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  • Sparkassen, Strafzinsen und andere Merkwürdigkeiten – ist das schon Kampagnenjournalismus?

    geschrieben am 18. Mai 2016 von Jens Berger

    whistle_01Ein auf Krawall gebürsteter bayerischer Sparkassenpräsidenten denkt laut über „Strafzinsen“ für Privatkunden nach und die Medien sind aus dem Häuschen. Das Thema Negativzinsen scheint aktuell das Thema Inflation als Lieblingsaufreger für deutsche Finanzjournalisten abgelöst zu haben; und wie beim Thema Inflation wird leider auch beim Thema Negativzinsen viel Unsinn geschrieben. Wer beispielsweise im Kontext angedachter „Verwahrgebühren“ von einer Enteignung der Sparer fabuliert, sollte sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob er den richtigen Job ergriffen hat. Selbst wenn die Banken die Negativzinsen voll durchreichen geht es für den durchschnittlichen Sparer nämlich um weniger als 40 Cent pro Monat – wie viel Kontoführungsgebühren zahlen Sie doch gleich?

    Gemäß eines schönen Zitats funktioniert das klassische Banking nach der 3-6-3-Methode: Gib Deinen Kunden 3% Zinsen auf ihre Einlagen, verlange 6% für einen Kredit, mach um Drei Feierabend und geh dann Golf spielen. Würden alle Banker so handeln; uns wären die ganzen Crashs, Krisen und milliardenschweren Rettungspakete erspart geblieben. Aber bleiben wir bei diesem vereinfachenden Modell: Was hat sich seit dem Beginn der Niedrigzinsära substanziell daran geändert? Heute kriegen Kunden 0% Zinsen und gut abgesicherte Kredite kosten rund 3% Zinsen. Der Unterschied beträgt also heute wie damals rund drei Prozent und dies können Sie ruhig auch auf andere Jahrzehnte übertragen: Ein gut abgesicherter Kredit kostete schon immer rund drei Prozent mehr als es als Einlage für Festgeld von der Bank gibt. Diese Differenz deckt zum Einen das Ausfallrisiko und trägt zum Anderen einen Teil der Kosten: Schließlich kosten auch ganz normale „Schalterbeamte“, Geldautomaten und Filialen Geld – es muss ja nicht immer der gieriger Anlageberater oder der zockende Broker sein, den es bei kleineren Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken ja ohnehin nicht gibt.

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    33 Kommentare

    Regiert von Gesetzlosen

    geschrieben am 14. April 2016 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

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    152 Kommentare

    Der Abgasskandal wird zur Staatsaffäre

    geschrieben am 22. März 2016 von Jens Berger

    autoGestern hat die Deutsche Umwelthilfe ihre Halbjahresbilanz zur Abgasaffäre gezogen und dabei scharfe Kritik am Bundesverkehrsministerium und der Automobilbranche geäußert. Die Aufarbeitung des Abgasskandals findet zugespitzt formuliert hinter verschlossenen Türen im Schneckentempo statt. Gleichzeitig übt die Automobilindustrie größtmöglichen Druck auf deutsche Hochschulen und Institute aus, auf keinen Fall unabhängige Abgastests vorzunehmen, die den Skandal ausweiten könnten. Kritiker, wie die Deutsche Umwelthilfe, werden derweil mit komplett geschwärzten Dokumenten ruhiggestellt. Man verhöhnt die Öffentlichkeit lieber, als ernsthafte Aufklärung zu betreiben.

    Wenn Sie sich gestern Abend die Tagesschau angeschaut haben, wurden Sie umfassend informiert; zum Beispiel in einem ausführlichen Korrespondentenbericht darüber, dass ein russisches Gericht eine ukrainische Freischärlerin in Russland wegen des Mordes an zwei Journalisten schuldig gesprochen hat. Auf die gestern in Berlin stattgefundene Pressekonferenz der Deutschen Umwelthilfe zu ihrer „Dieselgate-Halbjahresbilanz“ hatte es kein Kamerateam der öffentlich-rechtlichen Sender geschafft. Hinsichtlich des Informationsauftrags der Öffentlich-Rechtlichen ist allein dies bereits ein Skandal, denn was die Deutsche Umwelthilfe zu berichten hatte, hätte sehr wohl in die Hauptnachrichtensendungen gehört.

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    Wie Amazon Kunden und den Staat täuscht – ein Selbstversuch

    geschrieben am 26. November 2015 von Jens Berger

    Wer über Amazon einkauft, geht in der Regel davon aus, dass er seine Ware auch bei Amazon kauft. Dies entspricht jedoch sehr oft nicht der Realität. Amazon ist heute nicht nur ein großer Onlineshop, sondern vor allem eine noch viel größere Handelsplattform. Die meisten Kunden merken dabei überhaupt nicht, dass sie ihre Produkte nicht bei, sondern über Amazon kaufen. Der eigentliche Händler steht nur im Kleingedruckten. Dies ist für Amazon-Kunden vor allem dann problematisch, wenn der betreffende Händler nicht in der EU sitzt. Hohe Zölle und die Einfuhrumsatzsteuer müssen dann vom Kunden getragen werden, ohne dass dies beim Kauf transparent dargestellt wurde. Rücksendungen sind teuer und kompliziert, die Produkthaftung wird nicht gewährleistet. Aber das ist noch nicht alles. Bei einem besonders beliebten Angebot für ausländische Anbieter hilft Amazon indirekt sogar bei der Umgehung der Mehrwertsteuer. Geschädigt wird hierbei nicht nur der Staat, sondern auch andere Anbieter aus der EU, die ordnungsgemäß Steuern entrichten.

    Ein Objektiv von Amazon?

    Ich wage einmal den Selbstversuch und suche mir über Amazon.de ein besonders lichtstarkes Wechselobjektiv für meine Kamera. Für das 35mm-Objektiv vom Typ Mitakon würde ich beim Einzelhändler meiner Wahl rund 900 Euro bezahlen. Amazon bietet mir das Objektiv jedoch schon für 735,95 an und verspricht sogar eine kostenlose Lieferung. Wer mit Amazon nicht so vertraut ist, geht nun natürlich davon aus, dass er wie von Amazon gewohnt ein vorbildliches Rückgaberecht hat und der Händler Amazon auch für Garantie und Produkthaftung zuständig ist. Der Käufer muss auch davon ausgehen, dass alle Steuern und Gebühren inklusive sind. Schließlich steht im Angebot ja auch ganz explizit „Alle Preisangaben inkl. MwSt.“.

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    Hausgemachte Wohnungsnot – wo der Markt versagt, muss der Staat eingreifen!

    geschrieben am 04. November 2015 von Jens Berger

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    Wer gegen TTIP ist, ist rechts?

    geschrieben am 12. Oktober 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    TTIPKommentar

    Können Sie sich erinnern, wann das letzte Mal 250.000 Menschen zum Demonstrieren auf die Straße gegangen sind? Es dürfte eine Weile her sein. Doch am vergangenen Samstag (den 10. Oktober 2015) war das der Fall. Der Grund für den Protest: TTIP. Das Freihandelsabkommen (Frei ist doch immer gut, oder?) macht die Menschen wütend, unsicher, auch weil über die Details kaum etwas nach außen dringt, vieles (eigentlich fast alles) streng geheim verhandelt wird.
    Noch bevor am letzten Samstag die Demo begonnen hatte, wusste SPIEGEL-Autor Alexander Neubacher aber bereits, wo das Problem liegt. Er nannte die Veranstaltung „Schauermärchen vom rechten Rand“. Und machte eindrucksvoll klar, dass der SPIEGEL sich offenbar selbst für die billigste Propaganda nicht zu schade ist. Den Artikel weiterlesen »

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    VW: Das Verschwörungswunder

    geschrieben am 28. September 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    autoKommentar

    Das Auto. Der griffige und durchaus prägnante Slogan von Volkswagen kann seit kurzem neu interpretiert werden. Denn die verschwiegenen Abgaswerte betreffen schließlich nicht nur VW, sondern wohl fast alle Automarken, die ihren Fahrern etwas mehr Kraft unter der Haube bieten. Also muss man „das Auto“ deutlich weiter fassen, es kann auch einen anderen Markennamen tragen.
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    Bahnstreik – Die Bundesregierung legt die Republik lahm

    geschrieben am 05. Mai 2015 von Jens Berger

    Ab heute weitet sich die nunmehr achte Runde im Arbeitskampf der Eisenbahner auch auf den Personenverkehr aus und man darf getrost davon ausgehen, dass auch in dieser Streikrunde für die allermeisten Medien der „Schuldige“ bereits feststeht: GDL-Chef Claus Weselsky. Doch so einfach ist es nicht. Schaut man ein wenig hinter die Kulissen, entdeckt man schnell, dass es vielmehr die Deutsche Bahn AG ist, die durch ihre Blockadehaltung ein Ende des Arbeitskampfs verhindert. Dabei wird sie ganz maßgeblich vom Bund unterstützt, der die DB AG zu 100% besitzt. Für die Arbeitgeberseite ist dies eine großartige Gelegenheit: Die Bundesregierung will ihr Gesetz zur Tarifeinheit noch in diesem Sommer durchboxen und die Deutsche Bahn spielt auf Zeit, um mithilfe dieses Gesetzes die kämpferische GDL de facto handlungsunfähig zu machen. Dies ist nicht nur ein dreister Eingriff in die Tarifautonomie, sondern auch ein Angriff auf das Grundgesetz.

    Die Deutsche Bahn AG spricht von fairen Angeboten, die sie der GDL angeblich gemacht hat und heuchelt Verständnislosigkeit über den aktuellen Streik der Lokführergewerkschaft GDL. In die gleiche Kerbe hauen nahezu sämtliche Bundespolitiker der großen Koalition und die meisten Medien vertreten ohnehin bei sämtlichen Arbeitskämpfen ohne wenn und aber die Seite der Arbeitgeber. Die Bürger und vor allem die Kunden der Deutschen Bahn sind derweil wütend – schließlich sind sie sechs Tage massiv in ihrer Mobilität eingeschränkt. Diese Wut ist verständlich und richtig … nur richtet sie sich in der Regel gegen die Falschen. Nicht die GDL, sondern die Deutsche Bahn AG hat diesen Streik provoziert.

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    HSV entlässt vorsorglich Trainer Thomas Tuchel

    geschrieben am 07. April 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
    ThomasTuchel2014

    Nachdem der internationale Erfolgstrainer Peter Knäbel beim HSV einen suboptimalen Start hatte (der HSV ging mit 4:0 gegen Leverkusen unter), sind nun Lösungen gefragt.

    Eine der denkbaren Optionen ist Trainer Thomas Tuchel. Doch aus dem Deal wird wohl nichts.

    Knäbel muss gehen

    Bevor sich die Vereinsführung des HSV mit der Personalie Thomas Tuchel beschäftigen konnte, stand ein anderes Thema auf der Agenda: Trainer Peter Knäbel wird wohl seinen Hut nehmen müssen. Vorstandsvorsitzender Dietmar Beiersdorfer ist mit seiner Geduld am Ende, wörtlich sagte er: „Knäbel hatte seine Chance. Er hat sie verpasst. Wer die Zeit, die ihm als Trainer zur Verfügung steht, nicht effektiv nutzt, hat beim HSV nichts zu suchen.Den Artikel weiterlesen »

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    Kennst Du das Land, wo der Kautschuk wächst?

    geschrieben am 13. Februar 2015 von Jens Berger

    Beinahe drei Viertel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Kambodschas wurden von der Regierung an Konzerne „verpachtet“. Das entspricht fast einem Drittel des Landes. Auf 80% der verpachteten Fläche wird nun Kautschuk angebaut. In fast allen Fällen führen diese Verpachtungen zu Vertreibungen, die meist mit Gewalt durch Polizei und Militär gegen die Zivilbevölkerung einhergehen. Mehr als eine halbe Millionen Kambodschaner sind bereits Opfer von Landkonflikten. Die Profiteure sind sowohl die einheimischen Eliten wie auch internationale Konzerne. Was für ein Land wie Kambodscha eine echte Katastrophe ist, wird in der deutschen Öffentlichkeit jedoch kaum wahrgenommen.

    Stellen Sie sich doch einmal folgende Situation vor: Sie wachen morgens auf und vor ihrem Haus stehen Bulldozer. Bewaffnete Einheiten der Bundespolizei dringen in ihr Haus und nehmen sich ihre elektrischen Geräte und Wertsachen mit. Daraufhin werden Sie gewaltsam aus ihrem Haus gedrängt und die Bulldozer beginnen ihr zerstörerisches Werk. Nun sind Sie obdachlos und es gibt keine staatliche Stelle, die sich für Sie und ihr Schicksal interessiert. Game over!

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    HSBC: Böse Bank und böse Promis

    geschrieben am 11. Februar 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
    hsbcBild: The Guardian

    Kommentar

    Keine Frage, was Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR aufgedeckt haben, ist brisant. Immerhin wurde bekannt, dass nicht nur ganz offizielle Kriminelle, sondern auch Regierungsmitglieder zahlreicher Länder, vermeintlich seriöse Geschäftsleute und Angehörige verschiedener Königshäuser aus dem Nahen Osten schmutzige Geldgeschäfte über die Schweizer Bank HSBC abgewickelt haben. Es geht um Geldwäsche, Schwarzgeld, Blutdiamanten, Terrorismus und Kriegsfinanzierungen. Und dann ist auch noch David Bowie Kunde eben jener Bank. Und Phil Collins, meine Güte, Phil Collins! Der singt doch so rührende Liebeslieder. Und dann das?
    Und schon sprechen wir wieder über Nebenkriegsschauplätze.

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    Open Thread: Die Schweiz hebt den Mindestkurs auf

    geschrieben am 15. Januar 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
    schweizer-frankenBild: schweizefranken.net

    Was ist denn in der Schweiz los?

    Scheinbar aus dem Nichts wurde kurzfristig der bislang geltende Wechselkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben. Die Börse war überhaupt nicht entzückt, die Kurse sackten ab, während der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um bis zu 30 Prozent zulegte. Laut Süddeutscher Zeitung kam der Schritt der Schweizer nicht so überraschend wie im Moment (fast) überall zu lesen ist. Der Spiegel schreibt, dass die Schweiz sich dem Druck der Finanzmärkte beuge.

    Wie auch immer, die Nachricht ist einen Open Thread wert.
    Tobt Euch aus, diskutiert, zitiert, analysiert und wenn es sich nicht irgendwie vermeiden lässt, habt ein bisschen Spaß dabei!

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    Streiken macht sich bezahlt

    geschrieben am 05. Dezember 2014 von Jens Berger

    Kaum nutzen die Lokführer und die Piloten mal ihr Streikrecht, schon ist Deutschland in heller Aufregung. „Wird Deutschland zum Streikland?“ fragt die ARD und liefert die Antwort gleich tendenziös mit. Um das zaghafte Aufflammen des Kampfwillens der Arbeitnehmer im Keim zu ersticken, bastelt die Bundesregierung derweil bereits am „Tarifeinheitsgesetz“. Wenn man sich jedoch einmal die Zahlen anschaut, stellt man schnell fest, dass in kaum einem anderen Industrieland so wenig gestreikt wird, wie in Deutschland. Und dies ist volkswirtschaftlich kein Segen, sondern ein Fluch.

    Deutschland ist kein Streikland und war dies auch nie. Ein Blick auf die Zahlen zeigt jedoch auch, dass die Streiklust der deutschen Arbeitnehmer in den letzten Jahrzehnten stark rückläufig ist. Die letzten wirklich großen Streiks fanden Mitte der 1980er statt, als die IG Metall für die 35-Stunden-Woche streikte. Doch selbst in den streikfreudigeren 1970ern und 1980ern belegte Deutschland im internationalen Vergleich einen der letzten Plätze – nur die japanischen Arbeitnehmer waren in den 1980ern noch friedlicher als ihre deutschen Kollegen.

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    Bahnstreik – Ich bin ein GDL-Versteher!

    geschrieben am 30. Oktober 2014 von Jens Berger

    Die Lokomotivführergewerkschaft GDL hat es in diesen Tagen nicht eben leicht. Ihr Vorsitzender Claus Weselsky wird in den Medien als eine Art Atilla der Lokführerkönig dargestellt, während der Streik der Eisenbahner in der veröffentlichten Meinung zum Untergang des Abendlandes hochgeschrieben wird. Hinter den Kulissen wurde zur heiligen Hetzjagd auf das Gespenst der Lokführergewerkschaft geblasen – beteiligt ist neben der Deutschen Bahn AG, den Medien und der SPD auch die DGB-Gewerkschaft EVG, die im offenen Clinch mit der GDL liegt. Dabei hat die GDL allen Grund, der EVG ein wenig Konkurrenz zu machen. Die EVG und vor allem deren Vorgängerin Transnet ist nämlich nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Geschichte der Gewerkschaften in Deutschland.

    Auch wenn die GDL erst in den letzten Jahren öffentlich wahrgenommen wurde, kann sie auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken. Nachdem die Weimarer Verfassung auch Beamten die Koalitionsfreiheit einräumte, entstand 1919 die GDL. In der Bundesrepublik gehörte die GDL dem Deutschen Beamtenbund an. Bis 2008 kannte dennoch kaum jemand die GDL. Warum ausgerechnet 2008? Um diese Frage zu beantworten, muss man ein wenig in der Zeit zurückspringen. Seit den 1990ern tobte in der Politik ein mit harten Bandagen geführten Kampf um die Privatisierung der Deutschen Bahn. Auf gewerkschaftlicher Seite spielte dabei vor allem die DGB-Gewerkschaft Transnet eine führende und durchaus unrühmliche Rolle. Transnet war damals – was für eine Arbeitnehmervertreterin durchaus ungewöhnlich ist – eine, wenn nicht sogar die, führende Befürworterin einer Teil- bzw. Kapitalprivatisierung der Deutschen Bahn. Der damalige Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen versuchte sogar alles möglich, um seine Partei, die SPD, von den Privatisierungsplänen des damaligen Bahnchefs Hartmut Mehdorn zu begeistern.

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    Wie der Bund der Steuerzahler die Öffentlichkeit täuscht

    geschrieben am 23. September 2014 von Jens Berger

    ein Gastartikel von Von Thomas Trares

    Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, hat dem Deutschlandfunk anlässlich der letzten Haushaltsdebatte im Bundestag ein Interview gegeben . Darin ging es um die üblichen steuerpolitischen Themen, etwa die Steuerbelastung der Bevölkerung, die Abschaffung des Solidaritätsbeitrags oder die Beseitigung der kalten Progression. Bemerkenswert an dem Interview ist, dass es einerseits ein sehr gutes Lehrbeispiel für Meinungsmache und Manipulation darstellt, andererseits aber auch einen Steuerzahlerpräsidenten zeigt, der offenbar nur schlecht über die Funktionsweise des deutschen Steuersystems informiert ist.

    Im Interview zeichnet Holznagel einmal mehr das Bild eines gierigen und gefräßigen Steuerstaates, der immer mehr Steuergelder einnimmt, aber dennoch nicht mit seinem Geld auskommt. So sagt Holznagel beispielsweise:

    „Der Soli hat seit 2005 bis 2019 dem Bundesfinanzminister circa 210 Milliarden Euro in die Kassen gespült. Auch dieses Geld hat er nicht komplett in den Osten gesteckt. Er hat circa 50 Milliarden Euro Plus dabei gemacht. Diese Zahlen machen deutlich, dass wir seit 2005 kontinuierlich steigende Steuereinnahmen haben, aber trotzdem schafft es die Politik nicht, mit diesem Geld auszukommen.“

    Und an anderer Stelle heißt es:

    „Wenn man so will schon, weil die Steuereinnahmen gigantisch steigen werden. Wir werden in 2018 noch mal 100 Milliarden Euro mehr Steuern eingenommen haben. Das heißt, das werden dann insgesamt 740 Milliarden sein.“

    Das Argument, dass die Steuereinnahmen stetig steigen, ist zwar richtig, für die Steuerdebatte aber dennoch nichtig. Denn in einer wachsenden Wirtschaft ist es völlig normal, dass die Steuereinnahmen steigen. Der Grund dafür ist, dass alle wichtigen Steuerarten positiv mit der Konjunktur korreliert sind: die Umsatzsteuer, die Einkommensteuer, die Gewerbesteuer, die Körperschaftsteuer, usw. Nur wenige Steuerarten reagieren kaum oder gar nicht auf die Konjunktur, so etwa die Grund- und die Erbschaftssteuer. Zu einer wachsenden Wirtschaft gehört aber auch, dass die Staatsausgaben stetig steigen. Schließlich müssen die Ausgaben für Straßen und Schulen oder die Bezüge von Lehrern und Polizisten ja auch mit der allgemeinen Entwicklung Schritt halten. Und diese Ausgaben müssen eben über Steuern finanziert werden.

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    Irrungen, Wirrungen, Erbschaftssteuer

    geschrieben am 09. Juli 2014 von Jens Berger

    Gestern beschäftigte sich das Bundesverfassungsgericht mit der Erbschaftssteuer und prompt sorgen politische und publizistische Heckenschützer dafür, dass bloß niemand auf die Idee kommt, die 2.600 Milliarden Euro, die in diesem Jahrzehnt vererbt werden, adäquat zu besteuern. Ganz vorne dabei sind einmal mehr die Grünen, die mit einer seltsam anmutenden Auftragsstudie des DIW die Datenbasis zu verwässern versuchen und diese Studie dann auch noch komplett falsch interpretieren.

    Statistisch gesehen ist der typische Vertreter der deutschen Vermögenselite männlich, selbstständig, zwischen 66 und 70 Jahren alt, hat Abitur und lebt im Südwesten der Bundesrepublik. Entgegen landläufiger Vorstellungen hat er sein Vermögen nicht mit den eigenen Händen aufgebaut, sondern geerbt. In diesem Jahrzehnt werden voraussichtlich Vermögen im Wert von 2,6 Billionen Euro vererbt. […] Davon entfallen jedoch rund 550 Milliarden Euro auf nur 2 Prozent der besonders großen Erbschaften. […] Insgesamt werden in rund 350 000 Erbfällen Vermögen von mehr als einer Million Euro vererbt.

    aus: Jens Berger – Wem gehört Deutschland?

    Die Daten, auf die ich in meinem Buch „Wem gehört Deutschland?“ zurückgreife, stammen aus einer Studie des von der Deutschen Bank finanzierten DIA. Datenbasis für die Studie ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts. Bei der EVS werden jedoch Haushalte, deren Einkommen über 18.000 Euro pro Monat liegt, aus dem Datenpool herausgenommen, da sie – so die offizielle Erklärung – statistische Ausnahmen sind. Das mag sein, disqualifiziert die EVS jedoch auch als Basis für Studien, in denen es vor allem um die vermögenden Haushalte geht, in denen ein monatliches Einkommen von mehr als 18.000 Euro die Regel sein dürfte. Somit sind die Zahlen der DIA-Studie im besten Sinne des Wortes konservative Schätzungen. Die Dunkelziffer dürfte im einiges höher sein.

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    Immer wieder sorgt die GfK für maximales Fremdschämen. Was soll das?

    geschrieben am 26. Juni 2014 von Jens Berger

    Liebe Kollegen von SPIEGEL Online,
    mir ist vollkommen bewusst, dass Ihr keinen einfachen Job habt. Für Eure Chefs zählen nur Klicks: Und Klicks erreicht man natürlich vor allem dann, wenn man möglichst viele Artikel publiziert, die mit möglichst wenig Arbeitsaufwand möglichst viele Leser finden. Millionen Fliegen können schließlich nicht irren. Ich weiß auch, dass Ihr eine viel zu dünne Personaldecke habt und die Vorgaben von oben unmöglich mit journalistisch sorgfältigen und vielleicht sogar kritischen Artikeln erfüllen könnt. Aber mal Hand auf´s Herz: Wie könnt Ihr es eigentlich mit Eurer Berufsehre vereinbaren, ein Stück wie das gestern erschienenen „Kaufen, kaufen, kaufen“ zu veröffentlichen, in dem Ihr eine komplett sinnfreie Pressemeldung der GfK redaktionell nachplappert und Eure Leser damit für dumm verkauft.

    Zur GfK und ihrem berühmt-berüchtigten Konsumklimaindex wurde schon viel geschrieben – u.a. bei den NachDenkSeiten. In meinem Artikel vom Mai letzten Jahres schreibe ich eigentlich alles, was man zu diesem Statistik-Orakel wissen muss und frage „die Medien“, warum sie den GfK-Konsumklimaindex nicht einfach ignorieren können. Klar, die NachDenkSeiten gehören für einen SPIEGEL-Online-Volontär sicher nicht zur Standardlektüre und es wäre anmaßend, zu glauben, dass ein Gigant wie SPIEGEL Online die Ratschläge eines Zwerges wie den NachDenkSeiten beherzigt. Aber müsst Ihr noch einen draufsetzen, indem Ihr die gestrige GfK-Meldung, die selbst für GfK-Verhältnisse außergewöhnlich dümmlich ist, unkommentiert nachplappert?

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    Sigmar Gabriel und TTIP und Sachen, die es gibt und Sachen, die es nicht gibt

    geschrieben am 14. Mai 2014 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
    Sigmar_Gabriel_01_ABFoto: Wikipedia

    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen, was Sigmar Gabriel bei „berlin direkt“ zum TTIP so von sich gab. Er stammelte völlig zusammenhangslos von Dingen, die es gibt und solchen, die es nicht gibt, die aber irgendwie trotzdem Chancen in sich bergen.

    500.000 Menschen, die sich mit ihrer Unterschrift ganz klar gegen TTIP positioniert haben, stellte Gabriel quasi in die Ecke naiver Verschwörungstheoretiker.

    Ob der Mann mehr weiß, als er sagt oder weniger, als er zugeben will, ist die Frage. Die Antwort kennt er wohl nur selbst. Wenn überhaupt …

    Gabriel und TTIP

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    Können wir bitte Joachim Gauck verkaufen?

    geschrieben am 16. Januar 2014 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Kommentar

    Joachim Gauck hat „Haltung“ gezeigt. Allerdings eine, die ihn ziemlich gebückt wirken lässt. Auf einer Festveranstaltung sprach Gauck über den Neoliberalismus, den er wirklich prima findet. Zur Tagespolitik soll sich ein Bundespräsident ja nicht äußern, also demonstrierte er seine ganz persönliche Meinung. Das wird man ja wohl noch dürfen, oder?

    Es war so schön die letzten Wochen. Von Joachim Gauck war nichts zu hören, nichts zu lesen, man hätte fast meinen können, der Mann sei untergetaucht. Wenn er es war, dann ist er nun zum Luftholen wieder an die Oberfläche gekommen. Und dabei fiel ihm offenbar ein, dass ein kleines Statement ja auch nicht schaden könnte. Schadete dann aber doch.

    Auf einer Festveranstaltung des Walter-Eucken-Instituts in Freiburg nahm Gauck erst Anlauf und dann Fahrt auf. Er verstehe gar nicht, warum der Begriff „Neoliberalismus“ so negativ besetzt sei. Der arme Mann fand das „merkwürdig“ und ist dafür, künftig „mehr intellektuelle Redlichkeit“ zu zeigen.
    Ah so? Es wird nicht sofort klar, was Gauck damit meinen könnte, aber er wurde deutlicher. So alles in allem ging es ihm wohl um Gerechtigkeit. Und um die ist es bestens bestellt, zumindest solange alles so bleibt wie es ist. Gauck sprach: „Ungerechtigkeit gedeiht nämlich gerade dort, wo Wettbewerb eingeschränkt wird.“ Das ist interessant. Und noch nicht alles. Der Bundespräsident legte nach und prangerte eine staatliche Regulierung an, die den Wettbewerb behindern würde. Mit Tagespolitik hatte das natürlich nichts zu tun, nur mit dieser ominösen „Haltung“, von der Gauck sprach. Den Artikel weiterlesen »

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    Der Fall Prokon – Es ist an der Zeit, den grauen Markt für Finanzprodukte endlich zu erleuchten. Eine Replik.

    geschrieben am 16. Januar 2014 von Gastautor

    ein Gastartikel von Harry Assenmacher

    Endlich stellt uns Jens Berger einmal eine schlichte Lösung zur Vermeidung von künftigen Prokon-Pleiten vor: „Dabei wäre es sehr einfach, hier Abhilfe zu schaffen. Der Gesetzgeber müsste nur dafür sorgen, dass der Vertrieb von Finanzprodukten generell und ausnahmslos unter das Kreditwesengesetz gestellt wird und damit unter die Kontrollpflicht der BaFin fällt.“ Der Therapievorschlag verblüfft. Insbesondere, wenn man die Geschichte und so manches Schicksal der unter die Kontrolle der BaFin fallenden Finanzinstitute und –instrumente in den letzten, sagen wir acht Jahren betrachtet. Er erstaunt auch, wenn man Länder betrachtet in denen der Vertrieb von solchen „grauen“ Kapitalanlagen bereits wesentlich enger geregelt ist. Weder Grossbritannien oder die USA fallen hier durch besondere „Sicherheit“ für die „gutgläubigen Anleger“ (wie sie Jens betitelt) auf. Irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass hier für die Todesstrafe plädiert wird, obwohl man weiß, dass die keine Kapitaldelikte verhindert – sondern andere Massnahmen erforderlich wären. Aber welche?

    1. These: Anleger sind nicht dumm und die die dumm sind kann man durch Massnahmen nicht schützen – soll man vielleicht auch nicht. Jens behauptet in seinem Artikel „Dabei dürften wohl nur die wenigsten Anleger überhaupt verstanden haben was Genussrechte überhaupt sind“. Um anschliessend in einem Satz zu erklären was ein Genussrecht ist und in sechs kurzen Sätzen (einem Absatz) die Detailerläuterung. Wenn die Behauptung von Jens zutrifft, dann nicht aus Mangel an intellektuellen Kapazitäten bei den Verbrauchern, sondern weil sie diese Kenntnis nicht erlangen wollten. Dieses Nicht-Handeln des Verbrauchers ist aber durch keine Massnahme oder gesetzliche Kontrollregelung zu beheben. Eine Zwangsleseverordnung mal ausgenommen.

    2. These: Ja es gibt Betrug, das ist bereits verboten aber wohl kaum zu 100% zu verhindern – aber sowohl im grauen, wie im regulierten Kapitalmarkt. Und wo der quantitativ wie qualitativ „mehr“ ausgeübt wird wäre noch zu untersuchen.

    3. These: Gegen Betrug und Täuschung gibt es bereits (weitgehend) hinreichende Gesetze und Regelungen. Die Prospekthaftung/Prospekterstellungsregeln also auch die allgemeinen Verbraucherschutzgesetzte auch für Genussrechte und geschlossene Fonds sind umfänglich. Fast zu umfänglich. In dem Versuch absolut alles auch dem potentiellen Verbraucher zur Kenntnis zu bringen, werden z.B. in buchdicken Fondsprospekten allerlei Risiken versteckt. Hier hat geradezu die zunehmende Regelung zur Täuschung der Verbraucher beigetragen – weswegen Verbraucherschützer heute völlig zu recht dem Nichtfachmann z.B. von geschlossenen Fonds abraten, weil der Fondsprospekt zu komplex ist.

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