Ich bin ein lustiger Astronaut und ich singe ein Lied

30. Juli 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Muss die Geschichte neu geschrieben werden? Den SPIEGELFECHTER erreichten gestern Gerüchte, dass die A-Probe einer alten Blutkonserve von Lance Neil Armstrong positiv auf eine unerlaubte Substanz getestet wurde. Die Öffnung der B-Probe steht noch aus. Den Gerüchten zufolge, soll es sich bei der unerlaubten Substanz um Ethanol, auch bekannt als Alkohol, gehandelt haben. Wenn sich diese Gerüchte bewahrheiten sollten, müsste die NASA Armstrong aus der Siegerliste des „Race to the moon“ streichen und Buzz Aldrin würde als erster Mensch auf dem Mond in die Geschichte eingehen. Auch Aldrin steht allerdings unter dringendem Verdacht, gedopt zu haben. So ist auch sein Name auf der Liste des berüchtigten texanischen Schankwirts Jim Beam zu finden. Beide Astronauten sind erst zu einer Stellungnahme bereit, wenn sie nüchtern sind. ARD und ZDF haben derweil verkündet, dass sie so lange keine Raumstarts mehr übertragen werden, bis das Alkoholproblem gelöst ist.

 

Das Problem „Alkohol in der Raumfahrt“ ist zwar durch neue Meldungen aktueller denn je, allerdings waren Alkohol und Raumfahrt auch früher bereits ein unzertrennliches Paar. Die ersten Raketen, die in den USA gebaut wurden, nutzten noch ein Gemisch aus 75% Ethanol und 25% Wasser als Treibstoff. Für die bemannte Raumfahrt konnten diese Raketen nicht eingesetzt werden, da die Außenhülle in mehreren Fällen von Astronauten auf der Suche nach einem guten Drink aufgebohrt wurde.

Einen riesigen Imageschaden (genannt Sputnik-Schock) musste die NASA einstecken, als alle Astronauten des Mercury-Programms nach einem Umtrunk nicht mehr in der Lage waren zu fliegen. So kam es, dass der erste Amerikaner im Weltraum der putzige Schimpanse Ham war, der mit 0,7 Promille gerade noch flugtauglich war. Die Russen schickten kurze Zeit später Juri Gagarin ins All und der Image-GAU für die NASA war perfekt.

Wer erinnert sich nicht an den ersten gelallten Satz vom Mond? Wenn Armstrongs B-Probe ebenfalls positiv ist, wird allerdings auch dieser Satz aus den Annalen gestrichen und durch Aldrins „Der Mond ist voll und ich bin es auch“ ersetzt.

Zur Katastrophe wäre es fast gekommen, als die Astronauten von Apollo 13 einen Thermostat aus der Raumfähre ausbauten, um ihn zur Überwachung der Temperatur ihrer mitgebrachten Zapfanlage zu verwenden. Lovells „Houston, we have a problem“ bezog sich in Wirklichkeit auch auf das zu warme Bier, wie interne Dokumente der NASA belegen.

Nachdem erste Alkohol-Gerüchte publik wurden, musste auch die NASA endlich reagieren. Alkohol-Experten gehen jetzt in die Offensive und haben ein Vier-Punkte Programm verabschiedet, dass mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt:

- Der Duty Free-Shop auf dem Weltraumbahnhof Cape-Caneveral darf ab sofort nur noch eine Flasche Schnaps bzw. zwei Flaschen Likör pro Person verkaufen.

- Alkoholische Getränke werden von den Stewardessen im Space-Shuttle künftig erst nach dem Start ausgeschenkt.

- Der Zutritt zur Startrampe wird ab sofort von Türstehern geregelt, die alkoholisierte Astronauten wieder nach Hause schicken sollen.

- Wenn ein Astronaut zukünftig wiederholt betrunken fliegt, muss er zum Idiotentest.

Es bleibt abzuwarten, ob solch drakonische Maßnahmen wirklich helfen werden. Als letzte Alternative nannte die NASA eine Verlegung des Raumbahnhofs nach Utah und die Beschränkung auf mormonische und muslimische Astronauten. Werden die ersten Worte eines Menschen auf dem Mars „Allahu akhbar“ sein?

Jens Berger

p.s.: Säße der Autor in einer Blechdose, umgeben von tausenden Tonnen hochexplosiver Flüssigkeiten, die gezündet werden sollen, würde er sich wohl auch erst mal ein Glas Scotch genehmigen.

Bildnachweis: Alle Montagen Spiegelfechter (CC) mit Material von NASA, ESA und Wikicommons

Kategorie: Glosse | 34 Kommentare

Sarkos neuer “Hurensohn”

27. Juli 2007 von Spiegelfechter - Drucken

„Er ist ein Hurensohn, aber er ist unser Hurensohn“ – mit diesem Satz soll Franklin Roosevelt einst den nicaraguanischen Diktator Somoza García charakterisiert haben. Die Aussage dieses Satzes bestimmt seitdem die Außenpolitik der westlichen und auch der ehemals kommunistischen Welt.

Auch das wiedervereinigte Deutschland hat seine “Hurensöhne” – Nijasow aka „Turkmenbashi“ wurde von Merkel und Steinmeier beispielsweise auserkoren, den Schlussstein in der „Neuen EU-Ostpolitik“ darzustellen. Auch mit dem lupenreinen usbekischen Demokraten Karimow - ein wahrer Freund der Menschenrechte - wollte Deutschland große Geschäfte machen. Dass weder Turkmenistan noch Usbekistan sich mit Deutschland einlassen wollten, sondern lieber Russland als Partner für ihre Energiegeschäfte ausgewählt haben, ist weniger der deutschen Moral, als mehr der deutschen Unfähigkeit zuzuschreiben.

Steinmeier umschrieb seine Version der normativen Kraft des Faktischen übrigens mit den Worten “Auch ich hätte als Außenminister lieber nur mit lauter Schweizern und Luxemburgs zu tun!“ – wer moralische Einwände derart pragmatisch vom Tisch wischt, hat das Recht verwirkt, selbst moralische Ansprüche zu stellen. Und Steinmeier spricht in diesem Fall für Deutschland.

Geschäfte mit „Hurensöhnen“ zu machen, ist also keinesfalls ungewöhnlich in der europäischen Außenpolitik – problematisch wird es anscheinend erst, wenn das böse A-Wort ins Spiel kommt. Deutschland hat den Lebenstraum der Grünen wahr gemacht und den Ausstieg aus der bösen Atomkraft angestoßen - natürlich werden Merkel, Koch und ihre Freunde bei den vier Energiemonopolisten dies nach den Wahlen 2009 wieder rückgängig machen. Das Thema Atomenergie ist in Deutschland jedenfalls im höchsten Maße emotionalisiert.

In Frankreich kennt man diese Hysterie nicht – insofern ist Sarkozys Coup, sich seinen eigenen „Hurensohn“ zu sichern, auch sicher kein Affront gegen deutsche Interessen, wie es unisono aus berufenem deutschen Politikermund schallt. Sarkozy macht genau das, was in ähnlicher Form auch deutsche Politiker gerne gemacht hätten. Was den Deutschen ihr Gas, ist den Franzosen ihr Uran – die Sicherung der libyschen Uranvorkommen ist für die französische Energiestrategie, die konzentriert auf die Atomkraft setzt, ein strategisch sinnvoller Schritt. Dass nebenbei für Sarkozys Freunde aus dem Total-Konzern Erdölförderlizenzen herausspringen, für seine Kumpel von Dassault Aufträge für neue Jagdbomber und seinen Spezi Bouygues in Zukunft milliardenschwere Bauaufträge winken, ist für das Schema der konservativen Günstlingswirtschaft vollkommen normal. Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Darüber darf sich nur aufregen, wer selbst anders handelt. Deutschland sollte also ganz ruhig sein – wer im Schlachthaus sitzt, sollte nicht mit Schweinen werfen.

Den Vogel schoss bislang der SPD-Fraktionsvize Kelber ab, der gänzlich befreit von jeglichem Anflug von Verstand sagte: „Es ging ihm [Sarkozy] um Show und die primitive Durchsetzung seiner Interessen. Das kennt man sonst nur von Despoten, selbst US-Präsident George W. Bush ist dagegen ein Waisenknabe.“ Wenn Kelber das Bombardieren und Einmarschieren in andere Staaten qualitativ dem Abschließen von Wirtschaftsverträgen vorzieht, so hat er in der deutschen Politik eindeutig nichts verloren.

Berechtigtes Unverständnis wird Sarkozys Coup hingegen in Teheran auslösen. Nach den Buchstaben des NPT hat Frankreich nämlich nicht nur das Recht, Libyen bei der zivilen Nutzung der Atomkraft zu helfen, sondern sogar die Pflicht. Die gleiche Pflicht hat indes auch Rußland, welches Iran bei dem Aufbau einer zivilen Nutzung der Atomkraft unterstützt. Während Libyen von Frankreich unterstützt wird, ist die französische Position in der Causa Iran gegenteilig. Dies verwundert wenig - Ahmadinedschad ist von den USA nicht als potentieller „Hurensohn“ freigegeben. Er ist Bestandteil der Achse des Bösen, aus der Libyen sich freikaufen konnte.

Der Markt für „Hurensöhne“ ist hart umkämpft. Afrikanische „Hurensöhne“ sind in letzter Zeit bei den Chinesen sehr hoch im Kurs. Wenn sie ein Land regieren, das reich an Bodenschätzen ist, sind sie umso begehrter. Das Thema „Moral“ wird indes stets von den Unterlegenen ins Feld geführt – so sehr man bei den eigenen „Hurensöhnen“ schon mal gerne Fünfe gerade sein lässt, so sehr echauffiert man sich über die „Hurensöhne“ der Anderen.

Wer in der Politik heutzutage die Worte „Menschenrechte“, „Demokratie“ und „Moral“ in den Mund nimmt, verwendet sie meist als politischen Kampfbegriff. Ehrliches Interesse für diese Dinge, hat im Zeitalter des grenzenlosen Kapitalismus und der letzten Verteilungskämpfe um die Ressourcen der Erde schon lange niemand mehr.

Jens Berger

Bildnachweis: Montagen Spiegelfechter mit Material von Fox und Channel 4

Kategorie: Ausland, Deutschland | 25 Kommentare

Hilfe!

26. Juli 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Heute wende ich mich mit einem technischen Problem an alle Coder, Hacker, Admins, Webmaster, Informatiker und sonstige Personen, die Ahnung von einer Materie haben, von der ich stets nur Bahnhof und Bratkartoffel verstehe.

Mein Blog mailt nicht mehr :-(

Ich gebe ja zu, ich frickel gerne an Sachen rum, von denen ich keine Ahnung habe - aber diesmal habe ich nichts gemacht … Cross my heart and hope to die! Auch mein Webhoster (Goneo) behauptet, man hätte dort nichts gemacht, was mit diesem Fehler in Verbindung stehen könnte. Folgendes ist passiert:

- Nachdem ich am 17.7 den “Tour de Farce”-Artikel eingestellt habe, war meine Seite für ca. 2 Stunden nur bei ca. jedem dritten Aufruf erreichbar, in zwei Drittel aller Fälle gab es einen “Fehler 500 - Internal Server Error”, welcher teilweise auch für Teilbereiche des Admin-Panels in Wordpress angezeigt wurde. Nachdem der Spuk vorbei war, lief anscheinend alles wieder reibungslos.

- Anscheinend, denn ich musste feststellen, dass Wordpress seitdem keine Mails mehr verschickt. Weder administrative Benachrichtigungen über Kommentare, noch Newsletter oder die von Usern abonnierten Kommentarmeldungen. Noch nichtmals das Datenbankbackup wird per Mail versandt.

- Verzweifelt und planlos habe ich zunächst Wordpress neu installiert, was auch nichts änderte. Daraufhin habe ich mit SMTP-Plugins experimentiert, was allerdings ebenfalls keinen Erfolg brachte - nur die Backup-Mails wurden zugestellt, sonst nix.

Ich bin mit meinem Küchenlatein am Ende. Vielleicht hatte ja einer der mitlesenden Blogger bereits ein ähnliches Problem oder jemand, der in Sachen Technik fitter ist, als ich, hat eine Idee?

Danke im Voraus!

Jens Berger

Kategorie: Allgemein | 21 Kommentare

Der Regentin neue Kleider [Update]

24. Juli 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Warum die Regentin bereits im Juli – also rund zwei Monate zu früh – ihre selbstgerechte Halbzeitbilanz zieht, ist unbekannt - es hat sicher etwas mit dem Sommerloch zu tun. Warum nahezu die komplette Medienschar ein positives Fazit über Merkels Regierungszeit zieht, ist nicht nur unbekannt, sondern unverständlich bis verstörend. Man fühlt sich als Statist in Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ versetzt. Die Hofschranzen überbieten sich im Lob der Regentin gegenseitig und schreiben eine Liturgie nach der anderen. Wo bleibt der kleine Schreiberling, der mit dem Finger auf die Regentin zeigt und sagt: „Aber Sie haben ja gar nichts an“?

Der täglich zelebrierte Eskapismus der Medien hat jeglichen Bezug zur Realität verloren. Fragt man den Michel auf der Strasse nach seiner Einschätzung der Arbeit seiner Regentin, so erhält man in den meisten Fällen ein wohlwollendes Placet. Dem Michel wird jeden Tag eingetrichtert, er könne sich glücklich schätzen, von einer so weisen Regentin geführt zu werden, da glaubt er es halt irgendwann. Türkische Behörden wenden eine als „chinesische Folter“ bekannte Methode an, bei der sie dem Gefangenen regelmäßig Wasser auf den Kopf tropfen lassen – die deutschen Medien gehen nach dem gleichen Muster vor. Fragt man den Michel nach den Gründen, warum er seine Regentin so sehr schätzt, weiß er freilich wenig Konkretes zu antworten. Dies erstaunt nicht, mäandert die Regentin doch konsequent um jegliche Aussage herum, die einst gegen sie verwendet werden könnte.

Konkrete positive Leistungen sind bei der Regentin indes auch kaum auszumachen. Aus den zahlreichen (faulen) Formelkompromissen, Hohlsätzen und Absichtsankündigungen von eventuellen Absichtsankündigungen stechen lediglich so bedeutsame Dinge wie die Regelung der Roaming-Gebühren in der EU heraus. Obgleich auch die eher den Wünschen der Netzbetreiber, als denen der Kunden entsprechen. Die Wirtschaft wird von der Regentin aber auch sonst wohltätig bedacht. Vereinfachte Zulassungsregelungen innerhalb der EU, die den Konzernen helfen - auf dem Rücken der Kunden - Ausgaben zu sparen, werden dem Michel als Bürokratieabbau verkauft und Steuergeschenke für die Industrie sind ja bereits politische Tradition im wiedervereinigten Deutschland. Aber warum sollte der Michel es seiner Regentin goutieren, dass sie seine hart erarbeiteten Steuern der Großindustrie in den Rachen wirft? Der Michel wird´s schon wissen.

„Es ist ihr Führungsstil – so ruhig und konziliant. Sie ist eine gute Moderatorin“ hört und liest man allenthalben. Das mag stimmen, weder Gabriel und Glos, noch Struck und Kauder haben sich bis jetzt vor den Kameras geprügelt – harte Ergebnisse hat die Moderation der Regentin indes weder am Kabinettstisch, noch auf den - von Ihr geleiteten - Gipfeln hervorgebracht, auch wenn die Medien stets von Riesenerfolgen sprechen. Sieht man das Bundeskabinett und die internationalen Staatschefs als verhaltensgestörte Kinder, die von der Pädagogin Merkel „geschickt“ dazu gebracht werden, sich anstatt zu prügeln, friedlich darauf zu einigen, dass man uneins ist, so ist die Methode „Merkel“ ein Erfolgsmodell. Aber ist das alles? Hat Merkel Visionen oder ist sie nur eine Politiksachbearbeiterin, die stets den Weg des geringsten Widerstandes geht?

Die absurdeste Erklärung für die Blindheit der Medien ist indes Merkels Geschlecht. Interessanterweise kommt dieses Argument vornehmlich aus den Ecken, die sich vermeintlich für Gleichberechtigung und Frauenrechte einsetzen. Jemanden nicht zu kritisieren, weil er eine Frau ist, ist positive Diskriminierung. Käme dieses Argument aus bayerischen Bierzelten, so wäre es etwas anders.

Setzt man eine realistische Bewertungslatte an, so kommt bei Merkel bestenfalls Mittelmäßigkeit heraus, so wie die gesamte Große Koalition wie eine Institutionalisierung des Mittelmaßes wirkt. Wäre man zynisch, so könnte man sagen, jedes Volk hat halt die Regierung, die es verdient.

Merkels Glück ist es, dass sie zur rechten Zeit auf dem rechten Platz sitzt. Ein konjunktureller Aufschwung in der Exportbranche – für den die deutsche Politik nichts kann – bringt sie in die komfortable Lage, sich mit schwarzen Zahlen zu schmücken. Nach den roten Zahlen fragt niemand und dass der „Aufschwung“ am Großteil der Gesellschaft vorbei geht, interessiert die Medien nicht sonderlich. „Und man sieht nur, die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht”.

Auch parteipolitisch schwebt die Regentin auf der rosaroten Wolke des vergänglichen Glückes. In der schwarzen Schlangengrube, die sich CDU nennt, ist es (noch) verdächtig ruhig. Ihr bayerischer Intimfeind hat sich vor der Verantwortung gedrückt und Bayern versinkt seitdem in Diadochenkämpfen. Der Koalitionspartner SPD glänzt durch Glanzlosigkeit und wird von einem uncharismatischen Problembären geführt, dem selbst seine eigene Mutter keinen Esprit zusprechen würde und der gänzlich unverdächtig ist, wenn es darum geht, einen aussichtsreichen Antagonisten zur allgegenwärtigen Regentin zu küren. An den politischen Rändern wird zwar gekrittelt, dies geht aber vor allem zu Lasten der SPD – die dies, mit dem, für sie so typischen, bräsig bornierten Dünkel – der anscheinend staatstragend wirken soll - auch hinnimmt, als sehe sie die Menetekel nicht.

Dass diese rosarote Glückswolke nach den Wahlen 2009 verpuffen wird und die Regentin hart auf ihrem Hinterteil landet, ist voraussehbar. In einer Koalition mit dem Leichtmatrosen Westerwelle, werden die INSM nahe stehenden Medien natürlich ins wirtschaftsliberale Horn der gelb-blauen Sozialstaatspiraten blasen. Vielleicht wacht auch die SPD aus ihrem selbstverschuldeten Koma auf und betreibt wieder Politik, die dem „S“ in ihrem Namen Sorge trägt. Tut sie es nicht, wird wahrscheinlich über kurz oder lang die Hälfte der Parteimitglieder zur LINKEN abwandern. So oder so werden dann auch die originär linken oder linksliberalen Medien von der Regentin Abstand nehmen.

p.s.: Sollte dem Autor eine glorreiche Tat der Regentin entgangen sein, die entweder die beste Presse, die je ein deutscher Politiker bekommen hat, oder die hohe Zustimmung des Volkes rechtfertigt, so bitte ich aufmerksame Leser diese im Kommentarbereich kundzutun.

Update: Zumindest scheint der Michel noch nicht der Meinung zu sein, seine Regentin würde epochale Wunder vollbringen. In einer aktuellen und natürlich nicht repräsentativen Onlineumfrage nach dem besten Kanzler, liegen Helmut Schmidt und Willy Brandt verdientermaßen einsam und alleine an der Spitze (36% und 30%), während Merkel mit der Fünf-Prozent Hürde kämpft.

Jens Berger

Kategorie: Deutschland, Medien, Politclowns | 61 Kommentare

Tour de Farce [Update]

18. Juli 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Ob die Deutsche Telekom weiterhin Sponsor des Profiradstalls “Team Telekom” sein wird, ist ungewiss. Vertreter des Radsports befürchteten einen negativen Imagetransfer durch eine zu enge Verbindung zu einem Unternehmen, welches gnadenlos Mitarbeiter outsourced und nicht am Unternehmensgewinn teilhaben lassen will.

So sähe die heutige Sportpolitikmeldung in einer (etwas) besseren Welt aus. Aber nein, auch im Radsport gelten die gleichen Regeln, wie in der Wirtschaft und der Entschluss eines jungen Burschen, von den verbotenen Früchten zu naschen, um auch seinen Teil des großen Kuchens abzubekommen, führte zu einem Empörungsaktionismus der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten. Und wenn diese sich in eigener Sache moralinsauer aufplustern, ist meistens etwas faul an der Sache.

Man mag trefflich darüber streiten können, ob es zur medialen Grundversorgung der deutschen Öffentlichkeit gehört, dass die Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten exklusiv über Sportereignisse berichten, deren Übertragungsrechte mehrere Millionen Euro aus der Tasche der GEZ-Zahler kosten, die an anderen Stellen gestrichen werden müssen. Wer den Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen aus der Tour de France Übertragung aus diesem Grund begrüßt, hat per se gute Argumente und die Unterstützung des Autoren. Dies ist aber nicht der Grund, den ARD und ZDF anführen, sondern sie echauffieren sich in heuchlerischer Manier über die Umstände, die sie selbst mit geschaffen haben und die sie in anderen Bereichen keinesfalls kritisieren.

Woher kommt diese Scheinheiligkeit? Leistungssport ist ein Spiegel der Gesellschaft und des herrschenden Systems. Es geht in diesem Fall ja nicht um die Jugendkreismeisterschaften des Hochsauerlandkreises. Eine Topveranstaltung, wie die Tour de France, ist aus wirtschaftlicher Sicht ein riesiger Markt – die ARD nimmt von ihren Werbekunden bis zu 24.000 Euro für einen 30sekündigen Werbespot. Natürlich sind diese Summen, die die Werbetreibenden investieren – egal, ob sie einen Spot buchen oder eine Mannschaft direkt sponsern – im Endpreis der angebotenen Produkte enthalten. Da alle Markenanbieter Marketing betreiben und in vielen Fällen (Telekom/Strom) für den Endkunden keine Alternative vorhanden ist, zahlt der Endkunde die komplette Zeche – ob er will oder nicht.

ARD und ZDF haben nun in preisverdächtiger investigativer Kleinarbeit herausgefunden, dass im Profiradsport gedopt wird. Potzblitz! Das ist ja was ganz neues! Man sollte abwarten, bis ARD und ZDF auch herausfinden, dass der Michel bei seiner Steuererklärung gerne mal fünfe gerade sein lässt und nicht in jeder 30er-Zone wirklich 30 fährt. Wenn man jungen Männern Gehälter im hohen sechsstelligen Bereich anbietet, wenn sie die außerordentlichen körperlichen Leistungen erbringen, die für eine solche Rundfahrt von Nöten sind, braucht man sich nicht zu wundern, wenn einige Kandidaten zu illegalen und semilegalen Mitteln greifen, um sich am goldenen Manna zu laben. Es wäre naiv, das Gegenteil anzunehmen. Wenn die Mitbewerber mit illegalen und semilegalen Mitteln ihre Leistung steigern, ist es ebenfalls verständlich, dass sich diese Praxis auch bei Fahrern durchsetzt, die eigentlich solche Methoden ablehnen.

Die ARD war sogar Co-Sponsor des T-Mobile-Teams, das unlängst durch das Outing ehemaliger Aktiver in die Doping-Schlagzeilen geraten ist. Anzunehmen, bei dem Bonner Team handele es sich um eine Insel der Glückseligen in einem Ozean der Verderbtheit ist ebenfalls naiv – und kein Mensch mag der ARD abnehmen, sie wüsste nichts von den Dopingpraktiken, der Akteure, die sie mit dem Geld der Gebührenzahler beglückt hat.

Man kann einem jungen Mann schwerlich den Vorwurf machen, er habe sittenwidrig gehandelt, wenn er im Endeffekt nur das nachmacht, was ihm die Gesellschaft vormacht: The Winner takes it all - und jeder, der die Möglichkeit dazu hat, sollte seine 15 Minuten Ruhm versilbern. Ein Herr Ackermann, der dem Bürger - der ihn indirekt bezahlt - ein hämisches Victory-Zeichen entgegenstreckt, ist er das Vorbild, Regeln, die dem gesellschaftlichen Mainstream anachronistisch anmuten, nach dem eigenen Vorteil zu dehnen. Brot und Spiele sind es, die das Volk verlangt. Früher haben die Gladiatoren für ihren Ruhm und ihr Einkommen ihr Leben riskiert – heute ist der Preis nicht ganz so hoch, aber wer glaubt, ohne Schaden an der Gesundheit zu nehmen, im knallharten Kampf um Ruhm und Reichtum im Sport mithalten zu können, wirkt ebenfalls anachronistisch. Ist es nicht das Ideal der Leistungsgesellschaft so erfolgreich zu werden, dass man für den Weg, der das Ziel ist, 60 bis 80 Stunden pro Woche investieren muss? Treibt der Jungmanager nicht Raubbau an seiner Gesundheit? Ist das Nomadenleben auf dem Weg in die Führungsetagen sozial verträglich? Und wie sieht es in anderen Sportarten aus? Macht sich die Gesellschaft Sorgen um die Gesundheit der Jungmillionäre, die mit über 300 km/h im Kreis fahren? Werden ARD und ZDF die Olympia-Übertragung einstellen, wenn der erste Dopingfall publik wird?

Wenn TV-Anstalten Millionen in “das System” pumpen und hinterher jammern, dass nicht nur Altruisten bei diesem gewinnträchtigen Spiel mitmachen, ist dies bigott. Sich herauszureden, indem man Regeln fordert, deren Einhaltung nur mangelhaft kontrolliert wird, ist heuchlerisch – das kennt ein jeder Autofahrer. Wenn man weiß, wo Radarfallen stehen, wird man sich in deren Nähe ordnungsgemäß verhalten und ansonsten nach eigenem Gusto verfahren. Denkt man allerdings, dass hinter einem eine zivile Verkehrskontrolle fährt, erwacht in einem der Fahrschüler, der gerade seine Prüfung ablegt. Dies soll im Radsport nicht möglich sein? An finanziellen Mitteln hapert es ja nicht. Eine einfache Lösung wäre es, dass Kontrollsystem zu forcieren und dem Team jedes Sünders eine schmerzhafte Strafe aufzuerlegen. Das würde dazu führen, dass es im Interesse des Arbeitgebers wäre, seine Arbeitnehmer so zu kontrollieren, dass sie die Regeln einhalten. Die Bundesbank überprüft schließlich auch die Taschen ihrer Mitarbeiter und verlässt sich nicht nur auf deren Gesetzestreue und die abschreckende Wirkung des StGBs.

Wenn man „den Dopingsumpf“ halbwegs trocken legen will, ist weder krawalliger Aktionismus noch Hysterie hilfreich, wie die ARD und ZDF an den Tag legen. Wer bessere Kontrollen fordert und laut aufschreit, wenn diese Kontrollen tatsächlich etwas zu Tage fördern, agiert wie der Dieb der „Haltet den Dieb!“ schreit

Die Tour ist durch den Dolchstoss der deutschen Medien eben so wenig tot, wie der Sport per se ehrlich und rein ist. Wer seit Jahren Gefallen an den Bildern der Tour findet und den Sport in sein Herz geschlossen hat, der tut dies weiterhin. Wer Sport prinzipiell ablehnt, millionenschwere Sportevents wegen des Kommerzcharakters ablehnt oder Radfahren schlicht und einfach langweilig findet, dem ist die Entscheidung von ARD und ZDF egal. Ehemals interessierte Betrachter, die sich erst jetzt vom Leistungssport abwenden, müssen sich den Vorwurf der Naivität gefallen lassen. Wenn ARD und ZDF auch in anderen Bereichen so konsequent wären, müssten sie auch die Politikberichterstattung einstellen, da auch dort „in Einzelfällen“ mit illegalen und semilegalen Mitteln gearbeitet wird und der Zuschauer nach Strich und Faden belogen wird und Wirtschaftsnachrichten oder Börsenberichte wären so wie so verboten.

p.s.: Der Autor verfolgt, sofern es ihm zeitlich möglich ist, seit über 10 Jahren die Tour de France und wird dies weiter tun - es gibt ja noch den Sender “Eurosport”, bei dem man allerdings dümmliche Werbung ertragen muss und der sich standhaft weigert, die Käse- und Weinsorten der gerade durchfahrenen Region vorzustellen. Quel malheur!

Update: ARD und ZDF haben die Rechte an Pro7/SAT1 abgegeben. SAT1 will schon heute in die Berichterstattung einsteigen. Damit ist der erzieherische Aspekt, den die Öffentlich-Rechtlichen großspurig in den Raum gestellt haben, vollends ad absurdum geführt. Dem Zuschauer wird es egal sein - wer Sportübertragungen von SAT1 kennt, wird Eurosport so wie so den Vorzug geben. Und das SAT1 dem Zuschauer etwas über lokale Käse- und Weinspezialitäten erzählt, ist auch nicht zu erwarten … es sei denn, es handelt sich um Werbekunden.

Jens Berger

Bildnachweis: Bildblog, Effort, Titanic-Magazin, dangiles73, Titanic-Magazin

Kategorie: Medien | 39 Kommentare

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Sollte der Westen die Olympischen Spiele in China boykottieren?

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  • sven @spiegelfechter auch wenn durch nachfolgende Kommentare schon einiges klargestellt wurde: >a) niemand spricht...
  • Paul Lanon @38 Vielen Dank, für den kurzen und schmerzhaften Einblick in die Gewerkschaftswelt. Ist es so, wie ich...
  • Konfusius Zur Ehrenrettung des Mephistopheles; Goethe lässt ihn sagen: Ich bin ein Teil von jener Kraft Die Böses...
  • Frank Schenk Oh, hat da jemand noch an die Gewerkschaften geglaubt und wurde nun bitter enttäuscht? Ich war 17 Jahre...
  • Spiegelfechter @Schwitzig Ja, einerseits ulkig, andererseits gefährlich, da Sprache auch das Denken beeinflusst, bis...
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