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  • Die Büchse der Pandora

    geschrieben am 02. September 2010 von Jens Berger

    Als Barack Obama gestern mit kühlem Gesichtsausdruck offiziell das Ende des amerikanischen Kampfeinsatzes im Irak verkündete, machte er in Zweckoptimismus und vermied auf Teufel komm raus, den Eindruck zu vermitteln, die USA hätten den Krieg im Irak verloren. Als Obamas Amtsvorgänger vor nunmehr siebeneinhalb Jahren ohne internationales Mandat die „Operation Iraqi Freedom“ befahl, öffnete er die Büchse der Pandora. Bis auf den Sturz Saddam Husseins konnte kein einziges der amerikanischen Kriegsziele umgesetzt werden.

    Der Irak des Jahres 2010 ist kein Leuchtturm der Demokratie, er hat den Nahen Osten nicht wie ein fallender Dominostein mit dem westlich-demokratischen Virus infiziert, die berüchtigten Massenvernichtungswaffen haben sich als Hirngespinnst britischer Regierungsberater herausgestellt und noch nicht einmal das wertvolle Öl konnten sich die Amerikaner unter den Nagel reißen. Der Irakkrieg kennt viele Verlierer, aber nur wenige Gewinner. Neben dem militärisch-industriellen Komplex der den USA und Großbritanniens zählt vor allem Iran zu den Gewinnern des Irakkriegs. Hätten die NeoCons anders gehandelt, wenn man ihnen einen Blick in die Glaskugel gestattet hätte?

    Der Krieg wird privatisiert

    Wenn alles nach Plan läuft, wird der letzte GI in 16 Monaten den Irak verlassen haben. Momentan befinden sich noch rund 50.000 US-Soldaten im Zweistromland. Offiziell verlassen diese Soldaten ihre Militärbasen nicht und verbleiben nur deshalb im Land, weil anderweitig die Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte nicht möglich wäre. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Die Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte wird bereits seit mehreren Monaten hauptsächlich von „militärischen Dienstleistern“ vorgenommen. Experten gehen davon aus, dass im Irak rund 180.000 Söldner ihren Dienst verrichten – eine Zahl, die weit über der der regulären Soldaten liegt. Doch das Heer der Dienstleister ist eine Zweiklassengesellschaft. Der Großteil der Söldner sind Iraker, die ihre Arbeit für rund 600 US$ pro Monat verrichten, während die amerikanischen, britischen und südafrikanischen Spezialisten, die bei Unternehmen wie Xe (ehemals Blackwater), DynCorp oder Triple Canopy unter Vertrag stehen, bis zu 800 US$ Sold pro Tag einstreichen.

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    Die Schöne und das Monster

    geschrieben am 13. August 2010 von Jens Berger

    Seitdem Görings Asche in die Isar gestreut wurde, verlor die Welt ihr Interesse an Kriegsverbrechertribunalen. Zu Zeiten des Kalten Kriegs wurden gefallene Kriegsverbrecher und blutrünstige Diktatoren meist zusammen mit ihrer Entourage von den UN-Sicherheitsratsmächten in einem schönen Landhaus in den Vorruhestand geschickt. Solange die Warlords gewisse Anstandsregeln einhalten, können sie auch heute noch auf eine derartige Altersabsicherung hoffen. Man sollte sich nur mit einer der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat gut verstehen, ihre Unternehmen an der Ausbeutung des eigenen Volkes beteiligen und allzu exzessive Fälle von Massenmord lieber abseits der Öffentlichkeit begehen – dann klappt es auch mit der Villa fürs Altenteil und dem Schweizer Nummernkonto.

    Charles Taylor hat sich nicht an diese Regeln gehalten und muss sich nun für seine Verbrechen vor einem internationalen Sondergerichtshof verantworten. Ihm werden unter anderem Massenmorde, der Einsatz von Kindersoldaten, die Terrorisierung der Zivilbevölkerung sowie sexuelle Gewalt, Verstümmelungen, Plünderungen und Angriffe auf UN-Mitarbeiter vorgeworfen. All dies würde die westlichen Medien jedoch nicht sonderlich interessieren, würde nicht eine Ikone der westlichen Wegwerfkultur eine Nebenrolle in diesem Tribunal spielen – Naomi Campbell, Britin, Supermodel, Millionärin und Bestandteil unserer Medienkultur.

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    Generalüberholung in Washington

    geschrieben am 24. Juni 2010 von Jens Berger

    Die Demission von Stanley McChrystal ist ein unwürdiges Kapitel im Washingtoner Polittheater. Was kann man General McChrystal vorwerfen? Einiges: McChrystals Strategie in Afghanistan scheint auf ganzer Linie gescheitert zu sein. Er ist beratungsresistent, dickköpfig und unflexibel – ein sperriger, alter Knochen, der an der Herkules-Aufgabe scheiterte. McChrystal ist auch in einen echten Skandal verwickelt. Wider besseres Wissen gab er an, dass der ehemalige Football-Star Pat Tilman unter seinem Kommando vom Feind erschossen wurde – Tilman wurde allerdings durch seine eigenen Kameraden getötet. Anstatt diesen Fall von Friendly Fire zu untersuchen, verlieh McChrystal dem “Helden” postum den Silver Star. Es gäbe einige Gründe, warum “Stan the Man” abgelöst werden sollte – der berühmt-berüchtige Rolling-Stone-Artikel “The Runaway General” gehört jedoch nicht dazu.

    Obamas Scheitern

    Tief in seinem Herzen ist Barack Obama ein Gegner der amerikanischen Kriege im Mittleren Osten. Allerdings ist er nicht in der Position, den Krieg in Afghanistan mit einem schmachvollen Abzug zu beenden. Ein Präsident ist nicht in der Lage, eine politische Entscheidung zu fällen? An dieser vermeintlichen Machtlosigkeit ist Obama jedoch selbst schuld. Bereits in seinem Präsidentschaftswahlkampf sprach er zwar von einer “Exit-Strategie”, koppelte diese jedoch an einen militärischen Erfolg. Was sollte er auch machen? Hätte er den Abzug ohne vorherigen Erfolg propagiert, wäre er von den Medien und der politischen Konkurrenz gegrillt worden und nie Präsident geworden. Obamas Plan von einem schnellen Abzug, bei dem die letzte verbliebene Weltmacht ihr Gesicht wahrt, löst sich jedoch in diesen Stunden im Sande Afghanistans auf.

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    Ein Schurkenstück des Pentagon

    geschrieben am 14. Juni 2010 von Jens Berger

    Afghanistan sitzt auf Rohstoffen im Wert von fast einer Billionen US$? Da ist den Pentagon-Strategen ein echter Scoop gelungen. Der Krieg in Afghanistan hat nunmehr seit Jahren einen toten Punkt erreicht. Selbst eingefleischte Falken glauben nicht mehr an den “Endsieg” des Westens am Hindukusch. Die groß angekündigte Offensive im Süden verläuft mehr als schleppend, die Verluste der westlichen Allianz mehren sich. Der Juni 2010 könnte als verlustreichster Monat in die Annalen des Kriegs in Afghanistan eingehen – in diesem Jahr sind bereits mehr westliche Soldaten gefallen, als in den ersten drei Kriegsjahren zusammen. Was die bröckelnde Heimatfront braucht, sind gute Nachrichten. Aber woher sollte solch eine gute Nachricht kommen?

    Jeder Spin-Doctor weiß, dass die besten “guten Nachrichten” diejenigen sind, die man sich selbst ausdenkt. Das kriegsmüde Volk glaubt nicht mehr an die Demokratisierung Afghanistans? Wir können mit Brunnen, Frauenrechten und Schulen nicht mehr punkten? Dann schwenken wir doch um auf die Köhler-Taktik und machen dem kriegsmüden Volk klar, dass der Krieg letztendlich unseren Reichtum mehrt. Anders als der Irak ist Afghanistan nun aber nicht unbedingt für sprudelnde Quellen schwarzen Goldes bekannt und es ist auch nicht eben einfach, Afghanistan als kommendes Paradies der Sweat-Shops oder gar als lukrativen Absatzmarkt zu verkaufen. Haben wir nicht noch irgendwelche alten Rohstoffanalysen im Schreibtisch, die wir ein wenig “aufsexen” können? Aber natürlich! Die New York Times veröffentlichte diesen PR-Gag mit Freude und heute sprangen auch die deutschen Qualitätszeitungen völlig unkritisch auf den Zug mit auf.

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    Gottes Werk und Teufels Beitrag

    geschrieben am 22. April 2010 von Jens Berger

    Endlich! Medien und Politik haben einen Schuldigen für die Finanzkrise gefunden: Goldman Sachs. Der Investmentbank-Gigant eignet sich natürlich ganz hervorragend als Sündenbock. Wer ?Gottes Werk? verrichtet, wie Goldman-Chef Blankfein die verdutzten Normalsterblichen jüngst wissen ließ , kann schließlich auch alle Sünden der Welt auf sich nehmen. Es kann gar kein Zweifel daran bestehen, dass Goldman Sachs sowohl als Verursacher, als auch als Nutznießer einen Platz in der ersten Reihe der Anklagebank zusteht, die momentan überschäumende Kritik an den Goldmännern aus den Reihen der deutschen Politik ist jedoch durchschaubar und durch und durch verlogen. Schließlich hat das Hätschelkind der deutschen Politik, die Deutsche Bank, genauso viele Sünden auf dem Kerbholz. Wer die Dreistigkeit besitzt, ausgerechnet einem Goldman-Sachs-Mann wie Ottmar Issing federführend mit den Reformen der Finanzmarktregulierung zu betrauen, sollte ohnehin besser auf Tauchstation gehen.

    Alle gegen Goldman

    Warum hat sich eigentlich in den letzten Wochen eine heilige Allianz, die von Obama über Brown und Sarkozy bis in die Tiefen deutscher Hinterbänkler reicht, gebildet, die Goldman Sachs so unschöne Dinge wie beispielsweise Betrug vorwirft? Dafür gibt es zwei Gründe, einen oberflächlichen und einen politstrategischen. Der oberflächliche Grund ist ein Verfahren der amerikanischen Finanzaufsicht gegen Goldman Sachs. Die Investmentbank soll doch tatsächlich an den Ramschpapieren, die sich in den Tresoren der Investoren in Nichts aufgelöst haben, Geld verdient haben ? ei der Daus! Das hätte man von den Herren der Wall Street, die ja ansonsten für risikofreie und mündelsichere Finanzgeschäfte bekannt sind, nun wirklich nicht erwartet. Doch bereits bei näherer Betrachtung relativiert sich der Betrugsvorwurf, denn zum Betrug gehört nun einmal immer auch ein Betrogener. Was hat Goldman Sachs also getan, um nun Zielscheibe des heiligen Zorns zu sein?

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