Der Euro unter Beschuss (I)
geschrieben am 04. Januar 2011 von Spiegelfechter
Es kriselt in Euroland – nicht Spekulanten, sondern ein begründeter Vertrauensverlust der Anleger hat dem Euro seine Grundlage entzogen
Griechenland machte den Anfang – wenige Monate später geriet Irland in den Finanzstrudel und auch Portugal und Spanien hängen de facto schon jetzt am Tropf der EZB und könnten sich ohne den Rettungsmechanismus der Eurozone nicht mehr selbst refinanzieren. Ob die Politik ein Ausweiten der Euro-Krise auf angeschlagene Staaten wie Belgien oder Italien verhindern kann, ist ungewiss. Doch wer hinter der Krise das sinstre Werk von Spekulanten vermutet, verwechselt Markt und Spekulation – die realwirtschaftlichen und strukturellen Probleme, die zur Krise führten, sind hausgemacht. Sie sind ein Fehler am Reißbrett der Konstrukteure der Eurozone – die Reaktion der Märkte auf diese Fehler ist dabei keinesfalls ungewöhnlich.
Die Krise der Staatsanleihen
Die Finanzmärkte haben für jeden Typ von Investor ein passendes Angebot: Der Risikoscheue kann sich deutsche Staatsanleihen kaufen, der moderat Renditeorientierte nahm jahrelang zusätzlich zu Aktien gerne auch türkische, russische oder griechische Anleihen in sein Portfolio, während der Risikofreudige allerlei Zertifikate und Hebelprodukte vorfindet. Die “echten” Profis, die man traditionell als Spekulanten bezeichnet, wetten mit Vorliebe über exotische Produkte auf fallende Kurse oder greifen zu synthetischen Produkten, mit denen man auf Gott und die Welt wetten kann.
Die meisten Bürger, die ihr Geld anlegen wollen, lassen von all diesen Papieren lieber die Finger und greifen zu konservativen Produkten wie Lebensversicherungen, Investmentfonds ihrer Hausbank (gerne auch als vermögenswirksame Leistungen, teilfinanziert von Staat und Arbeitgeber) oder einer privaten Altersvorsorge. Staatsanleihen gehören dabei eigentlich zu den bevorzugten Papieren, in die Lebensversicherungen, Pensions- und Rentenfonds und auch viele Investmentfonds das Geld ihrer Kunden investieren. Für Profizocker sind sie viel zu langweilig – sie sind kaum volatil, eher renditeschwach, langfristig angelegt und lassen sich schlecht hebeln. Banken betreiben aus eben diesen Gründen auch nur in sehr geringem Umfang Eigenhandel mit Staatsanleihen. Das war einmal. Heute sind Anleihen europäischer Staaten höchst volatil, durch die Abstufung der Ratingagenturen nicht mehr geeignet für konservative Fonds oder Lebensversicherungen und dank politischer Schützenhilfe stellen sie für Banken eine Lizenz zum Gelddrucken dar. Wie konnte es so weit kommen?
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Dieser Artikel ist der erste Teil einer dreiteiligen Serie. Die Teile II und III erscheinen voraussichtlich am Donnerstag und am Samstag auf Telepolis.


Seit Jahr und Tag beklagen sowohl Wirtschaftsverbände als auch namhafte Vertreter der vornehmlich konservativen und liberalen Parteien die mangelnde Flexibilität des Kündigungsschutzes in Deutschland. Dies gefährde in hohem Maße die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Zu einem aktuellen Fall jedoch gab es von diesen Seiten noch keinerlei diesbezügliche Stellungnahme zu vermelden. Dabei ist er besonders gravierend.
Der Goldstandard war lange Zeit ein Erfolgsmodell. Bei ihm ist der Wert einer Währungseinheit direkt oder indirekt an den Handelspreis für Gold gekoppelt. Die Zentralbanken sind verpflichtet, die Gegenmenge des ausgegebenen Geldes in Gold vorzuhalten. Da Gold nicht beliebig vermehrbar ist, können goldgedeckte Währungen auch nicht beliebig vermehrt werden. Geld gleich Gold – diese Formel wurde lange Zeit als Zauberformel gegen eine unkontrollierbare Inflation angesehen. Doch wer nun einen Goldstandard als Inflationsversicherung sieht, liegt ebenfalls daneben. Die Geschichte zeigt, dass Staaten den Goldstandard bei jeder sich bietenden Gelegenheit Goldstandard sein lassen und die Forderungen auf die “garantierte” Goldmenge streng genommen das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. Als die Franzosen beispielsweise 1971 ihre Dollar-Reserven zu Gold machen wollten, lehnte Präsident Nixon kühl lächelnd ab – damit war nicht nur der Goldstandard gestorben, sondern auch gleich das gesamte Bretton-Woods-System der festen Wechselkurse, das implizit auf die Golddeckung des US-Dollars aufbaute.