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    An dieser Stelle stehen hier normalerweise Leseempfehlungen mit einem Link auf Amazon. Da Amazon, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, offenbar ein überaus unsozialer Konzern ist, der sich an den Schwächsten der Gesellschaft bereichert, hat sich der SPIEGELFECHTER entschlossen, die Zusammenarbeit mit Amazon mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Es ist natürlich klar, dass dieser Boykott mit spürbaren finanziellen Einbußen verbunden ist. Wir würden uns daher freuen, wenn Ihr unsere Unabhängigkeit durch eine kleine Spende unterstützen könntet.
  • BILD und die Mär der Steuersenkung

    geschrieben am 20. April 2007 von Spiegelfechter

    ?Wir müssen dafür sorgen, dass das Geld in den Taschen der Bürger bleibt, die es verdienen?.

    Mit diesem Satz startete Wirtschaftsminister Glos in der BILD-Zeitung eine neuerliche Kampagne zur Steuersenkung. Wenn man sich Glos´ Satz genauer anschaut, so offenbart dieser bei unterschiedlicher Intonation genau die Doppeldeutigkeit, die hinter ihm steckt. BILD und Glos wollen wohl dem BILD-Leser glauben machen, der Bürger solle steuerlich entlastet werden, betont man allerdings die Pronomina ?der? und ?die? so ergibt sich ein anderer Sinn und wenn man weiß, welche Bürger Glos, INSM und BDI für ?verdienstvoll? halten, so gehen die allermeisten BILD-Leser mal wieder leer aus. Es ist auch ziemlich verwunderlich, dass es Herrn Glos knapp vier Monate nach der ?größten Steuererhöhung aller Zeiten? (Handelsblatt) einfällt, Geld solle lieber in den Taschen der Bürger bleiben.

    Glos´ Busenfreund Huber legt bei BILD auch gleich nach, ?Steuersenkungen sollten vor allem Familien mit Kindern zu gute kommen?, so was kommt seit Super-Ursels Mutterkreuzkampagne beim Wahlvieh immer gut an, nur stellt sich doch die, gänzlich unbayerische, Frage, ob der kinderlose Single nicht ebenfalls ?zu viel? Steuern bezahlt, jeder Lohnsteuerklasse 1 Zahlemann wird wissen wovon ich rede und BILDs Rechenbeispiele sind ja auch mitnichten auf die bayerische Traditionsfamilie bezogen. Wollten BILD und Glos nicht den Bürger entlasten, anstatt nur das bayerischer Familienideal zu subventionieren? Aber BILD hat ja eh Probleme mit unterschiedlichen Steuerklassen, so wird der alleine lebende, kinderlose Single immer herangezogen, wenn BILD belegen will, wie hoch doch die Steuerlast des Bürgers ist. So verkauft sich der Wunsch nach einer Senkung des Spitzensteuersatzes natürlich besser.

    Nach jahrelangen Rufen, nach einem Abbau der Schulden und Senkung der Neuverschuldung (?Wir leben auf Kosten unserer Kinder?) scheint es Springer nun opportun, Gelder aus dem Staatshaushalt, der aus konjunkturellen Gründen (und nicht aus strukturellen!) in den nächsten Jahren wohl ausgeglichen sein wird, nach dem Gusto der ?Großkopferten? umzuverteilen. Die 3% Mehrwertsteueraufschlag, die der Hartz-IV Empfänger, der Rentner oder der Student zahlen, können so elegant in die Taschen des Bankenvorstands, des Chefredakteurs bei Springer und des Private-Equity Fonds-Manager umverteilt werden, letztere zahlen nämlich idR den Höchststeuersatz während erstere idR gar keine Einkommenssteuer zahlen. Aber wer keine Einkommenssteuer zahlt, hat laut BILD und Glos ja auch keinen Anteil am ?sagenhaften? Super-Duper-Aufschwung und es daher auch nicht verdient, mehr Geld in die Taschen zu bekommen. Aber da können diese Gruppen sich trösten, am Normalverdiener geht der ?Aufschwung? auch vorbei, da er die Gewinne der Unternehmen mit einem Reallohnrückgang bezahlt.

    Die Freunde des kleinen Mannes aus dem Springer-Verlag führen auch gleich den ?Beweis“!
    Auf die (isoliert) nicht aussagekräftigen Faktoren Steuer- und Abgabenlast und Arbeitslosenquote reduziert, vergleichen die BILD-Experten Deutschland (52,5% – 9,8%) mit Großbritannien (33,9% – 4,8%) und anderen. Überflüssig zu erwähnen, dass BILD natürlich wieder einmal den kinderlosen Single als Maßstab nimmt. Das die Lohnsteuerbelastung bei Verheirateten mit zwei Kindern in Deutschland (23,1%) und Großbritannien (25,0%) beispielsweise nahezu gleich ist, verschweigt uns BILD. (Quelle: OECD)

    Auch verschweigt uns BILD, dass in dieser Kategorie europäische Boomländer, wie Österreich (31,1% Lohnsteuer, 3,3% Wirtschaftswachstum, 4,9% Arbeitslosigkeit*), die Niederlande (32,2% Lohnsteuer, 2,9% Wirtschaftswachstum, 5,5% Arbeitslosigkeit*), Dänemark (35,7% Lohnsteuer, 3,0% Wirtschaftswachstum, 3,8% Arbeitslosigkeit*) und Schweden (31,1% Lohnsteuer,4,2% Wirtschaftswachstum, 5,6% Arbeitslosigkeit*) eine weitaus höhere Steuerbelastung haben. (* Quellen: OECD, CIA-Worldfactbook)

    Da nicht alles was hinkt ein Vergleich ist und die nationalen Steuersysteme sehr komplex und en detail schwer vergleichbar sind, macht es doch Sinn bei der Diskussion über Steuersenkungen und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt die Gesamtsteuerlast einzubeziehen und nicht nur die Lohnsteuer. Dann erhält man nämlich erstaunliche Ergebnisse. Unter den OECD-Staaten hat Deutschland (20,8%) hinter der Slowakei (18,4%) und den USA (20,2%) die drittniedrigste Steuerlastquote (Steuern ohne Sozialversicherungsabgaben im Verhältnis zum BIP ? Quelle: OECD, Revenue Statistics 1965-2005 ? Bezugsjahr 2005). Die Euroboomer Niederlande (26%), Österreich (27,5%), Großbritannien (30,2%), und Schweden (36,8%) haben wesentlich höhere Steuerlastquoten. Dänemark, das nur 3,8% Arbeitslosigkeit hat, hat eine mehr als doppelt so hohe Steuerlastquote (48,6%) als Deutschland. Wer in Dänemark einmal einkaufen oder essen gehen war, weiß woher dort die Steuern kommen.

    Wenn jetzt jemand kommt und sagt ?aber, man bedenke die hohe Steuerlast für deutsche Unternehmen?, so lässt sich dies auch mit Zahlen widerlegen. Nimmt man die Unternehmenssteuer-Einnahmen in Prozent des BIPs*, so ist Deutschland mit 1,6% der Spitzenreiter unter den OECD-Staaten. Die USA nehmen 2,2%, Österreich 2,3%, Großbritannien 2,8% und das (ehemalige) Wunderland der Neoliberalen, Neuseeland, sogar 5,8%. (* Quelle: Quelle: OECD, Revenue Statistics 1965-2005 ? Bezugsjahr 2005).

    Die Erbschaftssteuer, eine Steuer, die Otto-NormalBILDleser gar nicht betrifft, ist auch im Dauerbeschuss der BILD-Zeitung. Und auch hier belegt Deutschland beim Indikator ?Einnahmen aus Vermögens- und Erbschaftssteuer in Prozent des BIPs? einen Spitzenplatz. Hinter Tschechien (0,4%), der Slowakei und Österreich (beide 0,6%) belegt Deutschland mit 0,9% den vierten Platz unter den OECD-Ländern. Die USA langen hier mehr als drei mal (3,1%) und Großbritannien gar viermal so kräftig hin (4,3%).

    Die Mär vom Hochsteuerland hält diesen Zahlen zum trotz immer noch an und die neoliberalen ?Reformer? rund um das INSM sind sich nicht zu dumm, diese Mär gefragt und ungefragt ständig zu wiederholen.

    Der BILD-?Beweis? stellt auch mit Ausrufezeichen fest ?sinken die Steuern, ist auch die Arbeitslosigkeit niedriger!?. Das dem nicht so ist, weiß die Bundesagentur für Arbeit genau:

    Quelle: Jochim Jahnke (1)

    Bei BILD darf auch Gastkommentator Hans Olaf Henkel seinen ?ganz und gar neutralen? Senf zur BILD-Steuerwurst hinzugeben. So schreibt er in einem Gastkommentar ?Mehr Netto für alle!??[Steuersenkung] So kann der Aufschwung auch im Portemonnaie ankommen?. Einen solchen Kommentar würde man sich ja wünschen, wenn es mal wieder in die Lohnrunden geht. Aber so etwas hört Herr Henkel ja nicht gerne. Der Bürger darf was bekommen, aber bitteschön auf Kosten des Staates (ergo des Bürgers selbst). Henkel und Konsorten profitieren ungeniert vom Aufschwung, ihnen ist es natürlich nicht zuzumuten ihren Teil zur Verteilung des Aufschwungs zu tragen. Gewinne werden privatisiert, Verluste vergesellschaftet, so ist das halt. Wer hat, dem wird gegeben. Wo kämen wir denn auch sonst hin, das wäre ja Kommunismus!

    Henkel ist indes sehr sozial und postuliert ?Das ist auch eine gute Nachricht für die Arbeitslosen, denn vor allem die Abgabenlast macht deutsche Jobs oft zu teuer.? Es gehört schon eine gehörige Chuzpe dazu, Arbeitslosen und Hartz-IV Empfängern, die idR keine Einkommenssteuern zahlen, als Profiteure einer Einkommenssteuersenkung darzustellen und nicht gnadenlose ?Rationalisier? in den Chefetagen, die die Arbeitsplätze vernichten und am allermeisten von einer Senkung des Einkommenssteuersatzes profitieren.

    Wenn es nach Henkel ginge, so gäbe es auch den Zauberschlüssel für die Gewerkschaften: ?Auch die Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten begreifen, dass es den Beschäftigten nichts nützt, wenn die Löhne brutto steigen, netto aber nicht mehr dabei herauskommt. Besser ist: mehr Netto für alle!? Genau Herr Henkel, warum sollten die Unternehmen etwas von ihren Gewinnen abgeben, wenn der Bürger auch den Staat (also sich selbst) plündern kann und die Unternehmer zusätzlich beim Plündern mitmachen dürfen?

    Um mit Brecht Max Liebermann zu schliessen: ?Ich könnt gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen mag?.

    Jens Berger

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    Kriegsgrund Petrodollar?

    geschrieben am 06. April 2007 von Spiegelfechter

    In Blogs, Foren und alternativen Newsseiten taucht immer wieder der Petro-Dollar als ?wahrer? Grund für einen möglichen Waffengang seitens der USA gegen Iran auf. Diese Argumentation hat gewissermaßen eine Tradition und wurde bereits als ?wahrer? Grund für den Überfall des Iraks genannt. Was damals falsch war ist heute nicht richtiger.

    Der Petrodollar

    The point was not that the US dollar became a “petro” currency. The point was that the reserve status of the dollar, now a paper currency, was bolstered by the 400% increase in world demand for dollars to buy oil.

    F.W. Engdahl

    Seit Jahrzehnten wurde Öl traditionell in Dollar gehandelt – dies hatte seine guten Gründe und war für die USA und auch für die ölimportierenden Länder durchaus von Vorteil. Ein Staat, der wichtige Ausgaben in einer Währung tätigt, muss seine Landeswährung nur gegen diese eine Währung gegen Kursschwankungen absichern, was wesentlich effektiver ist, als sich gegen mehrere Währungen absichern zu müssen. Auch Kredite der Weltbank und des IWF werden in Dollar ausgestellt und zurückbezahlt wodurch besonders ärmere Länder gezwungen werden, sich gegen Währungsschwankungen zum Dollar abzusichern. Das wichtige Importe auch in Dollar verrechnet werden macht da Sinn. Durch die Globalisierung und das exorbitante Handelsdefizit der USA hat sich die Bedeutung des Petrodollar als Stütze des Dollars allerdings marginalisiert. Die großen Ölimporteure haben mehr Dollar in ihren Reserven als es ihnen lieb sein kann und haben eher Sorgen davor, daß der Dollar noch mehr an Wert verliert.

    Angebot und Nachfrage – eine simplifizierte Erklärung

    Devisenkurse werden, wie alles, das auf Märkten gehandelt wird, durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Ein Geschäft in Dollar, das von zwei Staaten durchgeführt wird, kann unabhängig von der Transaktionswährung Dollar den Dollarkurs stärken, schwächen oder gar nicht beeinflussen. Tauscht z.B. Ungarn eine gewissen Menge Forint in Dollar um in Algerien Öl zu kaufen, so wird der Dollarkurs zunächst steigen (Nachfrage nach Dollar). Wenn Algerien diese Dollar in der USA anlegt, bleibt es auch dabei, wenn Algerien allerdings die Dollar in die eigene Landeswährung umtauscht oder im Euroraum investiert, werden diese Dollar wieder auf den Markt geschmissen (Angebot an Dollar steigt) und die Transaktion hatte keine Auswirkungen auf den Dollarkurs.

    Warum ein Ölhandel in Dollar den Dollarkurs schwächen kann

    As anyone familiar with the Organization of Petroleum Exporting Countries will know, the denomination of oil sales in currencies other than the dollar is not a new subject, and as anyone familiar with economics will tell you, the denomination of oil sales is merely a transactional issue: what matters is in what assets (or, in the case of the United States, liabilities ) these proceeds are then invested.

    Chris Cook

    Wenn Iran China Öl verkauft, so nimmt China das Geld dafür aus einem Devisenkorb, der dank der exorbitanten Exporte in den Dollar- und Euroraum prall gefüllt ist – zu prall, wie viele meinen. Dieses Geld “lagert” in Chinas Reservebanken und ist dem Markt entzogen. Wenn China nun 1 Mrd. US$ an Iran bezahlt und dieser das Geld in seiner Reservebank lagert, so hat sich am Angebot-/Nachfrageverhältnis nichts geändert. Entscheidend ist vielmehr was der Verkäufer mit dem Geld macht. Wenn Iran die 1 Mrd. US$ in Euro umrubelt, so wird de facto der Euro gestärkt (Nachfrage nach Euro steigt/Angebot an Dollar steigt). Ein Dollarhandel, bei dem ein Staat seine Reserven abbaut (China, Taiwan, Südkorea, Japan, der Euroraum) und der Verkäufer die Dollar in eine andere Währung umtauscht, schwächt also den Dollar. Wenn Iran jetzt nur Euro akzeptieren würde und diese Euro nicht umrubeln würde, so bliebe dies ein Nullsummenspiel ohne Auswirkungen auf die Währungen. Ein Staat wie Iran, der von den USA sanktioniert wird, tut natürlich gut daran keinen Dollar zu akzeptieren sondern Euro. Das ist auch der Grund warum “Feinde” der USA keinen Dollar wollen und nicht der Auslöser, warum die USA diese Staaten überfallen oder sanktionieren, so wie es Clark und Co postulieren. Hier wird eine Ursache-Wirkung Kausalität konstruiert, die nicht haltbar ist.

    Ausnahmen

    Länder, die die Devisen für Energieimporte nicht besitzen, also deren Handelsüberschuss zum Euro-/Dollarraum kleiner ist, als die Summe, die dieser Staat für Energieimporte aufbringen muss, müssen sich diese Devisen auf den Finanzmärkten besorgen, was zu einem Nachfrageplus führt und die betreffende Währung stärkt. Dies trifft aber eher auf kleine Staaten zu, die großen Energieimporteure haben allesamt genug Reserven und Überschüsse aus denen sie die Energieimporte bezahlen können, so Irans Top-Handelspartner China, Südkorea, Japan, Taiwan und Italien. Und letztendlich entscheidet auch hier der Exporteur über die Auswirkung auf die Transaktionswährung.

    Was den Dollar gefährden kann

    So today, at least for the present, there are no signs of Japanese, EU or other dollar holders engaging in dollar-asset liquidation. Even China, unhappy as it is with Washington’s bully politics, seems reluctant to rouse the American dragon to fury.

    F.W. Engdahl

    Eine echte Gefährdung für den Dollar bestünde natürlich, wenn die Ölexporteure ihre Öleinnahmen (gleich in welcher Währung) nicht mehr in den USA anlegen würden. Wallstreet ist natürlich ein Magnet für saudische Ölmilliarden und nicht nur für diese. Wenn z.B. durch einen Crash, der durch die Immobilienblase ausgelöst wurde, der amerikanische Finanzmarkt an Attraktivität verlieren würde und Geld in signifikanten Maße in andere Währungsräume fliessen würde, so hätte dies starke Auswirkungen auf den Dollarkurs. Das US-Handelsdefizit wird eigentlich nur noch durch Kapitalimporte halbwegs ausgeglichen, wenn diese wegfielen, hätten die USA ein echtes Problem.

    Die grüne Atombombe

    Die zweite Gefährdung ist eher abstrakt. Natürlich könnte China mit nur 4 Worten die USA in ihren Grundfesten zerstören “Sell all Dollars now!”. Aber die Chinesen wären ziemlich dumm, wenn sie dies täten, würden sie damit doch den dukatenscheissenden Esel schlachten. China lebt von seinen Exporten und legt großen Wert darauf, daß sich dies nicht ändert. Außerdem wäre ein großangelegter Dollarverkauf der chinesischen Reservebanken schlichtweg eine Kriegserkärung gegen die USA. So sind die chinesischen Dollarreserven eine grüne Atombombe. Sie einzusetzen wäre verheerend, aber der Einsatz würde die eigene Nation zerstören. So bleibt die grüne Atombombe in den Panzerschränken der chinesischen Reservebanken – als Abschreckung, die die USA von irgendwelchen Dummheiten gegenüber China abhalten wird.

    Iranische Ölbörsen und der IOB-Hoax

    Vor rund einem Jahr tauchten inflationär Meldungen in Foren und Blogs auf, die die geplante Iranische Ölbörse als ?ultimative? Bedrohung für die Stabilität des Dollars ausgemacht haben wollten. Diese Meldungen kann man als Hoax einstufen, der willfährig von Edelmetallspekulanten und ihren Newslettern weiterverbreitet wurde und in vielen alternativen Medien aufgegriffen wurde. Mit Erstaunen mußte ich jüngst feststellen, daß dieser Hoax immer noch nicht tot ist sondern wieder aufgefrischt wird. Daher greife ich im folgenden einen alten Beitrag von mir aus dem TP-Forum auf:

    Die IOB

    Die IOB als solche ist/war eine sehr gute Idee, die auf den Ideen von Chris Cook (dem ehemaligen Chef der Londoner Ölbörse IPE) basiert, eine Handelsplattform zu entwickeln, die den Produzenten und Kunden gehört und an der Preisfindungsmechnismen und Handelsformen eingeführt werden, die den Produzenten und Kunden Vorteile verschaffen, da Spekulanten und Investmentbanken keine Profite über die Handelsmechanismen “erwirtschaften” können. (1)

    Auch war die IOB nicht als iranische Börse geplant, sondern als Handelsplattform für die ganze Region. Die IOB war keinesfalls angelegt, um den Dollar als Öltransaktionswährung in Frage zu stellen, zumal die direkten Effekte der Markerwährung auch irrelevant sind. (2)

    Das Iran, sich wesentlich später auf den Euro als Markerwährung entschied (was nicht wirklich verifizierbar ist) ist vor allem im Sinne Irans und durch die bestehenden Sanktionen der USA gegen Iran bedingt. Die Hauptabnehmer Irans sind China, Taiwan, Japan und Südkorea – Länder die Dollarreserven en masse haben und teilweise (China hat dies angekündigt) in Zukunft die Währungsreserven weg vom Dollar hin zum Euro umschichten wollen. Für dieses Anliegen ist eine Transaktionswährung Euro eher kontraproduktiv.(3) Für einen Erfolg der IOB wäre es unerlässlich, daß andere Produzenten ebenfalls über die IOB handeln, dies ist momentan unwahrscheinlicher denn je, da sowohl Norwegen als auch Dubai an Konkurrenzbörsen arbeiten und diese beiden Länder für Verkäufer und Käufer sicherer und attraktiver als Iran sind. Während Norwegen anscheinend den Ideen von Chris Cook Spielraum gewährt, ist die DME eine 50% Tochter der New Yorker NYMEX, also sind sowohl ein Dollarmarker als auch altbewährte Handelsmechanismen wahrscheinlich. (4)

    Ob die IOB jemals realisiert wird ist momentan eher unwahrscheinlich – eine Börse ohne Händler und Kunden ist keine Börse. Keine Ölhandelsfirmen sind an dieser Börse akkreditiert und Iran ist ein unsicherer Finanzplatz – zudem ist die reale Mengen, die gehandelt werden kann zu gering um Liefergarantien zu gewährleisten, die über Erfolg und Misserfolg einer solchen Börse entscheiden. (5)

    Der Mythos IOB

    Die mythischen Geschichten der IOB basieren im wesentlichen auf einem Bericht von William Clark, der (nach dem Irakkrieg) einen Aufsatz und mehrere Bücher veröffentlichte, die den Euro als “neue” Ölexportwährung Iraks als “wahres” Kriegsziel der USA erklärte. Eine These, die ein keinster Weise haltbar ist, sich aber in den alternativen Medien toll verkauft hat; das Buch scheint auch recht erfolgreich zu sein. Nun wollte er wohl den Erfolg steigern und ergänzte sein falsche ex-post Analyse des Irakkriegs mit einer falschen ex-ante Theorie über einen spekulativen Irankrieg. (6) (7)

    It is therefore with wry amusement that I have seen a myth being widely propagated on the Internet that the genesis of this “Iran bourse” project is a wish to subvert the US dollar by denominating oil pricing in euros.

    Chris Cook – Initiator der IOB

    Der Auflage wird es geholfen haben. Zwei Autoren (Straka und Petrov), die beide keine Fachleute für Währungsfragen und Ölhandel sind, griffen diese Theorie auf und schon war das Lauffeuer nicht mehr zu stoppen. Aus dem bulgarischen Hiwi Petrov, der sich eigentlich mit dem europäischen Milchmarkt beschäftigt wurde schon mal ein russischer Öl-Experte. Über Blogs und Medien, die sich mit Gold und Goldanlagen beschäftigen, wurden diese Geschichten weiter publiziert. Klar – wer kein Vertrauen zum Dollar hat, weicht auf Goldanlagen aus. Die Goldhändler haben sich die Hände gerieben.

    Jens Berger

    13 Kommentare

    Die soziale Marktwirtschaft erodiert und wir schauen zu

    geschrieben am 10. März 2007 von Spiegelfechter

    So wollt ich jeden Zweifel beseitigt wissen, dass ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand da der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden.
    Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet. Die Neugestaltung unserer Wirtschaftsordnung musste also die Voraussetzung dafür schaffen, dass dieser einer fortschrittlichen Entwicklung entgegenstehende Zustand und damit zugleich auch endlich das Ressentiment zwischen ?arm? und ?reich? überwunden werden konnten. Ich habe keinerlei Anlaß, weder die materielle noch die sittliche Grundlage meiner Bemühungen mittlerweile zu verleugnen. Sie bestimmt heute wie damals mein Denken und Handeln.
    Ludwig Erhard

    Diese Textzeilen des ?Vaters? der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland, Ludwig Erhard, sollte man heutzutage seinen Nachfolgern, die sich auch noch frech auf ihn berufen, ins Stammbuch schreiben. Seit rund 20 Jahren findet in allen OECD-Staaten eine Rekonstruktion des ?Ancient Régimes? statt ? unter die ?alten? Reichen mischen sich die ?neuen? Reichen und die Mittelschicht ist zwar noch vorhanden, driftet aber in großen Teilen durch hausgemachte Massenarbeitslosigkeit und einen beispiellosen Abbau des sozialen Netzes in immer größer werdenden Teilen Richtung Unterschicht. Der Mangel an Kaufkraft, den Erhard volkswirtschaftlich für die Unterschicht projiziert, trifft heute allerdings auch die Mittelschicht. Eine Verbraucherumfrage unter 31.000 Deutschen ergab im Februar 2006, dass 11,17 Millionen oder 17,2% der Deutschen keinen einzigen Cent frei verfügbares Einkommen haben, weitere 6,58 Millionen unter 50 Euro, weitere 10,42 Millionen bis zu 100 Euro und 8,58 Millionen gerade einmal bis zu 150 Euro finanziellen Spielraum im Monat haben. Das heißt weit mehr als die Hälfte aller Deutschen haben nicht mehr als 150 Euro von ihrem Nettoeinkommen, die sie über den dringenden Lebensbedarf hinaus für Konsumausgaben im Monat zur Verfügung haben (1) . Ich schätze, dies ist es was Ehrhard meinte, wenn er von einer unzureichenden Kaufkraft breiter Maßen schrieb.

    Die Schere zwischen oben und unten klafft immer weiter

    Während die Reallöhne (Nettolohn inflationsbereinigt) in den letzten Jahren kontinuierlich sinken (0,9% im Jahr 2006), steigen die Vermögenszuwächse der oberen 10.000 in geradezu gigantischem Maße. So vermeldete gestern das Forbes-Magazin stolz, die von ihnen geführte Liste der 1000 reichsten Menschen der Welt konnte in 2006 einen Vermögenszuwachs von durchschnittlich 35% erzielen. (2) (3)

    Nur auf die 55 deutschen Milliardäre bezogen, wäre dies ein Vermögenszuwachs von sagenhaften 81 Milliarden Dollar, also so ziemlich genau 1.000 Euro pro Bundesbürger. Und dies wohlgemerkt für 55 Menschen ? nicht auszudenken, wie wunderbar ein soziales Netz gesponnen werden könnte, wenn nur die Hälfte der Vermögenszuwächse der oberen 10.000 vergesellschaftet werden könnte. Die dadurch angeschobene Binnenkonjunktur hätte überdies einen weitaus positiveren Effekt auf die deutsche Wirtschaft (also Mittelstand) als die Investitionen der oberen 10.000. Aber so etwas darf man in unserem Land ja nicht offen sagen, sonst wird man ja in die Nähe der ?Steinzeitkommunisten? gerückt, obwohl man sich letztlich nur bei Ludwig Erhard bedient. Ein tiefgreifender Paradigmenwechsel hat stattgefunden.

    Wie konnte das passieren?

    Wie es so weit kommen konnte, hat Paul Krugman in diesem exzellenten Artikel dargestellt. Und nein, auch Krugmann ist kein ?Steinzeitkommunist? sondern seines Zeichens Ökonomieprofessor (Yale, MIT, Stanford, Princeton), Ex-Berater der Clinton-Regierung und Kandidat für den Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften.

    ?Nur wenigen Leuten ist bewusst, wie sehr sich in diesem Land die Kluft zwischen den sehr Reichen und dem Rest innerhalb relativ kurzer Zeit verbreitert hat. Wer sich mit diesem Thema beschäftigt, setzt sich unweigerlich dem Verdacht aus, ?Klassenkampf? oder eine ?Politik des Neides? zu betreiben. Und nur wenige Leute sind tatsächlich willens, über die weitgehenden Auswirkungen dieser sich immer weiter öffnenden Schere zu sprechen – über die ökonomischen, sozialen und politischen Auswirkungen.

    Doch was in den USA heute geschieht, kann nur verstehen, wer das Ausmaß, die Ursachen und Konsequenzen der zunehmenden Ungleichheit in den letzten drei Jahrzehnten begreift. Wer begreifen will, wieso es in Amerika trotz allen ökonomischen Erfolgs mehr Armut gibt als in jeder anderen großen Industrienation, der muss sich die Einkommenskonzentration an der Spitze ansehen.?

    In diesem Artikel vergleicht Krugman die heutige Zeit mit dem ?goldenen Zeitalter? zu Beginn des letzten Jahrhunderts, das sich (in den USA) ebenfalls durch eine kleine Schicht superreicher Magnaten und eine breite Unter-/Mittelschicht ?auszeichnete?, die nicht von der Wirtschaftsentwicklung profitierte. In den USA wurde dieses Missverhältnis in den 30ern durch Roosevelts New-Deal bereinigt. Diese Einkommenskompression hielt auch bis in die 70er Jahre an und wurde letztendlich durch die ?Reaganomics? aufgekündigt und dieser Dekompressioneffekt wird durch die Globalisierung weiter beschleunigt. Mit der Einkommensverschiebung hat sich allerdings auch die Ethik und Moral der besitzenden Gesellschaft geändert. Raffgierige Konzernlenker finden es absolut normal mit 8stelligen Jahresgehältern bezahlt zu werden und sich bis zum Lebensende fürstliche Apanagen, wie Villen samt Personal, ausstellen zu lassen. Krugman weist auch auf die erstaunliche Fähigkeit der Politik hin, eine Klientelpolitik für 10% der Bevölkerung zu betreiben und gleichzeitig bei den anderen 90% den Eindruck zu erwecken, dies sei gerechtfertigt. Diese Kunst beherrscht ja auch die deutsche Politik mit Bravour und Schützenhilfe der Organe des Kapitals, von ifo über IfW bis zum IW und unter ständiger Soufflage der Grauen Eminenzen Hans-Olaf Henkel und Roland Berger.

    Die Entwicklung ist systemimmanent

    Dabei ist der Fehler im System doch offensichtlich und der Mechanismus ?Umverteilung? kein sozialistischer Klassenkampf sondern eine Grundbedingung des Funktionierens eines Wirtschaftssystems, das frei agieren darf und dennoch auf sozialen Zusammenhalt konzipiert ist ? und das ist die soziale Marktwirtschaft, nur leider wird dies immer wieder vergessen ? oder verschwiegen. Besitzt ein Wirtschaftssubjekt aktives Kapital in einer Höhe, die ausreicht, das die Zinsen größer sind als die Summe, die es in diesem Zeitraum verkonsumieren kann, so wird dieses Wirtschaftssubjekt jedes Jahr reicher.

    Clipquelle: IMDB

    Die populäre Vorstellung, dass Vermögen mit der Zeit aufgebraucht werden, wenn man nicht arbeitet, ist falsch ? Geld arbeitet und zwar effizienter als es ein Arbeiter oder Angestellter je könnte. Besitzt ein Erbe beispielsweise 102 Millionen Euro, von denen 2 Millionen passiv sind (z.B. die Villa, in der er lebt) und 100 Millionen aktiv ?arbeiten?, so hat er am Ende des Jahres (ja nach Rendite der Anlage) zwischen 5 und 10 (oder gar mehr) Millionen Euro mehr. Wenn er nun nicht gerade über seine Verhältnisse lebt und einsieht, dass Fussballvereine oder Superyachten nur was für Superreiche sind, so ist er ohne eigenes Zutun ein großes Stück reicher ? ob er jetzt noch als Anwalt oder Geschäftsführer arbeitet ist eher irrelevant. Die Summe, die sein Kapital erwirtschaftet hat, ist in diesem Falle so groß, dass berufliche Tätigkeiten eher als ehrenamtliche Hobbies ins Gewicht fallen. Auf der anderen Seite hat derjenige, der für sein Überleben arbeiten muss (und das ist die übergroße Mehrheit), in den meisten Fällen nicht die Möglichkeit sein Vermögen innerhalb eines Jahres um die 5% bis 10% Kapitalrendite zu steigern. Seine Zugewinne durch Arbeit werden von Miete, Lebenshaltungskosten, Mobilitätskosten oder Zinslast (wenn er gebaut hat) zu einem beachtlichen Teil aufgezehrt. Was überbleibt, reicht in den besten Fällen für eine Altervorsorge, die den Status-Quo aufrechterhält. Seine Einnahmen (Lohn, Gehalt) steigen wesentlich geringer, als die des Investors (das ist ja auch normal in einem Wirtschaftssystem, das den Wagenden (Investierenden) belohnt).

    Dies zu akzeptieren ist aber nicht systemimmanent

    Jeder, der die Grundzüge der Mathematik beherrscht sieht sofort, dass durch ein solches Verteilungssystem, das Ungleichgewicht permanent zunimmt. Besitzt im Jahr x der Reiche z.B. 80% des Volksvermögens und vermehrt diese Menge im Jahr in einem höheren Maße (y) als der Werktätige, der die anderen 20% besitzt, so ist im Jahr x+1 das Verhältnis 80+y zu 20-y. Die Lehre vom Zinseszins macht hierbei auch klar, dass y von Jahr zu Jahr exponential steigt. Genau das erleben wir seit rund 25 Jahren. Ein gesundes System, dass auf seinen sozial ausgewogenen Fortbestand aus ist, greift hier regulierend ein, so dass über Umverteilungsmechanismen (z.B. Erbschaftssteuer, progressive Steuersätze oder gar Vermögenssteuer) das Verhältnis ungefähr gleich bleibt. Positiver Nebeneffekt ist ein allgemeines Partizipieren am volkswirtschaftlichen Gewinn und eine Ankurbelung der Binnenkonjunktur. Herr Aldi kann die Milliarden, die er jedes Jahr auf seinen Kapitaleinsatz als Rendite erzielt, nicht in die Binnenkonjunktur stecken, dass ist klar. Der volkswirtschaftliche Effekt von einer Millionen Bürgern, die jeweils 1.000 Euro bekommen ist weitaus positiver, als eine Milliarde Euro in den Händen von Herrn Aldi – jeder Handwerker wird dies bestätigen können.

    Man kann also nur hoffen, dass das Volk aufwacht und den Politikern Dampf unter dem Hintern macht keine 10%-Klientelpolitik mehr zu betreiben, sondern das zu tun, für das sie gewählt wurden: Den Wohlstand aller zu mehren und für einen sozialen Ausgleich in der Gesellschaft zu sorgen.

    Jens Berger

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    3 Kommentare

    Deutschland muss den Gürtel enger schnallen

    geschrieben am 10. März 2007 von Spiegelfechter

    Well? er? you?re a rich man.

    Yes, I am. Yes. Yes, very very rich. Quite phenomenally wealthy. Yes, I do own the most startling quantifies of cash. Yes, quite right? you?re rather a smart young lad aren?t you. We could do with somebody like you to feed the pantomime horse. Very smart.

    Heute hat ?Forbes? seine berühmt-berüchtigte Hitliste der Superreichen für dieses Jahr veröffentlicht – und nein, Monty Pythons Merchant Banker ist nicht darunter und Pantomime Horses sind auch kein Thema mehr bei den Superreichen. Auf den ersten Blick entdeckt man auch wenig auf dieser Liste, daß einen sonderlich wundern würde ? Bill Gates ist immer noch der reichste Mann der Welt ? fein, ich würde gerne Linux nutzen, nur leider unterstützt dieses meine Lieblingssoftware nicht, dafür bewundere ich die chinesische Dickhäutigkeit, es sich als kommender Exportweltmeister der Jahre 2007 ff. immer noch leisten zu können, 98% aller PCs mit Raubkopien laufen zu lassen. Chapeau China! Aber jenseits jeglicher Piratenphantasien liest man zwischen den Zeilen sehr interessantes.

    Zunächst einmal fällt auf, daß doch ziemlich viele Angehörige ehemaliger Entwicklungsländer vertreten sind. Aber wie sollte es auch sonst sein ? die sagenhaften Gewinne, die in diesen Ländern erzielt werden, landen ja schließlich nicht in den Taschen, der dortigen Bevölkerung. So geht das nicht! Da braucht man schon ein paar Superreiche, die dem Volk das Geld abnehmen ? wär ja noch schöner. Auch Russland sticht ins Bild ? die 53 russischen Milliardäre (aka Räuber) verfügen über ein stattliches Vermögen von 282 Milliarden Dollar. Bei einem russischen Durchschnittseinkommen von 250 Dollar pro Kopf, sind dies immerhin 1,1 Milliarden Monatseinkommen oder anders ausgedrückt mehr als das Jahreseinkommen der kompletten! russischen Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Unterstellt man den russischen Milliardären den gleichen Vermögenszuwachs, wie der Forbes Top 1000 (35% ? das sagen sie mal ihrer Bank oder ihrem Chef), so wären dies 99 Milliarden Dollar ? d.h. 53 Russen verdienten pro Jahr soviel wie 33 Millionen Durchschnittsrussen (und im Durchschnitt sind die Herren Milliardäre schon drin, sofern sie trotz Offshore-Konten erfasst werden). Im Nachhinein kann man Putin also aus mehreren Gründen, im Fall Chodorkovsky sein Verständnis ausdrücken.

    Mit Russland können wir Deutschen nicht ganz mithalten. Unsere 55 Milliardäre bringen es nur auf bescheidene 245 Milliarden Dollar. Diesen Schandfleck auf unserer nationalen Ehre, dürfen wir nicht länger dulden ? ich plädiere für einen Goodwill Euro auf jedes Aldi-Produkt, es wäre ja gelacht, wenn wir es diesen Russen nicht zeigen würden. Eine schöne Idee wäre auch der Verkauf dieser lustigen Autofähnchen für diesen wahrlich guten Zweck, wobei man nebenbei noch einen lockeren Patriotismus demonstrieren könnte. Wenn nur 3 Millionen deutsche Kraftwagenführer mitmachen, könnte man die Dinger bei Aldi (Gebrüder Albrecht 37.5 Mrd. $) oder einem Discounter freier Wahl (alle gehören milliardenschweren Handelszaren) schon für 8.712 Euro verkaufen und wir würden die Russen überflügeln.

    Was, sie haben keine 8.712 Euro auf dem Girokonto oder in der Hosentasche? Das müssten sie aber rein statistisch haben. Die Geldmenge M1, die den Bargeldumlauf und die Sichteinlagen beinhaltet, beträgt nämlich rein statistisch für jeden Bundesbürger, vom Säugling bis zum Greis, 8.712 Euro ? komisch, ich kenne auch unter meinen begüteteren Freunden niemanden, der über 8.000 Euro auf dem Girokonto rumliegen hätte. Nun ja, so ist sie die Statistik und sie können dreimal raten, wer sie verfälscht ? tbc in einem ernsthafteren Artikel.

    Jens Berger

    2 Kommentare

    Death Bonds

    geschrieben am 03. März 2007 von Spiegelfechter

    Ein guter Tag für Wall-Street

    5.9.2012 dpa/ap

    Der letzte Woche von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA vom Markt genommene populäre Betablocker “Physaleus” des Arzneimittelkonzerns Pfeizer sorgte heute an der Wallstreet für einen starken Bullenmarkt. Erste pathologische Gutachten korrigierten die bisher kursierende globale Langszeitmortailitätsrate auf 30 Millionen Opfer. Diese gute Nachricht befeuerte den Death-Bond Markt, der heute ein Plus von 10% verbuchen konnte. Einzelne Papiere, so wie der vornehmlich in Australien (hier hatte “Physaleus” einen Marktanteil von über 50%) investierende Happy-Dying Funds konnte sogar ein sattes Plus von 23% erzielen. Dies gibt dem Death-Bond Markt weiter Hausse-Phantasien, nachdem durch die Entscheidung des deutschen Bundestages, Intensivmedizin aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, in den letzten Wochen schon satte Zuwächse verzeichnet wurden. Unverändert gilt für Death-Bonds: Strong buy!

    So könnte in 6 Jahren eine Schlagzeile des Wall-Street Journals aussehen. Die Finanzbranche hat endlich das Produkt gefunden, auf das der Markt schon lange gewartet hat. “Death Bonds” – man kann nun endlich gegen das Leben wetten. Gedacht ist das ganze z.B. für Lebensversicherer oder Pensionskassen, die sich gegen ein zu langes Leben ihrer Klienten absichern wollen … und das kostet natürlich. Wenn das mal kein ethischer Durchbruch in der Finanzbranche ist.

    Mal abwarten wann “endlich” Finanzprodukte gefunden werden, mit denen man auf das frühzeitige Ableben konkreter Personen wetten kann – das ergäbe ganz neue Perspektiven.

    Jens Berger

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