Stone Merchant - Islamophobie auf DVD

21. Oktober 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Seit es das Kino gibt, wird es auch als Propagandainstrument benutzt. Der kommerziell erfolgreichste Film der Stummfilmära war das 1915 erschienene Epos „Die Geburt einer Nation“ - ein von Rassismus gespicktes Werk, das sich für die Rassentrennung stark macht. Sergej Eisensteins Klassiker aus dem Jahre 1925 „Panzerkreuzer Potemkin“ spielte bereits mit den filmischen Mitteln der Propaganda und gilt heute als einer der besten Filme aller Zeiten. Unter den Nationalsozialisten wurden sowohl antisemitische Propagandafilme, wie „Jud Süß“, als auch ästhetische Meisterwerke der Propaganda, wie Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“ produziert. Die meisten deutschen Filme der Kriegszeit glänzten hingegen durch ihre betont unpolitische „Heile Welt Atmosphäre“ – in ihnen kamen weder Krieg noch Hitlergruß vor.

In der Zeit des Kalten Krieges wurde von Hollywood meist ein manichäisches Weltbild propagiert. Ein dunkles Reich des kollektivistischen Bösen im Kampf gegen die Kreuzritter der „freien Welt“. In den meisten amerikanischen Propagandafilmen dieser Zeit zeichnen sich die Gegner der amerikanischen Helden dadurch aus, dass sie nicht synchronisiert werden, meist schlecht und düster beleuchtet sind, keine oder niedere Motive haben und selbstverständlich am Ende entweder sterben oder missioniert werden, nachdem sie im Laufe des Filmes wahlweise den besten Freund, die Geliebte/Frau oder die Kinder des Helden getötet haben. Wenig phantasievoll wurde dieses Plot auf die Actionfilme der 90er Jahre übertragen, in denen Hollywood der alte Feind abhanden kam und durch den islamistischen Terroristen ersetzt werden musste.

Der Film „Ausnahmezustand“ aus dem Jahre 1998 nahm sich als erster Hollywoodfilm des Themas „islamistischer Terrorismus“ in einer selbstkritischen Art und Weise an. Neben den perfiden Terroristen spielt Bruce Willis als harter General, der im Kampf gegen den Terrorismus die Menschenrechte außer Kraft setzt, die zweite Fraktion der Antagonisten. In der Post-9/11 Ära hätte dieser General sicher Karriere gemacht:

Anthony ‘Hub’ Hubbard: Are you people insane? What are you talkin’ about?
General William Devereaux: The time has come for one man to suffer in order to save hundreds of lives.
Anthony ‘Hub’ Hubbard: One Man? What about two, huh? What about six? How about public executions?
General William Devereaux: Feel free to leave whenever you like, Agent Hubbard.
Anthony ‘Hub’ Hubbard: Come on General, you’ve lost men, I’ve lost men, but you - you, you *can’t* do this! What, what if they don’t even want the sheik, have you considered that? What if what they really want is for us to herd our children into stadiums like we’re doing? And put soldiers on the street and have Americans looking over their shoulders? Bend the law, shred the Constitution just a little bit? Because if we torture him, General, we do that and everything we have fought, and bled, and died for is over. And they’ve won. They’ve already won!
General William Devereaux: Escort him out.

Nach 9/11 wurde das Thema “islamistischer Terrorismus” weitestgehend aus dem Medium “Kinofilm” verbannt. Erstaunlicherweise nahmen sich bislang zwei große Filme des Themas an, die sehr differenziert mit dem Thema umgingen. Der Film „Syriana“ setzt den Terrorismus in den Kontext amerikanischer Außenpolitik, der Gier nach Öl und saudischen Extremismus´. Dabei geht der Film sehr verantwortungsvoll mit dem schwierigen Themenbereich um und vermeidet es moralische Kategorien, wie „Gut“ und „Böse“ zu verwenden. Wim Wenders legte in seinem subtilen Film „Land of Plenty” den Fokus auf die verletzte Seele Amerikas und erzählt die Geschichte eines traumatisierten Vietnamkriegsveteranen, der versucht in einer komplexen Welt, die er nicht versteht, seinen privaten Kampf für das Gute zu bestreiten, indem er auf eigene Faust vermeintliche islamistische Terroristen im Westen der USA jagt. Konfrontiert mit der Komplexität des Themas, fällt er in ein Loch der Orientierungslosigkeit, symbolisiert durch Ground Zero.

Das Thema „islamistischer Terrorismus“ wird durch Politik und Medien in den letzten Jahren zu einer allgegenwärtigen Gefahr riesigen Ausmaßes aufgebauscht – erstaunlich, dass dieses Thema im Film hauptsächlich in TV-Produktionen á la „24“ propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Nicht etwa Hollywood, sondern Europa wagt sich als erstes aus den Schiesscharten. Der Italiener Renzo Martinelli erzählt in seinem Film „Stone Merchant – Händler des Todes“, der nächste Woche als DVD auf den deutschen Markt kommt, vom verzweifelten Kampf des wachen Europäers gegen den sinisteren Islam. Das Drehbuch wirkt dabei so, als wäre es in Gemeinschaftsarbeit im PI-Blog geschrieben worden. Der tragische „Held“ des Filmes ist ein italienischer Professor mit dem Namen Bandini, der als Spezialist für „islamistischen Terrorismus“ und „Al-Quaida“ gilt. Beim Terroranschlag auf die US-Botschaft in Nairobi verlor er beide Beine und fristet seitdem, an der Seite seiner schönen Frau, im Rollstuhl sein Leben. Er ist ein Mahner vor dem Islam, dessen Ziel - in seiner Logik- die Zerstörung des Westens ist. Vollkommen ohne jegliche Ironie oder Differenziertheit wird dieser tragische „Held“ als einzig wache Geist in einer Welt voller Beschwichtiger und freiwilligen Opfern skizziert. Sein geistiger Horizont schwankt dabei zwischen Paranoia, Vorurteilen und blankem Hass – in einer Szene des Filmes kämpft er gegen den Herausgeber einer Zeitung, für die er schreibt, dass ein Artikel von ihm veröffentlicht wird, der als Kernbotschaft die Aussage trägt, „die Muslime können den Westen dankbar sein, wenn dieser sie vom Islam befreit“. Der Herausgeber will diesen Artikel allerdings nicht veröffentlichen - nicht etwa, weil er polemische Hetze ist, sondern weil er Angst vor Muslimen hat – der Karikaturenstreit lässt grüßen.

Der islamistische Terror ist in diesem Film allgegenwärtig. Am Anfang des Filmes wird die schöne Frau Bandinis durch einen von tapferen italienischen Polizisten verhinderten islamistischen Anschlag am Flughafen in Rom an einer geplanten Geschäftsreise gehindert. Nun haben die beiden endlich Zeit, zu ihrer Hochzeitsreise nach Kappadokien aufzubrechen – den ursprünglichen Reisetermin verhinderte der Terroranschlag, bei dem Bandini beide Beine verlor. Wir lernen – noch vor Faktoren, wie Wetter oder Fluglotsenstreiks, spielt der islamistische Terror mittlerweile eine gewichtige Rolle bei der Reisplanung.

In Kappadokien angekommen, hilft dem Pärchen der zufällig vorbeifahrende Shahid (gespielt von F. Murray Abraham), der sie mit einem mysteriös-charismatischen italienischen Edelsteinhändler namens Vicedomini (Harvey Keitel) bekannt macht. Dieser zeigt ihnen nicht nur die Geheimnisse Kappadokiens, sondern macht sich auch gleich an Frau Bandini heran, die aufopferungsvolle Gattin des rollstuhlfahrenden Helden. Klar, ein Italiener würde so etwas nie machen, zum Glück erfährt der Zuschauer später aber, dass Vicedomini ein Konvertit ist – da passt das krude Weltbild natürlich wieder. Wenn zwei Europäern im Nahen Osten von Muslimen Gastfreundschaft und Hilfe angeboten wird, kann irgendwas ja nicht stimmen – natürlich sind Shahid und Vicedomini in Wirklichkeit sinistere „Terror-Päpste, die einen terroristischen Angriff von epischer Größe planen, der den Westen in die Knie zwingen soll” (Pressetext des deutschen Verleihers Koch-Media).

Dafür erobert der Konvertitenbösewicht Vicedomini das Herz von Frau Bandini, die er für seine Terrorplanungen benutzen will. „Schwachheit, dein Name ist Weib!“, dies wußte schon Hamlet. Der geprellte Gatte hat allerdings nicht nur einen wachen Instinkt für die allgegenwärtige Gefahr durch den Islam, er bemerkt selbstverständlich auch, dass sein untreues Weib eine „Affaire de Coeur“ mit einem Konvertiten eingegangen ist. Genau so wie der Rest Europas hört auch seine Frau nicht auf seine vergeblichen Kassandra-Rufe, der Muslim sei von Boshaftigkeit und Hass gegen den Westen erfüllt und wer sich mit ihm einlässt, wird dies bereuen. Und genau so wie der Rest Europas muss Frau Bandini so viel „Appeasement“ teuer bezahlen. Auf einer Fähre im englischen Hafen Dover sprengen die Terroristen sich selbst, Frau Baldini und eine Substanz namens „Rotes Quecksilber“ in die Luft. Hoffentlich sieht Wolfgang Schäuble nie diesen Film – ein solches Szenario mit fiktiven Substanzen passt doch hervorragend in seinen Paranoia-Katalog.

In der pathetischen Schlussszene erklärt der Herr Professor seinen Studenten (und mit ihnen den Zuschauern) noch einmal die krude Metabotschaft dieses Filmes: Im 17ten Jahrhundert hatte der Islam seine größte Ausdehnung und die Türken standen vor Wien. Heute ist der Islam wieder so weit und stellt eine Bedrohung dar, die Europa in seinen Grundfesten bedroht. Damals gab es eine „heilige Allianz“, in der ein vereintes christliches Europa den Islam besiegte und zurücktrieb. Und was ist heute? Der Abspann setzt ein und der Zuschauer wird mit dieser Frage alleine gelassen. Soll er seinen Döner-Verkäufer verprügeln oder sich für die Armee einschreiben?

Ein solch stumpfes, undifferenziertes und von Lügen und Stereotypen gespicktes Machwerk hat es selten gegeben. Man kann schon fast von Glück reden, dass der Film derart schlecht gemacht und schlecht gespielt ist, dass seine offensichtlich manipulative Propaganda zu durchschaubar ist. Immerhin schaffte Regisseur Martinelli das selten Kunststück, einen Film abzuliefern, bei dem der aufgeklärte Zuschauer sich in der Mitte des Filmes freuen würde, wenn der rollstuhlfahrende Held endlich von den Bösewichten umgebracht würde oder wenigstens ein einziges Mal ein Antagonist auftauchen würde, der ihn mit Argumenten als das darstellt, was er ist – ein dumpfer Hetzer. Ebendies ist auch der ganze Film – dumpfe Hetze. Der Vorsitzende des größten italienischen Verbandes der Muslime, Hamza Piccardo, kritisierte diesen Film auch vollkomen zu recht, als “voll von Vorurteilen und Stereotypen - eine Karikatur, die nicht zu tolerieren sei.” Schändlich auch, dass große Schauspieler, wie F. Murray Abraham und Harvey Keitel (unvergessen in Smoke) sich zu solchen Machwerken hinreißen lassen. Heinrich George und „Kolberg“ wie „Jud Süß“ lassen grüßen – letzterer trägt das Label „FSK-Vorbehaltsfilm“, dieses Label würde „Stone Merchant“ auch gut zu Gesichte stehen.

Bildnachweis: Amazon, DHM, Medusa

Jens Berger

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Wer am lautesten schreit hat recht?

19. Oktober 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Wahrscheinlich käme niemand auf die Idee, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als mediale Hüter der Neutralität und Objektivität anzusehen. Wer in der Welt des journalistischen Proporzes etwas werden will, sollte sich ähnlich verhalten wie ein Karrierepolitiker - den Old-Boys Networks sollte man dabei lieber nicht zu sehr auf die Füße treten. Dennoch schafften es vor allem die politischen Magazine der öffentlich-rechtlichen Anstalten in der Vergangenheit immer wieder, auch die Skandale der Großen aus Politik und Wirtschaft aufzudecken – ein löbliches Korrektiv. Damit könnte vielleicht bald Schluss sein, wenn die Krisen-PR Berater der Lobbys und Verbände aus dem Fall Heilpraktikerlobby gegen das ZDF die richtigen Schlüsse ziehen.

Was war passiert? In einer Sendung des ZDF-Wissenschaftsmagazins “Joachim Bublath” ging der namensgebende Wissenschaftsjournalist kritisch objektiv auf das Thema “Die modernen Wunderheiler” ein. Er berichtete in der Sendung über das Berufsbild des Heilpraktikers und des Heilers, das in Deutschland ungeschützt ist und daher auch obskuren Quacksalbern eine Heimstatt bietet, stellte einige gefährliche “Heiler” und gefährliche “Heilmethoden” vor, untersuchte die Wirksamkeit homöopathischer Heilmittel, welche durch mehrere großangelegte Vergleichstudien methodisch in Frage gestellt wurde. Mehr als ein Placeboeffekt konnte wissenschaftlich nie belegt werden. Alles in allem, eine unaufgeregte seriöse und objektive Sendung, die die Heilsversprechen der alternativen Medizin relativierte und vor schwarzen Schafen in der Branche warnte.

Entweder es gibt wenig nur weiße Schafe in diesem Berufsstand, man unterliegt einer falschverstandenen Wagenburgmentalität gegen die Schulmedizin oder das wissenschaftliche Selbstverständnis der Branche ähnelt dem, der katholischen Kirche – so viel kritische Fakten, wie Bublath sie anführte, waren auf jeden Fall zu viel. Schon während der Sendung wurde die Redaktion mit Anrufen und Mails bombardiert und das ZDF-Internetforum wurde von beleidigten Gläubigen gestürmt. Dies ist nicht weiter verwunderlich und auch nicht neu. Esoterik und alternative Medizin sind Milliardengeschäfte und die Branche boomt. Seit immer mehr Menschen Sinn im Übersinnlichen suchen und die Kirchen den Alleinvertretungsanspruch für alles Übersinnliche schon längst verloren haben, florieren die Geschäfte mit “Wasserwirblern”, “Wasserbelebern”, “Rosenquarz-Akkumulatoren” und “Orgon-Transmittern” und Heilsversprechungen jeglicher Natur. Die Gläubigen auf diesem Feld, sind in Fundamentalismus und Radikalität durchaus mit den Eiferern diverser Religionen vergleichbar und ihre “Lehren” werden von geschäftstüchtigen Scharlatanen ausgenutzt und befeuert. Das wusste sicher auch das ZDF, nur hat sich in diesem Falle eine Eigendynamik entwickelt, die in dieser Form neu war.

Diverse Lobbygruppen gingen in die Offensive und forderten Mitglieder und Anhänger auf, das ZDF-Forum, die Mailaccounts von Herrn Bublath und der Redaktion zu fluten und telefonisch zu protestieren (”Die Drähte der Redaktion müssen glühen!”). Heilpraktiker wurden ferner aufgefordert, ihre Patienten zu mobilisieren. Diese Ameisen-Strategie hatte Erfolg, dass ZDF nahm ein paar Wochen später entnervt die Internetseiten der Sendung vom Server.

Dieser Vorfall zeichnet ein düsteres Bild, in dem es nur Verlierer gibt. Das ZDF hatte eine objektive wissenschaftliche Sendung ausgestrahlt, und aufgrund der organsierten Kampagne gegen die Sendung, letztendlich klein beigegeben und ist eingeknickt. Dies wirft ein sehr trübes Licht auf die Art und Weise, wie die Verantwortlichen des ZDFs den Rundfunkstaatsvertrag interpretieren. Wissenschaft ist nicht Mehrheitsmeinung, sondern der Erwerb von Wissen durch methodische Forschung und Lehre. Glauben ist die Annahme eines Sachverhaltes. Ein öffentlich-rechtliches Wissenschaftsmagazin, darf sich nicht durch Gläubige, die meinen, bestimmte Sachverhalte anders zu sehen, ohne dies wissenschaftlich belegen zu können, in seiner Berichterstattung manipulieren zu lassen. Wenn dieses Beispiel Schule macht, wird es bald keine Beiträge mehr geben, die über die Evolution berichten, da christliche Kreationisten dies für einen “Irrglauben” halten. Joachim Bublath fasst dies treffend zusammen:

“Stellen Sie sich vor, wir betreiben in Zukunft nur noch den Journalismus, der den Betroffenen genehm ist. Wenn genügend Zweifler an der Mondlandung schreiben, nehmen wir dann die Astronomiesendungen aus dem Netz? Wissenschaft als Abstimmungsergebnis, das ist der Sieg des Irrationalen.”

Verlierer sind zweifelsohne auch die seriösen Heilpraktiker und Homöopathen. Wer nicht mit Beweisen und wissenschaftlichen Gegenargumenten auf Kritik kontert, sondern zu einem undifferenzierten, polemischen Rundumschlag ausholt, der die schwarzen Schafe des Berufsstandes weißwaschen soll, hat bereits verloren, bevor er begonnen hat, zu kämpfen. Was soll der Patient von einem Berufsstand halten, der es nicht einmal schafft, sich von üblen Scharlatanen, Hausfrauen mit der Ausbildung eines Sonntagsseminars und Geschäftemachern zu distanzieren? Anscheinend soll hier von den Lobbyisten das Leitbild des “genuinen Homöpathen der alten Schule propagiert werden, der unwissenschaftlich vorgeht, die Ausbildung vernachlässigt, Pfuschern jeder Couleur freundlich zustimmt und für den Kritik tabu ist”, wie es ein seriöser Heilpraktiker im ZDF-Forum formulierte.

Wissenschaft und Vernunft können wenig gegen die Argumente der Gläubigen ausrichten. Wer glauben will, der glaubt und der soll es auch dürfen. Die Aufklärung ist ein schönes Konstrukt für die Menschen, die “wissen” wollen, anstatt nur zu “glauben”. Umgekehrt sollte dies allerdings auch gelten. Wer “wissen” und “lernen” will, dem sollten die öffentlich-rechtlichen Sender, die ja auch deinen Bildungsauftrag haben und via Rundfunkstaatsvertrag dem Leitbild der Objektivität verpflichtet sind, die dafür geeigneten journalistischen Inhalte bieten. Es gibt das “Wort zum Sonntag” und kein Naturwissenschaftler käme wohl auf die Idee, zu einer Kampagne gegen die Dort verbreiteten Dogmen und Glaubenssätze aufzurufen. Genau so muss es einen freien wissenschaftlichen Journalismus geben, der sich nicht von Dogmatikern und Gläubigen einschränken lassen darf.

Jens Berger

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Work in progress [Update]

18. Oktober 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Wie Ihr unschwer erkennen könnt, stellt der Spiegelfechter gerade eben sein Layout um. Eigentlich wollte ich das auf einer Zweitinstallation machen und das fertige Layout dann übernehmen. Dieser Plan ist so gnadenlos gescheitert, dass auch das alte Layout “zerschossen” wurde. Drum habe ich die Umstellung vorgezogen und werkele am “lebenden Blog”. Bitte habt Verständnis, dass die To-do Liste noch lang ist, und noch nicht alles wie gewohnt funktioniert. Bis Samstag wird aber alles fertig sein.

Für Anregungen und Kritik wäre ich (wie immer) dankbar. Und sollte jemand wissen, wie man ohne große Programmierkenntnisse aus einem zweispaltigen Layout ein dreispaltiges macht … bitte melden ;-)

Update: Das Layout steht jetzt einigermaßen … nochmals Danke Tar!. Da ich gleichzeitig auf WP 2.3 aktualisiert habe, sind aber noch zwei Probleme offen.

- WP leitet nach “Post”-Befehlen nicht wieder auf die Seite weiter. Z.B. bei den Kommentaren - nach Abschicken des Kommentars leitet WP nicht korrekt weiter und man sieht nur eine blanke Seite. Der Kommentar wird allerdings korrekt abgeschickt. Im Admin-Bereich sieht es genau so aus. Woran kann das liegen?

- Der WYSIWYG-Editor funktioniert unter Firefox nicht

Hat irgendwer eine Idee?

Kategorie: Allgemein | 62 Kommentare

Die kleine Raupe Nimmersatt [Update]

15. Oktober 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Finanzinvestoren setzen bei ihren Investments eine Eigenkapitalrentabilität von mindestens 10% voraus, wenn sie auf der Suche nach renditestarken Unternehmen sind. Bei den deutschen Energiemonopolisten müssten sie förmlich mit der Zunge schnalzen. Branchenprimus E.ON konnte bereits in den ersten beiden Quartalen 2007 so hohe Gewinne realisieren, dass die Eigenkapitalrentabilität bereits zur Halbzeit bei 13,4% liegt - auf das gesamte Geschäftsjahr hochgerechnet, käme E.ON auf ein Ergebnis vor Steuern von rund 14 Mrd. €. Dies wäre eine Steigerung von 10%. Schon im ersten Halbjahr hatte E.ON das operative Ergebnis (aus betrieblichen Aktivitäten) um stolze 63% (nach Steuern) verbessern können.

Solch formidable Ergebnisse lässt E.ON sich etwas kosten. Der Vorstandsvorsitzende von E.ON, Wulf Bernotat, hatte sich letztes Jahr eine Einkommenssteigerung von 63 % genehmigt – nun gehört er mit einem Jahreseinkommen von 5,72 Mio. € zu den Top-5 unter den Dax-Vorständen. Diese Summe wird von rund 10.000 Haushalten jährlich für Stromkosten ausgegeben - E.ON versorgt rund 7 Mio. Haushalte.

Anders als normale Unternehmen, die im Wettbewerb stehen, können die Strommonopolisten aber relativ ungeniert an der Preisschraube drehen, zumal am 1.Juli dieses Jahres die staatliche Energie-Preisaufsicht weggefallen ist, nach der bis dato die Wirtschaftsminister der Länder Preisanhebungen zustimmen mussten. Diese Gelegenheit lassen die Monopolisten natürlich nicht ungenutzt. E.ON willl ab dem 1 Januar 2008 die Strompreise um 7% bis 10% erhöhen, bei den Gaspreisen gibt man sich mit 3,4% bis 8,8% zufrieden. Auch Monopolist RWE hält eine „Preisanpassung für unvermeidlich“. Als Begründung für die Preiserhöhung nennt E.ON Chef Bernotat „deutlich höheren Beschaffungskosten“. Bei den Strompreisen machten sich, laut Bernotat, außerdem „höhere Belastungen durch die Förderung der erneuerbaren Energien bemerkbar“.

Das erstaunt doch sehr, liegt der Anteil von „erneuerbaren Energien“ bei E.ON „Central Europe West“ doch nur bei 8,8%. E.ON selbst weist die Preissteigerung bei „erneuerbaren Energien“ mit 24% aus. Selbst, wenn dieser Wert neutral bemessen wäre (wovon nicht auszugehen ist), so würde dies auf den Gesamtpreis umgeschlagen, lediglich 2,1% ausmachen – als Begründung für eine Preiserhöhung von bis zu 10% erscheint dies doch recht abstrus, zumal E.ON “Central Europe West” im ersten Halbjahr den Gewinn in der Stromsparte gegenüber dem Vorjahr um 311 Mio. € steigern konnte. Grund dafür waren laut E.ON „positive Preiseffekte“, wie Preissteigerungen euphemistisch genannt werden. Angesichts dieser Zahlen ist es doch sehr seltsam, wenn E.ON und RWE von „unvermeidlichen Preisanpassungen“ sprechen. Bei diesen Gewinnsteigerungen aufgrund „positiver Preiseffekte“ müssten die „Preisanpassungen“ vom logischen Standpunkt aus, eher negativer Natur sein.

E.ON stellt im Halbjahres-Zwischenbericht, der erst am 14. August 2007 veröffentlicht wurde, fest:

Für das Jahr 2007 gehen wir weitehin davon aus, beim Adjusted EBIT [Nettogewinn] das hohe Niveau des Vorjahres übertreffen zu können. []

Für die Market Union Central Europe erwarten wir für das Jahr 2007 ein über dem Vorjahr liegendes Adjusted EBIT [Nettogewinn]. Witterungsbedingt niedrige Gasabsätze sowie Belastungen aus der höheren Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien können durch eine positive Entwicklung der Rohmarge im Stromgeschäft mehr als kompensiert werden.

Die im Geschäftsbericht genannte Überkompensierung gilt anscheinend nur, wenn man den Investoren zeigen will, wer in Deutschland der „Schoolyard Bully“ ist, der dem Bürger das Geld aus der Tasche zieht. Wenn die PR-Abteilung Argumente sucht, die Haushalte und das Gewerbe noch mehr zu schröpfen, wird das genaue Gegenteil behauptet.

Hochgerechnet wird das Ergebnis vor Steuern in diesem Jahr bei rund 14 Mrd. € liegen. Für die fast ausschließlich Deutschland umfassende „Market Unit Central Europe“ bleiben 5 Mrd. € nach Steuern und Abschreibungen in den Konzernkassen. Dies sind rund 715 € für jeden Haushalt, der E.ON-Kunde ist. Dass die schwache Binnenwirtschaft in Deutschland eine der Hauptursachen für eine strukturelle Schwäche der deutschen Volkswirtschaft ist, ist unter seriösen Volkswirten unbestritten. Die Summe, die den Haushalten durch die Energiemonopolisten entzogen wird, ist Gift für die Volkswirtschaft.

Der Strommarkt in Deutschland krankt an einem kaum zu übersehenden Marktversagen – es ist Zeit, dass der Staat hier regulierend eingreift. Leider ist E.ON allerdings für seine umfassende “politische Landschaftspflege” bekannt. Die Geschädigten sind in diesem Falle sowohl die Privathaushalte, die produzierende Industrie und auch der Staat selbst. Wenn man bedenkt, dass die Strommonopolisten - ohne Ausnahme - früher Staatsbetriebe waren, die erst in jüngerer Zeit privatisiert wurden, so ist dies ein Schreckensbeispiel für eine misslungene Privatisierung. Der Staat weint bittere Krokodilstränen, wenn es um die „hohen“ Kosten von Hartz-IV geht – die Nettogewinne der vier deutschen Strommonopolisten sind übrigens ungefähr so hoch, wie die Gesamtkosten für Hartz-IV.

Konzernchef Bernotat kennt anscheinend die Regeln eines Monopolmarktes für Güter der Grundversorgung: “Für das, was Strom an Lebensqualität bietet, ist Strom eigentlich zu billig, wenn wir ehrlich sind.” Ein Glück, dass E.ON kein Monopol für die Luft zum Atmen und das Sonnenlicht hat - wir könnten diese “Güter” nach Bernotats Gleichung gar nicht bezahlen.

[Update]: Der SPIEGEL ist wie sooft komplett merkbefreit und folgert aus der Tatsache, dass nach E.ON “hunderte” kleine Stadtwerke die Preise ebenfalls erhöhen, man hätte E.ON als Primus vorweg geschickt. SPIEGEL scheint entgangen zu sein, dass E.ON rund 3/4 seines Stromes nicht selbst, sondern über sog. Vertiebspartner verkauft - und dies sind in den meisten Fällen die kleinen Stadtwerke, die keine eigenen Kraftwerke haben. Diese “Vetriebspartner” müssen natürlich Preiserhöhungen weiterreichen, wollen sie nicht selbst ihre Margen senken.

Jens Berger

Kategorie: Deutschland, Wirtschaft | 64 Kommentare

Kohl um Nobelpreis betrogen

12. Oktober 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Nein, was war das für eine schwarze Woche für George Bush und Helmut Kohl. Nicht der hoch ehrenwerte und verdiente Altkanzler aus Oggersheim, sondern der Erfinder des Internets, Klima-Kasper und Beinahe-Präsident aus Washington räumte in Oslo ab. Ein Jahr nach dem Oscar, erntete Calamity-Al die zweitsubjektivste Auszeichnung der Welt – den Friedensnobelpreis – und reiht sich damit in die Liste verdienter Friedensaktivisten, wie Henry Kissinger, Jassir Arafat, Schimon Peres und Jitzhak Rabin ein.

Doch all dies wäre vermeidbar gewesen: Hätte George Bush der Jüngere doch nur auf den Trick mit den Wahlmaschinen in Florida verzichtet - die Welt wäre eine andere. Bush selbst könnte in Frieden seine Brezeln essen und den Cowboy spielen. In die Geschichte wäre er lediglich als der schlechteste Gouverneur Texas´ eingegangen und nicht als der Mann, der für Millionen Tote und das Ende des amerikanischen Zeitalters verantwortlich ist. Da der Irak-Krieg nie stattgefunden hätte, wäre Ede Stoiber 2002 Kanzler aller deutschen Stämme und Deutschland hätte wenigstens etwas zu Lachen.

Al Gore säße stattdessen im Weißen Haus und müsste sich mit konservativen Querulanten herumärgern, anstatt Preise, Ruhm und Ehre einzustreichen. Die USA wären Vorreiter im Klimaschutz und in der Bildungspolitik anstatt in der Rüstungsindustrie und auf dem Gebiet der rekonstruktiven Chirurgie. Die Welt wäre ein wenig glücklicher, Merkel eine Hinterbänklerin, und – was am allerwichtigsten ist – Helmut Kohl wäre heute für sein Lebenswerk mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Sein Lebenswerk ist wahrlich nobel. Er erreichte die Durchsetzung des NATO-Nachrüstungsbeschlusses, die Einführung des Euros, den Aufkauf und anschließenden Ausverkauf der DDR. Er ist bekannt für seine taktischen Blackouts vor Untersuchungsausschüssen, die Kranzniederlegung auf einem Waffen-SS Friedhof, die kreative Finanzierung seiner Partei und viele friedliche Dinge mehr. Er würde nicht den Friedensnobelpreis bekommen, sondern er wäre der Friedensnobelpreis, wie die Titanic postulierte.

Und was hat Al Gore diesen heroischen Taten entgegenzusetzen? Bei der Befriedung des Kosovos stand er nur in der zweiten Reihe, er wollte eine Annäherung an das Reich des Bösen – nein, damals war das Russland und nicht die USA -, er kaspert mit Flipcharts und Powerpoint-Präsentationen gegen den Klimawandel und geht vor allem als der einzige gewählte Präsident der USA in die Geschichte ein, der nie Präsident wurde. Hätte Schröder bei seinem „suboptimalen“ Auftritt bei der „Elefantenrunde“ nicht besser argumentieren können? Merkel hätte doch glatt geglaubt, dass er der Wahlsieger sei, hätte sich aus der aktiven Politik zurückgezogen und in ein paar Jahren auch einen Nobelpreis für Klima-Kaspereien bekommen. Die Welt ist ungerecht!

Verschärfend kommt für Kohl hinzu, dass mit Doris Lessing ausgerechnet die Tante der linken Socke Gregor Gysi einen Nobelpreis absahnte. Nun haben sowohl SPD als auch LINKE Nobelpreisträger in der erweiterten Verwandtschaft, nur CDU/CSU gehen permanent leer aus. Dass Ede Stoiber irgendwann einmal für sein literarisches Lebenswerk den Literaturnobelpreis bekommt, ist eher unwahrscheinlich. Schäubles bahnbrechenden Theorien über schmutzige Bomben reichen wohl auch nicht ganz für einen Chemienobelpreis und das Jung dereinst einmal für seine Fulgzeugabschußphantasien den Friedensnobelpreis bekommen könnte, fiele selbst den übelsten Sarkasten nicht ein.

Vielleicht sollte man ja die Wahlmaschinen in Oslo überprüfen lassen und vor dem internationalen Gerichtshof eine Nachzählung der Stimmen von Hand einklagen. Wer weiß? Vielleicht hat Al Gore aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und die Wahlen der “Academy of Motion Pictures” und des “Nobelpreiskomitees” in schändlicher Art und Weise manipuliert.

p.s.: Der Autor hätte sich sehr gefreut, wenn Mohammed Ali - der ebenfalls nominiert war - den Preis gewonnen hätte. Er hätte ihn wirklich verdient. Aber immer noch besser Al Gore, als der unsägliche Bonobo ;-)

Jens Berger

Kategorie: Ausland, Deutschland, Glosse | 30 Kommentare

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  • klml Das mag jetzt zynisch klingen - aber wer keine Ahnung von der Materie hat, sollte das gute alte Sparbuch oder...
  • Sukram71 @59 Fiend_THeyde: “Ebenso weil völlig unklar ist, wie eine solche “Garantie” umgesetzt werden...
  • Spiegelfechter @misterL Ganz richtig! oder machst du vor einem arztbesuch ein studium der medizin von 3-4 semester?...
  • misterL @SF # 68 ein bänker, der seine “eigenen” produkte nicht versteht, sollte diese produkte...

SR2 - Fragen an den Autor: Das Ende der Massenarbeitslosigkeit

Hitmeister Superblogs 2008