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  • Angela Merkel ungeschminkt

    geschrieben am 18. Dezember 2012 von Jens Berger

    Angela Merkel ist beim Volk beliebt. Die Medien haben ihr das realitätsferne Image der „Mutti“ verliehen, die sich treusorgend aber stets auch mit der gebotenen Strenge um ihre Familie kümmert. So etwas kommt bei den Wählern offensichtlich an und Merkel gibt sich auch redlich Mühe, dieses Image nicht dadurch zu zerstören, dass sie auch einmal sagt, was sie denkt. Ausnahmen von dieser Regel sind rar. Eine solche Ausnahme stellt das Interview dar, dass Merkel zu Beginn der Woche der britischen Financial Times gegeben hat.

    „Wenn Europa heute sieben Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, etwa 25 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet und damit 50 Prozent der weltweiten Sozialkosten finanzieren muss, dann ist es offensichtlich, dass es künftig sehr hart arbeiten muss, um seinen Wohlstand und Lebensstil zu erhalten. Wir alle müssen aufhören, jedes Jahr mehr auszugeben als wir einnehmen.“
    Angela Merkel in der Financial Times

    Wie definiert die Kanzlerin eigentlich „Wohlstand“? Der Duden definiert „Wohlstand“ als „Maß an Wohlhabenheit, die jemandem wirtschaftliche Sicherheit gibt“ und trifft damit den Kern. Nimmt man Frau Merkel wörtlich, gefährdet demnach das Sozialsystem die soziökonomische Sicherheit der Bevölkerung. Das ist freilich absurd, doch Angela Merkels ökonomisches Weltbild war auch in der Vergangenheit stets von Absurditäten durchzogen – man muss hier nur an die „schwäbische Hausfrau“ als volkswirtschaftliches Leitbild denken. Angela Merkel begeht hier gleich zwei Denkfehler.

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    NDS Videopodcast 12/03 Wer profitiert von den Rettungspaketen?

    geschrieben am 14. Dezember 2012 von Jens Berger

    In diesem Videopocast beantworten die NachDenkSeiten Fragen ihrer Leser. Heute geht es um die Frage, an wen in der Eurokrise eigentlich die Gelder aus den Rettungspaketen fließen.

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    Russische Boni für das CERN

    geschrieben am 13. Dezember 2012 von Jens Berger

    Ein Gastartikel von Alexander Unzicker

    Dass einen erfolgreichen russischen Unternehmer das heranrückende Ende des Steuerjahres genötigt hat, noch im Dezember der Physik sechs Millionen Dollar als absetzbare Gabe zu spendieren, darf man als unwahrscheinlich ansehen. Eher hatte der Internetunternehmer Yuri Milner wohl im Sinn, am Todestag Alfred Nobels, an dem traditionell Forscher in Stockholm die höchste Auszeichnung der Wissenschaft entgegennehmen, seinen eigenen Namen in Stein zu meißeln. Milners Preis ist, wie nicht ohne Häme vermerkt wird, dreimal so hoch wie die Auszahlungen der von der Finanzkrise gebeutelten Stiftung – wirtschaftlich gesehen, verschwindet Nobels Pulver also fast unter dem Kies des Oligarchen. Wissenschaftlich sollte man ein wenig genauer hinsehen.

    Erinnern wir uns: Ende Juli 2012 wurde die Fachwelt bereits von Milner überrascht, nicht nur durch die satte Höhe von insgesamt 27 Millionen Dollar Preisgeld der ersten Tranche des Fundamental Physics Prize, sondern vor allem durch die Empfänger. Es handelte sich sämtlich um Vertreter exotischer Theorien wie `Superstrings’, `Extradimensionen’ und `kosmischen Inflationen’, die eines gemeinsam hatten: Sie sind durch kein Experiment überprüfbar und daher im methodischen Sinne keine Naturwissenschaft. Durch die vernichtende Kritik angesehener Theoretiker wie Lee Smolin oder Roger Penrose hatten diese Spekulationen auch schon erheblich an Kreditwürdigkeit eingebüßt. Und schließlich hatte sich auch das Nobelkomitee stets energisch gewehrt, die empirische Methode über Bord zu werfen, mit der die Physik seit Galilei erfolgreich war – mit der altmodischen Bedingung, ein Wissenschaftler möge für seine schönen Theorien auch ein denkbares Experiment als Pfand hinterlegen.

    Doch die Zeiten ändern sich. Dass Milner seinen eigenen Sachverstand über den der Schwedischen Akademie, ja über jedwede Gutachterrunde stellt, ist plump – die Omnipotenzphantasie eines Physik-Aussteigers. Noch entfernter von der Wissenschaft sind aber eigentlich jene Stringtheoretiker, die Tausende von Veröffentlichungen zu `Supersymmetrie’, `holographischen’ und `anthropischen Prinzipien’ schreiben, die jeden Bezug zur Realität verloren haben – eine klassische Spekulationsblase, bei der nun auch das Vertrauen von gutgläubigen Physikern schwindet. Insofern ist es geradezu tragikomisch, dass ein intelligenter Mann wie Milner sich in der Wissenschaftsgeschichte nun einen Namen erkauft hat als jener Tor, der heftig in ein wissenschaftlich bankrottes Unternehmen investiert hat.

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    43 Kommentare

    Bochum ist überall

    geschrieben am 12. Dezember 2012 von Jens Berger

    Philipp Rösler ist „sauer“ auf das Management von General Motors und auch der deutsche Blätterwald schießt scharf in Richtung Detroit, während die Kanzlerin beharrlich schweigt und die Tagesschau sich über die Berichterstattung der amerikanischen Medien echauffiert. Die öffentliche Diskussion hierzulande erinnert immer mehr an die berühmten drei Affen – nichts sehen, nichts hören und nichts Unbequemes sagen. Dabei ist die angekündigte Schließung des Opel-Werks in Bochum nur ein weiterer Mosaikstein in der tiefgreifenden Wirtschaftskrise, in die nicht zuletzt die deutsche Regierung den Euroraum manövriert hat.

    Glaubt man dem deutschen Blätterwald ist das Bochumer Opel-Werk ein Opfer von Managementfehlern. Für die Süddeutsche Zeitung sind beispielweise der López-Effekt, eine schlechte Informationspolitik und das US-Management maßgeblich für den angekündigten Tod der Automobilproduktion in Bochum verantwortlich. Und die Süddeutsche ist mit ihrer Interpretation keineswegs allein. Doch Bochum ist überall. Das belgische Bochum heißt Genk, dort schließt der Automobilkonzern Ford Ende 2014 sein Werk und schickt 4.300 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit. In Großbritannien werden bereits im nächsten Jahr die Ford-Werke in Southampton und Dagenham die Tore schließen. Das polnische Bochum heißt Tychy, dort baut der italienische Konzern Fiat nun im ersten Schritt 1.500 Stellen ab. Auch die französische PSA-Group (Peugeot und Citroen) wird bis Mitte 2014 11.000 Arbeitsplätze in der Produktion abbauen, während der schwedische Automobilbauer Volvo die Kurzarbeit eingeführt hat und die Verträge für Leiharbeiter nicht verlängern will. Sind tatsächlich Managementfehler für all diese Horrornachrichten verantwortlich?

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    Steinbrücks Nominierungsrede und was dazu zu sagen wäre

    geschrieben am 11. Dezember 2012 von Jens Berger

    In seinem gestrigen Beitrag „Steinbrücks Rede: Ein kräftiges Sowohl-als-auch“ kündigte Albrecht Müller bereits an, dass die NachDenkSeiten sich noch einmal ausführlich mit zur Nominierungsrede von Peer Steinbrück äußern würden. Steinbrück mag die Delegierten in Hannover überzeugt haben, die NachDenkSeiten konnte er nicht überzeugen. Für unsere Leser haben wir einige Kernpassagen aus Steinbrücks Rede herausgesucht und sie für Sie analysiert.

    Steinbrück und die Agenda 2010

    Wir lassen uns auch nicht, liebe Genossinnen und Genossen, die Rendite der Reformpolitik der Regierung Schröder stehlen, die vielen ausländischen Beobachtern Deutschland wie ein Märchenland vorkommen lässt. Wir sind es gewesen, die damals gegen Widerstände und trotz Schwierigkeiten dieses Land vorangebracht haben! Auch das gehört zur Bilanz sozialdemokratischer Politik.
    Nominierungsrede, Seite 4

    Während der gesamten 100-minütigen Rede verlor Peer Steinbrück kein einziges kritisches Wort zur politischen Vergangenheit der SPD zwischen 1998 und 2009. Das Wort „Agenda“ kommt in seiner Rede gar nicht vor – auch der Begriff „Hartz IV“ kommt ein keiner Stelle vor. Von einem Richtungswechsel ist hier überhaupt nichts zu spüren. Im Gegenteil. Steinbrück bleibt sich treu. Der Mann, der vor zwei Jahren überzeugt war, „dass die Agenda einmal als eine der größten politischen Leistungen der Nachkriegszeit in die Geschichtsbücher eingehen wird“ und seiner Partei noch vor drei Monaten beim Stichwort „Umgang mit der Agenda 2010“ geraten hat, „etwas mehr Stolz, etwas mehr Selbstbewusstsein über das, was uns gelungen ist“, zu üben, blieb seiner Linie auch in Hannover treu. Dabei ist es ein echtes Kunststück, 100 Minuten über Politik zu reden und sozialökonomische Missstände anzuprangern, ohne die Ursache für diese Missstände beim Namen zu nennen. Stellenweise geriet Steinbrücks Kritik an der Realität da schon zu unfreiwilliger Komik:

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