„Ich habe vor kurzem meine Hose verloren. Und sie können das auch“, sagt der Kerl am Wegesrand und deutet mit dem Finger auf Meisel und mich.
Und bevor ich einschreiten kann, fragt Meisel: „Und wie?“
Tja, und nun folgt ein Monolog des Hosenlosen, den ich schon letzte Woche genießen konnte, als ich denselben Fehler wie Meisel machte. Daher schicke ich nun meine Blicke auf Reisen und sehe was, was du nicht siehst.
Nämlich eine Kuh, die verzweifelt versucht, Quickstep zu tanzen, um ihren Melker zu beeindrucken. Doch das gelingt nicht. Der Melker hat nur Augen für die Marmelade spendenden Brüste der Moderatorin von „Landwirtschaft Heute“.
Meine Blicke schwenken weiter und erfassen ein uraltes Greisenpaar, die sich aus purer Lust und Liebe und Leidenschaft ihre Gebisse aus dem Mund nehmen und sie zärtlich in den Mund ihres Gegenübers schieben. Die senile Abart eines Zungenkusses. Ein Rentnernebenbuhler hinter einem Gebüsch beobachtet die Szene und bekommt zeitgleich eine Erektion und einen Herzinfarkt. Dramatisches Rentnernebenbuhlerschicksal.
Und kein Krankenwagen weit und breit. Die Krankenpfleger demonstrieren nämlich gerade, wie wir zwei Straßen weiter gesehen haben. Einer hat Meisel und mich sogar angesprochen mit den Worten:
„Wir sind alle verantwortlich.“
„Ja, das will ich auch hoffen“, antwortete Meisel, der schon hier nicht seine Klappe halten konnte. Doch in dieser Szene hatte sein Hang zur Konversation keine Auswirkungen, da sich der Krankenpfleger nur beleidigt von dannen machte.
Zurück zum Herzinfarkt.
Das Greisenpaar vertauscht inzwischen ihre Hörgeräte und Brillen und bekommt daher nichts von der Außenwelt mit. Doch es stellt sich heraus, dass der Herzinfarkt nur vorgetäuscht ist, und da der erhoffte Effekt, welcher das auch immer ist, ausbleibt, erholt sich der Rentnernebenbuhler auf wunderbare Weise und schleicht leise in sich hinein meckernd davon.
Nun hat der hosenlose Typ auch geendet und auch Meisel seine Hose verloren.
Und da mir an dieser Stelle keine Schlusspointe einfällt, wandern wir schweigend einem unbestimmten Ziel entgegen.



















































































