Morgens 04:00 Uhr, die beste Zeit, um eine leere Seite vollzukritzeln. Wieviel Seiten wären wohl leer geblieben, gäbe es diese magische Zeit der Muße und inneren Einkehr nicht. Und Schlaflosigkeit durch übermäßigem Kaffeegenuss.
Carpe Noctem.
Willkommen also zum diesnächtlichen Kapitel, heute geht es um die sogenannten Wir-Menschen.
Zwei Individuen, die ihre Individualität völlig aufgeben, um zu einer Mutation eines Paares zu werden.
Prachtexemplare dieser Gattung habe ich bei der letzten Geburtstagsfeier eines Freundes in freier Wildbahn beobachten dürfen. Beide ungefähr dreißig Jahre alt, seit fünfzehn Jahren die jeweilige Individualität aufgegeben. Und stolz darauf, wie prima sie harmonieren.
Jedes Mal, wenn sie ihre Meinung kund taten, fragte ich mich, wer jetzt eigentlich seine Meinung zum Besten gibt, und wessen Meinung hier unterdrückt wird. Wer von beiden ist der Meinungsschmarotzer?
Wie mögen sich die beiden kennengelernt haben?
?Hallo. Ich habe Ansichten über dieses und jeden. Ich habe zwar keine Ahnung, aber das hindert mich nicht daran, den größten Blödsinn zu erzählen.?
?Oh, das trifft sich gut. Ich habe zwar keine Ansichten, dafür aber auch keine Ahnung. Außerdem bin ich auch noch oberflächlich.?
?Das ist ja toll. Lass uns ein Paar werden. Und fortan können wir Leute mit oberflächlichen Ahnungslosigkeiten penetrieren und zur Unterstreichung unserer nichtigen Ansichten fortan WIR sagen.?
Ist das nicht allerliebst?


