Simulacrum
21. August 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Wer in den letzten Jahren die deutsche Politik und den politischen Journalismus aufmerksam verfolgt hat, dem kommt unweigerlich ein Simulacrum in den Sinn. In einer medialen Scheinrealität wird ein Diskurs inszeniert, der an den Wünschen und Bedürfnissen der Betrachter vorbeigeht. „Wir müssen den Wähler mitnehmen“, so klingt es allenthalben aus den Talkshowsesseln der Macht, die die Kanzeln dieser Scheinrealität darstellen. Wohin will die Politik ihre Wähler mitnehmen und mit welcher Legitimation? Ein Kernelement der Demokratie ist es, dass die Politik den Willen des Souveräns umsetzt. Wenn zwischen dem Willen des Souveräns und dem Willen der Politik allerdings unüberbrückbare Gräben bestehen, so muss eine Scheinrealität aufgebaut werden, die dem Souverän den Willen der Politik als den Willen des Souveräns verkaufen soll.
Das Schröder-Blair Papier aus dem Jahr 1999 kann als Sündenfall der deutschen Linken gesehen werden. Eine antiideologische, streng pragmatische Politik, mit libertären Zügen, hatte Deutschland endgültig aus der wohligen Tristesse der Bonner Republik gerissen. Die vier Jahre später von Rot/Grün beschlossene Agenda 2010 setzte konsequent fort, was die neue Mitte als Model der Zukunft vorgesehen hatte – eine Ironie der Geschichte, dass Rot/Grün die konservativen Parteien auf der Schnellstraße des Sozialabbaus „links“ überholt hat. Abgestraft wird vor allem die SPD erst jetzt, da der Nebel der Scheinrealität langsam aufklart. Die grünen Erfüllungsgehilfen flüchteten sich lieber eine Lebenslüge, die den moralischen Verfall ihrer Klientel widerspiegelt. „Wir sind angekommen“, schallt es aus den Fluren der Macht.
Wie weit sich die ehemals linken Parteien mit ihrer Agenda 2010, „neoliberaler“ (besser: libertärer) Wirtschaftspolitik und der schleichende Abschaffung des Sozialstaates vom Wunsch der Wähler entfernt haben, zeigt eine aktuelle Umfrage von TNS-Emnid im Auftrag der ZEIT auf. Die Ergebnisse dieser Umfrage überraschen in ihrer Klarheit selbst hartgesottene Beobachter der politischen Landschaft. Kann es sein, dass der persönliche Eindruck einen nicht getäuscht hat und die wahrgenommene Kritik an dieser Politik, anscheinend tatsächlich von einer großen Mehrheit geteilt wird? Wenn man der Umfrage Glauben schenken darf, dann ist dies so.

34% aller Deutschen bezeichnen ihren politischen Standpunkt explizit als „links“, während sich 52% in der „Mitte“ wähnen und nur 11% sich für „rechts“ halten. Quer durch alle Parteien, quer durch alle Alters-, Einkommens- und Bildungsschichten gibt es einen signifikanten Anteil links der Mitte, mit einer steigenden Tendenz bei jüngeren, gebildeteren und besser verdienenden Befragten. In der Gruppe der Befragten mit Abitur oder Hochschulabschluss ist der Anteil der bekennenden „Linken“ mit 42% besonders hoch.
Zusätzlich wurden von TNS-Emnid mehrere „klassisch linke“ Positionsfragen gestellt, bei denen es sich zeigte, dass „linke“ Positionen auch von denjenigen getragen werden, die sich in der „Mitte“ oder „rechts der Mitte“ einordnen. Bei allen Fragen war eine breite Mehrheit der Bevölkerung gegen die Politik der „neuen Mitte“. In Kernfragen würde sogar die verfassungsgebende 2/3 Mehrheit gegen die Politik der Agenda 2010 und gegen die Politik der Großen Koalition stimmen. Bemerkenswert ist es auch, dass in allen Parteien, die im Bundestag vertreten sind, eine Mehrheit der Wähler gegen diese Politik stimmt.

Erstaunlich, dass das „linke“ Selbstbild bei den Wählern der Grünen am größten ist. Paradoxerweise sind es allerdings gerade die Wähler der Grünen, die als einzige Parteiklientel mehrheitlich hinter dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr steht. Dass Militäreinsätze nach den existenziellen Entschlüssen zum Kosovo- und zum Afghanistaneinsatz zum sinnstiftenden Merkmal der „Olivgrünen“ wurden, stimmt nachdenklich. Sehen die Grünen sich etwa als militaristische Alternative zur LINKEN und zur FDP, deren Klientel sie in einem selbstzerstörerischen Spagat miteinander verbinden wollen?

Sogar die Wähler der FDP, die gerne als sozialdarwinistische Feinde des Sozialstaates verfemt werden, und von den Parteioberen auch in diesem Kontext bedient werden, sind in keiner der Schlüsselfragen auf der Linie ihrer Partei. Westerwelles „peinliches“ Gezeter auf dem Parteitag spiegelt jedenfalls nicht die Meinung seiner Wähler wieder. „Freiheit statt Sozialismus” mag in den 60ern ein schlagkräftiger Slogan gewesen sein. Heutzutage haben anscheinend sogar die FDP-Wähler den Euphemismus „Freiheit“ durchschaut, der letztendlich aus Westerwelles Mund doch nur die Freiheit des Stärkeren meint.
Parteipolitisch hat sich indes die SPD am weitesten von ihrer Wählerschaft – und auch von ihrer Basis – entfernt. Ihre Abkehr von den Wurzeln der Sozialdemokratie hat ihr jegliche Glaubwürdigkeit genommen, was – gepaart mit dem katastrophalen Personal an der Parteispitze – ja auch zu den vernichtenden Umfrageergebnissen der Vergangenheit geführt hat. Man darf sich nichts vormachen, die SPD war in ihrer Geschichte schon immer staatstragend und hat bereits den Ersten Weltkrieg aktiv unterstützt. Friedfertige Politik verfolgte sie nur, wenn es opportun war. Aber der ideologische Verfall der Mehrheitssozialisten in diesem Jahrtausend ist sowohl bedauernswert für die politische Kultur in Deutschland, als auch taktisch unverständlich. Hätten nicht viele treue SPD-Wähler Vorbehalte gegen die „Schmuddelkinder“ links der SPD, so würde die SPD wahrscheinlich in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Für die „neue Mitte“ gibt es jedenfalls kaum Gründe die Kopie zu wählen, wenn das Original sich doch so viel besser verkauft.

Die Umfrageergebnisse spiegeln in schonungsloser Offenheit den Unterschied zwischen der öffentlichen Meinung und der veröffentlichten Meinung wieder. Wenn Parteien ernsthaft besorgt sind, dass ihnen sowohl Wähler als auch Mitglieder in Scharen weglaufen, so sollten sie nicht dümmlich über Politikverdrossenheit schwadronieren, sondern dem Volke aufs Maul schauen und seine Sorgen ernst nehmen. In Deutschland gibt es kaum Politikverdrossenheit, dafür eine ausgeprägte Systemverdrossenheit, an der die Politik die Hauptverantwortung trägt. Es ist nicht so, wie Politiker gerne nach Wahlniederlagen sagen, dass “sie es nicht geschafft haben, das Volk mitzunehmen” - Nein! Das Volk will gar nicht mit auf diesen Weg. Das Volk es hat allerdings auch nicht geschafft, die Politiker mitzunehmen. Wenn die Mitte weiter eine Politik gegen die große Mehrheit der Bevölkerung macht, spielt sie mit dem Feuer.
Rechten Rattenfänger könnte kaum etwas Besseres passieren. Die Vereinnahmung linker Positionen durch Rechtsaußen, hat in der Weimarer Republik schon erstaunlich gut funktioniert. In der Gegenwart zeigen die NPD-Gegendemonstrationen während des G8-Gipfels, dass die neue Rechte ähnlichen Manövern nicht abgeneigt ist. Wann wacht die Politik auf? Wann kann man mit Recht wieder behaupten, wir leben in einer Demokratie? Und wann macht das Wahlvieh, das ganz offensichtlich nicht die Politik der Parteien - die es wählt - teilt, endlich von seinem Wahlrecht in der Form Gebrauch, dass die Parteien erkennen, dass eine Politik gegen das Volk nicht zielführend sein kann. Die Tatsache, dass die große Mehrheit auf der einen Seite die politischen Kernpunkte der Großen Koalition ablehnt, und auf der anderen Seite die - durch die Medien gehypte - Regentin mit Zustimmungswerten überhäuft, die bislang kaum ein Kanzler hatte, stimmt nachdenklich. Wenn das deutsche Volk nicht der kollektiven Schizophrenie verfallen ist, kann es wohl nur im Simulacrum der Medienwirklichkeit leben.
Jens Berger
Bildnachweis: René Magritte: La Reproduction Interdit, SPD-Berlin, Alle Grafiken: Spiegelfechter (CC)
Kategorie: Deutschland, Medien, Neoliberalismus | 123 Kommentare
































































Als ich neulich durch die Printmedienlandschaft blätterte, erinnerte ich mich an ein altes Lied aus fernen Zeiten, dargeboten von den Dire Straits. „Money for nothing“ so der Name des künstlerischen Machwerks. Und passender ist folgende Meldung nicht zu überschreiben. „Die Parteien der großen Koalition wollen mehr Geld – Ausrufezeichen“.
Ein weiterer Grund könnte sein, dass zum Beispiel die SPD seit dem Jahr 2002 rund 145.000 Mitglieder verloren hat, und die CDU immerhin 50.000. Jetzt könnten sich die Parteivorderen mal hinsetzen und überlegen, was sie denn falsch gemacht haben, wenn so viele ihnen den Rücken zukehren, eine lange Nase machen, aus der Partei austreten. Doch das würde ein Mindestmaß an Selbstkritik erfordern, was gerade in Wahlkampfzeiten völlig indiskutabel ist. Ein Paradebeispiel für dese Gesinnung ist die künftige Schatzmeisterin der SPD, Barbara Hendricks, die in der „Rheinischen Post“ folgende Worte vor sich her plapperte: „Wenn die Bürger sich entschließen, sich nicht als Mitglieder zu engagieren, wird dies zumindest zum Teil durch öffentliche Mittel ausgeglichen werden müssen.“ Richtig, denn das Volk ist nicht nur Wahlvieh, sondern auch Goldesel. Dank des Aufschwungs, für den die große Koalition aber auch nichts kann.
Mit der Forderung nach mehr Geld stellt sich die große Koalition zudem mal wieder außerordentlich ungeschickt an. Denn die kleinen Parteien wie die Grünen, FDP oder Die Linken können sofort groß herumkrakelen, wie dreist eine solche Forderung doch eigentlich sei und „mit uns wird man das nicht durchsetzen können“. Tja, braucht man auch nicht. Denn egal wie die anderen stimmen, die SPD und die CDU haben die Mehrheit, der Gesetzentwurf kommt also durch. Und die kleinen Parteien erhalten ebenso mehr Geld. Stehen aber moralisch besser da, was will man mehr.
Nach einer Reihe von verlustreichen Tagen an den Börsen der ganzen Welt hat Helikopter-Ben (Bernanke) ein deutliches Signal gesetzt, dass er alles tun wird, um die Kreditkrise an den Weltmärkten zu entschärfen. Den Spitznamen bekam er übrigens, nachdem er einmal sagte, im Falle einer Wirtschaftskrise würde er notfalls Geld vom Hubschrauber aus über die Volkswirtschaft regnen lassen – das tut er jetzt ja auch. Es ist anzunehmen, dass die heutige Senkung des Diskontsatzes um 50 Basispunkte nur die erste “Großtat“ zur Rettung des maroden Finanzsystems war. Folgt man der inneren Logik der Finanzpolitik der FED und den Implikationen, die sich daraus ergeben, so ist kaum ein anderer Schluss möglich.
Der ABCP-Markt für Kurzfrist-Anleihen hat ein Volumen von 2.200 Mrd. US$. Auf ihm werden Forderungen in gebündelten Paketen mit Laufzeiten von 30 bis 90 Tagen gehandelt. 1.200 Mrd. US$ davon sind laut New York Times durch Hypothekenkredite, Kreditkartenforderungen, Autokredite etc. gesichert. Ausgegeben werden diese Papiere von Großbanken wie Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Die Forderungen stammen häufig von Hedge-Fonds und Private-Equity Fonds, die auf diese Art und Weise an neue Liquidität kommen wollen. Durch die Subprime-Krise sind diese Papiere unter Generalverdacht gekommen, da sie auch Forderungen aus Hypothekenkrediten enthalten, was aufgrund der Strukturierung aber für den Käufer nur schwer erkennbar ist.
Der ABCP-Markt ist seit der letzten Woche zusammengebrochen. Da niemand die Papiere kaufen will, gibt es auch keinen gültigen Marktpreis. Wie diese Papiere zu bewerten sind, und vor allem, was sie wert sind, ist vollkommen unbekannt. Die Emittenten haben diese Papiere teilweise zu Niedrigstpreisen von 50, 40 oder gar 20 Prozent des Ausgabepreises zurückgenommen – so groß war die Panik der Käufer, und so groß wird der Gewinn der Emittenten sein, wenn sich herausstellt, das ein Großteil der gebündelten Forderungen erfüllt wird. Ein großartiges Geschäft von Ackermann und Co. Die kleineren Banken mussten die Zeche zahlen. Wenn jetzt die FED ABCPs als Sicherheit für frisches Geld akzeptiert, werden diese momentan unhandelbaren Papiere wahrscheinlich gänzlich zur FED übertragen werden. Erst wenn die Papiere auslaufen, wird sich zeigen, wie groß der Schaden ist.
Hedge-Fonds sind eine Krankheit des Finanzsystems. Sie entziehen sich jeglicher staatlichen Kontrolle und setzen auf kurzfristige Gewinne, - nicht Jahre, sondern Tage, Stunden und sogar Minuten sind ihre Anlagehorizonte. Durch den riesigen Hebel und die extreme Verschuldung sind sie hochspekulativ. Wenn die Sonne scheint, erreichen sie Rekordrenditen, an denen die “reale” Wirtschaft sich messen lassen muss, was ihr aber nicht gelingen kann, wodurch der ungesunde Druck auf das Management, Kosten zu sparen und Menschen zu entlassen, generiert wird. Wenn es aber regnet, sind die Auswirkungen auf diese Instrumente unkalkulierbar. Daher stellen sie eine immense Gefahr für das Finanz- und Wirtschaftssystem dar.
Dieser Prozess wäre derzeit wohl noch umkehrbar: Wenn die FED im September nicht das erwartete Signal gibt und den Leitzins senkt, werden Wallstreet und die Weltbörsen zwar erbeben, und eine neue Konkurs-Welle wird das globale Finanzsystem überziehen, - das aber ist wohl als das kleinere Übel zu betrachten. Leider stehen die Zeichen jedoch auf Sturm…
Nach der ersten Panikwelle in den Medien, die für den Aktienmarkt einen Crash oder Crash auf Raten prognostizierten, durchzieht sich die Berichterstattung momentan mit einem Schwall von 
Der Schnelltender, der am Donnerstag 95 Mrd. € und am Freitag 61 Mrd. € betrug, ist ein “gutes” Zeichen für die Nervosität der Märkte. Wenn sich der Markt nicht beruhigt, wird am Montag wohl ein weiterer Schnelltender nötig sein. Bei der Bewertung muß man allerdings Haupttender und Schnelltender getrennt beobachten.Während der Haupttender “echtes” für rund 3 Monate Geld in die Märkte bringt, hat der Schnelltender meist nur eine Laufzeit von einem oder wenigen Tagen. Das Geld, welches für diesen Zeitraum den Märkten zur Verfügung gestellt wird, könnte auch als “Luftbuchung” bezeichnet werden, da es kurze Zeit später wieder aus der realen Welt verschwindet und somit keine Auswirkungen auf die Geldmengenpolitik hat und somit weder inflations- noch defaltionssteigernd wirkt. Auch hat die EZB nie 156 Mrd. € in die Märkte gepumpt - als der zweite Tender herausgegeben wurde, lief der erste bereits aus, so dass am Freitag de facto 34 Mrd. € weniger Tendervolumen auf den Märkten waren, als am Donnerstag.
Auf dem Börsenparkett ist der „Crash auf Raten“ bereits in vollem Gange. Im Langzeitvergleich sind die Kurse auf einem sehr hohen Niveau und kaum ein Anleger hat momentan derart Vertrauen in den Markt, dass er im größeren Maße kaufen würde. Verkäufe gibt es allerdings auf breiter Front. Jedem Verkauf steht natürlich ein Kauf gegenüber. Da Privatanleger als Käufer eher unwahrscheinlich sind, muss man davon ausgehen, dass dies Stützungskäufe der Banken und institutionellen Anleger sind, um psychologisch die Nervosität aus dem Markt zu nehmen.
Derweil herrscht immer noch keine Klarheit über das Maß der faulen Posten in den Büchern deutscher Banken. Laut SPIEGEL-Informationen ist die IKB wesentlich tiefer verstrickt, als zunächst vermutet wurde. Der Gesamtschaden soll sich auf 7,8 Mrd. Euro belaufen. Auch die SachsenLB (über eine 13 Mrd. Euro starke Zweckgesellschaft) und die WestLB mit einem vermuteten Engagement von 2,25 Mrd. Euro geraten immer stärker in den Strudel. Langsam wagen sich auch die Großbanken aus der Deckung. Nachdem bereits die Postbank eine 600 Millionen Euro Einlage bei der IKB Untergesellschaft Rhineland Fonds abschreiben mußte, kamen heute erste
Sehr interessant im Kontext rund um IKB/KfW/WestLB ist ein
Die Zeche zahlt, wie immer, der Michel. Natürlich werden die Banken die Verluste sozialisieren und über schlechtere Konditionen an ihre Kleinkunden weitergeben, die nicht frei auf dem Weltmarkt nach Alternativen suchen können. Auch die Überschussbeteiligungen von Michels Rentenversicherung und seiner Riester-Rente, die ihm ein unbeschwertes Alter bescheren sollten, wird durch die Inkompetenz in der Belle Etage der deutschen Finanzbranche magerer ausfallen als prognostiziert – wer heute immer noch gegen eine umlagefinanzierte Rentenversicherung argumentiert, wird einen schweren Stand haben. Es wird Zeit, dass für Finanzmanager ein Treuhänderparagraph eingeführt wird, nach dem sie mit ihrem persönlichen Vermögen für grobe Fahrlässigkeit und überbordende Inkompetenz bestraft werden, die das Sparvermögen ihrer Kleinkunden verbrennt.
In einigen Büros der Wall-Street und einigen Penthouse-Wohnungen an der 5th Avenue dürften an diesem Wochenende die Champagnerkorken geknallt haben und die New Yorker Koks-Dealer mit gehobener Kundschaft mussten sicher Überstunden machen. Ein Konsortium aus deutschen Privatbanken, Spar- und Raiffeisenkassen und der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat sich bereit erklärt, Risiken in Höhe von 3,5 Mrd. €, welche die Deutsche Industriebank AG (IKB) auf dem US-Immobilienmarkt verbrannt hat, zu übernehmen. Amerikanische Spekulanten mit guten Informationen über das deutsche Bankensystem hatten leichtes Spiel. Eine Privatbank, die eine mit AAA bewertete Staatsbank im Hintergrund hat, wird trotz Kreditlinien, die sie nie und nimmer einhalten kann, faule Papiere bedienen – Stupid German Money halt, der Michel wird’s schon richten.
Die Privatbanken und die Spar- und Raiffeisenkassen tragen jeweils 500 Mio. €, während die KfW 2,5 Mrd. € über Umwege an amerikanische Spekulanten überweist. Wie konnte es dazu kommen, dass eine deutsche Privatbank, die mit der staatlichen KfW ein breites Partnerschaftsabkommen hat und deren größter Aktionär die KfW (also der Staat) ist und in deren Aufsichtsrat neben den Vertretern der staatlichen KfW auch Vertreter des Bundesfinanzministeriums und des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums sitzen, neben ihrem Kerngeschäft, der Vergabe langfristiger Investitionskredite an den deutschen Mittelstand, über die Zweckgesellschaft „Rhineland Funding“ mit 12,7 Mrd. € an hochspekulativen „
Es ist seit
Ob die Aufsichtsratsmitglieder etwas von der Art des Investments wussten, ist nicht belegbar. Sie haben allerdings ihr Plazet zur Kreditlinie des Rhineland Funds gegeben, wussten somit wohl davon, dass die IKB ABCP-Geschäfte auf dem amerikanischen Markt unternimmt und dass diese zu Teilen aus Immobilienhypotheken bestehen. Jetzt beschwert sich die KfW, und deren Vertreter aus den Ministerien, lautstark über verschwiegene Risiken. Das ist natürlich richtig, vor 14 Tagen lobte der – mittlerweile entlassene – Vorstand der IKB die finanzielle Lage seines Instituts noch in höchsten Tönen. Dennoch müssen KfW und der Staat sich die Frage gefallen lassen, ob man nicht im gröbsten Maße fahrlässig gehandelt hat, mit seinem Geld über private Töchter auf hochspekulativen Märkten in den USA mitzuspielen. Dass selbst Brancheninsider die Risiken derartiger Geschäfte nicht richtig einschätzen können, ist kein Geheimnis: Entweder der ehemalige Vorstand der IKB Ortseifen war inkompetent und hat die Risiken seiner Geschäfte dilettantisch falsch eingeschätzt oder er hat die Vertreter der Kapitalseite (den Staat) kriminell hinters Licht geführt. Im ersten Fall muss der Staat erklären, wie es zu solchen systembedingten Fehlern kommen kann, im zweiten Fall muss Anklage gegen den Manager erhoben werden. Entweder wird der freigesetzte Vorstand also einen millionenschweren goldenen Fallschirm bekommen, oder aber er landet er vor Gericht: “Barfuß oder Lackschuh, alles oder nichts, leg´ich mir ´nen Frack zu, oder komm´ich vor Gericht. Nie die goldene Mitte, immer volles Risiko!”.
Die deutschen Medien haben unisono von einer abgewendeten Bankenkrise schwadroniert, wie es sie seit 1931 in Deutschland nicht mehr gegeben habe. Fragt man bei der Bafin nach, so erhält man eine Antwort, die der Interpretation bedarf:
Was wäre denn passiert, wenn die KfW nicht eingesprungen wäre? Die Spekulanten aus den USA hätten ca. 3,5 Mrd. € verbrannt und das wäre gut so! Der größte Fehler des vorherrschenden Finanzsystems ist aus ökonomischer Sicht die mangelnde Volatilität: ein solcher Crash würde Volatilität in die Märkte bringen,















