„Fasching. Fastnacht. Karnevalismus pur. Es gibt kein Entrinnen“, stöhnt Meisel.
„Karnevandalismus“, entgegne ich.
Wir fahren mit seinem Wagen durch die Gegend und suchen einen Ort ohne Fasching. Doch auch die entlegensten Ecken sind verseucht.
„Fahren wir doch zu den Biologen, die haben bekanntlich gar keinen Humor“, sagt Meisel.
„Ja, aber ist nicht genau das die Grundvoraussetzung, Karneval zu feiern?“, frage ich.
Und plötzlich verkündet ein Schild „Mikrobenfasching“.
„Meine Güte, nun sogar schon die Mikroben“, verzweifele ich.
„Das will ich sehen“, spricht Meisel und befiehlt dem Wagen zu halten.
Tatsächlich feiern hier allerdings keine Mikroben, sondern nur die Leute, die die Mikroben beobachten, essen, züchten oder zu Cocktails verarbeiten.
Bei unserer Ankunft zeigt die Party gerade ihr hässlichstes Gesicht.
„Hossa!“, schreit das Soundsystem.
„Hossa!“, schreien verkleidete Wesen zurück, formieren sich zu einem Kreis, werfen ihre Beine von sich und wundern sich jedesmal aufs Neue, dass sie wieder zurück kommen. Bumerangbeine.
Um die Realität zu verdrängen, suchen wir verzweifelt die Bar, doch die befindet sich dramatischerweise am gegenüberliegenden Ende der Tanzfläche.
„Ich traue mich nicht“, rufe ich Meisel zu, aber er kämpft sich schon durch die wogende Masse, die sich asynchron zum jeweiligen Schlager bewegt.
Die Bar entschädigt uns mit Alkohol, der es uns ermöglicht, dem Treiben unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken, ohne weinend zusammenzubrechen.
Ungesund wird teuer
Renate Künast hatte eine Idee. Und wie es bei Politikern nun einmal so ist, bedeutet diese Idee, dass mehr Geld für irgend etwas gezahlt werden muss.
Diesmal sind es ungesunde Lebensmittel. Zum Beispiel salzige (ihgitt), fettige (pfui) Pommes (Würg). Noch sind sie um einiges günstiger als der gesunde Salat, der ein tiefes Loch in die Haushaltskasse des Normalverbrauchers reißt. Doch schon bald, geht es nach Künast, muss der Konsument für seine ungesunden Lebensmittel teuer bezahlen. Und das nicht nur bildlich, sondern im tatsächlichen monetären Sinne. Ja, mit Geld.
Gesetzt den Fall, Pommes und ähnliches wird unermesslich teuer. Dann können sich nur noch die Besserverdiener den Wanst mit Fettigkeiten vollschlagen. Gut, sie werden über kurz oder lang fiese Krankheiten wie etwa Übergewicht erleiden, aber sie haben auch das Geld, diese behandeln zu lassen.
Der nicht so gut Verdienende macht dagegen einen weiten Bogen um das dekadente ungesunde Essen. Damit bleibt er gesund, was ein Riesenvorteil ist, da er sich eventuell anfallende Arztkosten eh nicht leisten kann. Gesund als finanzieller Selbsterhaltungstrieb.
Es sei ein Kampf gegen Übergewicht und Karies, tönt es zu Künasts Unterstützung aus den Grünen Reihen von Ulrike Höfken. Was ja eigentlich nur bedeutet, dass Künast und Höfken des Anblicks dicker Menschen mit schlechten Zähnen überdrüssig sind, und dass die beiden ein Volk aus gestählten Model-Typen wollen, die in ihrer ästhetischen Erhabenheit über die Unzulänglichkeiten der Politik hinwegstrahlen können. „Das Land geht den Bach runter, aber wir sehen alle dabei unheimlich toll aus“, so das Motto.
Und um das zu erreichen, ist die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf ungesunde Lebensmittel einfach nicht genug. In jeder Küche der Republik sollte ein Ernährungskontrolleur sitzen. Dieser sieht wohlwollend auf das Tomaten-Mozarella-Brötchen, schreibt aber bei Überwürzung mit Salz und Pfeffer Strafpunkte auf, die wieder zusätzlich Geld kosten. Und wehe der Proband zündet sich eine Zigarette an oder wagt es, einen Kaffee zu trinken. Das wird dann richtig teuer.



















































































