BILD kämpft für eine schlanke Welt

10. Mai 2007 von Spiegelfechter - Drucken

BILD kämpft bekanntlich für den kleinen Mann auf der Strasse gegen die Unbill des Lebens; dumm nur, dass der kleine Mann auf der Strasse keine Anzeigen bei BILD schaltet, die mit einem gewissen redaktionellen Beiprogramm gefüttert werden müssen.

Da der kleine Mann auf der Strasse laut “seriösen” Studien unglaublich dick ist und BILD ihn, natürlich ganz altruistisch und nicht im Namen der wohlwollenden Anzeigenkunden, gerne auf Diätbücher und Fitnessprodukte hinweist, muss man dem Leser halt irgendwie klar machen; dass er nicht wohlgenährt und sein Filius kein Wonneproppen ist, sondern dass beide fett und somit ‘Volksschädlinge’ sind, die dem dünnen ordentlichen Bürger Versicherungsmehrkosten in Milliardenhöhe aufzwingen, ebenfalls.
So meldet BILD voller Schrecken “WIR SIND ZU FETT!” – was für ein grausiges Schicksal, - waren WIR doch letztes Jahr noch PAPST.

Eine internationale Studie belegt, dass kein europäisches Volk dicker ist als die Deutschen. Im Durchschnitt haben Deutsche mehr Übergewicht als Briten, Tschechen und Zyprioten. Die waren in den vergangenen Jahren Europas Dickste. Im weltweiten Vergleich liegen wir sogar gleichauf mit den Amerikanern.

Gleichauf mit den Amerikanern und dicker als die Briten? Oha, das geht natürlich gar nicht! Dumm nur, dass die Studie, auf die BILD sich bezieht, weder für eine zeitliche Trenderstellung noch für einen nationale Dickenhitliste zu gebrauchen ist. Die Studie bezieht sich nämlich auf nationale Erhebungen, die bis zu 14 Jahre auseinander liegen und methodisch nicht vergleichbar sind. Da für Deutschland bei dieser Befragung nur Personen, die älter als 24 Jahre sind, berücksichtigt wurden, während für andere Länder auch die tendenziell schlankeren 18- bis 24-Jährigen einbezogen wurden, ist der deutsche Spitzenplatz wenig überraschend.

Anders als BILD weiß dies alles aber auch Neville Rigby, der Sprecher der “International Association for the Study of Obesity”, einer Organisation, die sich u.a. durch Sponsorengelder der Pharmakonzerne finanziert und diese fragwürdige Vergleichstudie durchgeführt hat.

Die IASO hatte auch nie die Absicht, ein solches Ranking zu erstellen, sagte Rigby gegenüber Netzeitung.de, auch seien die Zahlen mit größter Vorsicht zu genießen.

Ah ja, mit größter Vorsicht. Warum gibt diese Organisation eigentlich solch fragwürdigen Studien in Auftrag und publiziert die Ergebnisse nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften sondern in der Publikumspresse?

Aber die Medien bräuchten einen Aufhänger, um ein so wichtiges Thema wie Fettleibigkeit anschaulich zu machen, so Rigby.

Ach so – einen Aufhänger für das ach so wichtige Thema! Dann ist ja alles klar. Laut IASO und BILD sind ja auch 75,4 Prozent der deutschen Männer zu dick. Drei Viertel aller Männer sollen zu dick oder wie es in Fachkreisen heißt präadipös und somit krank sein? Dies ist mir noch nie so aufgefallen – sicher gibt es ein paar Dicke, aber drei Viertel? BILD hilft und bietet auf ihren Internetseiten einen von Roche gesponsorten BMI-Rechner, der einem schonungslos ins Gesicht schreit “Auch Du bist zu dick!” - was Roche wohl dagegen im Angebot hat? Dass ich mit meinen 83 Kilo bei 1,78m präadipös bin und somit selbst den zu Dicken zähle, wusste ich bis dato noch gar nicht und halte es - ehrlich gesagt - für lächerlich, weiss jetzt aber zumindest wo die Abermillionen dicken Deutschen herkommen, - ich nahm sie bisher nur noch nicht wahr.

Und was für ein Schädling ich bin, das wusste ich auch noch nicht. Aber BILD beweist es mir:

[Übergewicht] Volkskrankheiten wie Diabetes, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebsarten sind auch darauf zurückzuführen.

An anderer Stelle weiß BILD:

[Übergewicht] Dadurch verursachte Kosten: 70 Milliarden Euro pro Jahr – 30 Prozent aller Gesundheitskosten.

Die bösen Volkskrankheiten auf das Übergewicht per definitionem BILD zu schieben ist ebenso unsinnig wie falsch. Belegen doch groß angelegte Studien z.B., dass Männer mit “leichtem Übergewicht” seltener an diesen Volkskrankheiten leiden als “Normalgewichtige” und zudem eine höhere Lebenserwartung haben. Warum Seehofer und BILD fordern, die gesunde Gruppe der “leicht Übergewichtigen” solle abspecken und sich in die Gruppe der “Normalgewichtigen” begeben, erscheint hier schleierhaft – außer man unterstellt Herrn Seehofer, es ginge ihm nicht um die Volksgesundheit sondern um das sozialverträgliche Frühableben zur Sicherung des Rentensystems.

Gut das BILD Verbraucherschutzminister Seehofer und seine Vorgängerin Künast an ihrer Seite hat, können beide sich doch so wieder ins Gespräch bringen. Die fesche Ulla, hat ihnen allerdings die Butter Margarine vom Brot genommen und ist mit einem Maßnahmenkatalog vorgeprescht, der es in sich hat. So meldet BILD:

“Fit statt fett”-Plan: Ziel: Bis 2020 sollen zunächst 20 Prozent weniger Menschen Übergewicht haben als heute.

Na da machen wir doch mit! Eine Anhebung des pseudowissenschaftlichen und willkürlichen BMI-Grenzwertes für Übergewicht und schwupps, sind die Deutschen wieder schlank! Aber so einfach ist das natürlich nicht - 20 Prozent weniger Dicke sind 20 Prozent weniger Kranke und 20 Prozent weniger potenzielle Kunden für tolle Pharmainnovationen und Diät-Sonderhefte der BILD DER FRAU.

Zum Glück hat Egon Ulla einen Plan - den “Fit statt Fett”-Plan. Alleine für diesen sinnigen Namen hat das BMfG sicher Heerscharen von Kreativen bezahlt. Was dabei herausgekommen ist – nun ja:

- Ernährung soll Pflichtfach wie Mathe in der Schule werden. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt: “Das würde ich sehr begrüßen.”

Woher die qualifizierten Lehrer kommen sollen, die das Pflichtfach Ernährung unterrichten, weiss Frau Schmidt sicher auch. Und was diese Lehrer unterrichten sollen, ist auch klar – so zum Beispiel einfache “Wahrheiten” in Pyaramidenform und ernährungswissenschaftliche Grundsätze wie “Salat ist gesund” und “Schokolade ist böse”.

- Der Fettgehalt von Lebensmitteln soll auf der Packung klar ausgewiesen werden.

Und was soll das bringen? Fett ist nicht gleich Fett und das Fett für Übergewicht verantwortlich ist, ist ebenfalls längst widerlegt. Außerdem kann der Körper bei Fettmangel auch Eiweiße in Fette umwandeln und Fettersatzstoffe, wie Margarine, sind ebenfalls bedenklich.

- Gesündere Verpflegung (z. B. mehr Salat und Obst) in Kindertagesstätten, Schulen, Restaurants, Kantinen, Zügen, Flugzeugen.

Mehr Salat = gesünder. Klar liebe Ernährungsexperten bei BILD; das weiß ja schließlich jeder. Salat ist sehr gesund, er ist ja auch so schön grün … das Salat keinesfalls so gesund ist, wie BILD es gern hätte, sagen indes die Experten. Das diese “gesunde” Ernährung keine messbaren Ergebnisse, sondern höchstens eßgestörte Teenager produziert, ist zwar durch Studien belegt, wird aber von Politik und Medien nicht zur Kenntnis genommen. Das Fast-Food so fürchterlich ungesund ist und monokausal dick macht ist ebenfalls umstritten. Es ist doch auch viel einfacher “böse” Nahrungsmittel in die Verantwortung zu nehmen, anstatt echte Faktoren für Übergewicht bei Kindern wie z.B. Stress zu thematisieren.

- Ein Trimm-dich-Programm soll mehr Spielplätze, mehr Fahrradwege, attraktivere Parks bringen.

Das Bewegung bei Schulkindern nicht zu einer Veränderung des Gewicht führt, ist ebenfalls belegt. Aber da so unbequeme Wahrheiten nicht ins Konzept passen, werden den Machern von solchen Studien schon mal die Gelder gekürzt; weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Abschließend beweist uns BILD noch, dass Fernsehen Kinder dick macht.

Dass die zitierten Forscher dies zweifelsfrei nachgewiesen haben, behauptet indes nur BILD. Eigentlich haben die Forscher nur herausgefunden, dass eine leichte Korrelation zwischen Freizeit, die vor dem Fernsehen verbracht wird, und der Kalorienaufnahme bei Kleinkindern besteht. Ob diese Kalorienaufnahme kausal für Übergewicht verantwortlich ist, lassen die Forscher offen. Zweifel bestehen hierbei, gehen anderen Studien doch von Stress als Hauptverantwortlichen bei der Gewichtszunahme durch TV-Abusus aus.

Aber was interessiert dies BILD? Sucht man mit Mc Donald’s Werbepartnerin Heidi Klum doch eifrig nach dem TOP-Hungerhaken Model, bietet ein “Bist Du ein Topmodel?”-Spiel mit anorexischen Figuren an und wirbt für “100% pralle Milch- und Teeniebrüste”. Kein Wunder, dass bei einer so wahnhaften Medienwelt für 41% der minderjährigen Mädchen der Wunsch nach einer “besseren Figur” ein gewichtiger Grund ist zu rauchen.

Update: Wie Armin berichtet, sind die Model-Bilder gefaked, was die extreme Dünnheit der abgebildeten Models relativiert, aber am Grundproblem des falschen Schönheitsideals nichts ändert - weshalb ich die Bilder im Artikel belasse. Danke an Armin für den Hinweis.

Jens Berger

Bildnachweis: Nemo´s great uncle CC, 3 mal jimmythesuperstar CC.

Kategorie: Deutschland, Medien | 22 Kommentare

Auch das noch! Knut wird SPD-Vorsitzender!

08. Mai 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Aufregung im Willy-Brandt-Haus! Niemand kennt den SPD-Vorsitzenden Kurt Dingens - dies ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage. Erstmals belegte Dingens in dieser Umfrage den letzten Platz. Vor zwei Wochen konnte er immerhin noch Ernst Günther Posipal, den beliebten SPD-Ortsverbandsvorsitzenden aus Oer-Erkenschwick, hinter sich lassen.

Eiligst wurde von den SPD-Granden eine Taskforce aus Spin-Doktoren und professionellen Werbern einberufen um gegenzusteuern; leider erfolglos, hatte man doch schon alles ausprobiert. So konnte Dingens erst jüngst einen riesigen PR-Coup landen, als er einem Arbeitslosen riet, sich doch zu waschen und zu rasieren, dann klappe es auch mit dem Job. Weitere PR-Coups scheiterten allerdings. Ein Auftritt bei Deutschland sucht den Superstar wurde von RTL abgelehnt, da er für die Zielgruppe nicht interessant genug sei und Werbekunden verschrecke, und der SPD-Sessel bei Christiansen ist noch bis 2020 von Sigmar Gabriel abonniert. Andere Polittalkshows lehnen einen Auftritts Dingens wegen seines mangelnden Bekanntheitsgrades ab. ZDF-Politikchef Nikolaus Brender sagte dem SPIEGELFECHTER in einem Interview, „was soll ich denn mit dem … ähm, wie hieß der noch mal? Den kennt doch keine Sau, das ist ein Quotenkiller“.

Im Willy-Brandt-Haus wurde die ganze Nacht diskutiert. Der SPIEGELFECHTER hat bereits heute aus vertraulichen Kreisen erfahren, was erst nächste Woche auf einem Sonderparteitag dem Volk bekanntgegeben werden soll. Man traf sich in illustrer Runde, sogar der SPD-Popbeauftragte und ewige Hoffnungsträger Sigmar Gabriel wurde per Fernschalte hinzugezogen, er konnte wegen zweier eng aufeinander folgender Talkshow-Termine leider nicht persönlich anwesend sein. SPD-Vorsitzender Dingens konnte dagegen an der Krisensitzung bedauerlicherweise nicht teilnehmen, da er seinen Parteiausweis zuhause vergessen hatte und der Pförtner des Willy-Brandt Hauses ihn leider auch nicht kannte. Nach langen Diskussionen kam man überein, dass man ein frisches Gesicht bräuchte um gegen die omnipräsente Regentin bei den nächsten Wahlen auch nur den Hauch einer Chance zu haben. Hubertus Heils Vorschlag, den unverbrauchten Ernst Günther Posipal zu nominieren, der auch ihn in der Bekanntheitsliste überholt hatte, wurde von allen Seiten abgelehnt; Posipal sei aufgrund seiner sauerländischen Herkunft, dem nord- und ostdeutschen Wähler schwer zu vermitteln. Als Sigmar Gabriel zum rettenden Vorschlag ausholte, sich selbst für das Wohl der Partei aufzuopfern, brach leider die Schalte zusammen.

Gegen zwei Uhr äußerte der SPD-Chefpartyhase und –denker Klaus Wowereit den Vorschlag, doch den Erstplatzierten der Forsa-Bekanntheitsrangliste einfach als neuen SPD-Vorsitzenden zu nominieren. Wowereit ist nicht umsonst Chefdenker und sein Plan war auch wohlfeil durchdacht – die Bekanntheitsrangliste wird schließlich vom Eisbären Knut angeführt, der ist Berliner und somit in Wowereits Landesverband. Somit könnte Wowereit als Graue Eminenz hinter Knut die Politik der Bundesrepublik steuern und so auch endlich einen Schuldenerlass für Berlin durchdrücken. Wie nicht anders zu erwarten, wurde dieser Vorschlag einstimmig angenommen, nachdem Wowereit den SPD-Linken versichern konnte, dass Vorsitzender Knut ihnen bei den Themen Mindestlohn und Gestaltung der Damentoiletten im Willy-Brandt-Haus entgegenkommen wird.

Diese Meldung schlug in Insiderkreisen natürlich ein, wie eine Bombe. Das SPD-Marzipanschweinchen und ewige Talent Sigmar Gabriel erfasste auch sogleich den Ernst der Lage, nachdem er am Rande einer Talkshow erfuhr, dass Eisbären in menschlicher Obhut bis zu 45 Jahre alt werden können; denn mit 92 Jahren wäre er zu alt um als Kanzlerkandidat anzutreten. Unbestätigten Meldungen zufolge, will er auf dem nächsten Parteitag mit der Kampagne „Sind wir nicht alle Eisbär, irgendwie?“ gegen seinen Adoptivsohn Knut zu einer Kampfabstimmung antreten. Hinter den Kulissen malt er auch bereits Schreckenszenarien an die Wand, wie die Zukunft der SPD unter dem Vorsitzenden Knut aussehen könnte: Eklat bei Elefantenrunde - Der Wahlsieger und designierte Bundeskanzler Knut frisst Kontrahentin Merkel!

Jens Berger

Linktip: SPAM@SPON: SPD am Ende - Beck noch unbekannter als gestern!

Bildnachweis: Creativity+ bei Flickr (CC), Capture von Kurt-Beck.de, Montagen: Spiegelfechter (CC)

Kategorie: Deutschland, Glosse, Politclowns | 14 Kommentare

Schöne, dünne Welt

06. Mai 2007 von Achel - Drucken

Horst Seehofer, seines Zeichens Verbraucherschutzminister dieses unseres Landes, hat es recht schwer. Nicht nur, dass seine Ambitionen, König von Bayern zu werden, durch seine außereheliche Affäre stark gelitten haben. Es ist ja auch ärgerlich, dass dieser, nun ja, Skandal, in eben diesem Moment ans Licht kam, als er seine Ambitionen sowohl in der CSU als auch vor dem Volke kundtun wollte. Doch das war bestimmt reiner Zufall und nicht von irgendwelchen Becksteins oder Hubers gesteuert.

Aber auch ansonsten hat es der Seehofer nicht leicht, sich zu profilieren. Nirgendwo lauert eine fiese Vogelgrippe, kein Gammelfleisch wurde in letzter Zeit entdeckt, sogar die Gurken bei Aldi sehen nicht schlecht aus. Es gibt also derzeit keine Möglichkeit für den Seehofer, durch sinnlos-hysterischen Aktionismus zu glänzen.

Also schickte er seine chronisch unterbezahlten Handlanger in die Welt hinaus, um ein Thema zu finden, das seiner würdig ist. Der aktuelle Handlanger des Monats traf dann in einer schummrigen Bar die Studie der International Association for the Study of Obesity, die ihm erzählte, dass der Deutsche an sich zu dick sei.

Dagegen muss etwas unternommen werden, teilte kurz darauf der Seehofer der Presse mit und kündigte für den 10. Mai einen „nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung und Bewegungsmangel“ (Reuters) an. So hat der, nun ja, Verbraucherminister noch etwas Zeit, sich zu überlegen, wie denn dieser nationale Aktionsplan überhaupt aussehen soll. Aber ankündigen ist ja schon mal eine gute Sache, nicht, dass irgendeine Pfeife aus einer anderen Partei ihm die Idee wegschnappt.

Renate Künast etwa lauert ebenfalls seit geraumer Zeit darauf, mal wieder in den Medien zu erscheinen. Und damals, als sie noch denselben Posten innehatte, war sie ja auch von der Idee besessen, einen Kampf gegen Karies und Übergewicht zu führen.

Was ja eigentlich nur bedeutet, dass Renate Künast des Anblicks dicker Menschen mit schlechten Zähnen überdrüssig war und ist, und dass sie ein Volk aus gestählten Model-Typen will, die in ihrer ästhetischen Erhabenheit über die Unzulänglichkeiten der Politik hinwegstrahlen können. Ihr damaliger Plan war, dass der uneinsichtige Konsument für seine ungesunden Lebensmittel teuer bezahlen sollte. Und das nicht nur bildlich, sondern im tatsächlichen monetären Sinne. Ja, mit Geld. Die Mehrwertsteuer sollte speziell für staatlich geprüftes und für ungesund erklärtes Essen drastisch erhöht werden. Gesetzt den Fall, Pommes und ähnliches wären unermesslich teuer. Dann könnten sich nämlich nur noch die Besserverdiener den Wanst mit Fettigkeiten vollschlagen. Gut, sie würden über kurz oder lang fiese Krankheiten wie etwa Übergewicht erleiden, aber sie hätten auch das Geld, diese behandeln zu lassen.

Der nicht so gut Verdienende macht dagegen einen weiten Bogen um das dekadente ungesunde Essen. Damit bleibt er gesund, was ein Riesenvorteil ist, da er sich eventuell anfallende Arztkosten eh nicht leisten könnte. Gesundheit als finanzieller Selbsterhaltungstrieb.
Der Plan wurde aber ähnlich wie das 1000-jährige Reich nicht bis zu Ende gedacht und daher auch nicht umgesetzt. Bis auf die Mehrwertsteuer, aber da kann die Künast wohl nichts dafür.

Doch wie mag der nationale Aktionsplan des Seehofer wohl aussehen?

Werfen wir doch einen Blick in die Zukunft. Es werden Lager eingerichtet, sogenannte Abnehm-Camps unter dem Motto „Sport macht glücklich“. Sadistische Fitnesstrainer trietzen fettleibige Deutsche mit seelisch aufbauenden Schrei-Attacken wie „Du fette Sau schaffst keine Klimmzüge?“ Dabei werden die der Dickheit schuldigen Insassen, äh, Teilnehmer des Camps durch eine Folterkammer der Fitnessgeräte gejagt. Am Nachmittag steht Aerobic oder Power-Stepp auf dem Programm. Eigens für diesen Zweck ausgebildete Trainer protzen dabei mit ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit und betonen fortwährend die Wichtigkeit des Konzeptes, das diesem, nun ja, Sport zugrunde liegt.

Wenn die Delinquenten körperlich völlig am Ende sind, gilt es, ihren Geist zu brechen. Ähnlich wie in dem Film „Clockwork Orange“ müssen sie endlose Aneinanderreihungen von Bildern kalorienreicher Süßspeisen anstarren, bis ihr Gehirn soweit gewaschen ist, dass der pure Anblick einer Torte sie schlicht zusammenbrechen lässt, und sie nur noch ein sich auf dem Boden windendes, sabberndes Etwas darstellen.

Doch damit nicht genug, schließlich enthält der nationale Aktionsplan auch das wundervolle Wort „Prävention“. Und darunter muss die Industrie leiden. Produzenten kalorienreicher und fetthaltiger Lebensmittel ereilt ein absolutes Werbeverbot, klappt ja auch bei Zigaretten. Und ebenso wie bei Zigaretten werden die Leckereien mit Todesdrohungen der Marke „Wer dieses Snickers isst wird fett und impotent, kriegt keine Frau ab und wird außerdem einen einsamen, qualvollen Tod sterben“ versehen. Das Wort „Leckereien wird aus dem Duden gestrichen und darf nie wieder gesagt werden.

Zucker hat fortan denselben Status wie Kokain und ist nur auf dem illegalen Weg zu bekommen. Eisdielen fristen ihr Dasein in dunklen Gassen neben Pornokinos und Sado-Maso-Studios. In jeder Küche der Republik sitzt ein Ernährungskontrolleur. Dieser sieht zwar wohlwollend auf das Tomaten-Mozzarella-Brötchen, schreibt aber bei Überwürzung mit Salz und Pfeffer Strafpunkte auf, die die Krankenkassenbeiträge in die Höhe schnellen lassen.

Ernährungsberater, die nachweislich schlechtesten Menschen der Welt, besuchen Schulen und behaupten dreist, ihre berüchtigten Ernährungspyramiden sprechen die Wahrheit. Das leicht zu beeinflussende Jungvolk beginnt dann auch die Eltern zu denunzieren, wenn diese trotz der ganzen Prävention ein paar Kilo zugenommen haben.

Eigentlich soll auch das Bier gänzlich verboten werden. Da aber Seehofer den Plan, zum König von Bayern gewählt zu werden noch nicht völlig aufgegeben hat, hat er sich in letzter Minute umentschieden. Bier gibt es auch weiterhin, allerdings nur an Menschen, die nachweislich zehn Kilo Untergewicht haben. Das ist für die Schankwirte leicht festzustellen, denn im Personalausweis ist neben Pupillen-Scan, Stimmprobe, Fingerabdruck, DNA-Probe und Kaufgewohnheiten auch der Body-Mass-Index enthalten.

Und der Deutsche wird fortan schlank, gesund, irgendwie verhärmt und diffus glücklich, lebt er doch endlich in der schönen, dünnen Welt.

Achel

Bildnachweis(von oben nach unten):www.antje.de, Bildblog.de, ZDF, .S´ auf Flickr (CC), Mayr auf Flickr (CC).

Kategorie: Deutschland, Glosse | 22 Kommentare

SPIEGEL: Frau Dr. Merkel rettet die Welt

02. Mai 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Was ist eigentlich am Montag so weltbewegendes in Washington passiert, dass SPIEGEL-Hauptstadtbürochef und Arschloch Gabor Steingart gleich drei mal staunen muss?

Die EU und die USA haben so weltbewegende Dinge wie die Harmonisierung von Automobil-Crashtests und der Medikamentenzulassung beschlossen – wobei außer Zweifel steht, dass es sich hierbei wohl um eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner handelen dürfte, - die Vertreter der KFZ- und Pharmalobby haben ja schließlich auch Interessen, die wahrgenommen werden wollen. In schaurig-schönem ‘Neusprech’ heißt dergleichen “Abbau von Bürokratie und Handelshemmnissen”. Substanzielle Ergebnisse wurden auf diesem Gipfel jedenfalls keine erzielt, und im Vorfeld wurden bereits sämtliche strittige Themen aus dem Gipfelkatalog gestrichen, – so wurden weder Außenpolitik, noch Menschenrechte im “Kampf gegen den Terror”, oder auch der Klimaschutz thematisiert. Mehr als laue und unverbindliche Absichtserklärungen waren folglich auch nicht zu vernehmen.

Der neoliberale SPIEGEL-Trommler Gabor Steingart ist allerdings seit langem ein Fan seiner Frau Doktor Merkel, die er erfolgreich mit an die Macht geschrieben hat. Und der Herr Steingart hat ein Buch geschrieben, das zu Recht wie Blei in den Regalen der Händler verrottet – bei Amazon ist dieses simple Machwerk des SPIEGEL-Simpels nur noch auf Platz 4.424 in der Verkaufsrangliste verzeichnet. Da kann man es Herrn Steingart ja wohl kaum verübeln, wenn er mal wieder die Werbetrommel rührt. Vielleicht reicht es ja, um mal wieder in eine große Talkshow eingeladen zu werden? Immer nur Ecki von Klaeden als Merkel-Jubelboy vom Dienst ist schließlich auch langweilig. Zu diesem Zwecke phantasiert Herr Steingart schon mal gerne Inhalte seiner schonungslosen und realistischen (zwei Lieblingsworte der INSM-Mediengroupies) Gefahrenanalyse - so der Klappentext - in die reale Politik und überträgt seine autosuggestiven feuchten Träume auf das uckermärkische Pfarrerstöchterlein:

Merkel verzichtet auf klebrige Verbrüderungsgesten, die immer auch Unterwerfung bedeuteten. Amerika ist für sie ein Verwandter ersten Grades und nicht der Erziehungsberechtigte von jenseits des Atlantik.

Und ein Verwandter ersten Grades ist natürlich nicht immer ein Erziehungsberechtigter. Ob Bush Angies Pappa, Sohnemann oder Brüderchen ist, will uns Steingart aber nicht erzählen:

Vor allem aber sieht sie in der westlichen Großmacht den geeigneten Partner, um Herausforderungen und Zumutungen der Globalisierung begegnen zu können. So probiert sie derzeit etwas, was in dieser Kühnheit zuletzt Willy Brandt probiert hatte. Der SPD-Kanzler entwarf die Entspannungspolitik gegenüber dem Ostblock, die auf dem Prinzip “Wandel durch Handel” beruhte.

Die Ratte Blair verlässt das sinkende Schiff und die Ratte Merkel springt auf, - die Chuzpe besitzen zu wollen, dies mit Brandts visionärer Ostpolitik zu vergleichen, kann eigentlich nur als grotesk bezeichnet werden. Wird unser aller Merkel bald den Kniefall am Ground Zero machen?

[Ostpolitik] Die heutige Kanzlerin versucht auf anderem Feld etwas Ähnliches, wobei Vergleichen nicht Gleichsetzen bedeutet. Wir überblicken heute nicht das ganze Stück, nur die Eröffnungsszene. Nach dem ersten Passierscheinabkommen mit der DDR war auch Brandts Entspannungspolitik noch nicht voll entfaltet.

Richtig, Herr Steingart! “Vergleichen” bedeutet nicht “Gleichsetzen” - ansonsten könnte Ihr Vergleich des BRD-DDR-Passierscheinabkommens mit dem EU-USA-Luftverkehrsabkommen falsch interpretiert werden. Die USA als DDR des 21. Jahrhunderts? Das lassen sie mal nicht den Kollegen Malzahn hören.

Es gelang Merkel, einen zunächst widerstrebenden George W. Bush, der von Hause aus das Prinzip “Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt” verficht, sich zum Gefolgsmann zu machen.

Dass dem Merkel dies gelang, glaubt indes nur Herr Steingart, - der EU/USA Gipfel war wohl eher ein Treppenwitz der deutschen EU-Ratspräsidentschaft:

In großer Schnörkellosigkeit rechnete Merkel den in Washington versammelten US-Unternehmern vor, wie sich die relative Wirtschaftskraft von Amerikanern und Europäern ständig verkleinert, weil die von Asiaten und Lateinamerikanern mit doppelter und dreifacher Geschwindigkeit wächst.

Was bei den versammelten US-Unternehmern sicher für eine gewisse Heiterkeit gesorgt haben mag, verdienen sie mit den Wachtumsraten in Asien und Lateinamerika doch prächtig.

Auch die Bevölkerung der alten Industrienationen schrumpft. Europa stellte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts noch ein Viertel der Weltpopulation. Heute sind es - mit Amerika zusammen - nur noch zwölf Prozent.

Und darum müssen Arzneimittelpatente auch weiterhin global gelten - nicht auszudenken, wenn vom Fortschritt der Medizin andere als die USA und Europa profitieren würden.

Da SPIEGEL, Springer, Ecki von Klaeden und Captain America genau wissen, wie man sich vor der gelb-roten Gefahr von außen und der Sozialen Marktwirtschaft von innen schützt, schreibt der spenglernde Wirtschaftsbellizist Steingart eine gemeinsame “coalition of the white race” herbei, bei der das Dreamteam USA/EU gegen die Unbill der Globalisierung ankämpft.

Das Erstaunen über Angela Merkel fällt umso größer aus, als sie nicht nur unfallfrei über die roten Teppiche stapft, sondern in der bisherigen Kürze ihrer Kanzlerschaft das Land wieder dorthin geführt hat, wo es hingehört - an die Seite Amerikas.

Glory, glory, hallelujah, - das Merkel kann nicht nur einen Fuß vor den anderen setzen, ohne dabei zu stolpern, was Steingart unverständlicherweise erstaunt, sondern hat auch erkannt, daß Deutschland “entschrödert” werden muss. Steingart hat seinen Malzahn verinnerlicht.

Zum neuen Dreamteam gehört natürlich nicht der böse Russe, da der nicht den gemeinsamen Traum eines neoliberalen Paradieses teilt und Steingarts Intimfeind Gerhard Schröder, dieser vaterlandslose Geselle, der mit diesem Russen ins Bett geht, schon mal gar nicht.

[Schröder] verschenkte seine “Freundschaft” großzügig auch an Potentaten.

“An Potentaten”? Ist dies die SPIEGEL-Pejoration für einen Staatsmann? Gut, dass Frau Dr. Merkel mit ihren ‘Freundschaftsbekundungen’ wesentlich vorsichtiger ist und den GRÖPAZ Bush - frei nach Helmut Kohl - als echten Freund sieht: “Ich weiß nicht, was der amerikanische Präsident denkt, aber ich denke dasselbe”.

[Schröder] Er prügelte auf den US-Präsidenten ein, weil er sich davon eine reiche Wahlkampfernte versprach. Er blieb Zeit seiner Kanzlerschaft ein brillanter Kampagnero und ein lausiger Außenpolitiker. Seine Währung war der Augenblicksvorteil, weshalb der Wechsel vom deutschen in den russischen Staatsdienst eigentlich niemanden verwundern dürfte.

Steingarts Wahrheiten … ich mach mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt. Dass Schröder einer der wenigen Staatsmänner war, die nicht auf Bushs und Blairs Lügengerüst hereinfielen und sich nicht am völkerrechtswidrigen Irak-Krieg beteiligte, war natürlich nur ein Wahlkampftrick, der dem Vorteil des Augenblicks geschuldet war. Auch die langfristige Sicherung der deutschen Energieversorgung war nur eine Kampagne, die er sich im Winter ausgetüftelt hat um frierende Wähler zu überrumpeln. Seine Pläne für ein Kerneuropa mit Frankreich an der Seite waren nur brillante Werbetricks, um die frankophilen Saarländer bei Landtagswahlen zu ködern. Dumm, dass Steingart Schröders eigentliche außenpolitische Sünden, wie Kosovo oder Afghanistan, nicht ansprechen darf, da diese ja ganz nach seiner Linie der transantlantischen Nibelungentreue geschuldet sind.

[Merkel] Die Russen wurden dabei nicht verprellt, wohl aber zurückgestuft. Ihre Führer sind Partner, aber keine Freunde. Merkel spürt, dass die alte Sowjetunion nicht so tot ist, wie es Schröder bei der Amtsübergabe behauptet hatte. Das Autoritäre blieb, auch deshalb, weil es tiefer wurzelt als der Kommunismus. Ihre Werte sind nicht die unseren.

Dieser Russe … autoritär bis ins Mark, da stufen wir ihn halt mal zurück auf den Rang eines “Partners”. Und wenn Steingarts Heroine keine Gelegenheit auslässt, Putin unter dem Jubel des Pressemobs ans Bein zu pinkeln, so nennt man dies im SPIEGEL-Springer Jubelkanon “langfristig orientierte Außenpolitik”, denn Bush kann sich mit seinen Trägergruppen, unter Missachtung sämtlicher internationaler Abkommen, nämlich auch das nehmen, was Putin bereit ist, uns in bilateralem, friedlichen Handel zu liefern, und - bei fortgesetzter “Bockigkeit” des glorreichen Westens - auch gerne an Steingarts Erzfeind im “Weltkrieg um Wohlstand” China verkaufen wird. Steingarts Devise “Wandel durch Handel” gilt nur für unsere “Freunde” jenseits des Atlantiks und nicht für unsere “Partner” jenseits des Bugs.

Vasallentreue - das war einmal und kommt nie wieder.

Von der Vasallen- zur Nibelungentreue … Steingart mir graut vor Dir.

Steingarts irreales Weltbild gerät allerdings aus den Fugen, wenn er schweißgebadet aufwacht und die Grenzen seines feuchten “Frau Dr. Merkel rettet die Welt”-Traumes beschreibt: Die ganze Welt? Nein, ein von unbeugsamen Großkoalitionären bewohntes brandenburgisches Dorf leistet unerbittlichenWiderstand.

Ein drittes Erstaunen kommt hinzu, das nicht verschwiegen werden darf. Es verblüfft und verstört, dass von allem, was die Außenpolitikerin Merkel auszeichnet, in der Innenpolitik weit und breit nichts zu sehen ist. Dort führt sie, hier lässt sie sich treiben. In der Ferne sehen wir ein emsiges Beginnen, daheim wird zugewartet. In Moskau, Brüssel und Washington erlebt das Publikum eine energiegeladene Kanzlerin, Merkel, die Mutige. In Berlin stoßen wir auf eine seltsam versteinerte Frau gleichen Namens.

Gut, dass Steingart und seine Konsorten von der Arschlochfraktion noch einiges zu erzählen haben. Wenn sein “Weltkrieg um Wohlstand” diesen in die Taschen der Umverteilungsgewinnler gelenkt hat, wird Steingart sicher den letzten Sozialromantikern, Gutmenschen und Fortschrittsbremsern seinen Weltkrieg erklären.

p.s.:

Helmut Kohl titulierte jene SPIEGEL-Leute, die ihm den Spitznamen “Birne” verpasst hatten, in kleiner Runde als “Mistkäfer”.

Nein, Herr Steingart - auch wenn Martin Sonneborn seit neustem die SPON-SPAM Redaktion leitet, so war es dennoch ein Titanic-Matrose, der Kohl den Spitznamen “Birne” verpasst hatte, nämlich - Hans Traxler!
Jens Berger

Kategorie: Ausland, Deutschland, Medien | 29 Kommentare

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