Orientexperte Steinbach: „Am Ende kann ein Militärschlag stehen“

31. März 2007 von Spiegelfechter - Drucken

In der heutigen Printausgabe der Hannoverschen Neuen Presse warnt Professor Udo Steinbach vom Institut für Nahost-Studien in Hamburg vor einer Eskalation im Iran. Erstaunlich, daß über dieses Interview in den Medien wenig zu erfahren ist. “Lediglich” N24, Der Standard und die Netzeitung berichten in Kurzpassagen, für SPON und Co war der Inhalt wohl nicht solidarisch genug.
In diesem Interview nennt Steinbach seine Sicht über die Motive Teherans für die Gefangennahme der britischen Seeleute:

Es geht nicht um Grenzstreitigkeiten. Der Schatt el Arab ist ein schwieriger Grenzverlauf, eigentlich ist man dort immer auf der falschen Seite. Der Iran hat die Geiseln in bewusster Absicht genommen. Erstens als eine Art Gegenschlag für die Festnahme iranischer Geheimdienstler durch US-Truppen vor einigen Wochen in irakisch-kurdischen Gebieten. Zweitens wollen sie mit Blick auf das iranische Atomprogramm deutlich machen, dass sie auf keinen Fall nachgeben wollen.

Auch Steinbach äußert sich äußerst kritisch über das britische Schmierentheater und macht Blair indirekt dafür verantwortlich, daß es wohl keine einfache und schnelle Lösung geben wird. Auf die Frage nach der voraussichtlichen Gefangennahme der Seeleute:

Ich glaube, lange. Einen Vorgeschmack hatten wir bereits. Zunächst sollte die weibliche Geisel freigelassen werden. Nach den Drohgebärden des britischen Premiers Tony Blair hat man dann Abstand davon genommen. Es wird wohl zur weiteren Eskalation kommen. Gesichtswahrung spielt eine sehr große Rolle für die Iraner.

Für die Zukunft prophezeit Steinbach schlimmes. Wie Brzesinski und Hersh sieht er in der US-Strategie für Nahost den Versuch einer Allianzbildung mit den arabischen Staaten und eine Eskalationskette, die zum Militärschlag gegen Iran führen soll.

Es ist ein Teil jener Eskalation, die am Ende zu einem Militärschlag führen kann. Washington hat seine Politik in den vergangenen zwölf Monaten geändert, man hat die Demokratisierung der Region abgehakt, jetzt steht das Feindbild Iran im Vordergrund. Diesem Feindbild versucht man eine Allianz von gemäßigten arabischen Regierungen und Israel gegenüber zu stellen. Man sucht nach Vorwänden, um auch den Iran zu weiteren Schritten zu provozieren, an deren Ende der Militärschlag steht, von dem seit langem die Rede ist.

Steinbach sieht die Folgen eines solchen Militärschlages sehr kritisch:

Das wäre eine Katastrophe für die Region, für die internationale Politik. Der Iran würde dann alle Karten auch im Irak spielen. Im Moment überschreitet man gewisse rote Linien nicht. Dann aber könnte Teheran einen Aufstand sämtliche Schiitengruppierungen im Irak gegen die USA und Großbritannien inszenieren. Einen solchen Aufstand könnte Amerika militärisch nicht durchstehen.

Jens Berger

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Bomben auf Iran?

31. März 2007 von Spiegelfechter - Drucken

[MEDIA=2]

Ein kleiner Denkanstoss, für all diejenigen, die der Überzeugung sind, es gebe in Iran nur durchgeknallte Mullahs, bärtige Fanatiker und Burkha-Mumien eine kleine Diashow.

Schöne Bilder von Iran gibt es übrigens bei PBase.

Update: Weiter Bilder von Iran, wie sie in den Medien selten vorkommen gibt es bei Dark Rosted Blend und (danke Frank für den Link, ich hatte ihn verbaselt) in diesem Thread in Ebaums World.

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Blairs Schmierenstück

30. März 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Die Briten geben sich sehr sicher und behaupten, daß ihre Seeleute definitiv in irakischen Gewässern gekidnappt wurden. Auf einer PK wurden bunte Karten präsentiert, die dies beweisen sollten. Für die westlichen Medien und die westliche Politik war die Sache damit klar – so klar ist die Situation indes nicht. Selbst wenn die Koordinaten stimmen, so ist dies kein Beweis für die Aussage, es handele sich „definitiv um irakische Gewässer“.

In diesem Kontext äußerte sich auch der kommandierende Offizier der HMS Cornwall Commodore Lambert, bevor er von Blairs Spin-Doctors erwischt wurde:

“There is absolutely no doubt in my mind that they were in Iraqi territorial waters. Equally, the Iranians may well claim that they were in their territorial waters. The extent and definition of territorial waters in this part of the world is very complicated”.(1)

Mit dieser “verwirrenden” Aussage hat der gute Mann sogar recht. Beide Seiten können zweifelsfrei behaupten, der Vorfall hätte in ihren Gewässern stattgefunden – wobei man natürlich anmerken muss, dass die Briten sich Tausende von Seemeilen entfernt von ihren Gewässern befanden.

Es gibt in der betreffenden Seezone nämlich keine Grenzen, die „zweifelsfrei“ anerkannt wären. Und das behaupten nicht „irgendwelche Mullahs“, das sagt ein ehemaliger britischer Karrierediplomat, der früher Chef der Maritime Section des Foreign and Commonwealth Office war und dabei im Embargo Surveillance Centre dafür verantwortlich war, welche Schiffe von der Royal Navy in diesen Gewässern geboarded werden. Ein Kronzeuge, wie man ihn sich besser nicht vorstellen könnte.

Dieser Mann, Craigh Murray, sagt folgendes:

The Iran/Iraq maritime boundary shown on the British government map does not exist. It has been drawn up by the British Government. Only Iraq and Iran can agree their bilateral boundary, and they never have done this in the Gulf, only inside the Shatt because there it is the land border too. This published boundary is a fake with no legal force.

Accepting the British coordinates for the position of both HMS Cornwall and the incident, both were closer to Iranian land than Iraqi land. Go on, print out the map and measure it. Which underlines the point that the British produced border is not a reliable one.

None of which changes the fact that the Iranians, having made their point, should have handed back the captives immediately. I pray they do so before this thing spirals out of control. But by producing a fake map of the Iran/Iraq boundary, notably unfavourable to Iran, we can only harden the Iranian position.

Die Präsentation der Karte ist also nichts als ein Schmierentheater seitens des britischen MOD. Wie weiland bei “Powells Märchenstunde” vor dem UN-Sicherheitsrat, wurden optisch aufgesexte Präsentationen vorgelegt, die suggerieren sollten, „wir“ sind im Recht. Das die Briten nicht im Recht sind, lässt sich sogar aus dem „Stars and Stripes Magazine“ vom 24. Oktober 2006 erfahren, die Pflichtlektüre für den Falken von Welt:

‘Bumping into the Iranians can’t be helped in the northern Persian Gulf, where the lines between Iraqi and Iranian territorial water are blurred, officials said.
“No maritime border has been agreed upon by the two countries,” Lockwood said.’

That is Royal Australian Navy Commodore Peter Lockwood. He is the Commander of the Combined Task Force in the Northern Persian Gulf.

Es handelte sich also um einen Grenzzwischenfall in einem umstrittenen Gebiet. Das macht die Aktion der Iraner keinen Jota besser – man hätte die Briten festnehmen können und unter Verweis auf die ungeklärte Seerechtslage wieder freilassen können. Natürlich spielen auch die Iraner ihr Spiel auf den Köpfen der armen Seeleute. Aber, was für einen Europäer von Bedeutung ist, der in seinen Medien immer wieder vorgekaut bekommt, die Briten seien Opfer und arme Unschuldsengel: Die Briten provozieren ebenso. Die Präsentation mit gefakten Karten und die Ankündigung einer härteren Gangart etc. pp. sind keine deeskalierenden sondern eskalierende Schritte. London muss sich keinesfalls wundern, wenn Teheran sich jetzt vors Schienbein getreten fühlt und seinerseits blockt.

Update: In der heutigen Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung bestätigt Prof. Khan von der Universität der Bundeswehr in München die Aussagen von Craigh Murray:

Die Briten haben bei Ihrer Präsentation, in der sie eindeutig zeigen wollten, wo sich die Soldaten bei der Gefangennahme befanden, im Grunde genommen eine fiktive Linie und keine klare Grenze gezeigt. Letzteres können Sie auch gar nicht. Der Grenzverlauf zwischen Iran und Irak um Bereich des Shatt el-Arab ist nicht eindeutig definierbar.

Auch zum Thema Rechtslage äußert er sich:

Die britische Regierung hat wenig Einflußmöglichkeiten, falls eine Grenzverletzung nachgewiesen werden könnte. Dann wäre iranisches Strafrecht anwendbar; Kriegsrecht hingegen nicht, denn zwischen Iran und Großbritannien besteht kein militärischer Konfikt.

Jens Berger

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Die kreative Grenzkontrolle

29. März 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Warum hat Iran die britischen Seemänner gefangen genommen? Dies ist die Frage, die Blogs und Foren sich momentan stellen. Die Mainstreammedien heucheln zwar auch ein Interesse an dieser Frage vor, sind aber nicht ernsthaft an einer Antwort interessiert. Um auf diese Frage eine Antwort zu erhalten, sollte man sich zunächst einmal die Reaktionen auf die „kreative“ iranische Grenzkontrolle anschauen und vor allem für einen Moment den Eurozentrismus über Bord werfen. Europa spielt nur eine Statistenrolle.

Der verbale Sturm im Wasserglas

Die USA wollen die Spannungen mit Iran nicht weiter eskalieren und halten ein Großmanöver vor dessen Küste ab. Großbritannien generiert sich medienwirksam als Prototyp der unverbindlich höflichen Kolonialherren, der mit britischer „stiff upper lip“ schon mal mit den aufbrausenden Eingeborenen zu sprechen bereit ist, verkündet im gleichen Atemzug aber eine „härtere Gangart“, ruft den UN-Sicherheitsrat ein, was ebenso sinnlos wie unangebracht ist, Russland und China werden sich vom Tony nicht beeindrucken lassen. Die uckermärische Landfrau verkündet schon mal in vorauseilendem Gehorsam die uneingeschränkte Solidarität mit Großbritannien – ja weiß den Frau Merkel nicht mehr, wie das mit der nahezu gleichklingenden Solidaritätsbekundung ihres Vorgängers ausgegangen ist? Sie weiß es wohl und das ist das Problem.

Die rote Linie

Auf der anderen Seite hat (von den westlichen Medien beinahe unbeachtet) sich eine ganze Phalanx von Staaten gebildet, die sich teils lautstark für ein Ende der westlichen Aggressionslinie stark machen.

Am Montag trafen sich Russlands Präsident Putin und der chinesische Staats- und Parteichef Hu in Moskau und hatten einiges zu bereden. Heraus kamen gleich mehrere Absichtserklärungen, die dem Westen gar nicht gefallen werden. Als wichtigste Meldung wäre da die Weigerung Pekings und Moskaus zu nennen, daß im Rahmen der neunen UN-Resolutionen keine Gewalt gegen Teheran ausgeführt werden darf. Über diesen Punkt machte Putin auch gegenüber Bush in einem Telefongespräch keine Abstriche (1).

Moskau lässt auch in anderen Punkten so langsam die diplomatische Zurückhaltung in puncto US-Aggression gegen Iran fallen, so als sei vom Westen eine unsichtbare Grenze überschritten wurden. Eine gemeinsame Linie zwischen USA, EU-3 und Russland scheint immer unwahrscheinlicher zu werden. Wenn Blair die EU jetzt in der „Cornwall-Affäre“ zu einem Wirtschaftsboykott gegen Iran überreden kann, werden sich viele Geschäftsleute in Moskau, Shanghai und Dehli gewiss schon mal die Hände reiben.

Einem iranischen Analysten zu folge, trifft der Streit zwischen Teheran und London zu dem Zeitpunkt, an dem die Manipulation und Einflussnahme des Westens im Nahen Osten einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Iran hat ein klares Signal ausgesendet – Bis hierhin und keinen Schritt weiter!

Dieses Signal kam nicht nur in Iran gut an, es wurde vor allem in der arabischen Welt gut aufgenommen. Das Video mit den entführten Seeleuten wurde interessanterweise auch nur im arabischsprachigen iranischen Auslandsfernsehen ausgestrahlt und nicht im nationalen Fernsehen, das in Farsi sendet. Die arabische Welt ist Empfänger des Signals und sie hat es verstanden.

Auf dem momentan stattfindenden Arabischen Gipfeltreffen in Riad wurden erstmals deutliche Worte gegen die USA gefunden. Der saudische König warnte die “ausländischen Mächte”, endlich damit aufzuhören, sich in die Angelegenheiten der Region einzumischen.

Irans Aussenminister Mottaki wurde noch im letzten Moment zum Gipfel eingeladen – erst nach dem Ausbruch der Krise mit Großbritannien. Libyens Premier Muammar al Gaddafi hatte sich z.B. am Vorabend des Gipfels geweigert an einer „Anti-Iran“ Veranstalltung teilzunehmen, die auf ein Keil zwischen Sunniten und Schiiten hinauslaufen soll (3). Sowohl iranische als auch arabische Zeitungen hatten im Vorfeld über die Versuche von US-Beamten berichtet, die Geheimdienstchefs von Ägypten, den VAR, Jordanien und Saudi-Arabien zu einem „Anti-Iran Netzwerk“ zu bewegen.

Anscheinend hat Teherans Affront gegen London Iran zahlreiche Sympathien in der Region eingebracht. Die Araber auf der Strasse sehen Iran als Fels in der Brandung, der dem „imperalistischen Westen“ widersteht, den Aggressoren die Stirn bietet und nicht, so wie die Führer ihrer Länder, einknickt – Sunnit oder Schiit, diese Unterscheidung scheint anlässlich der Bedrohung von aussen an Bedeutung zu verlieren. Da die arabischen Potentaten alles andere als sicher im Sessel sitzen, müssen sie auf Iran zugehen und sich vom Westen distanzieren – und das tun sie zusehends:

  • Katar verbietet es den USA, den See- und Luftraum für etwaige Angriffe auf Iran zu nutzen (4)
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate schliessen ihren Luftraum für das amerikanische Militär (5)
  • Die Vereinigten Arabischen Emirate widerstehen amerikanischen Drohungen, die Zusammenarbeit mit Iran einzustellen (6)
  • Der saudische König kritisiert die “illegale ausländische Besetzung“ des Irak (7)
  • Der irakische Präsident sagt, die amerikanische Invasion des Iraks sei in eine Okkupation mit schweren Folgen hinüberwachsen(8)

Die Araber sind heute wesentlich weniger bereit mit den USA oder Israel gegen Iran zusammenzuarbeiten, als vor einer Woche – das ist es was Iran erreicht hat. Aus iranischer Perspektive ist das in jedem Fall ein sehr großer Vorteil. Sollte der Krieg gegen Iran bereits entschiedene Sache sein, so wird es dem Westen noch schwerer fallen, wenn sie ohne Unterstützung ihrer sunnitischen Verbündeten gegen Iran vorgehen müssten. Sollte der „Point of no Return“ noch nicht überschritten sein, so besteht dadurch mehr Hoffnung denn je, dass die Strategen im Weißen Haus und in der Downing Street es sich noch einmal anders überlegen. Die nächste diplomatische Offensive gegen die Araber wird bereits in Kürze starten – mal schauen, ob sie ihre Distanz bewahren können. Denn eins ist sicher: Mit einem brennenden Nahen Osten ist ihnen nicht geholfen. Die US-freundlichen Potentaten würden ernsthafte innenpolitische Probleme bekommen.

Zu diesem Thema sei auch noch einmal Seymour Hershs Artikel “Die Neuausrichtung” empfohlen – lang aber sehr informativ.

Update: Wie im Artikel prognostiziert hat sich der UN-Sicherheitsrat dank russischer Vorbehalte gegen eine harte Gangart gegen Iran entschieden. Da musste SPON arg enttäuscht feststellen: “Mit einer ausgesprochen milden Erklärung hat der Uno-Sicherheitsrat auf die Geisel-Krise zwischen Iran und Großbritannien reagiert. Er drückte lediglich “tiefe Besorgnis” aus und lehnte die Forderung nach sofortiger Freilassung ab.”

Jens Berger

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Herr Malzahn

29. März 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Gestern muss ein schlechter Tag für einen gewissen Herrn C. C. Malzahn gewesen sein. Der gute Herr Malzahn ist seit 13 Jahren bei einem Magazin beschäftigt, dass ehemals als „Sturmgeschütz der Demokratie“ bezeichnet wurde. Nicht ohne Malzahns tätige Beihilfe als Politik-Chef ist es in den letzten Jahren allerdings vom „Sturmgeschütz der Demokratie“ zur „Spritzpistole Angela Merkels“ verkommen. Die Tochter des verstorbenen Gründers nennt dieses Magazin „ein nunmehr geschwätziges Blatt unter vielen“ - die Rede ist natürlich vom SPIEGEL. Jenem Blatt, das seit mehreren Jahren im Kampf um Rendite und Auflagenzahlen den Qualitätsjournalismus alter Tage gegen einen Mischung aus Boulevard, Belanglosigkeit, „Frau Dr. Merkel rettet die Welt“, neoliberalen Meinungsbrei und Islamophobie ersetzt hat. Jenem Blatt, für das der Hetzer Henryk M. Broder seinen Broderline-Journalismus verfasst und jenes Blatt, das in seiner aktuellen Ausgabe vor der „Islamisierung Deutschlands“ warnt.

Dabei war der Herr Malzahn doch so glücklich. Ok - die fähigen Leute seiner Redaktion sind zur Süddeutschen abgewandert, die auch prompt zum neuen Leitmedium aufstieg, aber wen interessieren denn schon solche anachronistischen Dinge wie Qualität, wenn man gute Auflagen erzielt, fette Renditen macht und mit seiner Online-Tochter unangefochtener Marktführer ist. Von BILD lernen heißt siegen lernen? Offensichtlich schon, tritt sie doch den Beweis an, dass Auflage und Qualität nichts miteinander zu tun haben, letztere wohl eher hinderlich ist. Aber dem Herrn Malzahn ging es ja nicht nur um so profane Dinge, nein Herr Malzahn ist

ein enttäuschter Ex-Linker, der, wie so viele dieser Kategorie, über die Jahre zu einem strammen Rechtsliberalen mutiert ist, wobei sich das „liberal“ nur auf den Wirtschaftsliberalismus bezieht. Dinge wie Bürgerrechte (so etwas ist doch anachronistischer Firlefanz) wurden gerne echten Journalisten, wie dem Herrn Prantl von der Süddeutschen überlassen. Herr Mahlzahn hält von so etwas nichts und baute lieber an dem Phantom „internationaler Terrorismus“ mit, mit dessen Hilfe man den Überwachungsstaat schon irgendwann hinbekommt. Und wer sich mit „Terrorismus“ „auskennt“, weiß schließlich, dass dieser von Mullahs und Islamisten (das ist alles was islamisch ist) betrieben wird und von den Guten™ bekämpft wird. Die Guten™ sind die USA, Israel und Herr Schäuble. Die Bösen™ sind die Mullahs, also Iran, und alles was irgendwie arabisch oder muslimisch ist.

Herr Malzahn und seine Freunde haben so schön polemisiert, gewarnt, Menetekel an die Wand gemalt und dem deutschen Michel erzählt, wie er zu denken habe. Und das hat geklappt! Der Michel hatte Angst vor seinem Dönerverkäufer und lies der uckermärkischen Jean d´Arc der Terroristenbekämpfung den USA ihre Solidarität, dem bösen Russen ihr Misstrauen und den afghanischen Drogenbaronen ihre Luftunterstützung gewähren.

Und dann dies: „48 Prozent der Deutschen halten die USA für gefährlicher als Iran - nur 31 Prozent glauben das Gegenteil“, so fand eine Umfrage des Forsa-Institutes im Auftrag des STERN heraus. Ja herrgottsakranochamal, spinnt denn der Michel? Hat der uns nicht gelesen? Glaubt der uns etwa nicht? Herr Malzahn war verzweifelt und sehr, sehr traurig.

Da griff er zum Stift und schrieb sich seinen Frust von der Seele. Er nannte seinen Artikel „Böse Amis, arme Mullahs“ – in gleichen Stil hätte er zwar auch „Böse Neocons, arme Perser“ schreiben können, aber das wäre ja pfuibäh antiamerikanisch.

Und er schrieb und schrieb. Er schrieb so Sachen wie:

Die Deutschen haben im Laufe ihrer jüngeren Geschichte schon an vieles
geglaubt. An Kolonien in Afrika und an den Kaiser[]

… und einem Herrn Powell, mit seinen Powerpoint-Folien und einem Herrn Bush, mit seinen Menschrechten, die er nun in Guantanamo verteidigt. Und nun wollen sie dem Herrn Malzahn nicht glauben, dass der Mullah böse und der Uncle Sam gut ist? Das kann dem Herrn Malzahn schon mal den Tag versauen.

Und wenn der Tag schon mal so richtig versaut ist, dann schreibt man auch:

Jahrelang wurde den Deutschen von ihren Außenministern das Märchen vom
“kritischen Dialog” zwischen Europa und Iran erzählt. Es ging etwa so:
Wenn wir nett zu den Ajatollahs sind, ein bisschen mit ihnen knuddeln
und ab und zu mit dem Finger “DuDuDu” machen, dann hören sie auf [] Irgendwie ging der Plan schief, was man in Washington übrigens lange vorher ahnte.

Ja, der Ami war da klüger! Der hat nicht „DuDuDu“ gemacht, der hielt noch viel von „Rumgequatsche“, bei dem fliegen erst die Fäuste und dann die Worte. Drum ist ja auch weltweit so beliebt. *hüstel*.

Und wenn man schon mal so hitzig am schreiben ist, kann man auch mal ein paar vorsätzliche Lügen mit einbauen. Wer sagte doch gleich „Man muß eine Lüge nur oft genug wiederholen, dann wird sie zur Wahrheit?“

Ansonsten wünscht sich der iranische Präsident die Auslöschung Israels.

Da kann der Herr Malzahn wohl die Gedanken des iranischen Präsidenten lesen. Gesagt hat der dies nie und das wird der Herr Malzahn wissen.

Warum sollte Achmadinedschad eigentlich nicht meinen, was er sagt? Aber wir Deutschen
wissen nur, was wir glauben.

Wir Deutschen, lieber Herr Mahlzahn, glauben zu wissen, was sie uns glauben machen wollen. Und sie wollen, dass wir zu wissen glauben, Herr Ahmadinedschad wolle Israel „auslöschen“. Darum verbreiten sie diese Propagandalüge ja auch permanent und ihre Frage kann eigentlich nur heißen „Warum glauben die Deutschen dem Herrn Mahlzahn nicht?“

[Auslöschung Israels] Das dauert noch ein bisschen. Um nicht aus der Übung zu kommen ließ das Regime vor ein paar Tagen 15 britische Soldaten kidnappen. Aber schuld
sind immer die Amis, ist ja klar. Über die wissen wir schon lange Bescheid.

Ein bisschen Antisemitismus ist immer gut, wenn man den Gegner fertig machen will. Da stellt der Herr Malzahn schon mal die Festnahme von britischen Soldaten in eine logische Kette mit der Auslöschung Israels und verbindet dies mit der unausgesprochenen Apagoge, die „Amis“ könnten ja nicht schuld sein.

Das Ergebnis entspricht der deutschen Grundverlogenheit.

Damit meint er übrigens nicht sich sondern das Umfrageergebnis.

Wo der Malzahn schon mal so richtig in Fahrt ist, greift er sogar tief in die antideutsche Argumentationsklamottenkiste:

Besonders schlimm: Die Amerikaner haben 1945 den Krieg gewonnen. [] Den V-Day in Europa werden einige Deutsche den Amerikanern nie verzeihen;

… sagte nicht Golda Meir, die Deutschen werden den Juden nie den Holocaust verzeihen? Oh Malzahn, wie kann man das Meir-Zitat so verwursten? …

[]denn der Nationalsozialismus war ja bloß ein Betriebsunfall, der Ami aber an sich
ist böse. Sieht man ja bei Präsident Bush, der, daran glauben auch manche unserer Leser täglich felsenfest, “schlimmer ist als Hitler”.

Und daher ist jeder Bush-Kritiker ein verkappter Nazi – so will es Malzahn ja wohl suggerieren.

Antiamerikanismus ist prima bigott. Man kann sich abends die neuesten Folgen von “24″ reinziehen und am nächsten Morgen über Guantanamo klagen.

Oh ja Herr Malzahn, genau so bigott wie die alltägliche Islamhetze ihres Blattes. Da kann man abends schon mal von einer „Kapitulation des Westen vor den Islamisten“ hetzen und prima gegen alle Muslime in Deutschland und sonst wo aufstacheln und am nächsten Morgen sich über die alltägliche Xenophobie in der brandenburgischen Pampa aufregen. Wir wissen ja, Hass ist nur böse, wenn er eine Glatze hat und Herr Broder hat noch volles Haupthaar.

Vielleicht sollten die Amerikaner die Deutschen zur Abwechslung beim Wort nehmen. Höchste Zeit für eine neue Runde Re-Education. Die letzte hat nicht gereicht.

Richtig Herr Mahlzahn, der Deutsche ist ein Nazi weil er die Amerikaner nicht mag und muss umerzogen werden. Ihr Blatt gibt sich ja bereits alle Mühe und ihre Forderung kann durchaus als Warnung verstanden werden.

Wer noch der Hoffnung anhing, der SPIEGEL könnte sich seiner alten Tugenden besinnen und wieder ein ernstzunehmendes Organ in der deutschen Presselandschaft sein, muss diese wohl endgültig begraben. Zumindest so lange ein Herr Malzahn für dieses Blatt tätig ist.

Rudolf Augstein wird wohl in seinem Grab rotieren, sein Traum, sein Werk … verkommen.

Und wer sich noch weiter über den Herrn Malzahn aufregen will, dem sei als Aufputschmittel der Artikel Mahlzahn hat Durchfall bei “Rainer sacht” empfohlen.

Update: Die wunderschöne Alternativversion des Spiegelcovers stammt aus MaloXPs Artikel “Wenn Paranoia sich verdinglicht” auf Citronengras.
Jens Berger

Kategorie: Allgemein, Deutschland, Medien | 42 Kommentare

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