Sicherheits eines von B.´s Fernsehsendern (bei dem der ermordete Wlad Listjew arbeitete). Zusammen mit zwei Bekannten traf er L. kurz vor dessen Erkrankung. (6)

    - Marco Scaramello

    Selbsternannter italienischer Professor, der für den CIA arbeitet(e). So wertete er 1992 das persönliche Archiv des KGB-Überläufers Wassili Mitrochin aus.(6)

    Bei so vielen “illustren” Personen im näheren Umfeld, die Erfahrung mit Morden und politischen Ränkespielen haben, ist es da wahrscheinlich, daß der Mord von Putin in Auftrag gegeben wurde?
    Warum sollte Putins dies tun?

    Klar ist, daß sowohl beim Politowskaja-Mord als auch beim L.-Mord, dass beide kurz vor für Russland wichtigen internationalen Treffen stattfanden, daß westliche Medien sehr schnell den Finger auf den
    Kreml ausstreckten und dass beide Morde international Empörung auslösten. Politkowskaja wurde zu Putins Geburtstag, kurz vor dem Petersburger Dialog und einem Europagipfel umgebracht. L.´s Tod überschattete den EU-Russland-Gipfel.

    Es ist äußert unwahrscheinlich, dass der Kreml so gegen sich selbst arbeitet. Außerdem hätten russische Geheimdienstkreise sicher wesentlich weniger spektakuläre Mordinstrumente eingesetzt.

    In diesem Netz aus Mafia, Tscheschenien, “freier Presse”, “freiem Markt”, russischer Innenpolitik und kriminiellen Oligarchen scheint vor allem ein Akteur Vorteile zu haben und das ist Boris Berezowski. Er sitzt als “fette” Spinne mittem in Netz der Akteure. Er hat Macht, die Mittel und einen Handlanger, der kurz zuvor mit L. gesehen wurde. Seine Medienmaschine springt in Schnelle an und schiebt die Schuld auf Putin – ein Schelm, wer …

    Alexander Litwinenko war wohl der Mohr der seine Schuldigkeit getan hatte.
    Er konnte B. in seiner regulären Aufgabe kaum mehr nützlich sein – um so nützlicher war er als Bauern-Opfer, daß ohne Wissen in einem makabren Intrigenspiel geopfert wurde … umgeben von seinen Mördern,
    die als beste Vertaute die PR-Arbeit organisierten.
    Auch Zusammenhänge mit der Yukos-Affäre kommen in Frage. Natürlich haben auch die USA und Israel gute Gründe Putin zu demontieren und beide haben Geheimdienste, denen ein solches “Täuschmanöver” zuzutrauen wäre – in diesem Falle wären Berezowski und Co. “nur” Trittbrettfahrer bzw. Instrumente, die i.S. der Akteure handeln.

    Am wenigsten Vorteile hätte jedenfalls Putin, so daß es grotesk scheint, er stecke hinter diesem Mord.

    Jens Berger

    Tags:

    1 Kommentar
    Seite 12 von 12« Erste...89101112