Hitler – off the records
geschrieben am 31. Januar 2009 von Spiegelfechter
Es gibt tausende von Rundfunk- und Filmaufnahmen von Adolf Hitler. Wenn man diese Dokumente heute betrachtet, fragt man sich unweigerlich, was vor nunmehr fast 80 Jahren große Teile des deutschen Volkes bewogen hat, diesen hysterischen Schreihals für den Heiland des deutschen Volkes zu halten. Seine schnarrend aggressive Rhetorik, gepaart mit einer überzogen pathetischen Mimik und Gestik, wirken heute eher wie eine groteske Parodie. Hitler wurde inszeniert und hat sich selbst inszeniert. Private Filmaufnahmen sind rar und bis vor kurzem war kein einziges Tondokument bekannt, das Adolf Hitler abseits der Inszenierung zeigt. Dies hat unter anderem zur Folge, dass in den heutigen Köpfen dieses inszenierte Hitler-Bild spukt – ein kleiner Hans-Wurst mit schnarrender, sich überschlagender Stimme.
Ein Leser schickte mir gestern ein Tondokument, auf dem Hitler „off the records“ spricht. Ein einmaliges Zeitdokument, das ich meinen Lesern nicht vorenthalten will. Die Aufnahme entstand am 6. Juni 1942 im finnisch-sowjetischen Grenzgebiet. Hitler, dessen Russlandfeldzug zu diesem Zeitpunkt noch erfolgreich schien, wollte seinem finnischen Verbündeten Carl Gustaf Mannerheim einen spontanen Besuch zu dessen 75. Geburtstag abstatten und ihn zu einem verstärkten Einsatz der finnischen Truppen im Krieg gegen die Sowjetunion bewegen. Mannerheim, dessen Bündnis mit Deutschland im eigenen Lande nicht unumstritten war, wollte dieses Treffen tief hängen, um nicht den Eindruck zu erwecken, es handele sich um einen offiziellen Staatsbesuch. Finnland und Deutschland waren zwar Waffenbrüder im Krieg gegen die Sowjetunion, aber es wurde nie ein formelles Bündnis geschlossen. Daher wurde auch kein Treffen in Helsinki oder dem Hauptquartier der finnischen Armee in Mikkeli abgehalten. Stattdessen wählte Mannerheim einen Speisewagen in der Nähe des Flugplatzes Immola in Südost-Finnland. Eine Stunde lang unterhielten sich Hitler, Mannerheim und der finnische Ministerpräsident Risto Ryti informell im Speisewagen. Ein finnischer Radiotechniker hatte damals heimlich Teile des Gesprächs aufgezeichnet. Dieses Tondokument, das vor vier Jahren vom finnischen Radiosender YLE in den Archiven entdeckt wurde, ist das einzig bekannte Tondokument, das Hitler in einem vertraulichen Gespräch, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, wiedergibt.
Teil 1: Hitlers Geburtstagsrede zu Ehren Mannerheims
[audio:http://www.spiegelfechter.com/wordpress/audio/hitler_mannerheim_1.mp3|titles=Gespräch Hitler-Mannerheim am 6. Juni 1942 - Teil 1]
Teil 2: Ein Ausschnitt aus dem Gespräch zwischen Hitler und Mannerheim
[audio:http://www.spiegelfechter.com/wordpress/audio/hitler_mannerheim_2.mp3|titles=Gespräch Hitler-Mannerheim am 6. Juni 1942 - Teil 2]
Aus historischer Perspektive ist der Gehalt dieses Tondokumentes nicht sonderlich ergiebig. Hitler schwadroniert über seine Erfolge im Krieg gegen die Sowjetunion, macht dabei einen siegessicheren Eindruck und antichambriert bei seinen finnischen Verbündeten. Er erwähnt allerdings die Schwäche der deutschen Armee im Winterkrieg und spricht von „Schönwetterwaffen“ – dieses Urteil ist zwar durch Zeitgenossen Hitlers belegt, aber direkt aus seinem Munde kannte man es noch nicht. Historisch interessant ist auch Hitlers Bemerkung, dass die Sowjetunion im Falle eines Überfalls auf Rumänien im Jahre 1940 die deutsche Kriegsmaschine lahmgelegt hätte, womit der Krieg für Deutschland verloren gewesen wäre.
Historisch interessant ist allerdings die Art des Tondokumentes. Im zweiten Teil des Gespräches plaudert Hitler vertraulich mit Mannerheim. Hitler im Plauderton, das kannte man bislang noch nicht. Seine Stimme ist kontrolliert und eher leise im Ton – ein Mann, der sich selbst offensichtlich gerne reden hört und keine Zweifel an sich selbst und seinen Taten hegt. Das ist zwar keineswegs neu – Zeitzeugen berichteten ausführlich über Hitler „off the records“. Die Besonderheit an diesem kaum bekannten Tondokument ist vielmehr, dass man sich selbst einen Eindruck machen kann.
Eine – unbestätigte – Anekdote am Rande: Während des Gesprächs soll sich Mannerheim eine Zigarre angezündet haben. Es war ihm hinlänglich bekannt, dass Hitler normalerweise geradezu allergisch auf Tabakrauch in seiner Umgebung reagierte. Mannerheim testete Hitler – hätte dieser ihn aufgefordert, die Zigarre auszumachen, wäre Hitler aus einer Position der Stärke heraus bei ihm erschienen und Mannerheim hätte seine Bitte nach einem gesteigerten militärischen Engagement kaum ausschlagen können. Hitler ließ Mannerheim allerdings weiterrauchen, er kam aus einer Position der Schwäche. Mannerheim verweigerte ihm die Hilfe.
Jens Berger
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Kommentare
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@Linus: Ne, ich kenn mich nicht aus. Ich kann nur dick und fett schreiben. :-) Aber...
@Griebiger Batzi #50: Du scheinst dich auszukennen :-) Klär mich mal bitte auf. - Gibt es eine...
@r_surfer Was ich auch absurd finde, ist das Gejammer, die Banken würden im Moment...
@Griebiger Batzi: “Welche grosse deutsche Zeitung hat Herrn Flassbeck ausser der SZ in...