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  • Im Osten nichts Gutes

    geschrieben am 27. März 2013 von Gastautor

    Von Roberto De Lapuente

    Die Massen des Ostens waren stets die Furcht des Bürgers deutscher Landen. Die Tartaren waren es vor langer Zeit. Vor Jahrzehnten fürchtete man sich besonders vor den Ostjuden. Und die aktuelle Geschichte mit den Roma gleicht in vielen Facetten der Panik, die schon viele Jahre vor Hitler bezüglich dieser Ostjuden verbreitet wurde.

    Gleichzeitig sind die wirtschaftlichen Absichten, die man mit der Forcierung der Osterweiterung der Europäischen Union befriedigen wollte, schon in jenem berühmten Drang nach Osten historisch angelegt. Der Lebensraum, der dazumal begehrt war, benötigt heute keine territoriale Absteckung mehr, es reicht die Eingliederung in die Handelsbilanz, also die Definition als gemeinsamer Wirtschaftsraum.

    Insofern ist dieses Dilemma, das wir heute zwischen Zuzug von Menschen aus Osteuropa, speziell der Roma, und der willkommenen Handelszone in eben diesem Osten, kein Widerspruch dieser deutschen Gesellschaft, sondern nur die aktuelle Ausformung einer historischen Kontinuität.

    Diese geschichtliche Stetigkeit gipfelte einstmals darin, dass selbst die Jüdische Nationalunion 1933 ein Einreiseverbot für Ostjuden befürwortete. Nebenher warb man für die neue Regierung unter Hitler, die dieses Verbot selbstverständlich gleichfalls für existenziell erachtete. Schon zuvor haben sich jüdische Eliten bei etwaigen Reichskanzlern wegen des Zuzugs aschkenasischer Juden beschwert. So berichtet zumindest John Toland von der typisch deutschen Angst vor dem Osten. Noch mahnen Roma-Verbände den Rassismus an, mit dem man osteuropäische Roma hierzulande begrüßt. Die ersten Roma, die vor ihren „Geschwistern“ aus dem Osten warnen, werden sicher bald den Boulevard säumen.

    Der Osten, der aus deutscher Sicht gleich nach Deutschland beginnt, war zeitgleich eine Ferne, nach der man sich sehnte, obgleich die Menschen aus diesen Gefilden, wenn sie Deutschland zu nahe kamen, stets als eklige Gestalten galten. Osteuropa ist für das deutsche Bewusstsein nicht erst seitdem der Eiserne Vorhang aufgerollt wurde eine Region der Verschlagenheit. Nicht erst seither gelten Osteuropäer als gewalttätig und kriminell. Das ist deutsche Tradition, antislawische Folklore, die egalitär alles aus dem Osten, ob slawisch oder nicht, abkanzelt. Man meint geradezu, es gehöre zum deutschen Erfahrungsschatz, irgendwann mal schlechte Erlebnisse mit dem Osten gehabt haben zu müssen.

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    Unsere Mütter, unsere Väter

    geschrieben am 27. März 2013 von Stefan Sasse

    ein Gastbeitrag von Stefan Sasse

    Es ist das Fernsehereignis des Jahres, wenn man der Eigenwerbung von ZDF glauben darf: der monumentale Dreiteiler „Unsere Mütter, Unsere Väter“, 14 Millionen Euro schwer und ein Triumph des gebührenfinanzierten Fernsehens. Für deutsche Verhältnisse ist die Miniserie tatsächlich monumental, und für deutsche Verhältnisse ist sie sehr gut gelungen. So sehr einige Exponenten der Öffentlichkeit die Serie in den Himmel loben – etwa Frank Schirrmacher, der in ihr gar die letzte Gelegenheit für einen generationenübergreifenden Dialog erblickt, oder Christian Buß, der ins selbe vom ZDF bereitwillig hingehaltene Horn stößt – so sehr kritisieren andere, ob in taz, beim Kölner Stadtanzeiger oder im Cargo-Blog, für seine überzeichneten Klischees und die völlig anachronistischen Hauptfiguren, die von ihrer Mentalität her so gar nicht nach 1941 passen wollen. Um den Film aber bewerten zu können, muss ich eigentlich in zwei Rollen schlüpfen: die des Historikers, der versucht, die historische Faktentreue und Intepretation einzuordnen, und die des Filmkritikers, der die Serie aufgrund ihrer dramaturgischen Kriterien durchleuchtet. Denn eines wird beim Ansehen bewusst: das Projekt ist ambitioniert, wesentlich ambitionierter, als man es vom deutschen Geschichtsfernsehen gewohnt ist (siehe dazu auch mein Beitrag „Zum Elend des deutschen Geschichtsfernsehens„), und muss fast zwangsläufig an äußerst widerstreitenden Erwartungen und Zielrichtungen scheitern. Aber ein Ereignis ist es, eines, das man gesehen haben muss und das eine Zeitenwende im deutschen Geschichtsfernsehen einläuten könnte. Warum, wird im Folgenden zu zeigen sein. Bevor ich beginne, nur eine kurze Spoiler-Warnung: wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte das nun nachholen, denn ich werde Details aus der Geschichte verraten. Er ist etwa bei Amazon auf DVD und Blueray erhältlich.

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    Merkel und Hitler: Der böse Vergleich

    geschrieben am 26. März 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock

    Nur kurz war in der spanischen Tageszeitung „El País“ der Artikel des Ökonomie-Professors Juan Torres López zu lesen. Im Zuge seiner Analyse nannte dieser Angela Merkel in einem Atemzug mit Adolf Hitler und musste dafür so viel Kritik einstecken, dass die Zeitung den Artikel entfernte. Doch was hatte Juan Torres López eigentlich geschrieben?

    Dieser Tage geht es um Bestrafung. Das ist der Tenor, der aus Teilen Europas im Allgemeinen und aus Deutschland im Besonderen tönt. Angela Merkel und Wolfgang Schäuble greifen mit harter Hand durch und kommunizieren, dass die Länder, die in finanzielle Schieflage geraten sind, für ihre Handlungen bestraft werden müssen. Die Deutschen dürften nicht für die Verschwendung und die Verschuldung der krisengeschüttelten Länder herhalten, dafür seien die Menschen dort selbst verantwortlich. Strafe muss sein, so ist das eben, wenn man die falschen Entscheidungen trifft. So in etwa fasst Juan Torres López in seinem Artikel die deutsche Haltung zusammen, um dann seine These zu formulieren.

    Gezielte Ungleichheiten

    In den Augen des Professors war bereits die Einführung des Euros der Beginn einer asymmetrischen Einheitswährung, die dazu beitrug, die bestehenden Ungleichheiten immer weiter zu vergrößern. Das Prinzip, das darauf beruhe, ganze Sektionen im Süden durch große Unternehmen des Nordens einzuverleiben, führte laut Torres López zu einer wachsenden Verschuldung der südlichen Länder. Unter anderem die deutschen Banken verteilten fast wahllos Geld, um üppige Gewinne einzufahren. Sie würden nun geschützt, es gehe nicht um die Rettung der Krisenländer, sondern um die Rettung der Banken, die dort verbrannte Erde zurückgelassen haben, als die Situation ernst wurde. Während die Gelder wieder abgezogen wurden, blieb die Schuldenlast bestehen und trieb die betroffenen Länder immer tiefer in die Krise, schreibt Torres López. Den Artikel weiterlesen »

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    Der Mindestlohn, Eucken und Krumreys krumme Argumente

    geschrieben am 26. März 2013 von Gastautor

    von Thomas Trares*

    Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht unterstellt heutigen Liberalen neuerdings, so gut wie gar nichts mehr mit der ursprünglichen Idee der Sozialen Marktwirtschaft gemein zu haben. Die Position Henning Krumreys in der jüngsten Mindestlohn-Debatte ist ein eindrucksvoller Beleg für diese These. In seinem wdr5-Beitrag „Gesetzlicher Mindestlohn? Bitte nicht!“ vertritt der stellvertretende Chefredakteur der „WirtschaftsWoche“ Ansichten, denen selbst der Ordoliberale Walter Eucken, einer der geistigen Väter der Sozialen Marktwirtschaft, nicht zustimmen würde. So glaubt Krumrey, dass der Arbeitsmarkt genauso funktioniert wie jeder andere Markt auch, weswegen ein Mindestlohn nicht nur wirkungslos, sondern auch überflüssig sei. Und obendrein hält er einen gesetzlichen Mindestlohn auch noch für einen Angriff auf den Grundsatz der Vertragsfreiheit.

    Aufschluss über Krumreys Arbeitsmarktverständnis gibt vor allem dieser Satz:

    „Dass ein Mindestlohn tatsächlich in der richtigen Höhe läge, wäre reine Glückssache. Meist wird es anders sein: Ist er zu niedrig angesetzt, verpufft die Wirkung. Ist er zu hoch, kostet er Arbeitsplätze.“

    Solche Sätze hört man gewöhnlich von sogenannten Kartoffelmarkt-Ökonomen. Diese unterstellen, dass, analog zum Kartoffelmarkt**, wo der Kartoffelpreis Angebot und Nachfrage aneinander angleicht, auch auf dem Arbeitsmarkt einzig der Lohn über das Beschäftigungsniveau entscheidet. Um Arbeitslosigkeit zu beseitigen, muss also der Lohn nur niedrig genug sein. Damit einher geht die Annahme vollständiger Konkurrenz. Arbeitgeber und Arbeitnehmer begegnen sich dabei prinzipiell auf Augenhöhe und handeln in fairen Verhandlungen die Löhne aus.

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    „Absolute Mehrheit“: Unsinn muss sich wieder lohnen

    geschrieben am 25. März 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock

    Was war das doch für eine illustre Runde, die sich da am 24. März bei Stefan Raab versammelt hatte, um die „Absolute Mehrheit“ zu erkämpfen! Der Gastgeber verglich die Qualität seiner Stars gar mit der Besetzung von „Star Wars“. Das Drehbuch war allerdings deutlich niveauloser. Die Moderation sowieso.

    Das waren Gäste, nach denen man sich die Finger leckt: Heinz Buschkowsky (SPD), Jens Spahn (CDU), Boris Palmer (Bündnis ´90/Die Grünen), Caren Lay (DIE LINKE.) und Rapper Sido sprachen über die Themen „Legalize it?“, „Wahlrecht ab 16“ und „Millionen für Manager?“. Schon die Vorstellungsrunde lieferte spannende Fragen wie die, wer in der Runde schon mal gekifft hätte. Der Grüne Boris Palmer hob als einziger nicht die Hand und musste sich daraufhin Raabs grenzenlos originellen Kommentar anhören: „Sie haben noch nie gekifft? Ihre Partei ist doch beim Kiffen entstanden!“ Lacher, Schenkelklopfer!
    Weiter ging es mit der aufregenden Fragestellung, wen Sido wählen würde. Wollte der aber nicht sagen, konnte er auch nicht sagen, hätte er sich noch nicht überlegt. Aber nicht die CDU, das stehe fest. Als Sido dann wissen wollte, ob denn gerade Wahl sei, tat Raab das als Witz ab. Aber war das so? Wir werden es wohl nie erfahren. Ist aber eigentlich auch egal.

    And the Winner is …

    … Sido! Ja, genau, der coole Rapper, der früher immer mit Maske rumlief und diese inzwischen gegen einen Vollbart getauscht hat („Guck ich seriös genug?“). Zu sagen hatte er natürlich auch etwas. Zum Beispiel: „Ich bin dafür, dass es für Gras gewisse Regeln gibt“. Oha! Oder zum Thema Wahlen mit 16: „Ich würde ja sagen, dass es überhaupt kein Mindestalter gibt. Man geht nicht wählen, ohne dass man sich Gedanken gemacht hat.“ Interessant, und er hat ja selbst noch Zeit, damit zu beginnen. Zu überzogenen Managergehältern fiel dem klugen Rapper ebenfalls etwas ein: „Fleißige Leute sollten auch besser bezahlt werden“ Keine Frage, Sido hat sich die 300.000 Euro redlich verdient. Den Artikel weiterlesen »

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