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  • Obama gegen Wall Street

    geschrieben am 26. Januar 2010 von Jens Berger

    Was ist von Obamas Reformplänen zu halten und wie werden sie in Deutschland aufgenommen?

    “Wenn diese Typen es auf einen Kampf anlegen, bin ich bereit zu kämpfen!” – mit diesen markigen Worten kündigte Barack Obama am letzten Donnerstag eine neue Ära im Kampf gegen die Wall Street an. Die vom US-Präsidenten umrissene “Volcker-Regel” sieht nicht nur eine Strafsteuer für die Großbanken vor, sondern wäre de facto sogar eine Neuauflage des Glass-Steagall-Acts, mit dem die USA während der Weltwirtschaftskrise der 1930er den Bankensektor zähmten, indem sie Geschäfts- und Investmentbanken scharf voneinander trennten. Sollte Obama seinen aggressiven Ankündigungen tatsächlich Taten folgen lassen, wäre dies ein Meilenstein für die oft angekündigte, aber nie vollzogene Reform des Finanzsystems. In Europa stößt derlei Reformeifer erwartungsgemäß auf Kritik. Vor allem die deutsche Regierung würde es lieber bei einer Minireform belassen und sieht ihre Blockadehaltung durch Obamas verbales Vorpreschen konterkariert.

    Paul Volcker ist zurück

    Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Als Barack Obama sein überraschtes Publikum in seine Finanzmarktreformpläne einweihte, stand direkt hinter ihm ein knorriger alter Mann, der sogar den nicht eben kleinwüchsigen Präsidenten an Körpergröße überragte. Der Zweimeter-Hüne hinter Obama ist Paul Volcker, von 1979 bis 1987 Chairman der FED und bekennender Gegner marktliberaler Reformen im Finanzsektor und der expansiven Geldpolitik seiner Nachfolger Greenspan und Bernanke. Der heute 82jährige Volcker war bereits während des Wahlkampfs einer der Berater Obamas. Nach der Amtsübergabe verschwand Volcker allerdings weitestgehend von der Bildfläche, während mit Larry Summers und Timothy Geithner zwei Freunde der Wall Street als Wirtschaftsberater und Finanzminister die Schlüsselpositionen in der Regierung übernahmen. Am Donnerstag war von den Marktliberalen Summers und Geithner aber nicht viel zu sehen – letzterer stand zwar mit auf dem Podium, aber weit entfernt vom Zentrum der Macht. Volcker und Geithner sind die Antipoden der Finanzmarkpolitik. Die Rückkehr des alten Mannes ist nicht weniger als eine Sensation, es ist jedoch mehr als fraglich, ob er sich mit seinen Reformplänen gegen die geballte Macht der Finanzlobbyisten durchsetzen kann.

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    Exodos

    geschrieben am 17. Dezember 2009 von Jens Berger

    Schlechte Zeiten in Athen. Beinahe täglich muss die neue Regierung ihre Schuldenprognosen nach oben korrigieren, die Ratingagenturen stufen griechische Staatsanleihen herab, die Studenten stürmen die Straßen und nun streiken auch noch die Journalisten ? was für eine Tragödie! Griechenland steckt in einem ganzen Sumpf von ungelösten Problemen. Der Wiege der Demokratie, die nie den Schritt zu einer modernen funktionierenden Demokratie geschafft hat, droht nun der Souveränitätsverlust. Wenn die Griechen es nicht schaffen, ihren Augiasstall auszumisten, wird Brüssel künftig die Leitlinien griechischer Politik selbst gestalten. Damit wäre Griechenland der erste EU-Staat, der seine Souveränität an das supranationale Bündnis abgeben muss. Doch Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs, mit Spanien, Irland und vielleicht auch Italien stehen weitere Pleitekandidaten bereits in der Warteschleife.

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    Karbonkapitalismus

    geschrieben am 16. Dezember 2009 von Jens Berger

    Die billionenschwere Kehrseite der Kopenhagen-Agenda

    Die Klimakonferenz in Kopenhagen wird nicht nur von Umweltschützern mit Argusaugen beobachtet. Auch die großen Investmentbanken wollen nun ernten, was ihre Lobbyisten über Jahre hinweg gesät haben. Der Handel mit Emissionsrechten könnte schon in fünf Jahren ein Billionenvolumen erreichen und sich somit vortrefflich für neue Finanzmarktinnovationen eignen. Die Turbobanker an der Wall Street wissen schließlich am besten, wie man aus heißer Luft schwindelerregende Profite machen kann. Dabei ist es mehr als fraglich, ob ausgerechnet die Finanzmärkte, die sich vor kurzem noch nicht einmal aus eigener Kraft vor sich selbst retten konnten, nun ausgerechnet die ganze Welt vor der drohenden Klimaerwärmung retten können.

    Die Welt in guten Händen

    Blythe Masters ist trotz ihres vergleichsweise jungen Alters bereits eine Wall Street-Legende. 1997 entwickelte die damals 35jährige mit ihrem Team bei JP Morgan ein Finanzprodukt namens Bistro, mit dem sie die Kreditausfallrisiken verschiedener JP Morgan-Kunden in einem handelbaren Papier bündelte. Bistro wurde ein durchschlagender Erfolg. Die von Masters entwickelten Credit Default Swaps wurden schnell zu dem, was Investment-Guru Warren Buffet einmal “finanzielle Massenvernichtungswaffen” nannte ? ein komplett intransparenter Markt im einem “Vorkrisenvolumen” von 60 Billionen US-Dollar. Die Mutter der Finanzbombe überlebte auch die von ihr mitverursachte Finanzkrise und ist nun bei JP Morgan als “Global Head of Commodities” unter anderem für die Entwicklung neuer Finanzinnovationen im Bereich Umwelt und Klima zuständig. Auf diesem Gebiet haben Masters und JP Morgan große Pläne, schließlich darf man in der bunten Welt der Blythe Masters so eine wichtige Sache wie die Rettung der Welt nicht alleine der Politik überlassen:

    “Man kann keine erfolgreiche Klimapolitik betreiben, ohne die Finanzbranche ganz maßgeblich daran teilhaben zu lassen”
    Blythe Masters, JP Morgan

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    SWIFT-Abkommen ? Showdown in Berlin

    geschrieben am 27. November 2009 von Jens Berger

    Eigentlich wollte die schwarz-gelbe Regierung das SWIFT-Abkommen, das amerikanischen Geheimdiensten den Einblick in europäische Bankdaten gestattet, möglichst geräuschlos über die Bühne bringen. Die Zeit eilt ? am Dienstag um 0.00 Uhr treten die Lissabon-Verträge in Kraft. Dann ist eine Zustimmung der EU zum Swift-Abkommen ohne vorherige Zustimmung des EU-Parlamentes nicht mehr möglich. Das EU-Parlament ist allerdings ? anders als alle europäischen Regierungen ? dezidiert gegen das SWIFT-Abkommen. Schon in den letzten Wochen gärte der Streit hinter den Kulissen der Macht ? schließlich hatte die FDP im Wahlkampf angekündigt, das SWIFT-Abkommen verhindern zu wollen. Letzten Endes sind die Liberalen aber gänzlich unliberal umgefallen. In letzter Sekunde hat heute der Bundesrat sein Veto gegen das SWIFT-Abkommen eingelegt und verlangt Nachverhandlungen. Das dürfte allerdings in so kurzer Zeit nicht möglich sein. Deutschland muss demnach am Montag gegen das Abkommen stimmen und damit die Einführung verhindern.

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    Japan vor der Abwärtsspirale

    geschrieben am 24. November 2009 von Jens Berger

    Die Deflation kehrt nach Japan zurück und droht dem angeschlagenen Samurai den Todesstoß zu versetzen

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat weltweit zu Verwerfungen geführt. Während die Krise die meisten OECD-Staaten in einer Phase des langanhaltenden Aufschwungs getroffen hat, wurde die zweitgrößte Industrienation der Welt mitten in einer langanhaltenden Schwächephase getroffen. Japan hatte schon vor der aktuellen Krise immer noch mit den Spätfolgen der Wirtschaftskrise in den 1990ern zu kämpfen. Das Land der aufgehenden Sonne steht heute vor unlösbaren Problemen – die Staatsverschuldung ist atemberaubend, die Wirtschaft lahmt, das Land befindet sich in einer Deflation, die Regierung hat kaum Optionen, entgegenzusteuern, und schon bald könnte die Staatsverschuldungsblase platzen und Japan den wirtschaftlichen Todesstoß versetzen.

    Deja vu

    Am Ende der 1980er glich Japan einem Tollhaus. Die Aktien- und Immobilienpreise erreichten Monat für Monat neue Rekordwerte, die Banken gaben freigiebig Kredite an Jedermann, es wurde spekuliert und gezockt, als gäbe es kein Morgen. In Sushi-Bars im Tokyoter Bankenviertel wurden die maritimen Köstlichkeiten auf nackten Damen angerichtet, Suppen wurden mit Goldflocken verziert, Sportwagen parkten in den Strassen und selbst heruntergekommene Appartments wurden der Hauptstadt zu Preisen gehandelt, die dem Einkommen entsprachen, das ein normaler Angestellter in seinem gesamten Leben verdient. Das Japan der spätern 1980er gilt heute als Lehrbuchbeispiel einer “Bubble Economy”. Wie alle Blasen platzte jedoch auch die japanische Blase und hinterließ dem Land ein ganzes Jahrzehnt der Stagnation und der Deflation. Mit immer höheren Staatsschulden wurden halbherzige Konjunkturprogramme initiiert, während die Leitzinsen Schritt für Schritt auf den Nullpunkt zugingen. Die 1990er gelten in Japan als das “verlorene Jahrzehnt”.

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