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  • Die Agenda des Salzwasserökonomen

    geschrieben am 19. Juni 2012 von Jens Berger

    Mit seinem Buch „Vergesst die Krise! Warum wir jetzt Geld ausgeben müssen“ liefert der US-Ökonom Paul Krugman einen wortmächtigen Gegenentwurf zur Ideologie des „Kaputtsparens“. Er versteht es einmal mehr, mit einfachen Worten und Metaphern volkswirtschaftliche Zusammenhänge so darzustellen, dass sie auch von Lesern ohne große Vorkenntnisse verstanden werden können.

    Paul Krugman sei der erste Blogger, der einen Nobelpreis gewonnen hat – so lautet ein Bonmot, das vor allem von seinen Gegnern immer wieder gerne fallengelassen wird. Krugmans Gegner sind die Republikaner, über die er in seinen Kolumnen und Blogs mit Vorliebe herfällt, und die „Süßwasserökonomen“. In den USA ist die Trennung der wirtschaftswissenschaftlichen Strömungen seit den letzten Jahrzehnten auch geographisch bemerkbar – in den großen Universitäten an der Atlantik- und der Pazifikküste (also am Salzwasser) wird vornehmlich eine nachfrageorientierte Ökonomie gelehrt, die sich auf John Maynard Keynes beruft, während man an den Universitäten im Landesinneren (also am Süßwasser) eher zu einer angebotsorientierten, sich auf Milton Friedman berufenden Ökonomie tendiert. Krugman lehrt in Princeton, New Jersey, und ist nicht nur geographisch ein „Salzwasserökonom“. In seinen Kolumnen und Blogs in der New York Times hat Krugman die Funktion des Sprachrohrs der nachfrageorientierten Ökonomie eingenommen. Seine große Stärke ist es, ökonomische Sachverhalte wortgewandt und allgemeinverständlich zu erklären – klar, dass ihm das nicht nur Freunde einbringt. Die NachDenkSeiten zählen zweifelsohne zu seinen Freunden und weisen regelmäßig auf interessante und gute Beiträge von Paul Krugman hin. Gäbe es einen deutschen Paul Krugman, hätte es der Neoliberalismus sicher nicht so einfach gehabt, sich in den Köpfen unserer Mitbürger und Politiker festzusetzen. In Krugmans „Ökonomengeographie“ ist Deutschland tiefstes Süßwasser.

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    262 Kommentare

    Schwere Schlappe für russischen Chefermittler

    geschrieben am 19. Juni 2012 von Jens Berger

    Der russische Chef-Ermittler drohte einem Journalisten der Novaya Gazeta mit dem Leben. Dann entschuldigte er sich unter dem Druck der kritischen Öffentlichkeit.

    ein Gastartikel von Ulrich Heyden, Moskau

    30 russische Journalisten protestierten am vergangenen Mittwoch vor dem Gebäude des russischen Ermittlungskomitees in der Moskauer Technitscheski-Gasse. Es ging um den Schutz der journalistischen Arbeit in Russland, denn etwas Ungeheuerliches war passiert. Der Leiter des russischen Ermittlungskomitees, Aleksandr Bastrykin, hatte dem stellvertretenden Chefredakteur der Kreml-kritischen Novaya Gazeta, Sergej Sokolow, der die Ermittlungs-Abteilung des Blattes leitete, mit dem Leben gedroht, worauf dieser ins Ausland flüchtete.

    Entschuldigung vor laufender Kamera

    Am Donnerstag hatte sich Bastrykin während eines Treffens mit Moskauer Chefredakteuren für seinen „emotionalen Ausbruch“ gegenüber Sokolow entschuldigt und seine Anspannung wegen dem Mord an einem Ermittler in Dagestan als Begründung angeführt. Vor laufender Kamera schüttelten sich Chef-Ermittler Bastrykin und der Chefredakteur der Novaya Gazeta, Dmitri Muratow, die Hände. Bastrykin erklärte, „beide Seiten haben sich entschuldigt“. Wofür sich beide Seiten genau entschuldigten blieb jedoch unklar.

    Harte Kreml-Kritiker sprechen von „Verrat“

    Nach dem Handschlag zwischen Chefredakteur Muratow und Chef-Ermittler Bastrykin macht nun in der Kreml-kritischen Szene Moskaus das Wort „Verrat“ die Runde. Den Vorwurf weist die Novaya Gazeta in einer redaktionellen Erklärung zurück. Aufgabe der Zeitung sei es nicht, den Rücktritt des Chef-Ermittlers durchzusetzen, sondern für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen. Dies sei erreicht worden. Denn Bastrykin habe Sokolow und den Journalisten des Blattes, die im Nord-Kaukasus arbeiten, eine Sicherheitsgarantie gegeben.

    Die Journalistin Olga Allenowa, die für den Kommersant aus dem Kaukasus berichtet, schrieb in ihrem Blog, dass Bastrykin sich entschuldigt habe, sei ein wichtiges Signal an alle unteren Dienstränge, dass man „emotionale Ausfälle lieber nicht zulässt“. Dass Bastrykin sich entschuldigt habe, sei „ein Durchbruch“, denn gewöhnlich entschuldigten sich Vertreter des Staates nicht. Denn das werde gemeinhin als Zeichen der „Schwäche“ aufgenommen.

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    Wenn sie uns vorsterben wollten…

    geschrieben am 18. Juni 2012 von Jens Berger

    Zur Gauck-Rede an der Hamburger Bundeswehrakademie

    ein Gastartikel von Holdger Platta

    „Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
    Ich kenn auch die Herren Verfasser;
    Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
    Und predigten öffentlich Wasser.“
    (Heinrich Heine „Deutschland ein Wintermärchen“)

    Ist Herr Gauck noch recht bei Troste? Oder ist das alles kalkuliert?

    Herr Gauck hat in Hamburg an der Bundeswehrakademie den Satz von sich gegeben: „Daß es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glückssüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen.“ Und anschließend warf er uns auch dieses noch vor: „Hedonismus“, also das „Verlangen nach Sinneslust“ (so die DUDEN-Definition).

    In der Tat: human gebliebene Menschen ertragen das Unglück anderer Mitmenschen schwer, und staatlich verordneten Tod (dem die Tötung anderer Menschen womöglich vorausging) noch weniger. Diese Ablehnung von Unglück und Tod stellt die Reaktion empathiefähiger Mitmenschen dar, die Reaktion beziehungsfähiger Menschen, die Reaktion von Menschen, denen das Weiterleben anderer Menschen noch etwas bedeutet, denen Frieden etwas bedeutet und Mitmenschlichkeit. Aber man faßt es nicht: diese Menschen finden sich bei Gauck als „glückssüchtige“ Menschen etikettiert. Noch einmal gefragt: ist dieser Herr noch bei Sinnen? Oder verfolgt er bereits sehr genau berechnete Zwecke? Doch der Reihe nach:

    Erstens: Wer die Glückssuche und das Glücksbedürfnis von Menschen – oder einer ganzen Gesellschaft – als „Sucht“ qualifiziert, pathologisiert diese Suche und dieses Bedürfnis. Der Begriff der „Sucht“ stellt diese Strebungen des Menschen nach Glück auf eine Stufe mit Abhängigkeiten von Alkohol und Heroin, er macht aus diesen Strebungen einen Krankheitsfall für die Psychiatrie.

    Zweitens: Wer diese Glückssuche und dieses Glücksbedürfnis dabei ausgerechnet solchen Menschen als Krankheitssymptome zuschreibt, die den Tod anderer Menschen nicht wollen, pathologisiert damit auch gleich die Friedenssehnsucht der Menschen! Kurz: auch Pazifismus ist, dem Bundespräsidenten zufolge, ein Erkrankungszustand, auch Pazifismus ist so etwas ähnliches wie Alkohol- oder Heroinsucht.

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    191 Kommentare

    Open Thread: Gauck und der Krieg

    geschrieben am 15. Juni 2012 von Jens Berger

    „Und dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glückssüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen”

    die kritisierten Zitate sind ab Min. 22:00 zu sehen

    zum Thema:

    Albrecht Müller – Worte des Bundespräsidenten: Ekelhaft und geschichtsvergessen”

    Konrad Hartmann-Meister – Herr Gauck sucht das Glück

    Meinungen zur Gauck-Rede:

    — Konstantin Wecker (Liedermacher): “Wenn mir wieder jemand das Sterben fürs Vaterland schmackhaft machen will, dann werde ich sehr nervös und hellhörig. Das erinnert mich an eine Kriegsrhetorik, von der ich glaubte, wir hätten sie schon längst überwunden. Außerdem ist es eine Lüge, daß unsere Freiheit im Ausland verteidigt wird. Es ist ausschließlich die Freiheit des Marktes.”

    — Eugen Drewermann (katholischer Theologe, vom Priesteramt suspendiert): “Wie kann Herr Gauck in der Zeit der asymmetrischen Kriegsführung, in der Zeit der Drohnenangriffe, davon reden, daß wir menschliche Interessen ausgerechnet in Somalia und Afghanistan vertreten? Vom Balkankrieg, der mutwillig vom Zaun gebrochen wurde, ganz zu schweigen. (…) Was die Bundeswehr verteidigt, sind nicht die Menschenrechte und ganz bestimmt nicht die Freiheit in der Welt. Die Osterweiterung der NATO bis nach Georgien, Kasachstan, Kirgisien hat einen einzigen Zweck: Die Verteidigung der Interessen des Kapitalismus und die geostrategische Einkreisung von Indien und China. Entscheidend bleibt, daß man von einem Soldaten nicht verlangen kann, daß er mutig stirbt – sterben werden wir alle, ob mit oder ohne Mut. Verlangt wird vom Soldaten vielmehr, daß er tötet! Auf dieses moralische Problem sollte der einstige Pastor auch hinweisen.”

    — Jürgen Rose (Oberstleutnant a.D. und Vorstandsmitglied Darmstädter Signal): “Mit seiner Anfeuerungsrede bei der Generalstabsakademie hat sich unser »Bundes-Gauckler« als Kriegshetzer entlarvt. Kein Wort von den völkerrechts- und grundgesetzwidrigen Kriegen, welche die Bundeswehr geführt hat oder an denen sie beteiligt war – 1999 gegen Jugoslawien, 2001 in Afghanistan, 2003 gegen den Irak. Es hätte einem angeblichen Mann Gottes besser zu Gesicht gestanden, den Friedensauftrag, den die Bundeswehr laut Grundgesetz zu erfüllen hat, laut und deutlich anzumahnen.”
    Hinweis: Zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur “passiven” Kriegsbeteiligung Deutschlands am Irakkrieg siehe den Spiegel-Beitrag (2005): “Verstoß gegen Völkerrecht – Bundesrichter werfen Schröder Unterstützung des Irak-Krieges vor”.

    p.s.: Leider laboriere ich momentan an einer Mandelentzündung und schaffe es nicht, die Gedanken zu sammeln, um selbst was zum Thema zu schreiben. Euch wünsche ich jedoch viel “Spaß” beim Diskutieren ;-)

    Euer Spiegelfechter,
    Jens Berger

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    Meinungsmache gegen die Finanztransaktionssteuer – Die FAZ als verlängerter Arm der Finanzlobby

    geschrieben am 11. Juni 2012 von Jens Berger

    Es liegt in der Natur der Sache, dass die Finanzwirtschaft die geplante Besteuerung von Finanztransaktionen ablehnt und auf breiter Front zum PR-Gegenschlag ausholt. Mehr als bedauerlich ist es jedoch, dass die angesehene FAZ dieser PR auf den Leim geht und ihren Lesern ungefiltert die Meinungsmache der Finanzlobby als redaktionellen Inhalt auftischt. Glaubt man der FAZ, könnte eine Finanztransaktionssteuer den „normalen“ Riester-Sparer bis zu 14.000 Euro kosten – doch sowohl die Argumentationskette als auch die zugrundeliegende Rechnung sind nicht einmal im Ansatz nachvollziehbar.

    Im FAZ-Artikel „So trifft die Transaktionssteuer die Privatleute“ bieten die Frankfurter Zeitungsmacher der Finanzlobby eine Bühne, um die Finanztransaktionssteuer (FTS) auf ihre eigene Art und Weise zu bewerten. Zu Wort kommen in diesem Artikel Vertreter der Lobbyorganisation „Bund der Steuerzahler“ und des Bundesverbandes Investment & Asset Management e.V. (BVI), der zentralen Interessenvertretung der deutschen Investmentbranche. Von dieser Organisation stammt auch das einleitende Rechenbeispiel, das von der FAZ im redaktionellen Teil 1:1 übernommen wurde. Grundlage dieses Rechenbeispiels ist der angeblich „typische Riester-Fonds“ UniGlobal. Und bereits hier beginnt die Meinungsmache. Der UniGlobal ist kein Riester-Produkt, sondern ein weltweit investierender Aktienfonds unter dem Management der Union Investment Privatfonds GmbH. Auch wenn dieser spezielle Fonds eine vergleichsweise konservative Anlagestrategie verfolgt, gelten für ihn dennoch die Risikoeinschätzungen, die für jeden Aktienfonds gelten. Daher wird er von seiner Fondsgesellschaft auch als Anlageprodukt mit „erhöhtem Risiko“ vermarktet und ist somit auch nicht als reines Riester-Produkt zugelassen. Nichtsdestotrotz erfreut sich dieser Fonds auch bei Riester-Sparern einer gewissen Beliebtheit. Der Grund dafür ist, dass das weitverbreitete Riester-Produkt UniProfiRente, das ebenfalls von Union Investment vertrieben wird, die Riester-Gelder von jüngeren Sparern gerne in diesen Fonds schichtet. Da der Fonds jedoch viel zu riskant für die alleinige Altersvorsorge ist, schichten die Fondsmanager von UniProfiRente die Anlegergelder bei bestimmten Schwellenwerten in den Rentenfonds UniEuroRenta um, der die Kundengelder ausschließlich in Staatsanleihen im Euroraum anlegt. Dies geschieht auch gegen den ausdrücklichen Willen der Riester-Sparer. So hat Union Investment beispielsweise alleine im Herbst 2008, als die Aktienkurse weltweit im Kielwasser der Finanzkrise in den Keller gingen, bei 200.000 Riester-Verträgen die Reißleine gezogen und die Kundengelder mit hohen Verlusten von dem Aktienfonds UniGlobal in den Rentenfonds UniEuroRenta umgeschichtet. UniGlobal ist somit alles andere als ein „typischer Riester-Fonds“.

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