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13. Dezember 2009 von Spiegelfechter
Nicht Gold oder Aktien, sondern Knoblauch war im letzten Jahr die renditeträchtigste Anlage im Reich der Mitte ? die Schweinegrippe macht’s möglich
Shao Mingqing ist ein chinesischer Held. Der 22jährige aus der Provinz Shandong hatte im September den richtigen Riecher. Er lieh sich Geld und kaufte davon auf dem Großmarkt 100 Tonnen Knoblauch. Einen Monat später verkaufte er die edlen Knollen zu mehr als dem doppelten Preis. Vom Gewinn seiner Knoblauch-Spekulation erfüllte sich der arbeitslose Shao nun einen Traum ? einen neuen Toyota. Doch im Vergleich zu den Großen im Geschäft ist Shao nur ein kleiner Fisch. Spekulanten aus der Immobilienbranche karren täglich mit dem LKW ganze Ernten an Knoblauch von einem Lagerhaus in das nächste. Das Angebot ist knapp, die Nachfrage riesig. Der Durchschnittspreis für Knoblauch hat sich in China binnen eines Jahres verfünfzigfacht ? von 0,15 Yuan (rund 1,5 Cent) auf 8 Yuan (rund 80 Cent) pro Kilogramm. In Hangzhou ist Knoblauch mit 14 Yuan (rund 1,40 Euro) pro Kilo bereits teurer als Schweinefleisch, das in China immer noch als Luxusspeise gilt. Einige Spekulanten hat der Knoblauch im wahrsten Sinne des Wortes stinkreich gemacht.
Auf China entfallen rund 80% der weltweiten Knoblauchernte und rund 90% des Welthandels. Knoblauch gilt in China allerdings nicht nur als schmackhaftes Lebensmittel, sondern er wird in der traditionellen chinesischen Medizin auch als Prophylaxe gegen Erkältungen und Grippe eingesetzt. Da auch in China nicht nur die Schweinegrippe, sondern vor allem die Schweinegrippe-Hysterie grassiert, ist die Nachfrage nach Knoblauch gewaltig. Ganze Schulen bestellen säckeweise Knoblauch, um ihre Schüler auf diese Art und Weise vor dem Virus zu schützen. Mehrfache Presseerklärungen von offizieller Seite, in denen die prophylaktische Wirkung von Knoblauch bestritten und das Volk stattdessen zur Impfung aufgerufen wird, verhallten meist ungehört. Die Segnungen der modernen Medizin werden vielerorts immer noch kritisch beäugt, schließlich ist man mit Maos “Barfußärzten” und ihrer Mischung aus Naturheilkunde und tradiertem Aberglauben aufgewachsen. Knoblauch gilt jedoch nicht nur in China als Wundermittel gegen die Schweinegrippe. Länder wie Südkorea und Japan, die noch im letzten Jahr durch hohe Handelshürden chinesische Knoblauchimporte verhindert haben, können die erhöhte Nachfrage nicht mehr decken und importieren in diesem Jahr große Mengen aus China. Aber auch in Europa “bekämpft” man die Schweinegrippe mit Knoblauch. Das moldawische Verteidigungsministerium lässt an seine Soldaten Extrarationen Knoblauch und Zwiebeln als Schweinegrippe-Prophylaxe austeilen und auch in der Ukraine und in Serbien ist die Knolle als Heilmittel sehr beliebt. In Belgrad ist sie sogar so beliebt, dass auch dort die Marktpreise bereits kräftig anzogen.
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10. Dezember 2009 von Spiegelfechter
Die Rettung des Blauen Planeten steckt in ernsten Schwierigkeiten. Zwar befindet sich der historische Klimagipfel von Kopenhagen noch in der ersten Halbzeit, aber schon prallen die unterschiedlichen Interessengruppen derart hart aufeinander, dass das gemeinsame Tischtuch zerschnitten scheint. Grund dafür ist ein durchgesickerter Vorabentwurf des Abschlusskommuniques aus der Feder amerikanischer, britischer und dänischer Unterhändler, genannt das “Dänische Papier”, der gestern vom Guardian veröffentlicht wurde. Die Aufregung war groß ? vor allem beim Sudanesen Lumumba Stanislaus Di-Aping. Der Mann mit dem lyrischen Namen ist Sprecher der G77, in der die Entwicklungsländer plus China vertreten sind, und schrie erwartungsgemäß Zeter und Mordio, denn im “Dänischen Papier” werden auch die Entwicklungsländer angehalten, CO2-Emissionen zumindest langfristig zu senken. Doch die G77 sollten lieber den Ball flachhalten ? ohne verbindliche Reduktionsziele für die G77-Mitglieder China, Indien, Brasilien und Südafrika wäre der gesamte Kopenhagen-Prozess eine sinnlose Farce.
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09. Dezember 2009 von Spiegelfechter
Was sind die BOBs? BOB steht für “Best of the Blogs” und ist ein internationaler Medienpreis, der seit 2004 jährlich von der Deutschen Welle vergeben wird. Die BOBs sind der größte Online-Award weltweit und gelten als “Blog-Oscar”. Bei den BOBs werden internationale Blogs sowohl in den elf Wettbewerbssprachen, als auch in fünf Sonderkategorien ausgezeichnet. Die Wettbewerbssprachen sind Arabisch, Bengali, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Indonesisch, Farsi, Französisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch ? damit decken die BOBs einen Großteil der weltweiten Blogosphäre ab. Sinn und Zweck der Preisverleihung ist es, die verschiedenen Blogosphären miteinander bekannt zu machen und außergewöhnliche Projekte einem internationalen Publikum vorzustellen. BOB-Gewinner sollten daher nicht unbedingt die “üblichen Verdächtigen” aus den Blogcharts sein, sondern gerne auch innovative Projekte, die mit Herzblut und Verve betrieben werden und (noch) nicht zu den bekannten Blogs zählen.
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09. Dezember 2009 von Spiegelfechter
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08. Dezember 2009 von Spiegelfechter
Die Bundesregierung will den Hinterbliebenen des Luftangriffs von Kundus angeblich drei Millionen Euro Schadensersatz zahlen ? 16.850 Euro pro getöteten Afghanen*, weniger als die Reparatur einer defekten Panzerkette. Was ist ein Menschenleben eigentlich wert? Unendlich viel, der Wert eines Menschenlebens lässt sich nicht in barer Münze aufwiegen. Diese ethisch vollkommen korrekte Aussage nutzt den Hinterbliebenen von Gewalttaten aber nichts. Um diejenigen, die ein Menschenleben grob fahrlässig oder gar vorsätzlich ausgelöscht haben, auch materiell haftbar zu machen, ist es daher unumgänglich, Schadensersatzzahlungen zu beziffern. Dies gilt besonders für das Militär. Da in einem Krieg immer auch unschuldige Zivilisten ums Leben kommen, müssen sich im internationalen Recht endlich verbindliche Standards durchsetzen, wie die Hinterbliebenen von unschuldigen Opfern der Militärs entschädigt werden sollen. Der Status Quo gleicht nämlich eher einer Mischung aus Zynismus und Anmaßung ? der Wert eines Menschenlebens wird vor allem aus dem Gesichtspunkt der Public Relations bemessen.