?Der Türke an sich fährt ja schon gerne laut hupend im Auto-Korso umher?, hörte ich neulich jemanden in der Kneipe schmunzeln.
Abgesehen davon, dass dieser Satz als sinnlose Klischeevergeudung eigentlich schlicht verboten ist, passierte dem Schmunzler Unangenehmes. Aus dem Nichts materialisierte sich nämlich ein Gutmensch mit erhobenen Zeigefinger fuchtelnd und wollte die ganze Sache jetzt mal bei einem Glas Entspannungstee ausdiskutieren. Schließlich sei das eine fiese Pauschalisierung. Und für einen Gutmenschen ist nichts schlimmer, als eine ganze Bevölkerungsgruppe über einen Kamm zu scheren.
Selbst wenn ein Großteil der Amerikaner etwa behaupten würde, die Schweiz sei die Hauptstadt von Spanien, gebe es immer noch mindestens 13 Leute, die das nicht so sehen, und diese verdienen dann auch gefälligst Erwähnung, wenn man nicht von der Political-Correctness-Polizei verhaftet werden möchte.
Das Leben eines Gutmenschen ist ein leichtes. Ständig muss er auf der Hut sein und die Mitmenschen auf ihre politisch unkorrekten Entgleisungen aufmerksam machen. Komplizierte Satzgebilde wie ?Diese kosmetisch benachteiligte Person hat gerade das Bedürfnis, eine aufgeschäumte, mit Schokolade überzogene Masse auf Waffelbasis zu essen? (= Gib sofort dem hässlichen Typen einen Negerkuss) erleichtern die Belehrung der Menschen auch nicht immer.
Gerade bezogen auf das Essen steht der Gutmensch vor unlösbaren Problemen. Jeder Restaurantbesuch mündet in wilden Belehrungsorgien, da dort zuhauf fleischfressende Barbaren in qualvoll zermetzelte Tiere beißen. Wegen all dieser Unbelehrbaren, die zu belehren der Gutmensch trotzdem versucht, hat er nur wenig Zeit, sich seinen Hobbies wie am Lagerfeuer sitzen, Gitarre spielen oder barfuß im Regen tanzen, nachzugehen.
Und an dieser Stelle entschuldige ich mich gleich für die politisch unkorrekte Pauschalisierng der so genannten Gutmenschen, die mitnichten alle barfuß im Regen tanzen, und auch nicht allen den im Text genannten Aktivitäten frönen. Tut mir Leid.


