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  • Die Great Depression in den USA

    geschrieben am 12. April 2012 von Jens Berger

    Von Stefan Sasse

    Die Zwanziger Jahre waren in den USA eine Ära des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Börsenkurse kannten nur eine Richtung: nach oben. Die Produktion erlebte nie gekannte Kennziffern. Obwohl der Anstieg der Löhne deutlich hinter dem Wachstum der Wirtschaft zurückblieb, erfasste dieser Aufschwung breitere Bevölkerungsschichten als die vorherigen Boomphasen, besonders in der so genannten “Gilded Age” des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dem großen Zeitalter der “Räuberbarone”. Besonders die Angestellten, qualifizierten Facharbeiter und andere traditionell der “Mittelschicht” zugerechnete Bevölkerungsgruppen gewannen einen gewissen Wohlstand und begannen sogar, Aktienanteile zu kaufen (wenngleich das Ausmaß dieses Handels deutlich geringer war, als es in der Rückschau häufig dargestellt wird). Dieser Wohlstandsgewinn fiel mit einigen neuartigen Erfindungen zusammen, die über das Telefon zum Kühlschrank und dem Radio reichten. Die Verfügbarkeit dieser Instrumente für Bezieher mittlerer Einkommen ließ diese Zeit gerade auch den Zeigenossen als eine neuartige erscheinen. Es gab zu dieser Zeit ernsthafte Meinungen von Experten, dass der Aufschwung sich verstetigt habe und dass man endlich die Zeit der Wirtschaftszyklen überwunden habe. Die Rezession schien ein Gespenst der Vergangenheit zu sein.

    Als am 28. Oktober 1929, dem mittlerweile berüchtigten “Schwarzen Montag”, die Kurse um rund 13% fielen – der größte Tagesverlust bis dato – brach Panik aus. Am folgenden “Schwarzen Dienstag”, dem 29. Oktober 1929, fielen sie um noch einmal 12%. Entgegen populärer Annahmen war dieser Kurseinbruch aber weder der Beginn der Weltwirtschaftskrise, noch führt von hier eine ununterbrochene Linie durch die Dreißiger Jahre hindurch. Stattdessen schienen sich Vorhersagen wie etwa die des damals schon 93jährigen David D. Rockefeller zu bewahrheiten, dass es sich nur um einen vorübergehenden, wenngleich heftigen Einbruch handle – eine normale Rezession eben, wie man sie kannte. Die Kursentwicklungen schienen ihm Recht zu geben, denn in den folgenden Monaten bis zum April 1930 erholte sich der Aktienmarkt langsam wieder. Am 17. April 1930 erreichte er ein Zwischenhoch, von dem aus er dann eine erneute, lange Abwärtsbewegung bis weit ins Jahr 1932 hinein vollzog. Dieses Phänomen einer so genannten “bear market rally” oder auch des “dead cat bounce” ist nicht singulär für die Great Depression; es findet sich auch in den 1960er und 1970er Jahren sowie besonders ausgeprägt in Japan während der “lost decade” in den 1980er und 1990er Jahren.

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    Tauziehen um Viktor Bout

    geschrieben am 11. April 2012 von Gastautor

    Der russische Waffenhändler Viktor Bout ist laut russischen Medien ein Opfer der US-Justiz. Das russische Außenministerium will den Verurteilten nach Russland zurückholen.

    ein Gastartikel von Ulrich Heyden, Moskau

    Am 5. April wurde der Waffenhändler Viktor Bout von einem Bundesgericht in New York zu 25 Jahren Haft verurteilt. Nach der Urteilsverkündung rief Bout, der vier Jahre in Einzelhaft saß, „ein stolzer Waräger ergibt sich dem Feind nicht“. Die Waräger waren Krieger und Händler, die im 8. Jahrhundert an den Flüssen Osteuropas lebten.

    Waffen für alle Parteien

    Das Operationsgebiet von Viktor Bout war wesentlich größer. Der heute 45jährige belieferte in den letzten zwanzig Jahren ganze Kontinente mit Waffen.
    Der 45jährige Bout, der sechs Fremdsprachen spricht und Ende der 1980er Jahre eine Militärakademie in Moskau absolvierte, arbeitete von 1989 bis 1990 Übersetzer der sowjetischen Militärmission in Mozambique. Durch seine Fremdsprachenkenntnisse und guten Kontakte in russische Militärkreise gelang es ihm, sich als internationaler Waffenhändler zu etablieren.

    Bout baute aus Antonow-Transportmaschinen eine Flugzeugflotte auf. In Hochzeiten verfügte der am 5. April in New Verurteilte über 60 Flugzeuge und 300 Piloten. Bout verkaufte Waffen in Konfliktgebiete nach Asien und Afrika. Er lieferte Waffen an die Taliban, absolvierte über 1.000 Transportflüge für die US Army nach Bagdad und beförderte britische Soldaten in den Kosovo.

    Am vergangenen Donnerstag wurde der 45jährige Bout von einem amerikanischen Bundesgericht in New York zu 25 Jahren Haft verurteilt. Außerdem soll Eigentum des ehemaligen Waffenhändlers in Höhe von 15 Millionen Dollar beschlagnahmt werden. Alla Bout, die Ehefrau des Verurteilten erklärte, dem Gericht lägen keinerlei Dokumente über das Eigentum ihres Mannes vor. Was da beschlagnahmt werden solle, sei ihr rätselhaft.

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    Der ganz reale Judenhass

    geschrieben am 10. April 2012 von Gastautor

    ein Gastbeitrag vom Transatlantikblog

    Der Antisemitismusvorwurf gegenüber Grass ist hohl. Und er verhindert Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Unwesentlich ist die Frage “Wer ist Antisemit?”. Wesentlich ist die Frage “Was hindert den Frieden im Nahen Osten?”.

    In der aktuellen Debatte um Grass’ Gedicht und sein mutmaßlich antisemitisches Motiv kann hilfreich sein, sich den heute ganz real existierenden Judenhass vor Augen zu führen. Das Wort ist gut gewählt. Es geht nicht um Abneigung, Vorurteile oder Naserümpfen. Es geht um Hass, der tödliche Folgen haben kann.

    Das geistliche Oberhaupt der Palästinenser in Ost-Jerusalem, Mufti Muhammad Achmad Hussein, zuvor Imam der Al-Aqsa Moschee Jerusalems, hielt im Januar diesen Jahres anlässlich des 47-jährigen Bestehens der Fatah eine Ansprache:

    Der Vorredner Husseins sprach zur Einleitung:

    Unser Krieg mit den Abkömmlingen der Affen und Schweine [den Juden, Anm.] ist ein Krieg der Religion und des Glaubens. Lang lebe die Fatah! [Ich begrüße Sie,] Unser ehrenwerter Scheich.

    Mit mildem Lächeln und friedvollem Ton in der Stimme führte Scheich Hussein anschliessend aus, was man hinsichtlich der Radikalität allenfalls von Julius Schleicher kennt:

    Vor 47 Jahren hat die Revolution der Fatah begonnen. Welche Revolution? Die moderne Revolution der Geschichte des Palästinensischen Volkes. Tatsächlich ist es so, dass Palästina als Ganzes eine Revolution ist, seit [Kalif] Omar gekommen ist [um Jerusalem im Jahr 637 zu erobern], und das setzt sich heute fort, und wird dauern bis ans Ende aller Tage. Die glaubwürdige Hadith** aus den zwei zuverlässigen Sammlungen Bukhari und Muslim sagt:

    “Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen solange Ihr nicht die Juden bekämpft. Der Jude wird sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Dann werden die Steine und Bäume ausrufen ‘Oh Muslim, Diener Allahs, hier ist ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.'”

    Scheich Hussein versuchte sich später zu rechtfertigen. Man habe seine Anmerkungen aus dem Kontext gerissen. Das könnte sein. Doch bezeichnenderweise wollte er sich mit dem Hinweis verteidigen, dass diese Ereignisse erst mit dem Ende aller Tage eintreten würden. Damit ist offenkundig, dass er sich von dem Gesagten inhaltlich gar nicht distanzieren will. Die Staatsanwaltschaft jedenfalls hat Ermittlungen aufgenommen.

    Nun ist der Mufti von Jerusalem kein Offizieller der Fatah. Er hat seine seine Worte selbst zu verantworten. Insofern geht jene Kritik deutlich zu weit, die Sätze wie die des Mufti nimmt um triumphierend auf “die gewaltbereiten Palästinenser” zu zeigen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass es immer wieder Araber und Perser gibt, denen es nur bedingt um eine politische Lösung mit Israel geht.

    Dasselbe gilt für die israelische Seite. Es gibt nicht wenige, die kein Einvernehmen mit den Palästinensern wollen. Sie wollen sie am liebsten weg haben. Das wollte Staatsgründer Ben Gurion, das will der amtierende israelische Premierminister Netanjahu mitsamt seinem Außenminister Lieberman.

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    Benzinpreise im Fokus

    geschrieben am 08. April 2012 von Gastautor

    ein Gastartikel von Thomas Trares

    Der Benzinpreis ist heute das, was früher einmal der Brotpreis war; der Wohlstandsindikator schlechthin. Dies zeigt einmal mehr die aufgeregte Debatte, die die rekordhohen Spritpreise gerade ausgelöst haben. Während die Mineralölkonzerne mal wieder im Verdacht stehen, die Preise abzusprechen, empören sich die Politiker über die Preispolitik der Ölmultis. Die Bevölkerung hat derweil den Eindruck, dass die Politik nur wenig gegen die Konzerne ausrichten kann. Und vor allem mag sich manch einer fragen, was eigentlich das Kartellamt macht, das für solche Fälle zuständig ist.

    Die Bonner Behörde hat sich in den vergangenen Jahren tatsächlich verstärkt mit der Mineralölwirtschaft beschäftigt und im Mai 2011 ihre Ergebnisse in einer sogenannten Sektoruntersuchung veröffentlicht. Darin stellten die Wettbewerbshüter fest, dass rund 65 Prozent des Kraftstoffabsatzes auf die „großen Fünf“ entfallen. Das sind BP (Aral), ConocoPhilipps (Jet), ExxonMobil (Esso), Shell und Total. Zudem sei das Oligopol in die Lage, die Preise an der Tankstelle nahezu einheitlich zu bewegen. Auch ein Ausbrechen aus dem Oligopol, etwa durch gezielte Preisunterbietungen, werde durch die vielfachen Verflechtungen der Mineralölkonzerne untereinander erschwert. Die Kartellbehörde hatte für die Untersuchung über drei Jahre hinweg mehr als 400 Tankstellen beobachtet.

    Trotz dieses eindeutigen Befunds sind dem Kartellamt die Hände gebunden. Denn die Mineralölkonzerne verstoßen nicht gegen geltende Gesetze. Verboten sind nämlich nur konkrete Preisabsprachen, für die hat das Kartellamt aber keine Belege gefunden. Zwischen den Konzernen hat sich im Laufe der Zeit ein Verhaltensmuster herausgebildet, bei dem keine konkreten Absprachen mehr nötig sind. Kartellamtpräsident Andreas Mundt hat dies kürzlich so beschrieben: „In 90 Prozent der Fälle preschen Shell oder Aral mit einer Preiserhöhung vor – und exakt drei Stunden später folgt der andere. Die nächsten Anbieter erhöhen nach exakt fünf Stunden.“

    Wenn Vertreter von Mineralölkonzernen in diesen Tagen in den Medien auftauchen, wollen sie die mehrmaligen und zum Teil heftigen, täglichen Preisschwankungen dem Bürger als Zeichen intensiven Wettbewerbs verkaufen. Tatsächlich dient das Preiswirrwarr an den Tankstellen aber dazu, den Kunden in die Irre zu führen. Der Autofahrer soll schlicht keine Vorstellung mehr davon haben, was gerade teuer und billig ist, ob die Preise gerade steigen oder fallen. Tankstellenmitarbeiter dürfen noch nicht einmal mehr am Telefon Auskunft daüber geben, wieviel das Benzin an ihrer Station gerade kostet. Gäbe es unter den Tankstellen tatsächlich scharfen Wettbewerb, so liefe derjenige, der zuerst die Preise erhöht, Gefahr, seine Kunden zu verlieren. Dies ist jedoch nicht der Fall. Der Preisführer kann darauf vertrauen, dass die Konkurrenten nachziehen.

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    Was hat es mit der Spreizung der Vermögensschere und der Steigerung der Kapitaleinkommen auf sich?

    geschrieben am 05. April 2012 von Jens Berger

    Letzte Woche fragte uns ein Leser per E-Mail, ob es konkrete Zahlen zur vermuteten Spreizung der Vermögensschere und Steigerung der Kapitaleinkommen gäbe. Diese Frage ist natürlich interessant – sie zu beantworten ist jedoch wesentlich schwieriger, als man auf den ersten Blick denken mag, zumal es fast keine belastbaren Zahlen zu diesem Thema gibt.

    Um das Thema Vermögensverteilung seriös anzugehen, muss man erst einmal den Begriff „Vermögen“ definieren. Umgangssprachlich besteht das Vermögen aus der Summe aller Besitztümer einer Person. Das erste Problem bei der Bezifferung des Vermögens besteht bereits in der Bewertung dieser Besitztümer. Relativ einfach ist das Geldvermögen zu bewerten, ist es doch – wie der Name schon sagt – direkt in einer Währungseinheit beziffert. Man unterscheidet hier zwischen Brutto- und Nettogeldvermögen. Wenn man sich beispielsweise 1.000 Euro von der Bank leiht und sie auf ein Sparbuch legt, hat man ein Bruttogeldvermögen von 1.000 Euro und ein Nettogeldvermögen von 0 Euro.

    Das Bruttogeldvermögen beinhaltet Geld (Forderungen) und Verbindlichkeiten, beim Nettogeldvermögen werden die Verbindlichkeiten (also die Schulden) abgezogen. Da das Nettogeldvermögen somit eher dem gesunden Menschenverstand entspricht, sollte man es auch für allgemeine Angaben zum Thema als Maßstab heranziehen. Brutto- und Nettogeldvermögen sind die einzigen Vermögensangaben, über die es relativ präzise Statistiken gibt, die regelmäßig von der Bundesbank veröffentlicht werden. Natürlich kann die Bundesbank jedoch nur offizielle Geldvermögen in ihre Statistik aufnehmen. Geldvermögen, das in sogenannten Offshore-Finanzplätzen, wie der Schweiz oder den Cayman Islands, schlummert, wird durch diese Statistik nicht erfasst. In den letzten zwanzig Jahren ist das Nettogeldvermögen der Deutschen im Schnitt um 10,4% pro Jahr gewachsen. Im Juli 2011 betrug es 3.111 Mrd. Euro. Den größten Posten des Geldvermögens bilden laufende Ansprüche aus Versicherungen, gefolgt von Bargeld und Sichteinlagen (z.B. Girokonten), Spareinlagen und Investmentzertifikaten.

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