Samstag Mittag gegen 12 Uhr fällt meiner Freundin ein, dass sie genau jetzt eine neue Pflanze für ihr Wohnzimmer bräuchte, und wir schleunigst zu Ikea fahren müssten. Als liebender und treusorgender Freund rief ich enthusiastisch: „Na gut.“
Dummerweise hatten um dieselbe Zeit etwa 3.723 Leute eine ähnliche Idee, so dass wir eine Stunde in einer Warteschlange voller Menschen stehen, ohne überhaupt zu ahnen, wo sich denn die Kasse befindet. Und schon wird man hinein gesogen in ein Panoptikum wunderlichster Kreaturen.
„Der kleine Robin Hill möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden“, schallt es aus dem Lautsprecher, während der einjährige Torben einen Berg Pakete auf dem Einkaufswagen seiner Eltern zu erklimmen versucht. Seine Mutter, Marke Holzspielzeug-Pädagogin, ermuntert ihn dabei mit den Worten: „Super, Torben.“ Seine etwa eineinhalb Jahre ältere Schwester Emelie nimmt das zum Anlass, einen noch höheren Pakete-Berg auf einem wildfremden Einkaufswagen zu erklettern. Während dessen Besitzer in Ermangelung einer anderen Möglichkeit milde genervt vor sich hin lächeln, fordert die Mutter streng: „Emelie, komm doch bitte, bitte da runter.“
„Der kleine Robin Hill möchte jetzt aber wirklich aus dem Kinderparadies abgeholt werden“, sagt der Lautsprecher, während Torben erbarmungswürdig losheult, da er sich zwischen zwei Wandschränken eingeklemmt hat. Sofort eilt die Mutter zu Hilfe und vergisst dabei Emelie, die das schamlos ausnutzt und wahllos Dinge von Mamis Wagen nach Torben schmeißt. Ein weiteres verzweifeltes „Bitte, Emelie“ der Mutter nutzt da auch nichts mehr. Ich wende meinen Blick ab und sehe einen Jüngling, der kurz vor einer Steinigung eines aufgebrachten Mobs steht. Er hatte wohl gewagt, mit der fadenscheinigen Begründung „Ich habe doch nur zwei Sachen“ sich an den Wartenden vorbeizudrängeln.
„Robin Hill möchte jetzt ganz dringend aus dem Kinderparadies abgeholt werden“, fleht ein zunehmend schriller werdender Lautsprecher, und ein Familienvater schmiedet perfide Pläne, um einen Tick schneller voranzukommen. Allerdings stößt er auf taube Ohren, da sich seine Teenagersöhne auf der Liege Longlö lümmeln.
Morbide Neugier treibt meinen Blick wieder zu Torben. Dieser ist endlich befreit, dafür steckt Emelie in einer Krise, da sie irgendwie auf einen Zwei-Meter-Stapel Kisten gelangte, nun aber den Abstieg nicht mehr wagt.
„Hol doch endlich irgendeiner Robin Hill aus dem Kinderparadies“, kreischt hysterisch der Lautsprecher, während wir die Pflanze meiner Freundin bezahlen. Mal sehen, vielleicht fahren wir nächste Woche wieder her, um zu sehn, was denn so aus Torben, Emelie und Robin geworden ist.



















































































