Homo Sapiens war erst die Vorstufe. Den Höhepunkt in der Entwicklung der Menschheit stellt der Fahrradfahrer dar, der vollendete Mensch. Doch keiner kann ihn leiden. Dabei tritt er strahlend mit immerwährendem Lächeln in die Pedale und ist schlicht berauscht ob seiner Großartigkeit.
Und er hat auch allen Grund dazu. Zum Beispiel ist das Fahrrad meines Wissens das einzige Fortbewegungsmittel, das geschlechterspezifisch produziert wird. Das Damenrad erscheint als Höhepunkt der Gleichberechtigung, ein Meilenstein in der Emanzipation. Hat die Frau etwa ein Damenauto oder –moped? Nö.
Die schier unfassbare Umweltfreundlichkeit des Fahrrades ist ein weiterer Grund der Großartigkeit des Radlers. Gerade die aktuelle Feinstaubdiskussion, die das Politikergedödeltum der Republik in hysterischen Aktionismus treibt, lässt den Radfahrer beispielsweise völlig kalt. Autofahrverbot in den Innenstädten? Ist dem Radler doch egal. Dann hat er die Straßen wenigstens für sich alleine.
Denn das ist neben der Erringung der Weltherrschaft das Ziel des Radfahrers. Wie irgendeine Geschichte, an die ich mich gerade nicht erinnere, uns lehrt, können vollendete Menschen nicht in Frieden mit autofahrenden Primaten leben. Dementsprechend arrogant verhält sich der Radfahrer im Straßenverkehr. Vielleicht ist das der Grund, weshalb den Radler niemand leiden kann, wie schon irgendwo geschrieben steht, ein bißchen weiter oben, glaube ich. Ein Beispiel:
Der Radfahrer weiß, dass es Radwege gibt. Die benutzt er aber nur, wenn er sieht, dass ein Autofahrer beim Versuch von einem Parkplatz auf die Straße zu gelangen zwangsläufig auf eben diesem Radweg steht und stundenlang auf eine Lücke im Verkehrsfluss wartet. In solchen Situationen fühlt sich der Radfahrer im Recht und ungeheuer wichtig. Er tritt mit voller Wucht gegen das Auto und bepöbelt den Autofahrer in nicht druckbarer Weise. Tief gedemütigt ergibt sich der Autofahrer in sein Schicksal, schließlich ist der Radweg ganz allein des Radfahrers Reich. Schließlich ist der Radfahrer der vollendete Mensch.
Deshalb darf der Radler auch gerne auf der Landstraße als gelb verkleidetes Rudel verhinderter Tour de France-Teilnehmer schleichen und den Autofahrern die Freude am Fahren nehmen. Oder zu dritt nebeneinander in einem Gespräch über Umweltschutz und Feinstaubproblemen versunken in einer engen Straße dem Autofahrer aus purer Gehässigkeit zu Schritttempo zwingen. Oder ohne Rücksicht auf Verluste durch die Fußgängerzonen rasen und den Fußgänger an sich als Freiwild betrachten. Denn der hat doch bestimmt irgendwo ein Auto stehen.
Und bei all seinem Verhalten fällt dem Fahrradfahrer auch gar nichts weiter auf. So ist er halt, der vollendete Mensch.












































































Bis er in sein in der Garage verstecktes Automobil steigt, das er benötigt, um viermal jährlich zu den Erbschleicherfesttagen Tante Käthe in Hanau zu besuchen. Dann ist aber Ende der Teerdecke, für die Radfahrer, die verfluchten.
Im übrigen ein Dankeschön fürs Amusement beim Lesen!
Jean