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  • Machtlosigkeit im Alltag: Vom DSL-Anschluss bis zur Massenüberwachung

    geschrieben am 11. Juni 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
    Gustave_Courbet_auto-retratoFoto: wikipedia

    Wie viel Einfluss haben wir? Auf das große Ganze und die kleinen Dinge des Alltags. Haben wir überhaupt etwas zu sagen oder sind wir dazu verdonnert, brav alle vier Jahre unser Kreuz zu machen? Nur, um dann festzustellen, dass das sowieso nichts bringt.

    Montag, 7.40 Uhr:
    Die Woche fängt brisant an. Unser Router benimmt sich merkwürdig. Eine der Leuchten blinkt. Das ist kein gutes Zeichen. Und tatsächlich, wir kommen nicht ins Netz, das Telefon funktioniert auch nicht. Der Versuch, die Reset-Taste zu betätigen, ist ebenso erfolglos wie das kurzzeitige Ziehen des Steckers. Auch der komplette Neustart durch das Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen scheitert. Das Blinken bleibt. Jetzt kommt das, was man keinesfalls will, schon gar nicht an einem Montag: die Technik-Hotline unseres Telefonanbieters.
    Zunächst geht alles ganz schnell. Ohne ein Freizeichen sagt mir sofort eine Frauenstimme, dass sie eben meine Daten prüfen muss. Sie fragt, ob das Problem von dem Anschluss ausgeht, den sie gerade erkannt hat. Ich sage „Ja“ und muss noch ein paar andere Fragen beantworten – was mir teilweise die Entgegnung einbringt, leider nicht verstanden worden zu sein. Als ich endlich alles geschafft habe, wird mir versprochen, mich so schnell wie möglich mit dem nächsten freien Mitarbeiter durchzustellen. Eine Viertelstunde später ist es dann soweit. Ich spreche mit Herrn Lohmann. Mehr als seinen Namen kenne ich nicht. Er weiß aber schon eine ganze Menge über mich. Es beginnt der Versuch einer Problemlösung, die ich nicht nachvollziehen kann. Den Artikel weiterlesen »

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    Schafft die Fifa ab! (1/3)

    geschrieben am 10. Juni 2014 von Jens Berger

    Wenn am Donnerstag in Brasilien die XX. Fußballweltmeisterschafft angepfiffen wird, geht es um weit mehr als Fußball. Die international wohl meistbeachtete Sportveranstaltung ist über die Jahre zu einem Milliardengeschäft herangewachsen. Alleine die exklusiven Sponsoren- und TV-Übertragungsrechte für die WM in Brasilien sollen nicht weniger als fünf Milliarden Dollar einbringen. Das Veranstalterland, dem die gesamten Kosten für die WM aufgebürdet werden, bleibt bei diesem sagenhaften Geldregen jedoch außen vor. Größter Profiteur des Fußball-Spektakels ist vielmehr der Weltfußballverband Fifa – ein nach Gutsherrenart geführter Funktionärszirkel, der als Inbegriff der Korruption gelten kann. Das hat die schönste Nebensache der Welt nicht verdient.

    Dieser Artikel ist der Auftakt einer dreiteiligen Mini-Serie zur Fußball WM in Brasilien. Im morgen erscheinenden zweiten Teil wird die WM-Vergabe nach Katar im Mittelpunkt stehen und im übermorgen erscheinenden dritten Teil geht es vor allem um Brasilien.

    Die Fifa ist ein Verband der Superlative. In ihr sind 209 nationale Fußballverbände organisiert, die mehr als 300 Millionen aktive Sportler vertreten. Damit sind in der Fifa mehr Nationen vertreten als in der UNO. Anders als die UNO ist die Fifa jedoch mehr als ein internationales Gremium. Die Fifa hat sich über die letzten Jahrzehnte, getragen von immer höheren Sponsorenverträgen und immer teureren TV-Übertragungsrechten zu einem Konzern mit Milliardenumsätzen entwickelt. Durchschnittlich erzielt die Fifa einen Jahresumsatz von mehr als 1,3 Milliarden Dollar – nicht schlecht für einen Verein, der als gemeinnützig und nicht gewinnorientiert gilt.

    Eine ehrenwerte Familie

    Die Fifa ist heute ein Konzern, in dem ein 25köpfiges Gremium, das Fifa-Exekutivkomitee, sämtliche maßgeblichen Entscheidungen trifft. Eine ehrenwerte Familie, die den sprichwörtlichen Familien Siziliens und Kalabriens in vielen Punkten gleicht und die vom obersten Paten Sepp Blatter nach bester Gutsherrenart geführt wird. Dabei ist die Fifa oberflächlich betrachtet geradezu ein Hort der Demokratie. In den Fifa-Gremien haben die Fußballverbände von Zwergstaaten wie Ost-Timor oder die Cayman-Islands die gleiche Stimmzahl wie die großen und traditionsreichen Verbände Englands (FA) und Deutschlands (DFB) – ein Umstand, der Schmiergeldzahlungen und Mauscheleien jeder Art nicht gerade abträglich ist, denn die Vertreter exotischer Miniverbände sind oft schon für wenige Tausend Dollar zu kaufen.

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    Wenn “ein Führer spricht” …

    geschrieben am 05. Juni 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
    leander sukov 2

    Der Schriftsteller und Autor Leander Sukov hat sich Gedanken über einen “Führer” gemacht und diese in Form eines Gedichtes artikuliert. Ich hatte die Ehre, dieses Gedicht vertonen zu dürfen.

    Sukov hat sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch zu den Machern der Mahnwachen geäußert. In seinem Gedicht greift er Äußerungen auf, die ihn besonders beschäftigt haben. Ich stelle dieses Gedicht in einen Zusammenhang mit meinem Artikel “Die Welle 2.0 – von der Sehnsucht nach Manipulation”.

    Hier das schon jetzt viel diskutierte Ergebnis:

    Sukov Startbild

    341 Kommentare

    Die Welle 2.0 – von der Sehnsucht nach Manipulation

    geschrieben am 03. Juni 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
    Bizarre-Photomanipulation-Self-Portrait-08Foto: boostinspiration

    Sind die Deutschen leicht zu manipulieren? In Anbetracht ihrer Geschichte sollte man meinen, dass in Deutschland Manipulierer einen besonders schweren Stand haben. Doch Skepsis und Zurückhaltung werden schnell weggewischt, sobald an den richtigen Schrauben gedreht wird.

    In dem deutschen Filmdrama „Die Welle“ von Dennis Gansel aus dem Jahr 2008 geht es um ein Experiment, das ein Lehrer mit seiner Klasse durchführt. Im Rahmen einer Projektwoche mit dem Titel „Staatsformen“ will der ehemalige Hausbesetzer, der sich von seinen Schülern gern duzen lässt, eigentlich mit seinen Jungs und Mädels über Anarchie sprechen. Zugeteilt von der Schulleitung bekommt er stattdessen das Thema Autokratie. Lehrer und Schülern sind wenig begeistert und fürchten, dass nun wieder einmal der Nationalsozialismus aufgerollt wird. Der ist aber lange her und niemand kann ernsthaft die Gefahr erkennen, dass so etwas Grauenvolles wie eine Diktatur in der modernen Welt von heute noch einmal auf fruchtbaren Boden fallen könnte. Die waren bescheuert, die Menschen damals, so der Tenor. Den Artikel weiterlesen »

    121 Kommentare

    Nach der Europawahl – Vorhang auf zum Laienspiel

    geschrieben am 02. Juni 2014 von Jens Berger

    Eine Woche nach der Europawahl herrscht in den Kommentarspalten und Feuilletons der Republik wohl konditionierte Aufregung. Dabei wird die Personalie des künftigen Kommissionspräsidenten zur Gretchenfrage der europäischen Demokratie stilisiert. „Weiter so!“ heißt offenbar die Devise, die selbst von vermeintlichen Kritikern des Merkelschen Demokratieverständnisses ausgerufen wird.

    Jürgen Habermas mahnt in einem Interview mit der FAZ, es sei ein „Angriff auf die Demokratie“, wenn die Regierungschefs bei der Wahl des Kommissionspräsidenten das Wählervotum missachten würden. Rolf-Dieter Krause, Chef des ARD-Studios in Brüssel, bezeichnet Merkels Linie bei dieser Personalfrage gar als „Dummheit“
    . Was nach harter Kritik klingt, ist bei näherer Betrachtung jedoch eine lupenreine Spiegelfechterei.

    1. Juncker vs. Schulz

    Sogar der ansonsten vergleichsweise kritische Jürgen Habermas postuliert in der FAZ, dass der Wähler erstmals eine „europaweit erkennbare [und] grundsätzliche Alternative“ zwischen den beiden Spitzenkandidaten der großen politischen Blöcke gehabt hätte. Ist das wirklich sein Ernst? Sowohl Juncker als auch Schulz sind als ehemaliger Eurogruppenchef bzw. amtierender Präsident des Europaparlaments integraler Bestandteil der EU-Nomenklatura. In nahezu allen grundsätzlichen Fragen haben Juncker und Schulz keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten, wie nicht zuletzt die einschläfernden „TV-Duelle“ im Vorfeld der Wahl aufs Neue zeigten. Sowohl Juncker als auch Schulz würden als Kommissionspräsident den aus Berlin vorgegebenen Kurs tragen, ja sogar offensiv verteidigen. Wer die Wahl zwischen Juncker und Schulz zu einer echten Wahl für politische Alternative stilisiert, verteidigt damit den Status Quo.

    2. Juncker als Fanal der Demokratie

    Es ist geradezu lächerlich, wenn ausgerechnet Jean-Claude Juncker als Fanal der Demokratie dargestellt wird. Unter einem Kommissionspräsidenten Juncker würde sich die EU genau so reformieren, wie die Sowjetunion unter Konstantin Tschernenko. Juncker hat in der Vergangenheit sämtliche politischen Fehler der EU im besten Falle mitgetragen und im schlimmsten Falle aktiv mitverantwortet. Juncker ist der oberste Vertreter der Bankeninteressen auf europäischer Ebene, der als Eurogruppenchef stets das „luxemburgische Geschäftsmodell“ (Finanzmarktliberalisierung und Steuerdumping) mit Zähnen und Klauen verteidigt hat. Als Stimme einer demokratischen EU ist Juncker bis zu seiner Nominierung jedenfalls nie in Erscheinung getreten. Nur weil Jean-Claude Juncker womöglich die Mehrheit der EU-Parlamentarier hinter sich vereinigen kann, heißt dies noch lange nicht, dass die EU dadurch wesentlich demokratischer würde. Dies wäre erst dann der Fall, wenn das Europaparlament echte parlamentarische Rechte bekommt.

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