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  • Papst-Sachen

    geschrieben am 17. Februar 2007 von Achel

    ?Der Papst ist tot, es lebe der Papst. Der Papst spricht deutsch…? So der so ähnlich lauteten die Schlagzeilen der vergangenen Wochen. Die Fernsehsender überschlugen sich mit Berichterstattungen, wobei in den meisten Fällen nur Leute vor dem Petersdom gezeigt wurden. Diese waren je nach gegebenen Anlass erst unglaublich traurig und verwechselten Johannes Paul II wahlweise mit Jesus Heiland Christus und Superman. Nur einige Zeit später erschienen dieselben Leute wieder weinend, aber diesmal vor Freude, vor der Kamera und bejubelten ihren neuen Papst Ratzinger alias Benedikt XVI.

    Einige waren vor freudiger Erregung kaum noch zu bremsen. Die Bildzeitung schrie dem Leser ?Wir sind Papst? entgegen und das nur, weil Ratzinger aus der Bundesrepublik stammt. Und überhaupt, was soll das denn heißen? Wenn ich nun auch Papst bin, darf ich dann keinen Sex mehr haben und muss den Boden küssen, oder so? Ohne mich.

    Ratzinger ist ja nicht nur Deutscher, sondern auch Bayer, was den Ede Stoiber dermaßen aus der Fassung brachte, dass er vor den Mikrofonen noch mehr stammelte und ?ääähte? als man bisher von ihm gewohnt war.

    Und dann kam Jürgen Rüttgers, nordrhein-westfälischer Ministerpräsident in spe und eigentlich so profillos wie eine Weinbergschnecke. Er behauptete keck, der Katholizismus sei das beste, was es auf der Welt im Religionsangebot gebe. Denkende Menschen schlugen sofort die Hände über dem Kopf zusammen und einige Millionen Muslime, Hindus, Juden und Buddhisten sowie die Evangelen fühlten sich auf den Schlips getreten. Also ruderte Rüttgers zurück und sagte, er meine ja das gesamte Christentum.

    Super, Herr Rüttgers. Daran erkennt man die politische Elite dieses Landes. Dumm sabbeln. Alles wieder zurücknehmen und sofort was noch dämlicheres von sich geben.

    Papst Johannes Paul II setzte sich für einen Dialog zwischen den Religionen der Welt ein. Und Papst Benedikt XVI wird diesen wohl fortführen. Tja, also keine Kreuzzüge zur Belehrung der andersgläubigen Ketzer. Hatte sich Rüttgers wohl anders vorgestellt. Aber Rüttgers ist ja auch der Meinung, der Kommunismus sowie der Sozialismus hätten die Schaffung einer Klassengesellschaft zum Ziel. Falsch, setzen Rüttgers!

    Aber so ist das, wenn plötzlich nach 482 Jahren oder so wieder ein deutscher Papst im Vatikan hockt. Dann dreht der eine oder andere schon mal am Rad. Am vergangenen Wochenende wurde Benedikt Ratzinger nun offiziell in sein Amt eingeführt. Bleibt zu hoffen, dass jetzt wieder mediale Ruhe einkehrt, und der Fernsehzuschauer von Menschenmassen vor dem Petersdom verschont bleibt.

    Die Politiker werden allerdings weiterhin dummes Zeug reden, denn dafür werden sie ja schließlich bezahlt.

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    Beschützt den Bush

    geschrieben am 17. Februar 2007 von Achel

    Heute ist es endlich soweit. George Walker Bush besucht Deutschland. Und da ist es nur logisch, dass der texanische Ausnahmepräsident auch entsprechend geschützt wird. Schließlich wäre er ja schon fast einmal einem hinterhältigen Brezelattentat zum Opfer gefallen. Und was wäre dies bloß für eine Welt, wenn diesem grundguten und gläubigen Mann etwas zustoßen würde. Möchte er unserem gesamten Planeten doch nur die Freiheit schenken, außer Guantanamo natürlich.

    Also ist es nur verständlich, dass die Gulli-Deckel zugeschweißt und Mülltonnen von der Straße verbannt werden. Und wer zufällig in dem Bereich wohnt, den George W. Bush mit seinem Konvoi durchqueren will, hat sich gefälligst vom Balkon oder den Fenstern fernzuhalten.

    Einige missgünstige Zeitgenossen denken zwar, dass sie in ihrem Heim tun und lassen könnten, was sie wollen. Aber dem ist nicht so. Außerdem hätten sie ja auch in eine Wohnung einziehen können, die nicht auf Bushs Route liegt. Selbst Schuld. So was weiß man doch vorher.

    Zudem bleiben Schulen und Kindergärten geschlossen. Denn das hat den Effekt, dass die Eltern das Haus nicht verlassen können, da sie ihre Kinder hüten müssen. Die haben also gar keine Zeit, um gegen Bush vorzugehen. Wieder eine Gefahrenquelle weniger.

    Um den für christliche Werte stehenden Präsidenten nicht zu schockieren und beschämen, darf die Bildzeitung auch keine nackten Brüste auf der ersten Seite drucken. So wollen die Behörden einen Nippelskandal wie einst mit Janet Jackson beim Super-Bowl verhindern.

    Und sogar Kanzler Schröder muss sich vor seinem Treffen mit Bush einem DNA-Test unterziehen. Denn wer wie, vielleicht wurde unser Kanzler entführt und durch ein terroristisch veranlagtes Double ersetzt. War er nicht eine zeitlang krank? Da kann ja alles mögliche passiert sein.

    Man sieht also, die Amis haben alles im Griff. Da ist es auch egal, dass uns die Sicherheit etwa 10 Millionen Euro kostet.

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    Schon GEZahlt?

    geschrieben am 17. Februar 2007 von Achel

    Neulich blätterte ich in der Fernsehzeitung meines Vertrauens, um zu schauen, was die Sender denn so hergeben, da traf mich fast der Schlag. Ein fratzengleiches Gesicht der Marke Frau grinste mich höhnisch an. Und in großen Lettern stand dazu geschrieben: ?Freuen Sie sich auf uns. Wir freuen uns auf Sie. Und auf 17 Euro 03 Rundfunkgebühren. Ihre Rundfunkgebühren-Beauftragten.”

    Sofort entstand vor meinem geistigen Auge ein Bild: Ich sehe ein großes Büro. Überall hängen Girlanden. Es regnet Konfetti. Der Schampus fließt in Strömen. Bunte Luftballons mit der Aufschrift ?Alle doof außer wir? schweben an der Decke. Menschen beziehungsweise Rundfunkgebührenbeauftragte haben alberne Partyhüte auf den Köpfen und lachen sich halbtot.

    Mal ehrlich, liebe Rundfunkgebührenbeauftragte, wollt ihr mich verscheißern? Und ist es das wert, dafür unglaublich teure Werbung in Hochglanzmagazinen zu schalten? Und überhaupt, das Grinsemodell war doch sicher auch nicht billig, äh, günstig.

    Gut, nach der Erhöhung der Gebühren könnt ihr euch das sicher leisten, aber sollte das Geld nicht den Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten zugute kommen? Da ist doch jeder Cent wichtig. Wie sonst sollte man altgediente Schauspieler-Imitate in ferne Länder schicken, dort sinnfreie Dialoge aufsagen lassen und das ganze dann Traumschiff nennen?

    Und dass das Geld in den Kassen von ARD und Co. knapp ist, beweist unter anderem die Tatsache, dass der Festumzug des Hessentages am Sonntag insgesamt dreimal jeweils rund vier Stunden gezeigt wurde. Für den Trachtenumzug des Niedersachsentages konnte nur noch eine einzige Stunde freigeräumt werden. Sendezeit ist teuer. Da naht zudem schon die Karnevalszeit. Da muss von sämtlichen, wenn auch noch so nichtigen und uninteressanten, Veranstaltungen mehrstündig berichtet werden. Das kostet.

    Und über irgendwelche Pompöshochzeiten sowie Zugrabe-Getrage der adligen Minderheit kann künftig nur noch ein und nicht sämtliche Sender berichten, wenn weiter das Geld so durch Werbung verschludert wird.

    Also, lebe Rundfunkgebührenbeauftragte, reißt euch mal ein bißchen Riemen und verhöhnt uns in Zukunft wieder von Angesicht zu Angesicht, wenn mal wieder ein so genannter Schwarzseher in eure Falle tappt.

    Die von euch geschaltete Werbung ist ebenso unnütz wie die Todesdrohungen auf den Zigarettenschachteln. Wir von euch erfassten Menschen müssen die Gebühren sowieso bezahlen, den anderen ist die Werbung schlicht wurscht. Und veralbern können wir uns auch alleine.

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    Beitragssenkung? Nicht mit uns

    geschrieben am 17. Februar 2007 von Achel

    Als ich neulich die Rechtfertigungen des Barmer-Chefs Fiedler im Fernsehen verfolgte, als er mit rollenden Augen erzählte, dass die Krankenkassenbeiträge für die Versicherten keinesfalls gesenkt werden könnten, fiel ich in eine tiefe Ohnmacht und träumte mich in das Jahr 2006.

    Dort saß ich vor dem Fernseher und verfolgte eine Rede des Dr. Reibach, Chef der fiktiven Krankenkasse ?Gesund und lustig (GuL)?:

    ?Meine sehr geehrten Damen und Herren, natürlich haben wir in dem vergangenen Jahr unglaubliche Überschüsse angehäuft. Aber dennoch ist es uns ganz und gar nicht möglich, die Beiträge für die Versicherten zu senken. Beachten sie etwa die exorbitante Kostenexplosion der Medikamente. Was da passiert, hätte man im vergangenen Jahr noch der Regierung in die Schuhe schieben können, nun sitzt aber Frau Merkel an der Macht, und da können auch wir nichts mehr dran ändern.

    Und wenn sie, meine Damen und Herren, bemerkt haben, dass der letzte Satz eigentlich gar keinen Sinn ergibt, sage ich ihnen folgendes: Was glauben sie eigentlich, was unsere tollen Hochhäuser so kosten? Das sind Beträge, die nicht einmal wir so einfach aus den Ärmeln schütteln können. Und wir brauchen noch viel mehr Hochhäuser. Und zwar in den besten Lagen der schönsten Städte der Welt. Und da können wir die Beiträge einfach nicht senken, das sehen sie doch ein?

    Meine Frau möchte auch ständig neue Autos, Schmuck und Pelzmäntel, daher bin ich gezwungen, mein Gehalt jährlich um etwa 50 Prozent zu erhöhen. Auch dieser Punkt muss einmal bedacht werden, wenn mal wieder nach einer Beitragssenkung geschrien wird.

    Und überhaupt, schauen sie sich doch einmal den starken Euro an. Und dazu die hohen Benzinpreise. Und umgekehrt wäre alles noch viel schlimmer. Und wenn laufend die Medikamente explosionsartig explodieren, kommt uns das auch nicht zugute.

    Eine Senkung kommt also auf gar keinen Fall in Frage. Eigentlich können die Versicherten froh und stolz auf uns sein, dass wir die Beiträge nicht noch erhöhen. Und wenn sich im kommenden Jahr die allgemeine Situation zum Positiven ändern wird, sind wir uns hundertprozentig sicher, dass wir uns die Fakten auch dann so zurechtbiegen können, um Beitragssenkungen weiterhin ausschließen zu können. Gute Nacht.?

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    Szenen eines Lebens IX

    geschrieben am 17. Februar 2007 von Achel

    ?Hier fahren ja laufend Züge weg?, ruft Schorsch, der sozial unterentwickelte zwölfjährige Sohn von Horst.

    ?Ja Schorsch. Das ist ein Bahnhof?, erklärt Horst.

    Horst fragte mich, ob ich ihn denn zum Bahnhof bringen könnte, vergaß aber zu erwähnen, dass die Abfahrtszeit seines Zuges um 06:30 Uhr stattfindet. Und da Horst ein überpünktliches Individuum ist, lungern wir seit einer Stunde hier rum.

    Durch meine bleierne Müdigkeit romantisch verklärt, versuche ich, Horst auf die Leute um uns herum aufmerksam zu machen.

    ?Bahnhöfe sind schon klasse. Menschen finden sich an diesem Ort ein, um in verschiedenste Richtungen voneinander wegtransportiert zu werden.?, erkläre ich.

    ?Papa, da ist eine Stimme. Ist das Gott??, fragt Schorsch.

    ?Nein Schorsch. Das ist ein Lautsprecher. Laut-Sprech-Er?, sagt Horst.

    ?Wesen von ungeheurer Stärke und Größe müssen unter der Erde sitzen, da ihre Stimmen so unglaublich laut sind, dass einem der Kopf explodieren würde, wären sie auf der Oberfläche?, versuche ich einen Erziehungsbeitrag zu leisten.

    Sofort materialisiert sich ein Fragezeichen auf Schorschs Stirn, und Horst blickt mich böse an.

    ?Du brauchst aber nicht zu warten bis der Zug kommt?, meint Horst.

    ?Ich weiß, aber die haben hier einen prima Kaffee?, antworte ich.

    Nun erzählt der Lautsprecher, dass die Bahn an sich sich mal wieder verspätet, was zur Folge hat, dass sich die Menschenansammlung am Bahnsteig zusammenrottet und Vergeltungsaktionen bespricht.

    ?Schau mal Papa. Die blöde Ziege frisst Steine?, plaudert Schorsch.

    ?Das ist keine Ziege, sondern ein Schaufelbagger, Schorsch?, erklärt Horst mit der stoischen Ruhe eines Mannes, der jede Hoffnung auf einen Funken Intelligenz aufgegeben hat.

    Zwei Schweizerinnen plazieren sich in unmittelbarer Nähe und reden lautstark in einer Sprache, die als solche kaum zu erkennen ist.

    Das erinnert Horst an seine Neuheimat. Er wohnt in einem inzestverseuchten Bergdorf, in dem sich die männliche Bevölkerung durch Grunzen verständigt. Grammatikalisch korrekt geformte Sätze verwirren, erstaunen, erschrecken und erzürnen die Einwohner. Deshalb ist Horst zu einem recht stillen Wesen mutiert. Um die Sprache nicht gänzlich zu verlieren, reist er alle drei Monate in eine beliebige Stadt, um der Konversation zu frönen.

    Was auch nicht leicht ist. Er braucht einige Zeit, um die erzwungene Maulfaulheit abzulegen, darf aber auch nicht zu lange verweilen, da er sonst das städtische Phänomen des gesprochenen Wortes in sein Bergdorf einschleppt und fürchterlich Prügel bezieht.

    Manchmal kommt Horst unvermittelt bei mir vorbei und beginnt einen Redeschwall, der meist erst nach vier Flaschen Wein morgens um fünf endet.

    Bei solchen Gelegenheiten erzählt er mit fassungslosem Erstaunen, dass ein und derselbe Grunzton sowohl ?Ich will ein Bier?, ?Ich muss kacken? und ?Ich will Sex? bedeuten kann.

    Der Zug hat mittlerweile dreißig Minuten Verspätung und der Bahnsteigmob streichelt dem Klischee entsprechend seine Waffen. Ich habe einen Kaffee in der Hand und sage:

    ?Gestalten verändern sich, während die Wahrnehmung dieselbe bleibt. Absurdes Theater, gleichermaßen ein Stück von Schiller, das ich nicht kenne.?

    ?Was??, fragt Horst.

    ?Ach nichts. Habe zuviel Kaffee getrunken. Schau mal. Da hat ein verzweifelter Artgenosse eine Wand missbraucht, um in bunten Buchstaben das Wort MASTURBATION zu sprühen?, sage ich.

    ?Und das in Kassel, was die Situation auch nicht gerade verbessert?, meint Horst.

    ?Was bedeutet Kassel??, fragt Schorsch.

    ?Kassel ist ein Musikinstrument, dass hohe fiepende Geräusche macht?, antworte ich, während Horst resignierend den Kopf schüttelt.

    ?Hallo. Ich bin Schaffner und führe eine Statistik?, meldet sich ein Bahnmitglied zu Wort.

    ?Ich bin ein Reisender, der schon lange weg sein müsste?, antwortet Horst.

    ?Ich trinke zuviel Kaffee?, sage ich.

    ?Also, ich habe hier einen Zettel, führe die Strichliste und stelle Fragen?, erklärt der Schaffner.

    ?Unprofessioneller Zettel?, sage ich.

    ?Provinzielle Strichliste?, sagt Horst.

    ?Musikinstrument?, sagt Schorsch.

    ?Na dann. Gute Reise noch?, meint der Schaffner angesäuert.

    ?Aber womit denn??, schreit Horst und beginnt zu weinen.

    ?Sehen sie, was sie angerichtet haben?, ermahne ich den Schaffner, der zu schrumpfen anfängt.

    Dann stürzt sich der Bahnsteigmob auf das Bahnwesen und tut seine Pflicht.

    Doch irgendwann taucht sogar der vermisste Zug auf und macht dem Spuk ein Ende. Der rasende Mob verwandelt sich in eine gesittet agierende Ansammlung von Reisenden, Horst grapscht sich Schorsch, erklärt ihm die Funktionsweise von Zugtüren und ich mache mich wieder auf den Weg nach Hause. Mit einem neuen Kaffee.

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