Direkt zum Inhalt

  • Suchen

  • RSS Feeds

  • Letzte Kommentare

  • Berger vs. Sasse – Meinungspluralität auch für Blogs? Teil II

    geschrieben am 29. September 2011 von Jens Berger

    Dieser Artikel ist eine Erwiderung zu Stephan Sasses Artikel “Vernetzung und Information heute”.

    Mit Bloggerblumen gegen Medienpanzer

    von Jens Berger

    Wer denkt, die Massenmedien würden durch ihre Simulation von Meinungspluralität tatsächlich auf die Gegenöffentlichkeit eingehen, irrt gewaltig. Der Siegeszug des Internets und der sozialen Netzwerke ist am ehesten mit der Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen. Vor Gutenbergs revolutionärer Entwicklung besaß die katholische Kirche de facto das Monopol für gedrucktes Wissen. Dank der Buchdrucktechnik konnte fortan jedermann, der genug Geld hatte, sein Wissen und seine Meinung verbreiten, um den kostenaufwändigen Druck eines Buches oder einer Zeitung zu finanzieren. Erst das Netz demokratisierte die Publizistik, in dem es wirklich jedermann die Möglichkeit verschaffte, andere Menschen an seinen Gedanken in schriftlicher oder audiovisueller Form teilhaben zu lassen. Dass die finanzstarken Massenmedien den Verlust ihres Meinungsmonopols nicht einfach so hinnehmen würden, war klar – sie hatten schließlich aus den Fehlern der katholischen Kirche gelernt.

    Von daher überrascht es keineswegs, dass die Massenmedien versuchen, sich durch die Simulation der Leserpartizipation und des Zulassens von Meinungspluralität einen aufklärerischen, modernen Anstrich zu verpassen. Ein marodes Haus, dessen Fundament bröckelt, bleibt jedoch auch dann marode, wenn man ihm neue bunt gestrichene Fensterläden verpasst. Blickt man hinter die Kulissen, stellen sich die „Modernisierungsmaßnahmen“ der Massenmedien schnell als potemkinsche Dörfer dar.

    Nehmen wir doch einmal das besucherstärkste Onlinemedium als Beispiel. Sicher, SPIEGEL Online hat sich durch seine neue Rubrik „Die Kolumnisten“ den Anstrich eines Mediums gegeben, das Meinungspluralität zulässt. Aber wie weit geht diese „Meinungspluralität“? Georg Dietz und Sibylle Berg schreiben über „weiche Themen“, ihre Kolumnen schrammen hart an der Grenze zur Belanglosigkeit vorbei und reihen sich damit mühelos in den „Panorama-Teil“ des Mediums ein. Auf so etwas muss man nicht näher eingehen. Sascha Lobos Kolumne ist zweifelsohne interessant – da aber eigentlich niemand, der sie überhaupt versteht, je großartig anderer Meinung als Lobo war oder ist, hält sich die aufklärerische Wirkung ohnehin in Grenzen, zumal sein Themenspektrum auch eng umrissen ist und allenfalls von „Netzjunkies“ als „hartes Thema“ verstanden wird. Bleiben Jan Fleischhauer und Jakob Augstein.

    Den Artikel weiterlesen »

    418 Kommentare

    Berger vs. Sasse – Meinungspluralität auch für Blogs? Teil I

    geschrieben am 29. September 2011 von Jens Berger

    Vernetzung und Information heute

    von Stefan Sasse

    In seiner aktuellen Kolumne im Spiegel stellt Sascha Lobo eine bemerkenswerte Behauptung auf: Facebook sei nur das Symptom eines um sich greifenden Trends, die Privatsphäre neu zu definieren und Informationen aller Art zu verknüpfen und öffentlich zu machen. Er postuliert eine Umkehrung bisheriger Paradigmen: nicht mehr alles, was nicht öffentlich ist sei privat, sondern alles was sei öffentlich, was nicht explizit als privat markiert wird. Das bedeutet, dass wenn man Facebook einfach aus der Welt entfernte (meinetwegen mit einem Schwung von Gandalfs Zauberstab), sich an der Entwicklung selbst nichts ändern würde. Ich stimme dieser Ansicht zu, aber von ihr ausgehend erscheint mir etwas völlig anderes bedeutsam: Menschen verknüpfen mehr und mehr Informationen zu ihrem eigenen, individuellen und sehr persönlichen Netz. Die Funktion ist gerade auch das tägliche Zurechtfinden im Internet. Beispiel gefällig? Man liest einige Blogs regelmäßig, darunter die NachDenkSeiten, und nutzt deren Hinweise des Tages als Hauptquelle der Orientierung im Nachrichtendschungel.

    Dieses Verhalten lässt sich natürlich beliebig verkomplizieren. Auf Facebook teilt man mit gleichgesinnten Links zu Artikeln, man hat vielleicht bestimmte Twitter-Feeds mit entsprechenden Hinweisen abonniert und einen mehr oder minder gut ausgebauten Feedreader. Das Resultat aber bleibt sich gleich: eine vergleichsweise stark gefilterte Auswahl an Artikeln, die den Präferenzen des Lesers entspricht. Trotz oder gerade wegen des relativ großen Angebots an Meinungsseiten im Internet tritt so eine Fragmentierung ein. Der Anstoß hierfür kam, das soll nicht verhehlt werden, von den traditionellen Medien selbst: ihre vollkommen unkritische Jubelstimmung während der Agendazeit, in der eine stromlinienförmige Ausrichtung praktisch aller Redaktionen am neoliberalen Reformmainstream erfolgte, provozierte eine Gegenreaktion, die in den NachDenkSeiten ihren wohl bekanntesten Ausdruck fand. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass Albrecht Müller einer, wenn nicht der Gründervater der “Gegenöffentlichkeit” war.

    Den Artikel weiterlesen »

    4 Kommentare

    Ein Spekulant erschüttert das Netz

    geschrieben am 28. September 2011 von Jens Berger

    Was Alessio Rastani da in Börsenberichterstattung der altehrwürdigen BBC vom Stapel ließ, ist schon ganz schön starker Tobak. Ein “unabhängiger Börsenhändler”, der von der Rezession träumt, weil sinkende Börsenkurse eine unglaubliche Gelegenheit seien, Geld zu machen und der statuiert, dass nicht die Regierungen, sondern Goldman Sachs die Welt regiert – auf so etwas hat das Netz gewartet. Da überrascht es auch nicht, dass Rastani binnen weniger Stunden zu einem YouTube-Star wurde. Rastani als neuer Gary Brolsma? So einfach ist es nicht, spricht Rastani doch das aus, was die “Masters of the Universe” in ihren schicken Büros in Canary Wharf, der Wall Street und dem Frankfurter Börsendistrikt denken.

    Seine kruden Thesen hat Rastani auch in seinem Blog dokumentiert. Die Frage, die sich jedoch stellt, ist, ob Rastani nun ein durchgeknallter, aber ehrlicher, Finanzhai, oder eher ein Spaßvogel ist, der die Finanzwelt vorführen wollte. Recherchen des Telegraph weisen darauf hin, dass es sich wohl um eine Mischung aus Beidem handelt. Rastani ist ein kleiner und ziemlich erfolgloser Hobbyspekulant, der sich jedoch zweifelsohne berufen fühlt, die Lektionen, die Spekulanten eingetrichtert werden, offensiv zu verbreiten. Damit ist er wohl der beste denkbare Sprecher für eine durch und durch widerwärtige Branche – ein kleines Licht, das sagt, was es denkt und sich dabei nicht hinter einstudierten Phrasen versteckt.

    P.s.: Ein guter Bericht über Alessio Rastani ist im Sydney Morning Herald zu lesen.

    Jens Berger

    112 Kommentare

    Regierungs-PR und Pseudojournalismus auf Kosten der Gebührenzahler

    geschrieben am 27. September 2011 von Jens Berger

    Als der CNN-Mann Peter Arnett im Jahre 1997 als erster westlicher Journalist den Terrorfürsten Osama Bin Laden interviewen durfte, musste er zuvor seine Fragen schriftlich vorlegen. Um unangenehme Nachfragen zu verhindern, sorgte bin Ladens PR-Abteilung dafür, dass während des gesamten Interviews kein Dolmetscher vor Ort war. So kam es, dass Arnett das Interview seines Lebens führte, ohne zu verstehen, was sein Gegenüber sagte und ohne dass er in der Lage gewesen wäre, an interessanten Punkten nachzuhaken. Da hatte es Günther Jauch an diesem Sonntag mit Angela Merkel schon bedeutend einfacher, immerhin sprechen sie beide die gleiche Sprache. Dennoch machte Jauch von seinem Recht, Nachfragen zu stellen und an interessanten und kontroversen Punkten nachzuhaken, keinen Gebrauch. Jauch fühlte sich offensichtlich wie Arnett gebauchpinselt, dass er ein 60-minütiges Exklusivinterview mit einer Person führen durfte, die ansonsten keine Exklusivinterviews gibt. So verkam die Sendung zu einer faden PR-Veranstaltung für die Bundeskanzlerin und markierte dabei einen neuen Tiefpunkt im öffentlich-rechtlichen Reigen der journalistischen Minderleistungen.

    Diese Politfiguren dürfen dann in den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Illner ihre Sprechblasen entleeren. Und wenn bei der intellektuellen Notdurft noch was nachtröpfelt, dann können sie sich bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne unter das Volk mischen.
    Georg Schramm

    PR beim Grüßaugust

    Wenn sich die Kanzlerin dazu entschließt, eine Talk-Show durch ihre exklusive Anwesenheit zu adeln, verbindet sie dies stets mit einem ganz konkreten Ziel. Ihre beiden letzten Exklusivauftritte bei Anne Will und Maybrit Illner liegen nun bereits zwei Jahre zurück und waren fester Bestandteil in Merkels PR-Offensive im Superwahljahr 2009. Dass Will und Illner nicht über höfliche Belanglosigkeiten und artig vorgelesene Steilvorlagen für die Wahlkämpferin hinauskamen, konnte damals wie heute Kenner der Materie nicht wirklich überraschen. Die großen Abendtalkshows der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zeichnen sich seit jeher durch ihre bedingungslose Kritiklosigkeit an den Mächtigen aus und ihre kärtchenhaltenden Impresarios gefallen sich offenbar gut in der Rolle des netten Grüßaugusts.

    Weilter auf den NachDenkSeiten

    136 Kommentare

    Da geht er hin…

    geschrieben am 26. September 2011 von Thorsten Beermann

    ein Gastartikel von Thorsten Beermann

    Der Papst war da. Wer die letzten zwei Wochen nicht in einer Höhle ohne Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet verbracht hat, kann das kaum übersehen haben. Bereits im Vorfeld versuchten die Medien nahezu unisono eine nationale Begeisterung herbei zu schreiben und sämtliche Kritiker (besonders die Bundestagsabgeordneten, die angekündigt hatten, der Rede fern zu bleiben) als Querulanten und Miesmacher darzustellen. Im Nachhall mehren sich langsam die kritischen Stimmen. Die allerdings kommen überwiegend von Gastautoren. In den Redaktionen und von den regelmäßigen Kolumnenschreibern wird mindestens ebenso emsig versucht, ein positives Fazit der Visite zu ziehen, auch wenn Ratzinger genau das Gegenteil von dem von sich gegeben hat, was die Menschen hören wollten und was ihrer Lebenswirklichkeit entsprochen hätte. Man muss ihm, um es mit ihm aufzunehmen, nicht mal die Missbrauchsfälle vorwerfen, auch wenn man es könnte, da seine Beteiligung an der Vertuschung mittlerweile als gesichert angesehen werden kann. Nein, an dieser Stelle sollen tatsächlich nur die Inhalte durchleuchtet werden. Wie könnte ein ehrliches Fazit dieses Besuchs ausfallen?

    Schöne Bilder, doch was steckt dahinter?

    Die Bilder der Andachten in Berlin und Freiburg sind, je nach Standpunkt, Dokumente wunderbarere religiöser Eintracht oder fürchterlicher Indoktrination junger Menschen. Die Befürworter von Papst und Besuch sehen allein in den Besucherzahlen schon einen Beleg der Notwendigkeit von Religion und Kirche allgemein und eine Zustimmung zu diesem Papst und seinen Inhalten im Besonderen. Das wäre allerdings in etwa so, als würde man anhand der Verkaufszahlen nachweisen wollen, dass Britney Spears eine überdurchschnittlich begabte Musikerin ist.

    Näher an der Wahrheit dürfte sein, dass der Großteil der schon anlässlich des Weltjugendtages 2005 zur „Generation Benedikt“ erklärten Jugendlichen, so weit sie ihrem Oberhaupt überhaupt ernsthaft zugehört haben sollen, im Alltag (zum Glück) wenig bis keine Bedeutung beimisst. Der Papstbesuch ist ein Event, ein Feiern einer gemeinsamen (Sub-) Kultur und das bestätigen einer gemeinsamen Identität oder zumindest eines Identitätsaspekts, wie auf einem Rockfestival oder einer Sport-Großereignis. Alle diese Erlebnisse mögen einem ein paar Tage frischen Schwung geben, doch letztendlich kehrt man zurück in sein normales Leben und hängt das Pilgergewand genau so in den Schrank zurück wie das Bandshirt oder den Fanschal.
    Den Artikel weiterlesen »

    119 Kommentare

    Seite 160 von 179« Erste...1020...159160161162...170...Letzte »