Endlich habe ich eine intellektuell anspruchsvolle Werbung entdeckt. Und zwar für das neue Campino. Sie geht so:
Verkaufsfrau: Hier. Probieren. Ganz toll lecker.
Frau: Die kenn ich.
Verkaufsfrau: Nee, die sind neu.
Frau: Oh, schmeckt nach Erdbeeren. Und Sahne.
Mann: Erdbeersahne.
Ist das nicht toll? Wie der mutmaßliche Ehemann so locker flockig die Situation analysiert und in einem einfachen Wort zusammenfasst. Erdbeersahne. Man muss sich das Wort mal wie die beworbenen Bollos auf der Zunge zergehen lassen. Erdbeersahne. Vier Silben, die das ganze Geseiere der beiden Frauen, die sich wahrscheinlich noch Stunden später Floskeln an die Omme geklatscht hätten, auf den Punkt bringt. Erdbeersahne. Vor allem hätte man die Werbung ohne diesen heroischen Ausspruch gar nicht verstanden.
Erdbeersahne.
Außerdem gibt es da gibt es auch noch diese Versicherungswerbung. Künstlerisch höchst wertvoll, da die ganze Zeit nicht ein Ton gesprochen wird. Wenn auch sinnlos:
Totale auf eine Frau. Die Kamera entfernt sich, und der Betrachter stellt fest: Aha, die Frau hat gerade einen Unfall gebaut. Sie entsteigt dem Wagen unverletzt. Der Wagen liegt auf dem Dach. Die Kamera entfernt sich weiter. Der Betrachter sieht nun das ganze Bild. Eine schnurgerade Straße. Weit und breit kein Hindernis in Sicht. Keine Bäume. Eine ebene Fläche. Hellichter Tag. Reifenspuren zeichnen auf der Straße einen plötzlichen Richtungswechsel um neunzig Grad und zeigen auf das Wrack, wo die Frau benommen steht und sich wahrscheinlich dasselbe fragt wie der Zuschauer. Wie zum Teufel konnte das passieren? Warum fuhr sie nicht dem Straßenverlauf folgend geradeaus weiter? Wieso dieser plötzliche Richtungswechsel? Was hat diese Fahrerin geritten, das Lenkrad so mir nichts dir nichts herumzureißen? Hat wahrscheinlich ein Bolchen gelutscht und versucht die Wörter Erdbeer und Sahne zu einem Ganzen zusammenzufassen und ist dabei sowohl gedanklich als auch fahrerisch kläglich gescheitert.


Hi, ich bin’s wieder!
Stimmt – wie im Kommentar zu “Grenzdebilie Werbung IV” schon angesprochen – Werbung ist heute zu einem großen Prozentsatz schwach (-sinnig, debil eben!).
Aber: Es hat keinen Zweck einen Grundsatzdisput über Werbung (muss sein vs. darf nicht sein) zu führen: Werbung muss sein! Sie ist das einzige Mittel mit dem beispielsweise der Kaufmann auf sich bzw. seine Produkte in einem größeren Umfeld aufmerksam machen kann – und so das Rad der Wirtschaft dreht. Davon leben alle Menschen!
Dass Werbung heute, und das ist meine Meinung, in der Regel immer schlechter wird, hat, neben vielen anderen Dingen, auch mit der Überflutung der Menschen an Informationen und Reizen zu tun, und mit der im Vergleich zu früheren Zeiten ungleich höheren Zahl von Produkten und Leistungen die es heute gibt. Was mich besonders betrübt ist, dass, aus meiner Sicht offensichtlich, sowohl Werbetreibende-Auftraggeber noch ihre -Auftragnehmer wenig Ahnung haben von dem was sie da tun bzw. was da für sie getan wird. Das allermeiste in der Werbung ist modernen Strömungen unterworfen (i. d. R. falsch im Sinne von: pseudopsychologisch, “cool”, pfiffig, lustig usw.), statt einfach nur in (alten) Büchern nachzuschauen – und es besser zu machen.
Und da können zwei Stück (Bücher) schon ausreichen!!
Leider ist der Mensch sehr häufig so gestrickt, dass er lieber etwas selber “suboptimal” macht (neu “erfindet”) bevor er sich an (alt-) bekannte Regeln hält. Das Resultat ist täglich überall, in allen Bereichen des Lebens, zu bestaunen!
Um so schlimmer ist die Erkenntis zu ertragen: Werbung muss (trotzdem) sein!
Beste Grüße
Helmut
@ Helmut,
für dich Für Werber
Ad Astra