Ich hockte mal wieder in der Redaktion als eine Pressemitteilung ins Haus flatterte. Von der AutoStadt, Wolfsburgs Tourismusmagnet. Im Großen und Ganzen stand da eigentlich nichts weiter, als dass Niedersachsens Ministerpräsident Wulff den AutoStadtStand auf dem Tag der Niedersachsen in Wolfsburg besucht hat.
Ja, liebe AutoStadt, deinen und eine ganze Menge anderer Stände, ich war dabei. Allerdings scheinen die anderen nicht so ein Trara darum zu machen. Warum dann du, liebe AutoStadt?
Sicher, dein Stand war bestimmt der innovativste überhaupt, und wir finden dich auch alle ganz toll und so. Aber du fühltest dich in den vergangenen Tagen wohl etwas vernachlässigt, oder? Wurdest nicht so beachtet wie du dir das vorstellst, ne? Da kam etwa Amelie Fried in deine Räumlichkeiten, erzählte interessante Sachen und diese Meldung ging einfach unter in der Lawine der Tag-der-Niedersachsen-Berichterstattung.
Das ist nicht schön, das sehe ich ein. Aber wie ein Vater sein verzogenes Kind, das mit klugschwätzerischen Kommentaren um Aufmerksamkeit buhlt, nehme ich dich hiermit beiseite, streichle liebevoll über dein kleines Köpfchen und sage dir folgendes:
Guck mal, du bist viel beliebter als alle anderen Kinder der Stadt. Einige versuchen dich sogar nachzuahmen und schreiben sich genauso wie du, kleine AutoStadt. Die LandFrauen beispielsweise. Und wir, die Medien, sind auch immer gerne dabei, wenn du, sagen wir mal, ein Schwimmbad eröffnest. Wir sagen auch nichts weiter, wenn du in deinem Selbstbedienungs-Restaurant ?Lagune? ein paar Tische und Stühle verrückst und das dann als frische neue Idee und ganz, ganz tolle Innovation verkaufst.
Ist das denn da sooooo schlimm, wenn einmal andere im Mittelpunkt des Interesses stehen? Hast du es wirklich nötig, dass du dich ständig in den Vordergrund spielen möchtest? Was soll erst passieren, wenn das Phaeno in Wolfsburg seine Eröffnung feiert? Dann bist du, süße Autostadt, die ältere Schwester. Und wie das halt so ist, ist das kleine Brüderchen am Anfang noch viel, viel niedlicher. Alle Freunde und Verwandten kommen zu Besuch, rufen verzückt ?Kutschibutschibu? und lassen dich erst einmal links liegen.
Das tut weh, ich weiß. Aber leg als ältere Schwester einfach ein wenig Weisheit an den Tag und lass die anderen auch mal mit den Medien spielen, ohne dass du dich mit den Worten ?Ich war aber auch da? einmischst.
Und bei einer Sache kannst du dir sicher sein, wir haben dich immer noch ganz doll lieb.


