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    An dieser Stelle stehen hier normalerweise Leseempfehlungen mit einem Link auf Amazon. Da Amazon, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, offenbar ein überaus unsozialer Konzern ist, der sich an den Schwächsten der Gesellschaft bereichert, hat sich der SPIEGELFECHTER entschlossen, die Zusammenarbeit mit Amazon mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Es ist natürlich klar, dass dieser Boykott mit spürbaren finanziellen Einbußen verbunden ist. Wir würden uns daher freuen, wenn Ihr unsere Unabhängigkeit durch eine kleine Spende unterstützen könntet.
  • “Empörte Ökonomen” (1)

    geschrieben am 31. August 2011 von Gastautor

    Dt. Übersetzung: Gerhard Rinnnberger

    Fehlbehauptung #1: Finanzmärkte sind effizient

    Heutzutage ist eine Tatsache für alle Beobachter offensichtlich: Finanzmärkte spielen die entscheidende Rolle im Funktionieren der Wirtschaft. Dies ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, die in den späten siebziger Jahren begonnen hat. Wie auch immer diese Entwicklung erfasst wird, stellt sie sowohl quantitativ als auch qualitativ einen klaren Bruch mit vorangegangenen Dekaden dar. Unter dem Druck der Finanzmärkte hat sich die globale Regulierung des Kapitalismus grundlegend geändert, indem sich eine neue Form des Kapitalismus bildete, welche manche als „patrimonialen Kapitalismus“, „Finanzkapitalismus“ oder „neoliberalen Kapitalismus“ bezeichnen.

    Die theoretische Rechtfertigung für diese Veränderung ist die Hypothese der Informationseffizienz der Finanzmärkte (oder Effizienzmarkthypothese). Gemäß dieser Hypothese ist es wichtig, die Finanzmärkte zu fördern, um sicherzustellen, daß diese so frei wie möglich operieren können, weil sie den einzigen Mechanismus für die effiziente Kapitalallokation darstellen. Die in den letzten dreissig Jahren beharrlich verfolgten Strategien sind mit dieser Empfehlung konsistent. Ihr Ziel war ein globaler integrierter Finanzmarkt, in dem alle Beteiligten (Unternehmen, Haushalte, Staaten, Finanzinstitutionen) alle Formen von Sicherheiten (Aktien, Anleihen, Verbindlichkeiten, Derivate, Währungen) für alle Fälligkeiten (lang-, mittel-, kurzfristig) austauschen konnten. Finanzmärkte ähnelten zusehends dem „reibungsfreien“ Markt aus dem Lehrbuch: der ökonomische Diskurs wurde Wirklichkeit. So wie die Märkte im landläufigen Sinn zunehmend „perfekter“ wurden, glaubten Analysten, daß das Finanzsystem viel stabiler als in der Vergangenheit sei. Die “Great Moderation”, diese Periode wirtschaftlichen Wachstums ohne Lohnsteigerungen, welche die USA von 1990 bis 2007 erlebten, schien diese Ansicht zu bekräftigen.

    Sogar jetzt ist man in der G20 der Ansicht, daß die Finanzmärkte der beste Mechanismus zur Bereitstellung von Kapital sind. Die Vorrangstellung und Unversehrtheit der Finanzmärkte bleiben die höchsten Ziele, die von den neuen finanzpolitischen Reglementierungen eingeschlagen wurden. Die Krise wird nicht als unausweichliches Ergebnis der Logik deregulierter Märkte verstanden, sondern als Effekt der Unredlichkeit und Verantwortungslosigkeit einiger Finanzmarktakteure, die von den Regierungen nur ungenügend beaufsichtigt wurden.

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    Der übersehene Trend: Videospiele und die Mitte der Gesellschaft

    geschrieben am 31. August 2011 von Stefan Sasse

    Von Stefan Sasse

    RTL hat ein unschönes Erkenntnis-Erlebnis. Anlässlich der Gamescom, einer Art Videospielmesse in Köln, erstellte das RTL-Magazin “Explosiv”, das stets mit relevanten Nachrichten und guter Recherche aufzuwarten weiß, einen Beitrag. In der üblichen tendenziösen Machtart gedachte man, ein bisschen auf Minderheiten herumzutrampeln und gemeinsam mit den Zuschauern Hohn und Spott über eine Randgruppe auszuschütten. Man fröhnte also in anderen Worten dem üblichen Geschäftsmodell. Dumm nur, dass man sich fundamental verschätzt hatte: die Gamer, die man mit Bildern der absurdesten Exemplare ins Lächerliche zu ziehen hoffte, sind nämlich keine Randgruppe mehr. Noch zu Beginn der 2000er Jahre konnte Gerhard Schröder ungestraft Punkte sammeln, indem er die Indizierung und am besten gleich Verbot und Beschlagnahmung für das Spiel “Counter-Strike” forderte, bei dem es nach einhelliger Presserecherche etwa der FAZ hauptsächlich darum ging, Punkte durch das Erschießen von Großmüttern und Kinderwägen zu erzielen.

    Nur, diese glorreichen Zeiten des gedruckten Qualitätsjournalismus sind zehn Jahre her. Schon der damalige tendenziöse FAZ-Artikel rief einen solchen Proteststurm der Gamer-Community hervor, der sich vorrangig in verhältnismäßig seriösen Kommentaren manifestierte, dass sich die Zeitung zu einer Entschuldigung genötigt sah. Weitere Ausrutscher dieser Art fanden zwar regelmäßig weiter statt, wurden aber seltener. Besonders anlässlich von Amokläufen feierten sie immer wieder ihr Stelldichein; zuletzt durften wir erfahren, dass Breivik seine Tat im Ego-Shooter (!) “World of Warcraft” plante (wie auch immer er das gemacht haben will). Nun hat auch RTL als Reaktion auf seinen Beitrag einen wahren Shitstorm erlebt, musste sich offiziell entschuldigen und – das ist neu – wurde sogar von den Mainstreammedien für seine Quatsch-Berichterstattung auf dem Sektor abgewatscht. Das hat, ich erwähnte es, mit den vergangenen zehn Jahren zu tun. RTL stolperte hier mit seinem “Explosiv”-Team über den demographischen Faktor.

    Inzwischen ist eine ganze Generation erwachsen, die mit Videospielen aufgewachsen ist. Auch haben inzwischen viele Menschen Zugang zu Spielen gefunden, die schon ein wenig älter sind, was wohl auch auf die großen Erfolge der auf familienfreundlich getrimmten Wii zurückgeht. Im Durchschnitt ist der deutsche Videospieler inzwischen 31 und die Geschlechterverteilung fast bei 50:50 angelangt. Das alte Bild vom männlichen, jugendlichen Kellerkind trifft einfach nicht mehr zu. Das Spielen von Videospielen ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen und keinesfalls mehr eine Beschäftigung einer leicht ein- und ausgrenzbaren Randgruppe. Auch ist die Bandbreite von Spielen deutlich größer geworden: wir reden hier nicht nur vom klassischen PC-Spiel oder Konsolenspiel, sondern auch von den zahllosen Handy- und Facebookspielen, die einen elementaren Anteil an der Verbreitung des Hobbys haben.

    Nur um ein kurzes Beispiel eines in Deutschland weitgehend übersehenen Wandels zu geben: die E-Sport-Szene, die in Korea ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hat, wird inzwischen auf Fernsehkanälen live übertragen und lässt die Athleten um Preisgelder im fünfstelligen Dollarbereich kämpfen. Viele Spieler haben das professionelle Spielen inzwischen zu ihrem Beruf gemacht. Der Trend wird derzeit in den USA ebenfalls stärker, wo der durchschnittliche Spieler 37 Jahre alt und der Anteil der über 50-jährigen mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland ist. Diverse Sportbars im ganzen Land übertragen inzwischen mit großem Zuspruch neben Football und Basketball auch StarCraft II, wie das Wallstreet Journal berichtet. Eine eigene Studie beschäftigt sich mit der Frage, was StarCraft II überhaupt zum Zuschauen interessant macht.

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    Auf Spurensuche im Villenviertel

    geschrieben am 30. August 2011 von Gastautor

    Ein spannendes Buch zu einem wichtigen Thema

    ein Gastartkel von Axel Weipert

    Hartz IV, Rütlischule, Altersarmut – die Liste ließe sich beliebig verlängern. Viel wird geredet und geschrieben über die Unterschicht in diesem Land. Da streiten Politiker monatelang über die Frage, ob der Regelsatz für Arbeitslose um fünf Euro steigen soll oder nicht. Und darüber, ob man nun Asylsuchenden lieber Bargeld gibt oder Lebensmittelgutscheine. Aber wie sieht es eigentlich am anderen Ende der sozialen Hierarchie aus? Was machen denn die Millionäre? Wie sehen sie sich, ihren Reichtum und die Gesellschaft? Christian Rickens hat sich seit Jahren mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt – herausgekommen ist dabei ein Buch: Ganz oben. Wie Deutschlands Millionäre wirklich leben.

    Es liegt natürlich auf der Hand, dass es sich dabei um ein hochpolitisches Thema handelt. Auch wenn der Autor in erster Linie beschreiben will und konkrete Schlussfolgerungen eher zurückhaltend skizziert. Knapp und pointiert liefert Rickens zu Beginn eine Bewertung von Reichtum in der Geschichte – von Aristoteles über die Scholastik bis hin zu katholischer Soziallehre und Marxismus. Auch die Sichtweisen der großen Religionen werden dargestellt.

    Im Stil einer Reportage reiste er quer durch die Republik und traf eine ganze Reihe von Reichen und Superreichen. Er stellt deren Lebenswirklichkeit dar, ihren biografischen Hintergrund und ihre Weltbilder. So gelingt es ihm, anhand konkreter Beispiele ein anschauliches und differenziertes Bild dieser Menschen zu entwerfen. Im Anschluss an die aus der Marktforschung bekannten Sinus-Milieus teilt der Autor die von ihm porträtierten Millionäre in verschiedenen Gruppen ein: u.a. Konservative, Intellektuelle, Bodenständige, aber auch Neureiche finden sich in dem Buch. Einige von ihnen, etwa der Drogeriekettenbesitzer Götz Werner, dürften dem Leser bekannt sein. Allesamt aber haben sie eines gemeinsam: Sie verfügen über ein Vermögen von mehr als einer Million Euro und gehören damit zu dem reichsten Hundertstel unserer Gesellschaft.

    Kein einziger von ihnen glaubt, seinen Reichtum nicht verdient zu haben. Der eine hat ihn über Jahrzehnte aufgebaut, der andere ist dank einer pfiffigen Idee schnell aufgestiegen. Wieder andere – übrigens statistisch gesehen die Mehrheit der Vermögenden – hat einen Großteil davon ererbt. Aber selbst diese sehen sich als rechtmäßige Eigentümer. Schließlich hätten sie den Besitz erhalten und vermehrt. Als Angestellter wird dagegen kaum einer solche Vermögenswerte anhäufen können – ihr Anteil an diesem exklusiven Zirkel beträgt gerade einmal acht Prozent. Überhaupt fällt auf, dass die Millionäre meistens ein ganz anderes Bild von sich selbst haben als der Rest der Gesellschaft. Das beginnt bei dem Chef einer Drückerkolonne, der allen Ernstes behauptet, seinen Kunden Gutes zu tun. Das geht weiter bei dem Trigemavorsitzenden, der sich in geradezu peinlichen Werbespots selbst auf die Schulter klopft ob seiner ausschließlich in Deutschland angesiedelten Produktion, intern aber ausgesprochen autoritär agiert und unter Tarif bezahlt. Und das zeigen auch die zahlreichen Stiftungen, die aktuell einen bemerkenswerten Boom erleben.

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    Wenn sich der Staub gelegt hat

    geschrieben am 29. August 2011 von Thorsten Beermann

    ein Gastartikel von Thorsten Beermann

    Fast wäre Libyen sein Waterloo geworden. Guido Westerwelle, einst gefeierter Kopf der damals von sich selbst berauschten FDP, heute Prügelknabe für nahezu jeden aktiven Kollegen und zahlreiche politische Pensionäre. Zuletzt schlossen sich Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl und Außenminister a.D. Joschka Fischer dem munteren Spießrutenlauf an. Vor allem Westerwelles Haltung in der Libyen-Frage sei unverzeihlich, so der gemeinsame Tenor.

    Gut, der Versuch unseres Außenguidos, die deutschen Sanktionen zum finalen Fallstrick des Gaddafi-Regimes stilisieren zu wollen, war peinlich, ohne Wenn und Aber. „Wir“ waren in Libyen nicht dabei, so sehr sich das mancher im Schein der aktuellen Bilder auch wünschen mag. Vielleicht wäre es aber klüger erstmal abzuwarten, welches Bild sich uns bietet, wenn sich der Staub gelegt hat. Gut möglich, dass wir danach gar nicht mehr so traurig sein werden, keinen Anteil an diesem „Triumph“ zu haben.

    Da wäre zunächst einmal die völkerrechtliche Komponente. Auch wenn im Moment keine juristische Aufarbeitung zu erwarten ist, weil keine relevante Partei Anklage erheben kann oder wird, so hat der Nato-Einsatz sein Mandat sehr schnell über den Haufen geworfen. Mit dem „Durchsetzen einer Flugverbotszone“ und dem „Verhindern von Massakern an der Zivilbevölkerung“ hatte es wenig zu tun, als Luftstreitkräfte der Nato den Rebellen den Weg in die Hauptstadt freigebombt haben.

    Die Rebellen selbst sind das nächste unsichere Element. Relativ sicher lässt sich bisher nur sagen, dass sich in Libyen keine von großen Teilen der Bevölkerung getragene Reformbewegung gebildet hat. Weder war der Fronverlauf Machthaber gegen Volk so eindeutig, wie es teilweise dargestellt wird, noch kann heute wirklich jemand mit Sicherheit sagen, welchen Akteuren mit was für Motiven man da gerade zur Macht verholfen hat.

    Mehr noch, selbst ob der Umsturz nach dem endgültigen Sieg über die alten Machthaber, und zumindest der dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, nicht unmittelbar in einen Bürgerkrieg mündet, in dem die heute Alliierten die neue Rangordnung im Staat auskämpfen, steht in den Sternen. Klar ist nur, dass weder UN noch NATO über die Mittel verfügen würden, das zu verhindern.

    Was also jetzt? Die Bilanz des „Nation-Buildings“ des Westens in diesem Jahrtausend sieht ziemlich mager aus. In Afghanistan gewinnen die Taliban wieder vermehrt an Boden und im Irak geht es den Menschen heute in vielen Regionen schlechter als unter dem despotischen aber immerhin stabilen Regime von Saddam Hussein.

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    Aussicht auf politische Integration?

    geschrieben am 29. August 2011 von Stefan Sasse

    Von Stefan Sasse

    Die Diskussion um Euro-Bonds und die Richtung Europas zeigt vor allem eines: dass eine Grundsatzentscheidung darüber ansteht, ob die europäische Integration weiter getrieben wird, oder ob das derzeitige Europa als glorifizierte Freihandelszone mit einem “Kern-Europa”, das auch noch eine gemeinsame Währung teilt, erhalten bleibt und sich irgendwie durchwurschtelt. Finanzminister Schäuble, als der clevere Fuchs der er ist, hat Eurobonds ausgeschlossen solange keine europäische Wirtschaftsregierung existiert. Die Forderung nach einer solchen ist alt; sie wurde bereits zu Maastricht-Zeiten erhoben und dann wieder bei der Euro-Einführung. Die aktuelle Krise zeigt deutlich, dass die Vorstellung von vergleichsweise unabhängig wurschtelnden Staaten, die eine gemeinsame Währung teilen, nicht wirklich funktioniert.

    Eine gemeinsame Wirtschaftsregierung, das wirft derzeit mehr Fragen auf als es beantwortet. Sicher, irgendwie könnte man dann koordinieren und für mehr Stabilität sorgen, aber wie soll das funktionieren? Werden alle Staaten auf die deutsche Austeritätspolitik zum Wohle des Exports verpflichtet? Dann stellt sich die Frage wer die ganzen Waren eigentlich kaufen soll. Die USA, deren erklärtes Ziel gerade ist, die Importe zu reduzieren? China, das ebenfalls Exportland ist? Abseits dieser beiden Riesen wird die Luft schon dünn; derzeit gehen über 60% der deutschen Exporte in die EU. Eine deutsche Dominanz in einer solchen Wirtschaftsregierung und damit eine orthodoxe, rein auf Geldwertstabilität bedachte Finanzpolitik aber sind nichts, was man sich für eine gesamteuropäische Wirtschaftspolitik wünschen würde. Hier wäre eher eine europäische Variante des Wachstums- und Stabilitätsgesetzes angebracht, an das man sich dann vielleicht sogar halten könnte.

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