Man hat ja eine Zeit lang darüber nachgedacht, ob der amerikanische Popcomputer tatsächlich existiert. Man hat es immer vermutet, aber beweisen konnte man nichts. Und wenn es ihn gibt, wozu ist er eigentlich da?
Dient er dazu, um Unmengen Geld zu verdienen? Ist er eine Maschine, um die allgemeine Volksverdummung zu beschleunigen? Oder soll er bloß die Unfähigkeit des humanoiden Popproduzenten verdecken?
Es begann Mitte der Achtziger. Diverse Interpreten schafften es die Popmusik zu perfektionieren, sowie man in den Siebzigern den Rock perfektioniert hatte. So sagt man zumindest.
Nach dieser Perfektion war dann die Luft raus, und es war den Produzenten peinlich, ihren Namen unter ihre Produkte zu setzen, da sie einfach grauenvoll waren. Grauenvolle Produkte ließen sich zudem auch nicht verkaufen.
Die Popindustrie begriff, dass ein Mensch keinen besseren Pop herstellen konnte, und so entwickelte man den Popcomputer.
Der erschuf zwar keine bessere Musik, aber, oh Wunder der Technik, er ließ auf einer Spur eine Suggestivbotschaft laufen, die bei dem durchschnittlichen Konsumenten einen Kaufzwang auslöst.
Man erfand alberne Produzentennamen wie Stock Aitken Waterman, oder so.
Mr. Stock war der Hausmeister bei EMI Electrola, Mrs. Aitken die Klofrau bei Virgin Records und Pete Waterman ein entfernter Verwandter der Klofrau aus Iowa.
Nun erschuf der Computer noch weichgespülte Interpreten wie Rick Astley oder Mel & Kim oder Jason Donovan oder andere One-Hit-Wonders.
Fertig waren die Bestseller.
Was in den Achtzigern klappte, funktionierte auch in den Neunzigern. Das Problem war nur, dass sich die Trends recht fix abwechselten. Also schuf der Computer nicht nur eine geklonte Band, sondern diese en Masse.
Beispiel Boygroups: Take That, N-Sync, Boyzone, Backstreetboys, etc.
Beispiel Girlgroups: Spice Girls, N-Sync, Girlzone, Backstreetgirls, etc.
Zwei Monate später erschuf man „singende“ Stoffpuppen ( z. B. N-Sync ).
In kurzen Abständen folgten alberne Schweizer mit infantilen Namen und abgehackten Bewegungen, spanische alte Säcke mit ihrer Variation des Ententanz (wird auch heute noch gerne in niveaulosen Etablissements mit Gästen, die Wörter wie Niveau und Etablissements noch nie gehört haben, gespielt, da man „Heeeeeee, Macarena auch mit 7,5 Promille noch prima grölen kann) und diverses anderes Seltsames, an das ich mich zum Glück nicht mehr erinnere.
Es gibt auch einen deutschen Popcomputer, dessen einziger „Erfolg“ die Erschaffung von ModernTalking war. Inklusive Dieter Bohlen. Und die Gruppe Wind, die aus Versehen mehrmals am Grand Prix teilnahm. Das war in den Achtzigern. In den Neunzigern erschuf er aufgrund eines Programmierfehlers Modern Talking noch mal. Dieselben Variationen des einen Liedes wurden erneut aufgenommen. Und da ein betrunkener Praktikant sinnloses Zeugs dazu „rappte“, bemerkte der Konsument den Fehler nicht, kaufte die CD noch mal und wunderte sich unterbewusst, dass das ihm irgendwie bekannt vorkommt.
Techno war übrigens auch ein Fehler im Computer. Man hatte zwischenzeitlich das Betriebssystem auf Windows umgestellt. Nachdem der Boom dann vorbei war, entfernte man Windows wieder, aber seitdem hat der Computer einen leichten Knacks weg und legt unter allem, was er produziert einen Umpf-Bumpf-Dumpf-Rhythmus.
Außerdem produziert er laufend Lieder, die es schon gibt. Da sich der Fehler nicht beheben lässt, wird es in drei Jahren kein Lied geben, das nicht gecovert worden sein wird.
Das Schlagerrevival war ein Versehen, das eigentlich jedem in der Plattenbranche leid tut. Man hat die Schuldigen gehängt und versucht Gras über die Sache wachsen zu lassen, da es wirklich jedem sehr, sehr peinlich ist.
Genauso wird es bald der Verhiphopisierung schlechter Phil Collins Lieder gehen, aber das nur am Rande.
Nun fragt sich der Leser, warum ich all das hier eigentlich schreibe. Einfach weil sich die Existenz des Popcomputers im Jahr 2001 ganz leicht beweisen lässt:
Dem Computer ist nämlich ein folgenschwerer Fehler unterlaufen. Er recykelt nicht nur alte Lieder, sondern auch alte Popstars. Dabei vergisst er, dass Menschen eigentlich älter werden müssten.
Zum Beispiel Morten Harket von a-ha. Mindestens zehn Jahre hörte man nichts von ihnen und letztes Jahr hatten sie plötzlich wieder einen Hit. Kein Problem, aber während die anderen Bandmitglieder mehr Falten und weniger Haare haben, sieht Morten Harket noch haargenau so aus wie damals. Er hat sogar noch dieselben Lederarmbänder.
Anderes Beispiel: Rick Astley. Es gibt keinen Unterschied zu früher, obwohl sein letzter Hit mindestens anderthalb Dekaden her ist.
Die Frage ist, wo diese Leute die letzten Jahre gesteckt haben. Entweder sind sie Hologramme, oder sie wurden eingefroren, um sie frisch zu halten. Sollte letzteres der Fall sein, frage ich mich wer denn in den Katakomben der Plattenfirmen noch so liegt. Gibt es vielleicht bald ein Comeback von Limahl, Samantha Fox oder schlimmer F. R. David.




















































































Ich stolperte vor einiger Zeit in einen alten Chat, in dem sich ein Mensch darüber mokierte, wie schlecht doch die gute Musik aus den 80ern sich in den 90ern entwickelt hätte. Nun habe ich dank meiner älteren Schwester noch den Abgesang der Beatles miterlebt und meine Teeniezeit mit Abba verbracht. Mir fiel selbst schon auf, wie gräßlich sich die Musik entwickelte mit Discofever. Als dann die Highenergy-Musik mit 16tel-Beat erfunden wurde, habe ich die Popmusik aufgegeben.
Wenn nun aber schon ein 80er-Jahre Teenie merkt, dass seine geliebte Popmusik einfach nur schlecht geworden ist, wie schlimm ist es dann wirklich?
Fragt sich EO