Neulich konnte ich mal wieder Werbung genießen. Und zwar als Leuchtplakat im ICE. Ägypten warb mit seinem „höchsten Gut. Die Sonne.“
Darf das Land das? Ich meine, die Sonne gehört schließlich jedem. Sogar Finnland, wo sie ja nur ein halbes Jahr oder so scheint.
Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Denn im Zentrum des Plakates stand folgendes Foto: Mit dem Rücken zur Kamera starrte ein offensichtliches Touristen-Pärchen in einem Boot sitzend irgendwelche Monumente an. Und scheint glücklich, ob der gemeinsamen Urlaubsidylle. Mit dem touristisch geprägten und recht konzentriert wirkenden Monumente-Starren versucht das Paar allerdings nur einen Grinse-Ägypter zu ignorieren, der vor ihnen auf dem Boot steht und fordernd die Hand aufhält. Denn wie das so ist, Monumente-Starren kostet in touristischen Hochkulturen Geld.
Da hilft auch kein Ignorieren, denn der Grinse-Ägypter wirkt hoch professionell und lässt sich nicht so leicht abwimmeln. 3.000 Jahre alte pyramidenförmige Gemäuer müssen schon einen kleinen Obolus wert sein. Wofür sind denn sonst tausende von Sklaven zu Tode gekommen.
(Wichtiger aber unnützer Einschub: Ich bin sogar der Meinung, dass die Pharaonen die ganzen Pyramiden nur bauen ließen, um bis in alle Ewigkeit von irgendwelchen Urlaubern die Kohle abzugreifen. Und sollte der Iran, Nord Korea, USA oder andere durchgeknallten Atommächte mit Nuklearraketen um sich werfen, werden von der Welt nur noch Cher und die ägyptischen Pyramiden übrig bleiben. Und ein Grinse-Ägypter, der von außerirdischen Besuchern Geld einnimmt. Wichtiger aber unnützer Einschub, Ende)
Aber was hat das alles mit der auf dem Plakat textlich erwähnten Sonne zu tun? Will der Typ etwa pro Sonnenstrahl abkassieren? Womit wir wieder beim Recht auf Sonne sind. Wenn Ägypten das vormacht, denkt sich der deutsche Staat bald eine Sonnensteuer aus. Damit lässt sich sogar der viel zitierte Klimawandel vergolden. Oder Deutschland behauptet, den Regen erfunden zu haben und kassiert bei den Briten ab.
Ein weiterer Blick auf das Plakat lässt mich innehalten und einen weiteren Schluss zu. Wenn man als Betrachter in die Knie geht, könnte man meinen, der Grinse-Ägypter hält die Sonne in seiner geöffneten Hand. Diese Fotos kennt doch eigentlich jeder Urlauber. Alle Hotelfotografen haben das Untergehende-Sonne-in-der-Hand-Foto im Repertoire. Und zudem besser als auf dem Plakat zu sehen ist.
Liegt vielleicht an der Sonne, die auf dem Plakat nicht wirklich als runde Scheibe am Himmel, sondern als irgendwie hellerer Fleck wahrzunehmen ist. Ist bestimmt Smog, Feinstaub, Klimakatastrophe oder Sandsturm schuld. Oder aber der miserable Fotograf, der das Plakate-Bild in Szene gesetzt hat. Entweder hat Ägypten keine besseren. Oder, was wahrscheinlicher ist, die Werbefläche im ICE war so teuer, dass sich Ägypten keinen vernünftigen Hotel-Fotografen mehr leisten konnte. Hätten sie vielleicht ein oder zwei Pyramiden verkaufen sollen.














































































Achel, ich will ein Kind von Dir=) Sehr schön geschrieben, viel Aufwand für die sprachliche Verwirklichung der kleinen Dinge im Leben, die so oft unausgesprochen bleiben, die wir alle aber haben
schon mal in unserem Kopf sprechen hören.
Mein Herz ist erfreut- immer wieder auf’s Neue- Deine Worte zu lesen…
Liebe Grüße J