?Halt. Ich bin jetzt verwirrt?, sagt Dumpfsuse und beginnt, sich im Kreis zu drehen.
?Wieso? Das ist ein Kaufhaus, und ich suche ein Mini-U-Boot. Was ist daran so kompliziert??, frage ich.
?Sinnfreier Bewegungsdrang?, ruft Gunter, der ebenfalls dabei steht.
Wir lassen Dumpfsuse weiter drehen und schwenken zur Fischtheke.
?Holde Verkäuferin der Wasserwesen. Wir suchen Mini-U-Boote?, sagt Gunter.
?Blau?, sage ich.
?Wir ham nur Fisch?, sagt die, die hinter der Theke steht.
?Soso. Fisch?, meint Gunter.
?Gibt es den auch mit Solarantrieb??, will ich wissen.
?Nein. Äh, wir haben Lachs, Dorsch, Schillerlocken…?, sagt die, die hinter der Theke staunt.
?Hihi. Sie verkaufen Haare??, kichert Gunter.
?Diesen Dorsch. Den kenne ich nicht?, sage ich ernst und schlage mit der Faust auf den Tresen.
In diesem Moment taucht Dumpfsuse auf und will Schiller locken.
?Kooooomm Schiller. Nun komm schon. Puttputtputt.?
?Das habe ich nich verdient?, schluchzt die, die hinter der Theke stammelt. Und bekommt von Gunter einen Luftballon mit der Aufschrift ?Nehmen Sie sich frei?.
Wir lassen die Fischtheke hinter uns. Gunter entdeckt Schokoladennikoläuse. Er nimmt ein Dutzend an sich und verteilt sie an Kinder, die mit ihren genervten Müttern unterwegs sind.
?Frohe Weihnachten?, ruft er jedesmal vergnügt.
?Es ist gerade mal Anfang Oktober?, gebe ich zu Bedenken.
?Wenn Kaufhäuser der Meinung sind, Anfang Oktober ist die richtige Zeit, um mit Weihnachten zu beginnen, beginnt Weihnachten eben Anfang Oktober?, rechtfertigt sich Gunter.
?O tempora! O mores!?, sagt Dumpfsuse in einem Anfall humanistischer Schulbildung.
?Drei Monate Weihnachten sind zuviel?, beharre ich.
?Außerdem beginnt am 11. 11. der Karneval?, bemerkt Dumpfsuse.
?Mitte Januar startet auch schon die Osterhasenverkaufssaison. Kurz nach den Umtauschscherereien?, sagt Gunter.
?Ich will einen Monat ohne Thema!?, schreie ich einen Verkäufer an.
Doch der heult und jammert nur: ?Ich habe mich verlaufen.?
Dumpfsuses Mutterinstinkte erwachen: ?Na, komm mein Kleiner. Wo ist denn deine Abteilung??
Ein tiefes Schluchzen: ?Weiß nich. Eben war sie noch da.?
Gunter gibt ihm einen Luftballon mit der Aufschrift ?Von wegen Mitleid?.
?Wie heißt du denn, mein Kleiner??, fragt Dumpfsuse in ihrer Mutterrolle aufgehend.
?Gunter?, sagt Gunter.
?Die Hure Babylon, Monn?, sage ich.
?Elmar?, sagt die verlorene Verkäufereinheit Elmar.
?Also, wir gehen jetzt alle zusammen zur Info und lassen deine Abteilung suchen. Sie macht sich bestimmt auch schon Sorgen?, muttert Dumpfsuse.
??a?, murmelt Elmar.
Wir durchschreiten mit Elmar eine Tür, auf der mit roten Großbuchstaben PRIVAT steht, das Äquivalent eines drohenden Zeigefingers.
Die bunte Welt des Konsums liegt hinter uns. Hier gibt es einen langen Gang mit grauem Fußboden, grauen Wänden, unterbrochen von grauen Türen, Sogar Elmar wirkt nun grau.
?Die Gräulinge haben die Weltherrschaft an sich gerissen?, sagt Gunter.
?Heute grau und morgen grau und übermorgen wieder?, singe ich.
Wir betreten einen Raum, wo eine Mitarbeiterin grimmig in ein Mikrophon hineinredet. Sie bedeutet uns zu warten und spricht in das Mikrophon von Dauertiefkühlpreisen und schnappenden Schnäppchen. Dann wendet sie sich uns zu. ?Und??, fragt sie.
?Das ist der kleine Elmar. Er hat seine Abteilung verloren?, sagt Dumpfsuse.
?Oh, da muss ich die zuständige Seele berufen. Warten sie bitte hier?, sagt die Mikrophonösin und entfleucht.
?Die 12 an die 117, die 39 sofort zum Holzkopf, die 17 und 4 zur 23, die 42 bleibt, wo sie ist, Läufer schlägt Turm, D2 auf C1, 52 geht über Los, 13 schleicht sich an die 27 an und 15 lässt ihr Haar hinab?, rufe ich in das Mikrophon.
Und nun betritt eine Person den Raum, Marke graumelierter Herr mit miserablem Krawattengeschmack.
?Das dürfen sie nicht!, ruft er mir zu.
?Das überrascht mich nicht!?, rufe ich zurück.
Während wir aus dem Kaufhaus rausgeschmissen werden, das durch meine Mikroansprache derzeit im Chaos versinkt, erfahren wir noch, dass Elmar zur Mini-U-Boot-Abteilung gehört.
?Diem perdidi.?, sagt Dumpfsuse in einem letzten Anfall humanistischer Schulbildung.


