BILD kämpft für eine schlanke Welt
10. Mai 2007 von Spiegelfechter - Drucken
BILD kämpft bekanntlich für den kleinen Mann auf der Strasse gegen die Unbill des Lebens; dumm nur, dass der kleine Mann auf der Strasse keine Anzeigen bei BILD schaltet, die mit einem gewissen redaktionellen Beiprogramm gefüttert werden müssen.
Da der kleine Mann auf der Strasse laut “seriösen” Studien unglaublich dick ist und BILD ihn, natürlich ganz altruistisch und nicht im Namen der wohlwollenden Anzeigenkunden, gerne auf Diätbücher und Fitnessprodukte hinweist, muss man dem Leser halt irgendwie klar machen; dass er nicht wohlgenährt und sein Filius kein Wonneproppen ist, sondern dass beide fett und somit ‘Volksschädlinge’ sind, die dem dünnen ordentlichen Bürger Versicherungsmehrkosten in Milliardenhöhe aufzwingen, ebenfalls.
So meldet BILD voller Schrecken “WIR SIND ZU FETT!” – was für ein grausiges Schicksal, - waren WIR doch letztes Jahr noch PAPST.
Eine internationale Studie belegt, dass kein europäisches Volk dicker ist als die Deutschen. Im Durchschnitt haben Deutsche mehr Übergewicht als Briten, Tschechen und Zyprioten. Die waren in den vergangenen Jahren Europas Dickste. Im weltweiten Vergleich liegen wir sogar gleichauf mit den Amerikanern.
Gleichauf mit den Amerikanern und dicker als die Briten? Oha, das geht natürlich gar nicht! Dumm nur, dass die Studie, auf die BILD sich bezieht, weder für eine zeitliche Trenderstellung noch für einen nationale Dickenhitliste zu gebrauchen ist. Die Studie bezieht sich nämlich auf nationale Erhebungen, die bis zu 14 Jahre auseinander liegen und methodisch nicht vergleichbar sind. Da für Deutschland bei dieser Befragung nur Personen, die älter als 24 Jahre sind, berücksichtigt wurden, während für andere Länder auch die tendenziell schlankeren 18- bis 24-Jährigen einbezogen wurden, ist der deutsche Spitzenplatz wenig überraschend.
Anders als BILD weiß dies alles aber auch Neville Rigby, der Sprecher der “International Association for the Study of Obesity”, einer Organisation, die sich u.a. durch Sponsorengelder der Pharmakonzerne finanziert und diese fragwürdige Vergleichstudie durchgeführt hat.
Die IASO hatte auch nie die Absicht, ein solches Ranking zu erstellen, sagte Rigby gegenüber Netzeitung.de, auch seien die Zahlen mit größter Vorsicht zu genießen.
Ah ja, mit größter Vorsicht. Warum gibt diese Organisation eigentlich solch fragwürdigen Studien in Auftrag und publiziert die Ergebnisse nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften sondern in der Publikumspresse?
Aber die Medien bräuchten einen Aufhänger, um ein so wichtiges Thema wie Fettleibigkeit anschaulich zu machen, so Rigby.
Ach so – einen Aufhänger für das ach so wichtige Thema! Dann ist ja alles klar. Laut IASO und BILD sind ja auch 75,4 Prozent der deutschen Männer zu dick. Drei Viertel aller Männer sollen zu dick oder wie es in Fachkreisen heißt präadipös und somit krank sein? Dies ist mir noch nie so aufgefallen – sicher gibt es ein paar Dicke, aber drei Viertel? BILD hilft und bietet auf ihren Internetseiten einen von Roche gesponsorten BMI-Rechner, der einem schonungslos ins Gesicht schreit “Auch Du bist zu dick!” - was Roche wohl dagegen im Angebot hat? Dass ich mit meinen 83 Kilo bei 1,78m präadipös bin und somit selbst den zu Dicken zähle, wusste ich bis dato noch gar nicht und halte es - ehrlich gesagt - für lächerlich, weiss jetzt aber zumindest wo die Abermillionen dicken Deutschen herkommen, - ich nahm sie bisher nur noch nicht wahr.
Und was für ein Schädling ich bin, das wusste ich auch noch nicht. Aber BILD beweist es mir:
[Übergewicht] Volkskrankheiten wie Diabetes, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebsarten sind auch darauf zurückzuführen.
An anderer Stelle weiß BILD:
[Übergewicht] Dadurch verursachte Kosten: 70 Milliarden Euro pro Jahr – 30 Prozent aller Gesundheitskosten.
Die bösen Volkskrankheiten auf das Übergewicht per definitionem BILD zu schieben ist ebenso unsinnig wie falsch. Belegen doch groß angelegte Studien z.B., dass Männer mit “leichtem Übergewicht” seltener an diesen Volkskrankheiten leiden als “Normalgewichtige” und zudem eine höhere Lebenserwartung haben. Warum Seehofer und BILD fordern, die gesunde Gruppe der “leicht Übergewichtigen” solle abspecken und sich in die Gruppe der “Normalgewichtigen” begeben, erscheint hier schleierhaft – außer man unterstellt Herrn Seehofer, es ginge ihm nicht um die Volksgesundheit sondern um das sozialverträgliche Frühableben zur Sicherung des Rentensystems.

Gut das BILD Verbraucherschutzminister Seehofer und seine Vorgängerin Künast an ihrer Seite hat, können beide sich doch so wieder ins Gespräch bringen. Die fesche Ulla, hat ihnen allerdings die Butter Margarine vom Brot genommen und ist mit einem Maßnahmenkatalog vorgeprescht, der es in sich hat. So meldet BILD:
“Fit statt fett”-Plan: Ziel: Bis 2020 sollen zunächst 20 Prozent weniger Menschen Übergewicht haben als heute.
Na da machen wir doch mit! Eine Anhebung des pseudowissenschaftlichen und willkürlichen BMI-Grenzwertes für Übergewicht und schwupps, sind die Deutschen wieder schlank! Aber so einfach ist das natürlich nicht - 20 Prozent weniger Dicke sind 20 Prozent weniger Kranke und 20 Prozent weniger potenzielle Kunden für tolle Pharmainnovationen und Diät-Sonderhefte der BILD DER FRAU.
Zum Glück hat Egon Ulla einen Plan - den “Fit statt Fett”-Plan. Alleine für diesen sinnigen Namen hat das BMfG sicher Heerscharen von Kreativen bezahlt. Was dabei herausgekommen ist – nun ja:
- Ernährung soll Pflichtfach wie Mathe in der Schule werden. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt: “Das würde ich sehr begrüßen.”
Woher die qualifizierten Lehrer kommen sollen, die das Pflichtfach Ernährung unterrichten, weiss Frau Schmidt sicher auch. Und was diese Lehrer unterrichten sollen, ist auch klar – so zum Beispiel einfache “Wahrheiten” in Pyaramidenform und ernährungswissenschaftliche Grundsätze wie “Salat ist gesund” und “Schokolade ist böse”.
- Der Fettgehalt von Lebensmitteln soll auf der Packung klar ausgewiesen werden.
Und was soll das bringen? Fett ist nicht gleich Fett und das Fett für Übergewicht verantwortlich ist, ist ebenfalls längst widerlegt. Außerdem kann der Körper bei Fettmangel auch Eiweiße in Fette umwandeln und Fettersatzstoffe, wie Margarine, sind ebenfalls bedenklich.
- Gesündere Verpflegung (z. B. mehr Salat und Obst) in Kindertagesstätten, Schulen, Restaurants, Kantinen, Zügen, Flugzeugen.
Mehr Salat = gesünder. Klar liebe Ernährungsexperten bei BILD; das weiß ja schließlich jeder. Salat ist sehr gesund, er ist ja auch so schön grün … das Salat keinesfalls so gesund ist, wie BILD es gern hätte, sagen indes die Experten. Das diese “gesunde” Ernährung keine messbaren Ergebnisse, sondern höchstens eßgestörte Teenager produziert, ist zwar durch Studien belegt, wird aber von Politik und Medien nicht zur Kenntnis genommen. Das Fast-Food so fürchterlich ungesund ist und monokausal dick macht ist ebenfalls umstritten. Es ist doch auch viel einfacher “böse” Nahrungsmittel in die Verantwortung zu nehmen, anstatt echte Faktoren für Übergewicht bei Kindern wie z.B. Stress zu thematisieren.
- Ein Trimm-dich-Programm soll mehr Spielplätze, mehr Fahrradwege, attraktivere Parks bringen.
Das Bewegung bei Schulkindern nicht zu einer Veränderung des Gewicht führt, ist ebenfalls belegt. Aber da so unbequeme Wahrheiten nicht ins Konzept passen, werden den Machern von solchen Studien schon mal die Gelder gekürzt; weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Abschließend beweist uns BILD noch, dass Fernsehen Kinder dick macht.
Dass die zitierten Forscher dies zweifelsfrei nachgewiesen haben, behauptet indes nur BILD. Eigentlich haben die Forscher nur herausgefunden, dass eine leichte Korrelation zwischen Freizeit, die vor dem Fernsehen verbracht wird, und der Kalorienaufnahme bei Kleinkindern besteht. Ob diese Kalorienaufnahme kausal für Übergewicht verantwortlich ist, lassen die Forscher offen. Zweifel bestehen hierbei, gehen anderen Studien doch von Stress als Hauptverantwortlichen bei der Gewichtszunahme durch TV-Abusus aus.

Aber was interessiert dies BILD? Sucht man mit Mc Donald’s Werbepartnerin Heidi Klum doch eifrig nach dem TOP-Hungerhaken Model, bietet ein “Bist Du ein Topmodel?”-Spiel mit anorexischen Figuren an und wirbt für “100% pralle Milch- und Teeniebrüste”. Kein Wunder, dass bei einer so wahnhaften Medienwelt für 41% der minderjährigen Mädchen der Wunsch nach einer “besseren Figur” ein gewichtiger Grund ist zu rauchen.
Update: Wie Armin berichtet, sind die Model-Bilder gefaked, was die extreme Dünnheit der abgebildeten Models relativiert, aber am Grundproblem des falschen Schönheitsideals nichts ändert - weshalb ich die Bilder im Artikel belasse. Danke an Armin für den Hinweis.
Jens Berger
Bildnachweis: Nemo´s great uncle CC, 3 mal jimmythesuperstar CC.
Kategorie: Deutschland, Medien | 22 Kommentare
































































Eiligst wurde von den SPD-Granden eine Taskforce aus Spin-Doktoren und professionellen Werbern einberufen um gegenzusteuern; leider erfolglos, hatte man doch schon alles ausprobiert. So konnte Dingens erst jüngst einen riesigen PR-Coup landen, als er einem Arbeitslosen riet, sich doch zu waschen und zu rasieren, dann klappe es auch mit dem Job. Weitere PR-Coups scheiterten allerdings. Ein Auftritt bei Deutschland sucht den Superstar wurde von RTL abgelehnt, da er für die Zielgruppe nicht interessant genug sei und Werbekunden verschrecke, und der SPD-Sessel bei Christiansen ist noch bis 2020 von Sigmar Gabriel abonniert. Andere Polittalkshows lehnen einen Auftritts Dingens wegen seines mangelnden Bekanntheitsgrades ab. ZDF-Politikchef Nikolaus Brender sagte dem SPIEGELFECHTER in einem Interview, „was soll ich denn mit dem … ähm, wie hieß der noch mal? Den kennt doch keine Sau, das ist ein Quotenkiller“.


Horst Seehofer, seines Zeichens Verbraucherschutzminister dieses unseres Landes, hat es recht schwer. Nicht nur, dass seine Ambitionen, König von Bayern zu werden, durch seine außereheliche Affäre stark gelitten haben. Es ist ja auch ärgerlich, dass dieser, nun ja, Skandal, in eben diesem Moment ans Licht kam, als er seine Ambitionen sowohl in der CSU als auch vor dem Volke kundtun wollte. Doch das war bestimmt reiner Zufall und nicht von irgendwelchen Becksteins oder Hubers gesteuert.
Dagegen muss etwas unternommen werden, teilte kurz darauf der Seehofer der Presse mit und kündigte für den 10. Mai einen „nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung und Bewegungsmangel“ (Reuters) an. So hat der, nun ja, Verbraucherminister noch etwas Zeit, sich zu überlegen, wie denn dieser nationale Aktionsplan überhaupt aussehen soll. Aber ankündigen ist ja schon mal eine gute Sache, nicht, dass irgendeine Pfeife aus einer anderen Partei ihm die Idee wegschnappt.
Der nicht so gut Verdienende macht dagegen einen weiten Bogen um das dekadente ungesunde Essen. Damit bleibt er gesund, was ein Riesenvorteil ist, da er sich eventuell anfallende Arztkosten eh nicht leisten könnte. Gesundheit als finanzieller Selbsterhaltungstrieb.
Werfen wir doch einen Blick in die Zukunft. Es werden Lager eingerichtet, sogenannte Abnehm-Camps unter dem Motto „Sport macht glücklich“. Sadistische Fitnesstrainer trietzen fettleibige Deutsche mit seelisch aufbauenden Schrei-Attacken wie „Du fette Sau schaffst keine Klimmzüge?“ Dabei werden die der Dickheit schuldigen Insassen, äh, Teilnehmer des Camps durch eine Folterkammer der Fitnessgeräte gejagt. Am Nachmittag steht Aerobic oder Power-Stepp auf dem Programm. Eigens für diesen Zweck ausgebildete Trainer protzen dabei mit ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit und betonen fortwährend die Wichtigkeit des Konzeptes, das diesem, nun ja, Sport zugrunde liegt.
Zucker hat fortan denselben Status wie Kokain und ist nur auf dem illegalen Weg zu bekommen. Eisdielen fristen ihr Dasein in dunklen Gassen neben Pornokinos und Sado-Maso-Studios. In jeder Küche der Republik sitzt ein Ernährungskontrolleur. Dieser sieht zwar wohlwollend auf das Tomaten-Mozzarella-Brötchen, schreibt aber bei Überwürzung mit Salz und Pfeffer Strafpunkte auf, die die Krankenkassenbeiträge in die Höhe schnellen lassen.
Die EU und die USA haben so weltbewegende Dinge wie die Harmonisierung von Automobil-Crashtests und der Medikamentenzulassung
Der neoliberale SPIEGEL-Trommler Gabor Steingart ist allerdings seit langem ein Fan seiner Frau Doktor Merkel, die er erfolgreich mit an die Macht geschrieben hat. Und der Herr Steingart hat ein Buch geschrieben, das zu Recht wie Blei in den Regalen der Händler verrottet – bei
Und ein Verwandter ersten Grades ist natürlich nicht immer ein Erziehungsberechtigter. Ob Bush Angies Pappa, Sohnemann oder Brüderchen ist, will uns Steingart aber nicht erzählen:
Die Ratte Blair verlässt das sinkende Schiff und die Ratte Merkel springt auf, - die Chuzpe besitzen zu wollen, dies mit Brandts visionärer Ostpolitik zu vergleichen, kann eigentlich nur als grotesk bezeichnet werden. Wird unser aller Merkel bald den Kniefall am Ground Zero machen?
Da SPIEGEL, Springer, Ecki von Klaeden und Captain America genau wissen, wie man sich vor der gelb-roten Gefahr von außen und der Sozialen Marktwirtschaft von innen schützt, schreibt der spenglernde Wirtschaftsbellizist Steingart eine gemeinsame “coalition of the white race” herbei, bei der das Dreamteam USA/EU gegen die Unbill der Globalisierung ankämpft.
Dieser Russe … autoritär bis ins Mark, da stufen wir ihn halt mal zurück auf den Rang eines “Partners”. Und wenn Steingarts Heroine keine Gelegenheit auslässt, Putin unter dem Jubel des Pressemobs ans Bein zu pinkeln, so nennt man dies im SPIEGEL-Springer Jubelkanon “langfristig orientierte Außenpolitik”, denn Bush kann sich mit seinen Trägergruppen, unter Missachtung sämtlicher internationaler Abkommen, nämlich auch das nehmen, was Putin bereit ist, uns in bilateralem, friedlichen Handel zu liefern, und - bei fortgesetzter “Bockigkeit” des glorreichen Westens - auch gerne an Steingarts Erzfeind im “Weltkrieg um Wohlstand” China verkaufen wird. Steingarts Devise “Wandel durch Handel” gilt nur für unsere “Freunde” jenseits des Atlantiks und nicht für unsere “Partner” jenseits des Bugs.
Von der Vasallen- zur Nibelungentreue … Steingart mir graut vor Dir.















