Amerithrax – Vorhang zu und alle Fragen offen?
geschrieben am 06. August 2008 von Spiegelfechter
Dieser Artikel ist ein umfassendes Update zum gestrigen Artikel “Anthrax, Lügen, FBI und die Ethik der Medien” und stützt sich vor allem auf die vorbildliche Recherchearbeit des Salon.com Bloggers Glenn Greenwald
Heute wird das FBI laut Medienangaben seine Beweise gegen Ivins vorlegen und man darf gespannt sein, ob sie über die “Indizien” hinausgehen, die bereits durchgesickert sind. Wenn das FBI keine eindeutigen Beweise nachlegen kann, bleibt der “Amerithrax-Fall” wohl ein weiteres Mysterium in der amerikanischen Kriminalgeschichte. Anstatt von Beweisen liegen bis dato nur fragwürdige Indizien vor. Wie fragwürdig diese “Indizien” sind, lässt sich anhand einiger Beispiele offenbaren.
Für viel Wirbel sorgte die “Verbindung” zur Studentenverbindung “Kappa Kappa Gamma”. In den meisten Medienberichten ließt sich dieses Indiz folgendermaßen: Ivins sei, seitdem er in seiner College-Zeit bei einem Mädchen abgeblitzt ist, besessen von der Studentenverbindung “Kappa Kappa Gamma”. Die KKG ist eine der wenigen Verbindungen, die nur Frauen offen steht. Das Verbindungshaus der KKG in Princeton sei von ihm häufig beobachtet worden und keine 100 Yards entfernt von diesem Verbindungshaus stünde der Briefkasten, aus dem die Anthraxbriefe abgeschickt wurden. Ziemlich skurril, das klingt schon sehr nach Hollywood. Aber was steckt aber dahinter?
Am Montag nachmittag meldete AP:
Der Hauptverdächtige bei den Anthrax-Anschlägen von 2001 war besessen von einer Bruderschaft, die nicht einmal 100 Yards von dem Briefkasten in New Jersey entfernt residierte, von dem aus die kontaminierten Briefe abgeschickt wurden, berichteten heute die Behörden.
Die bizarre Verbindung zur Bruderschaft könnt indirekt eines der größten Mysterien in diesem Fall erklären: Warum wurde das Anthrax auf Princeton abgeschickt, 195 Meilen entfernt von dem Armee-Labor, aus dem es vermutlich herausgeschmuggelt wurde.
Drei Stunden später machte AP ein Update der Story. Nun hieß es:
Der Briefkasten neben dem Campus der Princeton University, von dem aus die Briefe verschickt wurden, ist ungefähr 100 Yards von einem Lagergebäude entfernt, in dem auch die Kappa Kappa Gamma Verbindung des Colleges ihre Materialien, Initiationsroben und andere Dinge lagert. Verbindungsmitglieder wohnen hier nicht, die KKG-Verbindung hat in Princeton auch gar kein Haus für Frauen.
In der gestrigen Ausgabe der New York Times ist ferner zu lesen:
Vor vielen Jahren besuchter er [Ivins] die KKG Verbindungshäuser an den Universitäten in Maryland, Virginia und West Virginia – eine Besessenheit, die aus der Liebschaft mit einer Verbindungsschwester aus seinen eigenen Collegezeiten an der Universität von Cincinnati erwachsen ist – jedoch behauptet jemand, der ihn gut kannte, der letzte dieser Besuche fand im Jahre 1981 statt.
Aus der obskuren Verbindung, die das FBI an AP hat durchsickern lassen, wird bei näherer Betrachtung also: Der fragliche Briefkasten ist nur 100 Yards von einem Lagerhaus entfernt, in dem u.a. Gegenstände der Studentenverbindung KKG aufbewahrt wurden. Den Verbindungshäusern der KKG hatte Ivins vor über 27 Jahren einmal einen Besuch abgestattet, da er über die Trennung von seiner Jugendliebe nicht hinweg kam. In der Nähe des Lagerhauses in Princeton wurde Ivins freilich nie gesehen und es gibt keine Erklärung dafür, warum der “Besessene” nicht zu einem Verbindungshaus an der nahe gelegenen University of Maryland oder den Universitäten von Virgina oder West Virgina gefahren ist. Dort gibt es anscheinend Verbindungshäuser der KKG, nicht aber im 191 Meilen entfernten Princeton. Wenn es nicht so traurig wäre, was sich Medien und Ermittler hier aus den Fingern saugen … man könnte es als schlechten Witz auffassen.
Das FBI gibt sich Mühe, Ivins als trunksüchtigen Psychotpathen und Pornofreak darzustellen. Es sickerte ebenfalls durch, dass Ivins schwere Alkoholprobleme hatte und sich an ein Postfach unter falschen Namen Pornos zuschicken ließ. Das Bestellen von Pornos ist in den USA keineswegs unüblich und auch nicht strafbar – wenn ein katholischer Gemeindeorganist in einer Kleinstadt die Pornos lieber über ein anonymes Postfach empfängt, so ist dies verständlich. Wie trunksüchtig kann jemand sein, der Jahr für Jahr die Zulassung bekommt, in den sensibelsten Bereichen mit höchster Sicherheitsstufe mit Materialien zu arbeiten, die brandgefährlich sind? Erst am 10. Juli dieses Jahres hat Ivins eine neue Sicherheitsüberprüfung bestanden. Gibt die US-Army an alkoholkranke Psychopathen etwa positive Sicherheitsbescheinigungen für eine der sensibelsten Stellen im gesamten Militärapparat aus? Wenn man den Medienberichten nachgeht, so ergibt sich vielmehr folgendes Bild. Ivins war in seinem Bekanntenkreis dafür bekannt, fast nichts zu trinken. Einem Kollegen sagte Ivins Alkoholismus sei in seiner Familie recht verbreitet, daher sei er sehr vorsichtig. In der Zeit bis zum Herbst 2007 ist Ivins jedenfalls in seinem Freundes- und Kollegenkreis nicht als starker Trinker aufgefallen.
Dies änderte sich offensichtlich, als das FBI ihn im Herbst 2007 zum Hauptverdächtigen machte. Ivins selbst wurde unter Druck gesetzt. Seinem Sohn wurde neben 2,5 Mio. US$ ein Sportwagen seiner Wahl versprochen, wenn er belastende Beweise gegen seien Vater “findet”. Ivins Tochter wurde mit Photos von Milzbrandopfern malträtiert und ihr wurde immer wieder gesagt “Dein Vater hat dies getan”. Der psychologische Kriegszug des FBIs ging soweit, dass die Familie im März dieses Jahres in der lokalen Shopping-Mall von FBI-Agenten angepöbelt wurde. Ivins wurde gesagt “Sie haben eine Menge Leute auf dem Gewissen” und seine Frau wurde gefragt “Wissen Sie eigentlich, dass er Menschen tötete?”. Ein ähnliches Vorgehen des FBI ist im Fall Steven Hatfill auch bekannt geworden – Hatfill war allerdings mental stärker als Ivins.
Ivins Alkoholprobleme fingen im Herbst 2007 an, als das FBI gegen ihn ermittelte. Berichten zufolge trank er eine ganze Flasche Wodka und nahm Schlaf- und Beruhigungstabletten. Er war “psychisch am Ende”, wie es ein Freund und Kollege von ihm ausdrückte. Ivins begab sich in professionelle Hilfe, die einerseits aus einer Therapie mit einem Freund bestand, der früher einmal Alkoholprobleme hatte, und außerdem Treffen mit einer Sozialarbeiterin vorsah. Die Sozialarbeiterin Jean Duley ist heute die Kronzeugin der Anklage, wenn es um den seelischen Zustand Ivins geht. Duley ist seit einem Jahr Sozialarbeiterin, weiß noch nicht einmal wie “Therapeut” geschrieben wird und darf ohne ihren Vorgesetzten noch nicht einmal einen Bericht verfasssen. Duley berichtet von Drohungen und krankhaften Phantasien Ivins, die er während der Sitzungen geäußert haben soll. In einem Verfahren, einen Antrag auf Unterlassung zu erreichen, zu den ihr das FBI geraten hat, sagte Duley vor Gericht folgendes aus:
Bis ins Jahr 2000 zurück, hat [Ivins] versucht, mehrere Leute umzubringen – teils durch Vergiften. Er ist ein Rachemörder. Wenn er meint, er sei hintergangen worden [...] plant er Rachemorde und versucht diese auch auszuführen. Er wurde forenisch untersucht von mehren Top-Psychatern und die Diagnose lautete: Soziopathischer Amokkiller.
Ein von Top-Psychatern als “soziopathischer Amokkiller” eingestufter Rachemörder, der seit 2000 sein Unwesen treibt, kriegt vom US-Militär Jahr für Jahr die Unbedenklichkeitserklärung, in einem der sensibelsten Bereiche der Biowaffenforschung zu arbeiten? Da dürfte das FBI aber in Zugzwang sein – sollte sich dieser Vorwurf tatsächlich bestätigen, so hat die US-Army ein schwerwiegendes Problem. Zum Glück lässt sich alles, was Duley gegen Ivins vorbringt, überprüfen, da die Sitzungen, in denen besagte Äußerungen gefallen sein sollen, Gruppensitzungen waren. Es ist keinesfalls auszuschließen, dass der psychisch aufgewühlte Ivins Duley bedrohte, da sie mit dem FBI zusammenarbeitete und ihre Aussagen ihn schwer belasteten. Ein Schuldbeweis für die Anthrax-Briefe ist dies aber nicht.
Ein weiterer Punkt, der immer wieder genannt wird, ist die vermeintliche Tatsache, dass Ivins aus seinem Labor ein Gerät herausgeschmuggelt hätte, das nur zur Herstellung von Kampfstoffen benutzt werden könne. Diese Gerät nennt sich Gefriertrockner und gehörte zu Ivins täglicher Ausrüstung, wie diverse wissenschaftliche Schriften von ihm belegen. Warum er einen ausgemusterten Gefriertrockner mit nach Hause nahm, ist unbekannt. Er hat jedoch das komplette schriftliche Prozedere eingehalten, das die Vorschriften für einen solchen Fall vorsehen. Für jemanden, der sich heimlich zu Hause Kampfstoffe basteln will, wäre dies ein unlogisches Vorgehen. Solche Geräte sind auch auf dem freien Markt erhältlich und Ivins war natürlich bewußt, dass der gesamte Schriftwechsel mit seinem Arbeitgeber eine klare Spur hinterlässt.
Die These, Ivins sei ein evangelikaler Rechtsaußen, ist mittlerweile auch kaum mehr haltbar. Ivins ist seit 1982 eingetragener Demokrat und hat seit 1996 – länger zurück gehen die Aufzeichnungen nicht – auch an jeder Wahl und jeder Vorwahl der Demokraten teilgenommen. Neben den zitierten Leserbriefen, die ihn als “Kreuzritter” darstellen sollen, deren Radikalität sich bei näherer Betrachtung relativiert, existieren auch weitere Leserbriefe, in denen Ivins deutlich liberalere Töne anschlug – so trat er für weibliche Priester und eine Aufhebung des Zölibats in der katholischen Kirche ein und stand gleichgeschlechtlichen Ehen neutral gegenüber. Die Auswahl der Anthraxopfer passt daher einfach nicht ins Bild. Die Senatoren Daschle und Leahy, zwei liberale katholische Demokraten, die damals gegen Bushs Homeland-Security Act waren, passen eher ins Schema eines evangelikalen Rechtsaußen.
Viele dieser Bedenken könnten sich in Luft auflösen, wenn das FBI echte Beweise vorlegen kann. Ivins könnte selbstverständlich der Täter sein, nur gilt in solchen Fragen das “in dubio pro reo”. Und nach wie vor bestehen erhebliche Zweifel.
Dislaimer:
Sämtliche Aussagen in diesem Artikel stützen sich auf die verlinkten Artikel. Wie es bei Artikeln rund um die Vorfälle, die mit 9/11 im Zusammenhang stehen, so ist, ist die Quellenbasis fragwürdig. Der Artikel beinhaltet keine Fakten, sondern nur Vermutungen. Diese könnten einerseits falsch sein, da die zugrunde liegenden Quellen falsch sind, und andererseits durch andere Quellen widerlegt werden.
Jens Berger
p.s.: Dr. Dean von nebenan ist anderer Meinung als ich. Wer Gegenargumente lesen will, dem sei sein Beitrag empfohlen.


Die Terroranschläge vom 11. September 2001 wirkten auf die USA wie ein Schock. Als eine Woche später fünf Briefe mit Milzbranderregern (Anthrax) an amerikanische Medienvertreter und zwei Wochen danach zwei weitere kontaminierte Briefe an zwei US-Senatoren verschickt wurden, wurde aus dem Schock schiere Panik. 22 Amerikaner wurden durch die Milzbranderreger infiziert, fünf starben. Das Land stand unter fortwährender Attacke und es könnte theoretisch jeden treffen. Auch in Deutschland wurden Briefe an Behörden und Medienvertreter auf Pulverrückstände untersucht. Der vermeintlich Schuldige stand schnell fest. Neben den todbringenden Sporen enthielten die Briefe Zettel, auf denen auch ?Tod den USA, Tod Israel, Allah ist groß? zu lesen war. Am 18. Oktober
Die 2001 verschickten Anthrax-Sporen stammen laut FBI-Untersuchungen aus dem Jahre 2005 mit großer Wahrscheinlichkeit aus einem Stamm, der in Fort Detrick in den Jahren 1999 bis 2001 gezüchtet wurde. Ob Ivins tatsächlich der Täter ist, bleibt dennoch unklar, bis das FBI überzeugende Beweise vorlegen kann. Rund ein Duzend Forscher in Fort Detricks hatte Zugang zu den Anthrax-Sporen, Experten bezweifeln allerdings, dass die Forscher, die keine Kampfstoffe herstellen, sondern Impfstoffe, überhaupt die Ausrüstung und das Know-How haben, dort Kampfstoffe herzustellen. Ivins Vorgesetzter in Fort Detrick
Der Fall ist noch nicht gelöst, die offizielle Darstellung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Wenn das FBI davon überzeugt ist, dass Ivins der Täter ist und dass die Anthrax-Sporen aus seinem Labor in Fort Detrick stammen, wer verbreitete dann die Falschinformationen, die die Urheberschaft des Iraks betreffen? Richard Cohen von der Washington Post war einer der überzeugten Befürworter eines Irakkriegs. 2004
Am 26. Oktober 2001
Innerhalb der US-Regierung tobt seit längerem ein erbitterter Kampf zwischen den ?Falken? um Vizepräsident Cheney und den ?Realisten?. Seit 9/11 hatten die ?Falken? zeitweise konkurrenzlos die Oberhand. Mit dem Ende der Ära Bush naht der Tag, an dem die obersten Regierungskreise und deren Berater ihre ?Erfolgsbilanz? offenlegen müssen, um sich für die Spitzenposten der Nachfolgeregierung zu bewerben. Eine Weisheit der Dakota-Indianer besagt: ?Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!? Diese Weisheit scheint Condoleeza Rice nun
Dies stellt auch eine in der letzten Woche
Dennoch besteht im Atomstreit keine Aussicht auf Entgegenkommen oder gar Entspannung. Die Positionen beider Seiten sind immer noch unvereinbar. Die Verhandlungspartner aus dem UN-Sicherheitsrat und Deutschland bestehen nach wie vor auf einer Suspendierung der Urananreicherung Irans als Vorbedingung für weitere Verhandlungen. Um diesen Punkt besser bewerten zu können, muss man sich den völkerrechtlichen Gesetzesrahmen vor Augen halten. Iran steht expressis verbis das Recht zu, zivile Nuklearforschung zu betreiben und die Kernkraft zivil zu nutzen. Die Weltgemeinschaft hat laut NPT sogar die Pflicht, Iran bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Die USA und ihre Partner können ihr Anliegen daher nicht auf eine völkerrechtliche Basis stellen, sondern lediglich auf Willkür. Ein Land wird sogar bei der militärischen Nutzung der Atomkraft unterstützt (Indien), ein Land hat nie den Sperrvertrag unterschrieben und sich rechtswidrig rund 200 Atomwaffen zugelegt (Israel), einem anderen Land (Iran) wird allerdings sogar die zivile Nutzung der Atomkraft verwehrt, da es zur willkürlich zusammengestellten ?Achse des Bösen? gehört. Das Verhandlungsangebot der 6+1 Partner besagt nichts anderes, als das Iran ein zugestandenes Recht aufgibt und dafür keinen verschärften Sanktionen ausgesetzt wird.
Die Genfer Gespräche waren daher ? mit oder ohne US-Beteiligung ? schon vorher zum
Im Jahre 1999
Das irakische Ölministerium hat jetzt 41 internationale Ölfirmen ? darunter auch die deutsche Wintershall ?
Warum sollte also der irakische Staat Verträge mit Ölmultis abschließen, von denen er gar nichts hat? Man könnte diese Verträge eher als eine Art Schutzgeld an ?Big-Oil? und deren politische Hintermänner verstehen, die langsam die Geduld mit dem Irak zu verlieren drohen. Für die Multis sind diese Verträge nicht der große Gewinn, den sie sich erhofft haben ?sie wollen Förderrechte und PSAs, aber keine Beraterverträge.
Die Kurden behaupten zwar, die Gewinne aus den Ölgeschäften würden in einen Fonds gehen, der auch an die mittel- und südirakischen Regionen ausbezahlt wird, wenn es erst einmal ein nationales Ölgesetz gibt. Dies ist allerdings kaum anzunehmen und die Komponente ?Infrastrukturinvestitionen? verbliebe in diesem Falle auch vollends in kurdischer Hand. Es wundert daher nicht, dass die irakische Zentralregierung das Treiben der Kurden mit äußerstem Argwohn beobachtet. Die USA stehen den kurdischen Verträgen ebenfalls ablehnend gegenüber, da sie nicht nur das gewünschte Ölgesetz behindern, sondern auch dem Separatismus im Irak Vorschub leisten. Umso peinlicher ist es da für die USA, dass die US-Firma Hunt-Oil, die dem Bush-Buddie und ehemaligen Haliburton-Vorstand Ray Hunt gehört, eine der
Das amerikanisch-indische 
Besonders