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  • Szenen eines Lebens III

    geschrieben am 17. Februar 2007 von Achel

    ?Du bist hammerhackedicht?, sagt Maestro, auf dessen Party ich mich befinde.

    ?Ja, aber ist das nicht der Sinn der Sache??, frage ich.

    Er nickt nach kurzer Überlegung, und wir gehen in die Küche, wo sich der Tequila befindet. Und die blonde Schönheit, die ihn seit geraumer Zeit in sich hineinschüttet und beängstigend nüchtern bleibt.

    Auch mit uns trinkt sie und überredet uns zu fünf weiteren.

    ?Es gibt Leute, die in Reimen reden?, erzählt sie, während sie die nächste Runde vorbereitet.

    ?Und Leute, die sich mit Leimen befehden?, sage ich.

    ?Ich sehe mich an der Decke schweben?, sagt Maestro.

    ?Das reimt sich aber nur bedingt?, meint die Schönheit.

    ?Nein, ich sehe mich wirklich an der Decke schweben?, rechtfertigt sich Maestro, ?Klingt komisch, ist aber so.?

    ?Was hat er gesagt??, fragt Person, zu dem mir kein Name mehr einfällt, der aber plötzlich auch in der Küche steht.

    ?Klingt komisch, ist aber so?, sage ich.

    ?Mir fällt kein Reim ein?, sagt die Schönheit.

    ?Ich gehe wieder?, sagt Person und wankt durch die wogenden Massen, die im Flur mit Sektgläsern in der kollektiven Hand hundert Sprechblasen in die Luft schmeißen, die zerplatzen und Buchstabenkonfetti regnen lassen. Dieser Anblick erfreut mich dermaßen, dass ich ein spontanes ?Jubel? ausstoße und damit die Kücheneinrichtung verwirre.

    ?Wir müssen nun zum Flughafen?, ruft Maestro.

    Und praktischerweise sind wir auch schon da. Am Ende eines Rollfeldes rauchen wir eine Tüte, während beflügelte Lärmwesen mit blinkenden Lichtern über uns hinwegfegen.

    Berauscht starren wir in den Nachthimmel hinein, als Person aus einem Flugzeug fällt und sagt: ?Ich bin in der Werbung.?

    ?Ich bin eine Fee?, sagt Maestro.

    ?Ich bin eine Illusion?, sage ich.

    ?Ich bin bestürzt?, sagt die Schönheit.

    Und nun beginnt es zu regnen. Was dazu führt, dass Persons Rolli dramatisch einläuft und ihn jämmerlich zerquetscht.

    ?Wir hätten ihm helfen können?, meint Maestro.

    ?Aber nicht müssen?, erklärt die Schönheit und bereitet Tequila vor.

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    Kampf um Leben und Tod

    geschrieben am 17. Februar 2007 von Achel

    Eigentlich liebe ich ja den Sommer. Warum auch nicht. Erstens gibt es in diesen Gefilden vielleicht alle fünf Jahre einen vernünftigen. Zweitens ist Wärme, blauer Himmel, Sonnenschein angenehmer als sämtliche gegenteiligen Winter- und Herbsterscheinungen. Drittens trinke ich lieber Cocktails als Glühwein.

    Aber eine Sache nervt mich dann doch. Insekten. Nichts weiter als fliegende Pflanzen. Aber gefährlich für Leib und Seele. Lebensgefährlich.

    Und an dieser Stelle höre ich mal wieder den Unruhestifter in der letzten Reihe des imaginären Publikums schreien:

    ?Die sind doch nicht gefährlich!?

    Sind sie doch, antworte ich hiermit, entschlossen mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Und ich erkläre sogar, warum (sie gefährlich sind, nicht warum ich mich nicht aus der Ruhe bringen lasse).

    Sicher, beispielsweise Mückenstiche enden üblicherweise nicht gerade mit einem tragischen Tod, es sei denn man hat eine fiese Allergie oder ist Bluter und kratzt sich den Stich auf. Das sind bedauerliche Einzelschicksale, auf die hier nicht näher eingegangen werden muss.

    Die Gefahr des Gesöcks geht von der Jagd danach aus, denn diese Biester sind schnell.

    Letztes Jahr habe ich zum Beispiel einen erbitterten Kampf mit einer, tja, einem großen Vieh mit sechs Beinen und Flügeln geführt. Schnake heißt das Ding, glaube ich. Schnöder Name. Die Schnake. Albern wie ihre Existenz.

    Zuerst habe ich versucht, spontan um mich zu schlagen, mit dem Resultat eines gebrochenen Fingers, da ich daneben traf, und meine Hand gegen die Schreibtischkante knallte. Vor Schmerz zuckte ich zurück und prellte mir den Ellbogen am Stuhl.

    Ich beschloss, fortan geschickter vorzugehen. Ich bewaffnete mich mit einer Zeitung und beobachtete das Insekt mehrere Stunden. Machte mir Notizen, studierte seine Gewohnheiten, berechnete seine genaue Fluggeschwindigkeit und Flugroute und so.

    Vor allem die Route war recht simpel. Das Schnakenmonster flog praktisch immer dieselbe Strecke:

    Quer über den Schreibtisch, hinter den Monitor, hinter den Fernseher, an die Decke, diagonal durch das Zimmer, am Balkonfenster entlang, zum Deckenfluter, an der Wand vorbei.

    Und genau an der Wand machte ich die am einfachsten zugängliche Angriffsfläche aus. Also legte ich mich auf die Lauer, wartete und wartete. Und wartete.

    Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, und ich rang schon mit dem Wahnsinn, als ich das Vieh endlich sah. Es kam aus der Küche.

    Ändert dieses Drecksinsekt doch einfach die Flugroute. Stinksauer sprang ich auf, wetzte hinterher und stieß mir den kleinen Zeh am Tisch. Dadurch kam ich aus dem Tritt, wollte im Fallen die schnöde Schnake in einem letzten heroischen Akt mit der Zeitung treffen, verfehlte sie aber und traf nur mich mit der Hand ins Gesicht. Dann fiel ich kopfüber in die Schrankwand.

    Ich könnte schwören, dass ich ein dünnes Kichern hörte, bevor ich bewusstlos wurde.

    Fazit passend am Schluss. Ich könnte noch diverse Geschichten dieser Art erzählen, aber ich tue es nicht, da ich meistens ziemlich doof dabei wegkomme, wie ich eben beim Schreiben gemerkt habe. Ich mag übrigens Spinnen. Die bewegen sich wenigstens nicht, wenn ich sie mit dem Staubsauger wegsauge. Aber seid gewarnt. Der Rest ist enorm gefährlich.

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    Zugfahrgedankengut

    geschrieben am 08. Februar 2007 von Achel

    Und heute fahre ich Zug. Dummerweise bezeichnet sich heute als Samstag, so dass die Bahn überfüllt ist mit Mitreisenden.

    Mitreisende, ein Wort, das die Nebenpassagiere und mich in einem solidarischen Knäuel erscheinen lässt. Doch das ist ja sowas von falsch. Mitreisende untereinander sind ungefähr so solidarisch wie zwanzig Männer, die sich um die letzte Frau der Erde streiten. Aber das nur am Rande.

    Ich sitze soeben auf meiner Tasche, da keine andere Sitzgelegenheit vorhanden ist. Mir gegenüber steht ein Vollblutpädagoge, vermutlich Sozialkunde oder Werken, mit seiner ungefähr achtjährigen Tochter. Er zeigt ihr die pittoresken Begebenheiten der Landschaft, die so an uns vorbeifahren.

    Also Dörfer, die sich an Hänge schmeicheln, Bäume, die herumstehen, eine Wiese, auf der eine homophile Pfadfindergruppe im Kreis steht und sich ihre Genitalien zeigt.

    An anderer Stelle des Stehplatzterminals bewacht ein Bundeswehrsoldat die Tür, wie er es in der Grundausbildung so gelernt hat. Zwischendurch war er scheinbar mal weg, aber ich vermute, dass ich ihn nur wegen des Tarnanzugs nicht sah. Und dieser Soldat macht seine Sache sehr gut, denn die Tür ist tatsächlich immer noch da. Es gibt schon seltsame Gestalten in diesem Zug. Wer weiß, vielleicht sogar einen zwanghaften Türkleptomanen.

    Und nun bin ich gezwungen achtzehn Minuten meines Lebens in Bebra zu verbringen. Ob der tragischen Ausweglosigkeit der Situation, muss ich mir ein Bier genehmigen, um die Realität zu verschleiern.

    Und dann bekommt die Logik Schluckauf, ebenso die Bahn. Der Zug passiert eine Reihe rosaroter Bahnhöfe, gesäumt von Zirkusstationen voll rauchender Affen und weinenden Clowns. Welche Klischeevergäudung.

    Ich sitze, natürlich, auf dem Gang, da auch dieser Zug völlig überfüllt ist. Ein Blick nach links, und ich sehe ein einzelnes Fenster, wo die Landschaft gemäßen Schrittes vorbeijoggt. Es wirkt wie ein hypnotisches Endlosband banaler Bäume irritiert von übergelaufenen Flüssen.

    Der Zug zappelt. Muss das sein? Oder werde ich Zeuge eines neuen Eschede-Unglücks?

    Der Pädagoge muss übrigens auch irgendwo unter den Eingepferchten sein. Und aus Solidarität wird nun geraucht. Verbotenerweise.

    Doch während im ersten Zug mich ein Blaumiesling wiederholt nach der Fahrkarte gefragt hat, bleibt mir hier diese Kategorie der peinlich Berührten erspart. In Fulda werden ich und andere aus dem Zappelzug ausgespuckt und Minuten später in einen Doppeldeckerzug gestopft. Seltsame Fügung, ich bekomme einen Sitzplatz. Sogar im Raucherbezirk. Und so sitze ich, umringt von mutierten Mutanten, ein kleinwüchsiger Zwergwüchsiger, ein schüchterner Gutrasierter und ein rotköpfiger Hässlicher mit Krätze am Hals.

    Ich bemerke auch diverse Leute, die mich schon seit Göttingen verfolgen und stelle sie zur Rede. Doch die meisten verpuffen schon beim Ansprechen. Ansonsten ist der Zug gefüllt mit Pfadfindern oder FDJ-lern und Eintracht Frankfurt-Fans, die aber beide nichts zu lachen haben. Die Blaumieslinge haben sich in die 1. Klasse zurückgezogen und spielen Skat. Also hätte ich auch diese Etappe umsonst fahren können.

    Je näher wir Frankfurt kommen, desto hässlicher werden Wetter, Gegend und Menschen. Und bei einem Ort namens Flieden löst sich der rotköpfige Hässliche plötzlich auf und verwandelt sich in eine Bildzeitung, die aggressiv um Aufmerksamkeit wirbt. Der kleinwüchsige Zwergwüchsige erbarmt sich kurze Zeit später. Wir passieren Dörfer mit Doppelnamen, was ja albern ist. Das meint auch Wolfgang, das vorletzte Dorf der Reise.

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    about

    geschrieben am 12. Januar 2007 von Jens Berger

    Wer steckt dahinter?

    Jens Berger

    Jens Berger lebt mit seiner Familie in Goslar und ist seit Beginn des aktuellen Jahrtausends als freier Journalist tätig. Anno domini 2007 schuf er den Spiegelfechter, der schon bald zu den bekannteren politischen Blogs des deutschsprachigen Raums zählen sollte.

    Hauptberuflich ist Berger Redakteur der NachDenkseiten. Nebenbei schreibt er noch Gastartikel für zahlreiche Zeitungen und ist Kolumnist in der taz. Thematisch sind seine Artikel meist im erweiterten volkswirtschaftlichen Rahmen angesiedelt. Sein erstes Buch “Stresstest Deutschland ist im Westend Verlag erschienen.

    Jörg Wellbrock

    Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf ist freier Autor und lebt mit seiner Frau in Hamburg. Neben dem geschriebenen Wort widmet er sich auch der Vertonung von Inhalten, so liest er regelmäßig Artikel auf den NachDenkSeiten und hat an Image-Videos und Hörbüchern mitgewirkt.

    Politik hat Wellbrock schon in frühen Jahren seines Lebens interessiert, er war bereits aktiv, als es noch um Cruise Missiles und Pershing II-Rakten ging. Für den Spiegelfechter verfolgt er das aktuelle Politikgeschehen und äußert sich kritisch zu der Berichterstattung der Mainstream-Medien.

    Willkommen beim Spiegelfechter!

    So sagt man, wenn man Jemand mit irgend etwas dem Scheine nach Glaubliches täuscht, es sey eine Spiegelfechterei.

    Dergleichen Spiegelfechtereien waren zwar immer an der Tagesordnung; allein gewiß nie in dem Grade, wie in der neuesten Zeit, wo die meisten Handlungen, die in den Verkehr der Welt greifen, nur in Spiegelgefechten bestehen.

    So steht es schon in der “Oeconomischen Encyclopädie” von Johann Georg Krünitz aus dem Jahre 1773 geschrieben. Aber seien wir mal ehrlich – hat sich daran etwas geändert?

    Die Politik täuscht und trickst. Kriege sind immer noch die bloße Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln. Auch wenn es den meisten von uns “noch” ganz gut geht, so hat in den letzten 20 Jahren eine einmalige Umverteilung von Vermögen stattgefunden. Die Profiteure sind diejenigen, die die Politik lenken und die Medien beeinflussen. Mittlerweile wird es immer schwerer in den Medien Wahrheit von Spin oder vorsätzlicher Lüge zu unterscheiden.Spiegelfechtereien sind es mit denen die Medien uns beschäftigen.

    “Die Empörung hatten wir verabredet. Das war Theater, aber legitimes Theater.” sagte einst Peter Müller, Ministerpräsident des Saarlandes, bei einer Veranstaltung in Saarbrücken. Damit beschrieb er nichts anderes als die “emotionale” Debatte zum Zuwanderungsgesetz; Spiegelfechtereien, “legitimes” Theater.Diese Spiegelfechtereien zu durchleuchten ist es wozu ich mit diesem Blog einen kleinen Teil beitragen will – mit eigenen Texten und kommentierten Leseempfehlungen. Das Internet stellt nämlich die schärfste Waffe gegen die Spiegelfechter dar – es ist die Gegenöffentlichkeit, die ohne beruflich davon abhängig zu sein, ohne auf Werbekunden Rücksicht nehmen zu müssen und ohne Parteifreunde und Old-Boys Networks zu schonen, der Wahrheit ein Stück näher kommen kann.Wenn die Medien als vierte Gewalt versagen, so ist es unsere Aufgabe diese Gewalt zu übernehmen.

    Viel Spaß

    Jens Berger

    p.s.: Wir sind natürlich auch verschlüsselt zu erreichen. Schreiben Sie bitte an redaktion@spiegelfechter.com und nutzen Sie den Open-PGP-Key mit der ID 6DF4E351C091EF3F

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