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  • Der Energiespar-Minister gibt bekannt

    geschrieben am 27. Juni 2012 von Gastautor

    ein Gastartikel von Lutz Hausstein

    In Deutschland breitet sich eine neue Form der Armut aus: Stromarmut. Laut einer Hochrechnung des Bundes der Energieverbraucher von Februar 2012 wurde allein im Jahr 2010 800.000 Haushalten der Strom abgeschaltet, weil die Stromrechnungen nicht mehr beglichen werden konnten. Weitere Tendenz: steigend.

    Die Ursachen hierfür sind ebenso offensichtlich wie unerträglich. Einerseits stagnieren oder sinken seit Jahren die Einkommen der Geringverdiener, also gerade derjenigen, die den höchsten Anteil ihres Einkommens für Strom ausgeben müssen. Auf der anderen Seite erhöhen die Stromanbieter beinahe jährlich ihre Preise um teilweise bis zu 10 Prozent. Aus diesem Grund müssen viele Haushalte einen immer größer werdenden Teil ihres Einkommens für ihre Stromrechnung aufwenden. So ist es zwangsläufig, dass immer mehr Menschen in Zahlungsschwierigkeiten kommen.

    Mit immer neuen blumigen Formulierungen begründen die Energiekonzerne zwar regelmäßig aufs Neue, aus welchen, von ihnen nicht beeinflussbaren Ursachen sie die Strompreise erhöhen müssten: Gestiegene Beschaffungspreise, Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage, Kosten für den Umbau auf erneuerbare Energien, erhöhte Sicherheitsanforderungen, Bau neuer Energietrassen. Dessen ungeachtet sind jedoch die Gewinne nur allein der drei größten deutschen Energieversorger im Jahr 2002 mit 5,7 Milliarden Euro auf sagenhafte 23 Milliarden Euro im Jahr 2009 explodiert. Innerhalb von nur sieben Jahren haben diese demzufolge ihre Gewinne vervierfacht.

    Jahrelang wurde in offiziellen Stellungnahmen von Politikern als auch in den Medien die Phrase gedroschen, „der mündige Verbraucher“ müsse ja nur zu einem billigeren Anbieter zu wechseln und schon könne er sogar noch „sparen“. Dies ist selbstverständlich hanebüchener Unsinn. Denn trotz Anbieterwechsel bei Preiserhöhungen stiegen die Preise für den Stromverbraucher unter dem Strich immer noch. Auch lässt das jährliche Ritual der Empfehlung eines Wechsels viele Menschen nur noch zynisch mit den Schultern zucken. Wer einmal von einem teureren zu einem billigeren Stromanbieter gewechselt ist, kann dies nicht jährlich wiederholen, da man ja inzwischen bei letzterem Vertragskunde ist.

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    Irrfahrt im Fiskalsturm

    geschrieben am 26. Juni 2012 von Gastautor

    ein Gastartikel von Marc Schanz

    Die Euro-Krise nimmt kein Ende. Wer kann sich noch an eine krisenfreie Zeit erinnern? Ich kann es nicht! Ich fühle mich wie auf einem Schiff, das durch einen niemals endenden Sturm fährt und dabei ständig hin und her geworfen wird. Es ist ein ekliges Gefühl, ohne festen Boden, ohne Orientierung zu sein. Hunderte Male wurde uns versprochen, gleich ist der Sturm vorbei, nur noch dieses eine Manöver, dann sind wir wieder im ruhigen Wasser, dann sind wir wieder in Sicherheit! Diesmal soll uns also der Fiskalpakt von der Krise erlösen, natürlich endgültig und das auch noch für alle Ewigkeit!

    Wäre die Krise doch nur ein Sturm! Die Euro- und die Finanzkrise ist, obwohl sie überall und ständig präsent ist, so merkwürdig unwirklich. In den Meiden ist sie ein Dauerthema, jeder spricht von ihr und dennoch hat man dieses sonderbare Gefühl, sie einfach nicht fassen zu können. Das Zermürbende an der Krise ist, die unangenehme Ahnung zu haben, etwas läuft gewaltig schief, ohne benennen zu können, was es eigentlich ist. Woran liegt das nur? Machen wir etwas Ungewöhnliches, machen wir eine Schiffsreise und gehen an Bord des Tankers Teutonia.

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    Die Sponsoren von BILD für alle

    geschrieben am 25. Juni 2012 von Jens Berger

    Die NachDenkSeiten hatten bereits im April darauf hingewiesen, dass die am Samstag verteilte „Gratisausgabe“ der BILD kein Geschenk des Springer-Verlags ist. Einem Imageprospekt für potentielle Werbekunden zufolge, verlangte der Springer-Verlag für eine Seite Werbung den stolzen Preis von vier Millionen Euro. Insgesamt dürfte die BILD mit ihrer „Gratisausgabe“ mehr als dreißig Millionen Euro Werbeeinnahmen realisiert haben.

    Die Marketingausgaben der werbetreibenden Unternehmen gehen natürlich in voller Höhe in den Endkundenpreis der beworbenen Produkte und Dienstleistungen mit ein. Im Endeffekt zahlen Sie als Kunde der beworbenen Produkte demnach die gänzlich eigennützige „Gratisaktion“ der BILD-Zeitung. Wer sich zu Recht darüber ärgert und es ablehnt, über die Ladenkasse indirekt auch Springers gigantische PR- und Volksverdummungsaktion zu bezahlen, der sollte sich ernsthaft überlegen, ob er die werbetreibenden Unternehmen auch weiterhin als Kunde unterstützten will. Da hoffentlich viele unserer Leser die Annahme der BILD verweigert haben*, haben wir uns die Mühe gemacht, die Sponsoren der BILD-Sonderausgabe für Sie ausfindig zu machen:

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    Profite mit der Krise (I)

    geschrieben am 22. Juni 2012 von Jens Berger

    Sie glauben, dass sinkende Kurse an den Börsen immer zu Verlusten führen? Sie glauben, der Handel mit Staatsanleihen sei eine konservative Sache, die vor allem der Altersvorsorge dient? Sie glauben, dass politische Entscheidungen einen direkten Einfluss auf die Zinsen der Staatsanleihen haben? Dann glauben Sie sicher auch, dass die Akteure auf den Finanzmärkten nicht gegen Staaten spekulieren und es nicht möglich ist, Profit aus der Eurokrise zu schlagen. Doch da irren Sie sich gewaltig.

    In der Öffentlichkeit genießen Staatsanleihen immer noch den Ruf einer konservativen, risikoscheuen Finanzanlage. Lebensversicherungen, Pensionsfonds und Riester-Produkte sind gesetzlich verpflichtet, einen Großteil ihrer Kundeneinlagen in Staatsanleihen aus dem Euroraum zu investieren, die von den Ratingagenturen eine Bestnote bekommen haben. Und wer erinnert sich nicht an die drollige Schildkröte Günter Schild, mit der deutsche Staatsanleihen als hoch seriöses, bisweilen langweiliges, Finanzprodukt beworben wurden. Noch immer spukt in den meisten Köpfen die Vorstellung, eine Bundesanleihe würde gleich bei der Emission von einem soliden Investor erworben und am Ende der Laufzeit eingelöst. Doch die Zeiten haben sich geändert.

    Weltweit gehören die Staaten zu den größten Kreditnehmern und damit auch zu den größten Emittenten (Herausgebern) von Anleihen. Für Spekulanten hat der „echte“ Markt für Staatsanleihen jedoch einen entscheidenden Schönheitsfehler – er ist nicht sonderlich volatil, das heißt, die Kurse sind vergleichsweise stabil und bewegen sich nur langsam. Der Kurs der 10-jährigen Bundesanleihe 04/14 mit einem Kupon von 4,25% hat sich beispielsweise in den letzten drei Monaten um gerade einmal um 0,6% bewegt.

    Für eine Erklärung der Fachbegriffe und eine Einführung ins Thema „Handel mit Staatsanleihen“ siehe: Ergänzungen und Erklärungen zum Artikel »Der „Schuldenschnitt“ und das Kleingedruckte«

    Renditen in dieser Größenordnung entsprechen dem Image der mündelsicheren Bundesanleihen und sind eher vergleichbar mit dem guten, alten Sparbuch. Für Spekulanten ist es – unter normalen Bedingungen – uninteressant, sich solche Papiere ins Portfolio zu nehmen. Die klassische Bundesanleihe hat für Spekulanten vor allem den Nachteil, dass man mit ihr nur auf steigende Kurse, also sinkende Zinsen, wetten kann. Dies entspricht ja auch dem gesunden Menschenverstand. Wer beispielsweise ein altes Gemälde kauft, spekuliert ja auch nicht darauf, dass es an Wert verliert. Auch wer ganz normale eine Anleihe kauft, hofft in der Regel darauf, dass dieses Papier an Wert gewinnt. Mit „normalen“ Geschäften hat das moderne Finanzsystem jedoch nichts mehr gemein.

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    Die Agenda des Salzwasserökonomen

    geschrieben am 19. Juni 2012 von Jens Berger

    Mit seinem Buch „Vergesst die Krise! Warum wir jetzt Geld ausgeben müssen“ liefert der US-Ökonom Paul Krugman einen wortmächtigen Gegenentwurf zur Ideologie des „Kaputtsparens“. Er versteht es einmal mehr, mit einfachen Worten und Metaphern volkswirtschaftliche Zusammenhänge so darzustellen, dass sie auch von Lesern ohne große Vorkenntnisse verstanden werden können.

    Paul Krugman sei der erste Blogger, der einen Nobelpreis gewonnen hat – so lautet ein Bonmot, das vor allem von seinen Gegnern immer wieder gerne fallengelassen wird. Krugmans Gegner sind die Republikaner, über die er in seinen Kolumnen und Blogs mit Vorliebe herfällt, und die „Süßwasserökonomen“. In den USA ist die Trennung der wirtschaftswissenschaftlichen Strömungen seit den letzten Jahrzehnten auch geographisch bemerkbar – in den großen Universitäten an der Atlantik- und der Pazifikküste (also am Salzwasser) wird vornehmlich eine nachfrageorientierte Ökonomie gelehrt, die sich auf John Maynard Keynes beruft, während man an den Universitäten im Landesinneren (also am Süßwasser) eher zu einer angebotsorientierten, sich auf Milton Friedman berufenden Ökonomie tendiert. Krugman lehrt in Princeton, New Jersey, und ist nicht nur geographisch ein „Salzwasserökonom“. In seinen Kolumnen und Blogs in der New York Times hat Krugman die Funktion des Sprachrohrs der nachfrageorientierten Ökonomie eingenommen. Seine große Stärke ist es, ökonomische Sachverhalte wortgewandt und allgemeinverständlich zu erklären – klar, dass ihm das nicht nur Freunde einbringt. Die NachDenkSeiten zählen zweifelsohne zu seinen Freunden und weisen regelmäßig auf interessante und gute Beiträge von Paul Krugman hin. Gäbe es einen deutschen Paul Krugman, hätte es der Neoliberalismus sicher nicht so einfach gehabt, sich in den Köpfen unserer Mitbürger und Politiker festzusetzen. In Krugmans „Ökonomengeographie“ ist Deutschland tiefstes Süßwasser.

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