BILD “entlarvt” terroristische Sprachtricks
27. April 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Der Terror der RAF ist für die BILD-Redaktion noch sehr nah. So nah, das sie sich permanent gegen eine unaufgeregte Aufarbeitung sperrt. Und da die BILD ja für ihren investigativen Journalismus allseits bekannt ist, lässt sie es heute mal so richtig krachen und “entlarvt” auch die “Sprachtricks” der Terroristen.
BILD stört sich an dem Gespräch, welches bei der ARD zwischen dem ehemaligen RAF-Terroristen Boock und Michael Buback, dem Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwaltes Sigfried Buback, geführt wurde. In diesem Gespräch versuchten beide Parteien Vergangenheitsbewältigung zu betreiben. Boock brach öffentlich mit der alten RAF-Doktrin, über begangene Taten zu schweigen und zeigte sich ernsthaft reumütig: “Es tut mir unendlich leid, was geschehen ist. Allein ich weiß, ich kann es nicht rückgängig machen”. Buback erklärte, ihm ginge es darum, zu erfahren, wie sein Vater gestorben ist und wer die Täter waren. Wenn er von den Ermittlungsbehörden darauf keine Antwort bekäme, „bräche für ihn eine Welt zusammen“.
Das TV-Gespräch war sicher kein Meilenstein in der Aufklärung der RAF-Geschichte, wohl aber ein emotionsgeladener Ansatz, aus der Distanz von 30 Jahren retrospektiv die Verbrechen der RAF aus Täter- und Opfersicht zu beleuchten.
In BILD kommen die “Ex-Terroristenjäger” zu Wort, die momentan unter öffentlichen Beschuss sind, da sie vielleicht Informationen über den Buback-Mord verschwiegen haben, was den Angehörigen Michael Buback in Rage versetzt hat. Aber BILD geriert sich halt nur dann als Anwalt der Opfer, wenn es um ein Auskeilen in Richtung der RAF geht. Was der Staat macht, wird schon richtig sein - es geht ja schließlich um Terroristen. Die Vorwürfe, die im aktuellen SPIEGEL erhoben werden, sind anscheinend so bedeutend, dass die Generalbundesanwaltschaft einen begründeten Anfangsverdacht sieht und das Verfahren wieder aufrollt. Dass Verantwortliche - wie Ex-BKA-Chef Zachert - dies nicht gerne sehen, fallen die Versäumnisse doch auch in ihren Aufgabenbereich, ist verständlich. Weniger verständlich ist es hingegen, dass BILD die Aussagen von Zachert komplett neutral und unkommentiert abdruckt. Zachert poltert in BILD:
„Da werden BKA und Verfassungsschutz verdächtigt, da werden völlig unbewiesene Behauptungen des notorischen Schwindlers Boock skandalisiert, da wird Zwietracht zwischen den Sicherheitsbehörden gesät. Die gleiche Strategie hat die RAF vor 30 Jahren mit großer Raffinesse über die Anwälte betrieben. Ich habe ein beklemmendes Gefühl!“
Spricht man so über Herrn Schily? BKA und Verfassungsschutz werden indes nicht nur von den Terroristen verdächtigt, sondern primär vor allem vom SPIEGEL. Und anscheinend betrifft dies nicht nur die Geheimdienste, sondern auch das Innenministerium - das weiß sogar BILD. Wenn man Zachert folgt, so hiesse dies, dem BKA und den Geheimdiensten einen Persilschein auszustellen und Verdachtsmomente gegen sie als „terroristisch motiviert“ abzutun. Dies kann nicht Sichtweise eines Rechtsstaates sein und ist ein trauriges Zeichen für das rechtsstaatliche Empfinden der BILD-Zeitung.
Richtig albern wird es, wenn die BILD Beweise erbringen will, um “die Sprachtricks der Terroristen zu entlarven”:
Aussage Boock: „Ich war auf dem Weg nach Holland. Nach meiner Ankunft habe ich erfahren, dass – bei uns hiess das eben so – ‚die Aktion‘ gelaufen ist.“
BILDs „brutale Wahrheit“(sic!): Boocks RAF-Kumpane ermordeten bei dieser „Aktion“ mit unfassbarer Brutalität Generalbundesanwalt Siegfried Buback († 57) und seine Begleiter († 30, † 33), feuerten ihnen aus nächster Nähe 15 Kugeln in Kopf und Brust.
Worin der Unterschied der beiden Aussagen ist, weiss wohl nur BILD. Wenn Boock schildert, wie solche Nachrichten in der RAF verbreitet wurden und sogar explizit auf die subjektive Schilderung („bei uns hieß das eben so“) hinweist, so ist dies natürlich kein Sprachtrick, von dem BILD uns Glauben machen will, ihn entlarvt zu haben.
Das gleiche gilt für die zweite glorreiche BILD-Entlarvung:
Aussage Boock: „Fast jede Gruppe hatte schon etwas – wie wir das in unserem Jargon nannten – „ausgecheckt“. Ich kam aus der Frankfurter Gruppe, da ging es in erster Linie um Banker, Bankiers.“
BILD: Was Boock „Gruppe“ nennt, war im Juli 1977 ein kaltblütiges RAF-Killer-Kommando, das den wehrlosen Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto in seinem Zuhause in Oberursel mit einer ganzen Salve Kugeln ermordete. Boock wartete vor der Villa im Ford-Granada-Fluchtwagen.
Inwieweit dies Boocks Aussage widersprechen soll oder inwieweit Boock mit seiner Aussage den Mord an Ponto relativiert, bleibt auch hier das Geheimnis der BILD-Redaktion. So auch im dritten und letzten „BILD-Beweis“ für die „Sprachtricks“:
Boock: „Und Schleyer haben wir als Vorschlag auch eingebracht.“
BILD: „RAF-Terroristen entführten Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer. Erschossen mit 117 Kugeln die vier Begleiter. Boock feuerte 11-mal aus seinem Schnellfeuergewehr. 44 Tage später lag Schleyers Leiche im schmutzigen Kofferraum eines Audi 100 – drei Kugeln im Kopf.“
Dafür hat Boock im Gefängnis gesessen und bereut seine Taten. Wo aber hier ein „Sprachtrick“ vorliegen soll, ist unklar.

BILDs Maschinengewehr der unredlichen Tatsachenverdehung, Franz Josef Wagner, lässt es sich natürlich nicht nehmen nachzutreten. Wagner will nämlich keine GEZ-Gebühren mehr bezahlen, da der NDR den Ex-Terroristen Boock nicht in einem Käfig vorgeführt hat:
„Was ich Ihnen, lieber NDR, übelnehme, ist die Vermorphung des Terroristen zu einem gleichwertigen Talkgast, diese Verbürgerlichung Mörder, Opfer, Chefredakteur – das ist wie Kuchen essen bei Hitler. Das ist wie Armumlegen mit seinem Mörder.“
Mit Hitler-Vergleichen ist der Herr Wagner ja immer schnell bei der Sache, aber eine “Vermorphung zu einem gleichwertigen Talkgast” ist schon starker Tobak. Wie hätte Herr Wagner eine solche Sendung denn gestaltet? Ich glaube, die Antwort auf diese Frage will ich gar nicht wissen, brächte sie die “vierte Gewalt” doch in ein BILD, das einem journalistischen Guantanamo entspräche. Dort weiß man ja auch, wer gut™ und wer böse™ ist, denn dies ist ja laut dem Simpel aus dem Springer-Hochhaus ein sinnstiftendes Merkmal des Journalismus.
Lieber NDR, Ihre Sendung Mittwochabend war so furchtbar, weil sie keinen Unterschied machte zwischen Gut und Böse.
Wagner weiss immer, wer gut™ und wer böse™ ist und er beweist auch wie einfach eine solche manichäische Weltsicht ist. Christian Klar würde er übrigens ein Glas Sekt ins Gesicht schütten, wenn er diesem in „Freiheit“ über den Weg liefe – dies ist sein gutes Recht, wenn er in seiner Kolumne nur nicht wieder so schlampen würde.
Gut, dass BILD seinen Lesern verrät, wo der vermeintliche Mörder von Sigfried Buback heute lebt und das er einen 5-jährigen Sohn hat. Vielleicht belassen es durch Wagner radikalisierte Leser ja nicht beim Sektglas…
Jens Berger
Kategorie: Deutschland, Medien | 32 Kommentare






























































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Die Antwort ist einfach: Weil diese Zahlen von den Berufsparanoikern, die immer neue Sicherheitskataloge erfinden, für ihre Zwecke instrumentalisiert werden können. Das Schauermärchen des islamischen Terrors in Deutschland wird immer wieder mit Zahlen des „Zentralinstituts” an die Wand gemalt. Der schwäbische
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Zum Niedriglohnsektor, der in Deutschland rund 6 Millionen Arbeitskräfte 
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Außenpolitisch ist Iwanow ebenfalls auf der Linie, die Putin auf der Münchner Sicherheitskonferenz angekündigt hat. Er ist ein strikter Gegner des US-Raketenabwehrsystems und betrachtet die Umzingelung Russlands mit äußerster Skepsis. Der Westen wird sich in dieser Hinsicht an ihm genau so die Zähne ausbeißen wie an Putin. Seine Erfahrungen mit den Exilrevolutzern im feinen Londoner Süden hatte Iwanow auch schon. Bereits im Jahr 2000
Von Iwanow könnte ein weitergehendes Engagement Russlands beim Ausbau der















